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Der Wille

Hello, Freunde des Willens,

Merkel, kurz vor ihrer Krönung zur europäischen Queen, plauderte zwei Urgeheimnisse ihrer royalen Herrschaft wie beiläufig aus:

1) Wo mein Wille ist, da ist auch mein Weg.

Wo ein anderer Wille ist, da ist kein Weg.

Wo ein anderer Wille meinen Willen nicht will, der will keinen Weg.

Wer meinen Weg nicht will, weil er meinen Willen nicht will, der ist charakter- und willenlos. Oder bös-willig. In Aus-weg-losigkeit soll er verenden.

2) Politik ist Erfüllerin der heiligen Zeit: als aber die Zeit erfüllet ward.

„Die Zeit läuft. Die Zeit läuft ab. Die Zeit läuft aus. Der Samstag ist entscheidend.“ (Merkel)

„Time is running out“ – Lieblingssatz erwählter Politiker aus Gottes eigenem Land.

3) Summa: Merkels Wille ist Erfüllerin der heiligen Zeit. Wer ihrem heiligen Willen widersteht, der sei verflucht. Er macht sich der Insolvenzverschleppung schuldig und hat Euro und Europa nicht verdient. Urteil: Grexit. Mindestens zwei Generationen lang.

„Grexit ist ein Kofferwort (englisch aus Greek und exit oder aus Greek euro exit), das das mögliche Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone benennt“. (Wiki)

Exitus heißt der Tod. Wenn Griechenland dem heiligen Willen Merkels widersteht, soll es mit sozial verträglichem Ableben bestraft werden. Auf biblisch: „Und den

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Deutsches Erwachen

Hello, Freunde des deutschen Erwachens,

seht, wie sie einander lieben, sich umarmen und herzen – solange die Kameras auf sie gerichtet sind. Tretet zurück und nehmt Haltung an: Deutschland erwacht. Seine Eliten versöhnen alle Religionen, die sich früher die Schädel einschlugen und zeigen der Welt: nichts Liebenderes unter der Sonne als Liebesreligionen.

Und wenn sie in Menschen- und Politikerzungen redeten und hätten der Liebe nicht, wären sie ein tönend Erz und eine klingende Schelle. Vorlaute Schellen wollen sie auf keinen Fall sein.

Vor dem unverdunkelten Brandenburger Tor stehen sie Hand in Hand, singen abwechselnd muslimische, jüdische und christliche Choräle, rezitieren die ergreifendsten Stellen aus heiligen Büchern und schauen sich innig in die Augen.

Der Polizeiminister avanciert zum Liebesminister, die Kanzlerin legt ihr bezauberndstes Lutherlächeln als Rouge auf und Wirtschaftsminister Gabriel enttarnt sich als wohlbeleibter Engel gleichen Namens. Hätten die alten Germanen die abendländische Religion nicht als fremdes Beutegut aus dem Ausland importiert, wären die Neugermanen heute wahrhaft fähig, Liebesreligionen selbständig aus dem eigenen Seelen-Untergrund zu kreieren und der Welt zu übermitteln, ob die Welt es will oder nicht.

Die Welt liebt Deutschland – kein Mensch weiß, warum – also liebt Deutschland die Welt. Verdient die Welt überhaupt die Liebe Deutschlands? Dürfen alle Versager der Welt ins deutsche Sozialnetz einwandern, um unseren teuer errafften Wohlstand zu beschädigen? Ach, es ist eine Last, von allzu vielen geliebt zu werden, vor allem

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Das Unbewusste

Hello, Freunde des Unbewussten,

wenn Pegida eine echte Bewegung ist, stammt sie aus dem Bauch der Republik oder dem nationalen Unbewussten. Im Unbewussten schlummert und gärt alles, was verboten ist. Im ES herrscht keine Ordnung, weshalb seine Botschaften widersprüchlich, bizarr und verworren sind.

Das Bewusstsein spricht von irrationalen Botschaften, weil es sich selbst für rational hält. Wäre das Bewusstsein wirklich rational, woher die unendlichen Ungereimtheiten und Gegensätze in der Tagespolitik, die auf ihre Vernunft so stolz ist?

Gegen irrationale Ungereimtheiten käme die Stimme der Vernunft nicht an, erklären Politiker und Schreiber unisono. Gespräche mit triebgesteuerten Wirrköpfen seien sinnlos und vergeblich. Hier hülfe nur die Polizei.

Ganz langsam und nicht hyperventilieren: die Polizei kann Gesetzesverstöße ahnden, mit dem kollektiven Unbewussten kann sie nicht umgehen. Der deutschlandweit aufbrechende Konflikt hat mehrere Ebenen, die juristische ist nur eine davon.

Ist Gabriel nach Dresden geeilt, um mit den „hasserfüllten, peinlichen“ Elementen – in ihren Kneipen, auf der Straße, wo immer sie sich treffen – zu streiten? Ihnen Fragen zu stellen? Sie unter die Lupe zu nehmen? Ihnen Rede und Antwort zu stehen? Seine Politik vor dem räudigen Volk zu verantworten?

Merkel, Liebling der Deutschen, Volksflüsterin und Pöbelversteherin, missbraucht das nächste Mikrofon, um – weit entfernt von den Dünsten der Volksbewegten – ihre Ferndiagnosen zu ventilieren, die weder Diagnosen noch Therapievorschläge sind, sondern Fern-Schmähungen, Verwünschungen aus sicherer Distanz, Selbstreinigungsakte: Ich, Mutter der Nation, wasche, wie immer, meine

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Gegner des Sonderwegs

Hello, Gegner des Sonderwegs,

der deutsche Sonderweg war die Abwendung der Deutschen von den universellen Werten der Aufklärung, die in westlichen Staaten zur Entwicklung der Menschenrechte und der Demokratie führten.

Der Sonderweg begann in der Romantik, die sich zur Religion, der uralten Feindin der Aufklärung, zurückwandte und allgemeine Menschen- und Vernunftrechte in gläubiger Emphase zurückwies. Jede Nation bringe ihre eigenen Werte hervor. Werte für alle Menschen seien abstrakte Chimären.

Deutsche Historiker, in gewohntem Scharfsinn, bestreiten den deutschen Sonderweg. Auch die westlichen Staaten, von denen Deutschland sich abgewandt habe, hätten Elemente des Besonderen in ihrer nationalen Entwicklung aufzuweisen.

Der Sonderweg der einen negiert nicht den Sonderweg der anderen. Jede Nation könnte einen Sonderweg einschlagen. Nicht die Distanz zu anderen Völkern ist das entscheidende, sondern die Distanz zur allgemeinen Vernunft, die auch in westlichen Staaten in individueller Politik realisiert wurde.

Der Engländer Locke war Aufklärer und Demokrat, dennoch ein gläubiger Christ, der für alle Menschen Toleranz forderte, nur nicht für Atheisten.

Die französische Form der Aufklärung, die zur Revolution geführt hatte, war radikal religionskritisch. Rottet die Kirche aus, war der Schlachtruf Voltaires gegen eine Seligkeitsmaschinerie, die in keiner Konfession vor Heidenvernichtung, Inquisition, Ketzermorden, Frauenfeindschaft und glühendem Judenhass zurückgeschreckt war.

Gegenwärtig erleben wir eine allgemeine Abwendung von universellen Werten in Ost und West: der Hauptgrund für die steigenden Spannungen zwischen Russland und den NATO-Staaten. Viele sprechen bereits von Kriegsgefahr und

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Europa

Hello, Freunde Europas,

Novalis, durch außergewöhnliche Gnade frühzeitig von den Toten auferstanden, fuhr mit einem unansehnlichen Renault R4 nach Straßburg und hielt vor dem Europaparlament eine aufsehenerregende Rede. Matthias Drobinski, Mundstück des Heiligen in der SZ, war ganz hin und weg:

„Novalis hat Europa die Leviten gelesen.“ Stopp, schlechter Anfang. Klingt nach dem Buch Levitikus im Alten Testament (3. Buch Mosis). Neutestamentliche Christen können das besser:

„Das Buch Levitikus in der Bibel vereint viele kleine, manchmal auch kleinliche Regeln. Novalis ist dagegen aufs Ganze gegangen in seinen beiden Reden in Straßburg. Im Vergleich dazu ist das Buch Levitikus harmlos.“

Hatte Drobinskis Heiland nicht den Leviten und Pharisäern die – Leviten gelesen? „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen. Ihr verblendeten Leiter, die ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt! Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig reinlich haltet, inwendig aber ist’s voll Raubes und Fraßes.“

Alttestamentarisch-jüdisch-levitisch ist ein Irrweg.

(Hier schon lauert der spirituelle Antisemitismus in der Mitte einer christlichen Gesellschaft, wenn die Überlegenheit der neutestamentlichen Christen sich mit Verachtung der alttestamentlichen Juden paart. Solange die Bibel als heilige Schrift gilt, wird es unerbittliche Konkurrenz zwischen Christen und Juden um

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Demokratie

Hello, Freunde der Demokratie,

wissen die Deutschen noch, was eine Demokratie ist? Haben sie es je gewusst? Oder geht die Nachkriegsphase einer über-ich-gesteuerten Imitation allmählich zu Ende? Der äußerlichen Nachahmung einer von Siegern verordneten Demokratie?

Jedes Lernen beginnt mit Abschauen und Imitieren. Verharrt es aber auf dieser Stufe und verwandelt sich nicht in innerliches Begreifen, drohen auch die Phänomene eines unerwachsenen Nachahmens verloren zu gehen.

Der arabische Frühling, sagte der ehemalige Nahostkorrespondent der ARD Ulrich Kienzle gestern bei Maischberger, sei weit von jeder Demokratie entfernt gewesen. Niemand habe an Demokratie gedacht, viele hätten nur von der allgemeinen Situation die Schnauze voll gehabt.

Nur die Schnauze voll gehabt? Kann es sein, dass Demokratie auf diese Weise beginnt? Ob Empörung am Ende in Demokratie mündet – das weiß niemand, das kann niemand wissen. Vielleicht sind die Gegenkräfte noch zu stark, das demokratische Bewusstsein der Mehrheiten zu gering – und dennoch beginnt Demokratie mit der furchtlos dargestellten Empörung eines unterdrückten Volkes.

Wer die Bilder vom Tahir-Platz sah, weiß, dass ein jahrhundertealter Untertanengeist in einer für Ägypten bis dahin unvorstellbaren eruptiven Energie abgeschüttelt wurde. Diesen Erfolg einer aller Welt gezeigten Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung darf dem Volk am Nil niemand absprechen.

Nun hat sich gezeigt, der erste Aufbruch genügte nicht. Und dennoch war es 

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Eindeutigkeit

Hello, Freunde der Eindeutigkeit,

das Elend der vorüberziehenden Epoche, das sich jetzt im Weltbürgerkrieg entlädt, ist die Uneindeutigkeit. „Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung“.

Die Weisheit des Konfuzius kollidiert mit der Torheit des Westens, es gebe keine eindeutigen Begriffe, keine menschenverbindende Wahrheit, keine allgültige Logik, keine universelle Moral.

Das Dogma des Westens ist die Zwei- und Mehrdeutigkeit. Jeder spricht seine eigene Sprache, jeder hat seine eigene Wahrheit, Allgemeingültiges und Verbindliches gibt es nicht.

„Wenn man in Grundsätzen nicht übereinstimmt, kann man sich keine Ratschläge geben.“ Man kann nicht mal miteinander reden.

Die christliche Moderne verhält sich, wie heilige Schriftsteller es von ihr fordern. „Am Anfang“ – im Matriarchat also – „hatte alle Welt einerlei Sprache und einerlei Worte“. Das wurde einem männlichen Schöpfer zu gefährlich:

„Dies ist erst der Anfang ihres Tuns, nunmehr wird ihnen nichts unmöglich sein, was immer sie sich vornehmen.“ Eine vereinte Menschheit wird ihrem Schöpfer zu gefährlich, sie könnte ihn übertrumpfen. Die Macht der einigen und klugen Menschheit muss mit List und Gewalt verhindert werden. Teile und herrsche, wird das Motto

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Die Kanzlerin und Sokrates

Hello, Freunde der Kanzlerin,

60 Jahre und kein bisschen weise. Die beste Voraussetzung, eine Heilige zu werden. Zur Abwechslung keine katholische, sondern eine lutherische, eine Johanna von Mecklenburg. Auf der Politikseite der BILD prangt sie schon als verklärte Dauerikone in weichgezeichneter Aura.

Heiligenlegenden beginnen zu grassieren. Über Nacht könnte sie sich in die Lüfte heben, ganz nach dem Vorbild ihres Heilands und Erlösers, der vor den Augen seiner Jünger emporgehoben wurde und eine Wolke nahm ihn auf, sodass er ihren Blicken entschwand. Bittere Tränen wird Deutschland vergießen, wenn Angela, die Engelgleiche, das Land verlassen wird, das sie nicht verdient hat.

Der Kyffhäuser, Deutschlands unterirdischer Olymp, rüstet schon die Gemächer, um die Entrückte standesgemäß zu empfangen. Alle bayrischen Marienstatuen sollen mit Merkels Demutsmiene nachgerüstet werden.

Dabei begann die mächtigste Frau der Welt ihren weltlichen Siegeslauf als Magd Gottes ohne Gestalt und Schöne. Sie gab sich als hässliches Entlein und wurde von allen unterschätzt. Sie war die Allerletzte und wurde die Erste, denn sie vertraute ihrem Vater im Himmel, der in den Schwachen und Unansehnlichen mächtig ist.

Wie lachte man über ihre Ossifrisur, wie verhöhnte man

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Amerika und Deutschland

Hello, Freunde des Weinens,

„das ist sowas von blöd, über so viel Dummheit kann man nur weinen“, sagte der dienstälteste deutsche Minister über die besten Freunde Deutschlands – und weinte dennoch nicht. Misstraute er seiner eigenen Diagnose? Gut unterrichtete Verschwörungstheoretiker glauben zu wissen, dass die ersten amerikanischen Flugzeugträger bei Helgoland gesichtet wurden.

Das mentale Vernichtungsurteil über eine befreundete Nation sei unerträglich, heißt es aus offiziellen Kreisen des Weißen Hauses. Im übrigen: wie lange die beiden Nationen befreundet seien, bestimme noch immer Washington. Obama sei bereit, jeden Wettstreit um den höchsten IQ mit Mörkel vor einem internationalen Gremium auszufechten.

Die CIA zeigte sich erschüttert über die unverhältnismäßige Kritik Mörkels an ihrem fürsorglichen Spähdienst an der Kanzlerin, nur, um sie vor ihren eigenen Freunden zu schützen. Mörkel hatte erklärt, mit gesundem Menschenverstand betrachtet, sei das Ausspähen von Freunden und Verbündeten ein Vergeuden von Kraft.

Den gesunden Menschenverstand wies der Chef der amerikanischen Schlapphüte mit Entrüstung zurück. Das Ausspähen von Feinden könne jeder, doch die Entlarvung von so genannten Freunden, die keine sind, dazu gehöre höhere Algorithmenmathematik, worüber die Deutschen nicht ansatzweise verfügten und deshalb auf die Amerikaner neidisch seien. Zudem: wie der CIA

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Der lernfähige Mensch

Hello, Freunde des Lernens,

können wir aus der Geschichte lernen, fragte die Historikerzunft im pastellfarbenen Amtssitz des Bundespräsidenten und antwortete: im Prinzip nein.

Historiker Clark, der ein Riesenbuch über die schlafwandelnden Bellizisten des Ersten Weltkrieges geschrieben hat, wird nicht müde, uns erneut in Schlafwandler zu verwandeln: „«Die Geschichte schenkt uns keine Lehren», meinte Clark – jedenfalls nicht im Sinne von Handlungsanweisungen.“ Berichtet uns kommentarlos Kurt Kister, seines Zeichens Chefredakteur der SZ, der erfreut war, in Bellevue „gesittet“ über die Grundfragen des Seienden und Gewesenen nachzudenken.

(Beginnt der Bereich des Ungesitteten beim natostacheldrahtzaunbewehrten Übergang von Bellevue ins ordinäre Berlin? Wir ahnen, warum deutsche Studenten zu sittenloser Verblödung neigen: ihre schäbigen Uni-Seminare sind nicht ausgelegt mit pastellfarbenen Teppichen. Nur geladene Gäste – früher hätte man von Aristokraten gesprochen – beim schlichten Pastor Gauck: der Ruf der Geschichte ist nichts für den sittenlosen Pöbel. Gottlob haben wir professionelle Vermittler, die uns hin und wieder einen winzigen Blick ins Nähkästchen der Macht gestatten.)

Clarks Kollege Karl Schlögel setzt dem vor Intelligenz strotzenden Nonsens noch eins drauf und zeigt sich „irritiert über die gegenwärtige Form des Interesses an 14/18. «Sind wir gefangen in den Zyklen der Erinnerung», fragte Schlögel, handele es sich bei dem Jubiläumsgetöse gar um eine Flucht vor der Gegenwart?“ (Kurt Kister in der SZ)

Entschuldigt, liebe Historiker, dass es Menschen gibt, die sich für eure teuren Schinken interessieren. Ihr macht Reklame für eure Gelehrsamkeit mit der

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