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Tanz des Aufruhrs LXI

Tanz des Aufruhrs LXI,

Corona geht, der Schrecken kehrt zurück.

Corona ist wie Trump. Ein Übel, das sich zeigt, kann bekämpft werden. Das ist Amerika.

Tritt es auf als Normalität, Alltag und Demut, hat es den Sieg fast schon in der Tasche. Das ist Deutschland.

Die Ausnahme löste den Alltag ab, damit die Not zeitlich beschränkt und korrigibel erscheine.

Kommt das Ende der Not, dürfen Rettungsmaßnahmen eingestellt werden. Was sollte noch gerettet werden? Ausnahme vorbei: die Alarmsirenen verstummen, Pressekonferenzen werden eingestellt, die Kanzlerin zieht sich zurück.

Das ist der günstige Augenblick für den Alltag, der keine Türen eintreten muss, um das Haus zum Einsturz zu bringen. Alltag ist das Haus des Menschen, gefährlich über dem Abgrund erbaut, das seine Bewohner unter sich begräbt – wenn der Alltag nicht beendet wird.

Denn Alltag ist falsche Sicherheit, betrügerische Gewohnheit, Schrecken der Geschichte, der in Masken des Wohlstands und des Fortschritts auftritt.

Wohlstand ist Trug des Lebens auf Kosten der Natur.

Fortschritt ist anschwellender Trug des Lebens durch Ermordung der Butterblume, dem …

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Tanz des Aufruhrs LX

Tanz des Aufruhrs LX,

Sehnsucht nach dem Ende.

Unrat und Fäulnis. Welt stinkt. Gewässer sind Kloaken. Auf den Bergen türmen sich Abfälle. Megastädte – Zentren des Drecks und der Verwesung, Scholle verdorrt und wird unfruchtbar, Luft sirrt vor Hitze, Riesenströme werden Rinnsale, Wälder verbrennen, Tiere und Pflanzen verschwinden. Schöpfung wird zur Er-Schöpfung. Menschen gehen auf Distanz, verhüllen ihr Gesicht, wollen weder sehen noch gesehen werden. Ihr alltägliches Leben ertragen sie nicht, reisen ins Nirgendwo, erfinden Risiken und Gefahren. Vergangenheit und Gegenwart sind ihnen unerträglich. Nur von der Zukunft träumen sie – die sie ihren Nachkommen nicht gönnen.

Freiwillig schaufelt sich die Welt das Grab:

„Kandidaten werden in Särge eingesperrt – und beerdigt! – die Kandidaten waren insgesamt eine Stunde lang in den stickigen Särgen eingeschlossen.“ (BILD.de)

Wenn Karneval seinen zynischen Untergang feiert, ist es ernst geworden.

„Das Ende der abgelaufenen Epoche wird als Erschöpfung der biologischen Quellen auf allen kosmischen Ebenen betrachtet, als reales Weltende. Das Ende eines bestimmten Zyklus vollzieht sich nicht immer als Sintflut, sondern durch Feuer, Hitze. Apokalyptische Visionen, in denen ein …

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Tanz des Aufruhrs LIX

Tanz des Aufruhrs LIX,

zur seelischen Abmilderung der Kriegsmaßnahmen gegen Corona hat die Regierung alle TV-Talks verpflichtet, nur noch ein einziges Thema zu behandeln: wie umgehen mit einem unsichtbaren Virus?

Der Bevölkerung soll das beruhigende Gefühl vermittelt werden, dass sie in der Not des Schicksals nicht alleine gelassen wird. Die kurze Zeit, die noch bis zu den Ferien zur Verfügung steht, muss ausgenutzt werden: in wenigen Wochen ist Sommerpause. Dann werden alle Gesprächsmatadore für mehrere Monate verschwinden. Wenn eine Krise abflaut und die andere – die mit dem Klima – zurückkehrt, soll nicht der Eindruck entstehen, es gebe noch immer Dringliches zu besprechen.

Keinesfalls dürfe die Bevölkerung auf die Idee kommen, das repressive Klima des Feldzugs gegen Naturteilchen in ökologische Dringlichkeit zu übersetzen. Heute Kampf gegen die Natur, morgen – dasselbe: das ist Handeln aus einem Guss, die eine vorbildliche Politik auszeichne.

Desgleichen solle der Anschein verhindert werden, dass es noch gewichtigere Themen der Weltpolitik gebe als die Pandemie. Das Stichwort „Einübung in die Apokalypse“ soll die Runde gemacht haben, aber vom Kanzleramt abgelehnt worden sein. Die Einfalt des wiedergeborenen deutschen Volkes solle durch biblische Assoziationen nicht beschädigt werden.

Zudem soll die Stimmung einer verfassungslosen Ausnahme verlängert werden, damit die Bevölkerung unauffällig auf …

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Tanz des Aufruhrs LVIII

Tanz des Aufruhrs LVIII,

kein Angst-Sex! – sondern Lustorgien!

Ohnehin ist Lust zum Konsumentensex verkommen. Vollends wird Sexualität zum Angsträuschlein  – wenn sie die Kollateralschäden von Corona bekämpfen muss. Lust, infiziert mit Angst, wird zur Angstlust, jener orgastischen Unfähigkeit, die sich dem Risiko, der Furcht, dem Zittern ergeben muss, um das Abflauen der Angst als Lustersatz zu empfinden.

Was haben Bergsteiger Reinhold Messner und der Messias gemeinsam? Die Lust am Risiko: dass sie vor Not und Tod nicht zurückweichen, um das Gefühl der Entrückung zu gewinnen. Entrückung ist ätherischer Orgasmus.

„Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein Wille geschehe, sondern deiner.“

Nach der schrecklichsten aller Strafen, der Todesstrafe, kommt es zu Auferstehung und Himmelfahrt, zur pantokratischen Macht über das Universum, zu Freude und Frohlocken im Jenseits.

Noch orgastischer als Entrückung ist Seligkeit:

„Seligkeit bezeichnet einen Zustand der vollendeten Erlösung bzw. des Heils, aber auch des Glücks. Zur Vollendung soll im Christentum die Seligkeit im Himmelreich kommen, doch gilt sie als Verheißung bereits für dieses Leben, wie insbesondere in den …

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Tanz des Aufruhrs LVII,

Tanz des Aufruhrs LVII,

Pathologische Globalisierung.

Freuen wir uns: die Welt ist zusammengewachsen – fürchten wir uns: durch eine erdumfassende Seuche.

Die Menschheit hat ihre Einheit entdeckt: den Globus als Lazarett.

Ermattet und krank an Leib und Seele erreicht homo sapiens das Weltdorf, reißt taumelnd das Zielband – und fällt erschöpft zu Boden.

Nicht das Ziel einer goldenen Stadt auf dem Berg, nicht das Ziel des Weltuntergangs, nicht das Ende der linearen Heilsgeschichte.

Sondern das utopische Ziel der Humanität:

„Wir sollten nicht in Staaten oder Bevölkerungen getrennt leben, die ihr besonderes Recht haben, sondern glauben, dass alle Menschen unsere Volksgenossen und Mitbürger seien. Man braucht keine Heiligtümer zu errichten, denn ein Heiligtum ist nicht viel wert. Man braucht weder Tempel noch Gerichtshöfe noch Gymnasien in den Städten zu erbauen, nicht Weihegeschenke sollten den Schmuck der Städte bilden, sondern die Tugenden ihrer Bewohner.“ (Zenon, Begründer der Stoa)

Was bedeutet dieses Ziel?

„Damit bringt die Stoa ein neues Gemeinschaftsprinzip auf: nicht mehr die Polis, Land und Volk, in die man zufällig hineingeboren wird, sind maßgebend für die Bildung eines Staates, sondern …

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Tanz des Aufruhrs LVI

Tanz des Aufruhrs LVI,

die Welt ist alles, was ein Virus ist:

„In der Welt habt ihr Angst, siehe, ich habe die Welt überwunden. Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast. Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Stellet euch nicht dieser Welt gleich. Der Welt Weisheit ist Torheit vor Gott. Das Wesen dieser Welt vergeht. Dass er uns errettete von dieser argen Welt. Ward die Welt mit der Sintflut verderbet. Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, ist die Liebe zum Vater nicht in ihm. Was von Gott geboren ist, überwindet die Welt. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Die ganze Welt liegt im Argen. Haltet euch unbefleckt von der Welt. Freundschaft mit der Welt ist Feinschaft wider Gott.“

Die Welt ist alles, was unrein, befleckt oder sündig ist, sie muss vertilgt werden.

„Verderbt, abscheulich handeln sie, keiner ist, der Gutes tut. Alle sind sie abtrünnig, alle verdorben, keiner ist, der Gutes tut, auch nicht einer. Da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen und er sprach: Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis auf das Vieh und bis auf das Gewürm und bis auf die Vögel unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe“.

Nur einer ist unbefleckt und findet Gnade vor Gott: Noah. Einer kam durch.

Da sprach Gott zu Noah: „Alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen; denn die Erde ist voll Frevels von ihnen; und siehe …

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Tanz des Aufruhrs LV

Tanz des Aufruhrs LV,

Satz der Epoche: Mit dem Virus müssen wir leben.
Wozu die ganze Aufregung, wenn wir mit ihm nicht sterben müssen?
Müssen denn nicht alle ….

Was denn? Probleme, das Wörtchen sterben auszusprechen? Oder meinst du, es ist unerträglich, leben zu müssen? Höre ich da Todessehnsucht? Sei kein Frosch, lass uns das schönste deutsche Lied anstimmen:

Hör’ ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will —
Ich möcht’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still
.

Stille war in den letzten Wochen genug. Das war bereits Sterben auf Probe – für die Eingeschlossenen, die Lärm und Dynamik benötigen, um sich lebendig zu fühlen. Hast du gehört: wer nicht weiß, was er will, wird lebensuntüchtig. Verstehst du jetzt unsere Zeit? Je mehr du willst, je länger lebst du. Geh weg mit dem bisschen Lärm. Wenn du alles willst, wirst du unsterblich. Sind wir nicht schon lange auf dem Weg dorthin?

Wenn nicht alle sterben, warum müssen alle dieselbe Prozedur über sich ergehen lassen? Warum wohl? Aus Vorsichtsgründen! Wenn man nicht weiß, wen es trifft, muss man handeln, als könnte es alle treffen.  

Das hab ich nicht bestritten. Aber schau: wie bleibt man gesund? Durch äußerliche Abwehr der Krankheit – oder …

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Tanz des Aufruhrs LIV

Tanz des Aufruhrs LIV,

Das Leben ist der Güter höchstes nicht.
Der Übel größtes aber ist die Schuld. (Schiller, Die Braut von Messina)

Leben gegen Schuld. Lieber auf ein selbstbestimmtes Leben verzichten, um niemanden zu gefährden – oder
sich ins pralle Leben stürzen und Schuld auf sich laden, weil man den Tod anderer riskiert?

Ein schier unlösbares Dilemma, nicht auf der Bühne für Wenige, sondern als politische Realität für die Menschheit. Sollte es einen Herrn des Schicksals geben, muss er ein Zyniker sein, der sich am Leid der Menschen weidet, an ihrer Unfähigkeit, das Richtige zu tun.

Es ist wie in einem philosophischen Seminar, wo ein mephistophelischer Gelehrter seinen Erstsemestern den Schock ihres Lebens versetzt: Ihr Idealisten wollt gute Menschen werden und die Welt verbessern – und könnt nicht mal das einfachste moralische Problem lösen? Könnt ihr überhaupt beweisen, dass es eine Welt gibt, eine Welt, die ihr erkennen und verändern könnt?

Da flüchteten die Geschockten, die schon immer mal Kant gemacht haben wollten – und wurden Virologen, bestimmten das Schicksal der Völker, indem sie den Politikern das Gefühl vermittelten, …

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Tanz des Aufruhrs LIII

Tanz des Aufruhrs LIII,

„Das ist alles was wir tun – immer wieder von vorn anfangen! Warum machen wir uns immer wieder etwas vor? Eines Tages wird die Erde eh erkalten und bis dahin werden all diese Sachen immer wieder geschehen: Noch mehr Kriege, und noch mehr Sinnfluten und Erdbeben.“(Thornton Wilder, Wir sind noch mal davon gekommen)

Wenn die New York Times meint, Deutschland sei noch am besten davon gekommen, kann das unmöglich falsch sein. Es ist wie nach dem römischen Sieg über die Griechen, als die Verlierer die Sieger – geistig – besiegt hatten. Die Deutschen haben ihre Vorbilder in den Schatten gestellt.

Nicht den britischen Premier wählte die führende Zeitung Amerikas zum Kontrast gegen ihren Präsidenten, sondern eine schlichte Frau aus dem deutschen Osten.

Die deutsche Schmach ist überwunden. Das Wunder von Bern wurde vom Corona-Wunder überrundet. Den Krieg gegen eine tückische Krankheit hat Deutschland für sich entschieden. Wir lassen uns von niemandem mehr übertreffen. Weder vom Westen, noch von Moskau, noch vom geheimnisvollen Land der Mitte. Der Tod ist unsere nationale Wiedergeburt.

„Der Krieg ist unser Vater, er hat uns gezeugt im glühenden Schoße der Kampfgräben als neues Geschlecht, und wir erkennen mit Stolz unsere Herrschaft an. Daher sollen unsere Wertungen auch heroische, auch Wertungen von Kriegern sein, und nicht solche von Feiglingen und Jammerlappen.“ (Ernst Jünger, zeitgemäß interpretiert)

Das deutsche Volk braucht Herausforderungen, es muss dem Tod ins Auge schauen. Der Tod kann auch ein exportierter sein. So …

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Tanz des Aufruhrs LII

Tanz des Aufruhrs LII,

die Mehrheit der Deutschen fühlt sich von den derzeitigen Freiheitsbeschränkungen kaum oder nicht beeinträchtigt. Sie scheinen sich wohl zu fühlen im Hausarrest, wo sie nicht belästigt werden von der Dauernötigung, sich ihres eigenen Verstandes selbst zu bedienen. Habet Mut, euch eurer Autonomie zu entledigen, wenn sie euch lästig wird.

Könnte es sein, dass Erich Fromm Recht hatte: sie haben Furcht vor der Freiheit, weshalb sie die Unfreiheit als Erfüllung ihrer klamm-heimlichen Bedürfnisse nach Bevormundung und robuster Orientierung empfinden?

Kinderpsychiater Winterhoff ahnte es schon lange. Wie sie ihre Kinder zu verwöhnten Tyrannen erziehen, so empfinden sie die Helikopterpolitik ihrer Regierung als Überforderung zur Selbstbestimmung. Ist Freiheit nicht Luxus? Verdirbt Luxus nicht den Charakter?

Als die Deutschen vor Jahrzehnten ihre Freiheit wegwarfen, weil sie paulinischen Untertanen nicht angemessen sei, schrieb ein Theologe, den Carl Friedrich von Weizsäcker (der im Jahre 1933 die Ausgießung des Heiligen Geistes erlebte) nach Kriegsende noch immer bewunderte:

„Die neue individuelle Freiheit und die Autonomie des Menschen wurde von Friedrich Gogarten als Grundübel unserer …

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