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Montag, 19. September 2011 – Defloration des Papstes

Hello, Freunde der Piraten,

schon haben sie ihren Ur-Fehler gemacht, die Kessen von der ersten Bank. Immer würden sie ihren Idealen treu blieben, vermutlich im Unterschied zu den Grünen. Wenn das die Absage an Kompromisse war, werden sie entweder für immer die Oppositionsbänke drücken müssen oder schnell auf dem Bauch landen. Kompromisse schließen, ohne sich untreu zu werden, diese Kunst gibt’s in deutschen Landen nicht, weil jedes Zugeständnis als Charakterschwäche gilt.

Selbst bei dem alten Fahrensmann, dem BZ-Chef Vorkötter, gibt’s einen falschen Zungenschlag, wenn er in seinem Leitartikel zur Wahl über die Piraten schreibt: „….eine Partei, die sich noch nicht durch irgendeine Art von Kompromiss diskreditiert hat.“ Wenn sie keine Kompromisse schließen, gelten Parteien als dogmatisch und realitätsuntauglich, tun sie’s, sollen sie gleich unglaubwürdig sein? Das sind demokratiefeindliche Fallen, fast 70 Jahre nach Einführung der Volksherrschaft in Deutschland.

Der Rest in Kürze: nein, zum Kanzlerkandidaten wird er’s nicht schaffen, der just in time aufgeföhnte Wowi. Da müsste er von hinten eleganter aussehen. Nein, die Renate ist nicht gedemütigt worden. Die Grünen haben 5 Punkte gewonnen. Ihr vorübergehendes Hoch war nie zu halten. Momentan scheint alles auf ein bundesrepublikanisches Rot-Grün hinauszulaufen. Nein, ich kann noch nicht glauben, dass die FDP den Abgang macht. Zu oft ist sie schon totgesagt worden. Rösler ist ein plappernder Ministrant, er sollte sich beim Papst für die gregorianische Monodie bewerben. Ob Lindner die Kraft hat, den Saftladen umzudrehen? Dazu sieht er kurz nach seiner Hochzeit zu ausgezehrt aus. Nein, das Dick & Doof-Duo der Linken

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Sonntag, 18. September 2011 – Klischeebildungen

Hello, Freunde der Außenseiter,

gibt es den Amerikaner? Den Unternehmer? Den Konservativen? Den Juden? Den Deutschen? Klinsmann wurde neulich verhöhnt, weil er in TV dem deutschen Publikum den Amerikaner erklären wollte. Der habe so viel mit der Sicherung seines Alltags zu tun, dass er keine Zeit habe für überflüssiges Wissen um die Welt. In einem Test hielten viele Amerikaner Adolf Hitler für einen deutschen Bundeskanzler. Ist der Amerikaner schlicht und einfach dumm?

Darüber gibt’s viele Untersuchungen, die Ergebnisse sind niederschmetternd. Wenn der kollektive IQ einer Nation in den Keller rutscht, kann sie dann noch Weltmacht Nr. 1 sein? Auch die Pisa-Tests erkunden den deutschen Schüler im Unterschied zu dem finnischen. Über diese Fragen zu reden, geht nicht ohne Erwähnung der Statistik, die man eine Wissenschaft der Klischeebildung auf empirischer Basis nennen könnte.

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Samstag, 17. September 2011 – Ratzefummel

Hello, Gegner des Ratzefummel,

Freiburg im Papstrausch. Die Kritiker halten dagegen: Freiburg ohne Papst. Den Ratzefummel (hochdeutsch: Radiergummi) haben wir am Stand verschenkt – gegen Spende. Verkaufen durften wir nix. Ab heute kann man Bruder Benedikt nicht mal weiträumig umfahren, alle Wege führen nach Rom. Am nächsten Wochenende fliehen viele aus der Stadt. Wer an seiner Route wohnt, darf nicht mal die Fenster öffnen, er könnte an Weihrauchallergie und Polizeikugeln ersticken.

In der Berliner Zeitung/FR durfte Arno Widmann den säkularen Luther mimen und den Geistlichen Vater des Feldes verweisen. Die TAZ ist weltläufig gespalten, die feministische Chefin pflichtgemäß dagegen, der Haustheologe mit wenig Bauchgrimmen dafür.

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Sonntag, 11. September 2011 – Verschwörungstheorie als Hypothese

Hello, Freunde Indiens,

ein außerordentliches Interview mit Arundathi Roy über die Welt nach 9/11, den Totalitarismus der Mittelklasse, falsches und richtiges Bewusstsein, Bollywood, den genügsamen Sufismus, Glück, die am besten vernetzte Elite rund um den Globus, gemeinsames Eigentum und ihre wunderbare Mutter. Hätte dies Interviewerin Iris Radisch nimmermehr zugetraut, damit hat sie viele Sünden gut gemacht.

Das Gespräch ersetzt Bibliotheken, die indische Schriftstellerin gehört für mich zu den Weltweisen. Solche schlichten Sätze auch nur zu denken, würde jeden westlichen Komplexitätsanbeter mit Schamröte überziehen. Allmählich wagen sich in Indien, China und anderen Urorten dieser Welt die von der westlichen Walze untergepflügten traditionellen Naturweisheiten wieder ans Tageslicht und stellen sich dem importierten Verhängnis entgegen. Noch ist Hölderlin nicht widerlegt, wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Zum schlechthinigen Vergleich mit Roy die analoge Bilanz eines deutschen Medientycoons.

Damit zurück zur gestrigen Ausnahme-TAZ.

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Montag, 12. September 2011 – Europa im Sog Amerikas

Hello, Freunde Europas,

über den Niedergang Amerikas wird viel gelärmt. Man kann nicht mehr in den Fernseher gucken, ohne von Staubwolken der Twin Towers benebelt zu werden. Politisch korrekt sage ich, jeder Tote ist einer zuviel, aber dieses Totenverherrlichungsgepränge ist obszön. Wie viele Tote krepieren in der ganzen Welt und kein W(r)estler nimmt Notiz? Wie viele Kinder werden nicht ein Jahr alt und es gibt keine „Brennpunkte“ und Sondersendungen mit Fahnen auf halbmast?

Das satte verfressene, naturzerstörende Amerika erlebt einmal eine Nanokatastrophe – und schon sammeln sie die Tränen der Welt für einen künstlichen Wasserfall an den neuen Türmen von Babylon (nicht erfunden). Das also ist westliche Demokratie, in der alle Menschen gleich sind, besonders, wenn sie wegen Brutalität gegen andere selbst einmal eins auf die Fresse kriegen und in ihr geglaubtes Paradies abschwirren.

Ich schreibe roh und inhuman, wie wir es in Potenz sind gegenüber dem Elend der ganzen Welt, das wir seit 500 Jahren planetarisch verbreiten. Ich halte es mit Arundhaty Roy, die soviel Bekümmernis tagtäglich erleben muss, dass ein Minispektakel direkt neben der menschenfressenden Wallstreet ihr wie Mückenschiss im Weltall vorkommt. Sie verbreiten Angst und Schrecken, wohin sie kommen und sie kommen überall hin.

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Dienstag, 13. September 2011 – Renate K.

Hello, Freunde Renates,

wer hat behauptet, Berliner seien preußische Grantler, höhnisch und bärbeißig, aufgeklärt bis zum Zynismus, spöttisch bis zur Häme gegen Minderheiten, Sonderlinge und Querdenker?

Berlin war einst die Hauptstadt der ernsthaften und kampffreudigen Aufklärung. Ohne Berlin kein Kant aus Königsberg, hier lebte Friedrich der Große und leitete, mit Hilfe französischer Freigeister, den religiösen Muff in die Spree, hier agierten die neuen Journale und Verlage, die den bis dahin gekrümmten und gepeitschten Spreewaldgurken und den übrigen zerklüfteten deutschen Kleinstaaten das Licht der Vernunft in jede ärmliche Hütte brachten. Der junge Antimachiavelli, kaum auf dem Thron, entwickelte sich schnell zu einem der gerissensten Macht- und Kriegsherrn in Mitteleuropa, erkämpfte sich mit klingender Wehr und Gottvertrauen jenes zusammengestückelte Terrain, das hundert Jahre später zum Kern der kleindeutschen Lösung Bismarcks werden sollte.

Eine seltsame Liaison aus Vernunft und expandierender Macht, aus Raison und Staatsraison, sapere aude und Gehorsam: räsonniert, so lang ihr wollt, nur gehorcht.

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Mittwoch, 14. September 2011 – Kultus und andere Latrinen

Hello, Freunde der Gottesverehrung,

auch Kultus genannt: lateinisch devotio oder Theolatrie (woher Latri-ne). Nicht selten sind mit der Gottesanbetung besondere Gesten verbunden, z.B. Niederwerfung, Arm- und Handhaltungen oder die Blickrichtung nach oben“. Kultus hat nix mit Kultur zu tun. Demnach sind Kultusminister Niedergeworfene mit seltsamen Gesten, die glasige Blicke nach oben richten. Erst jagen diese Devotionalien- und Seelenverkäufer doppelte Jahrgänge durchs Abitur, jubeln über die doppelte Anzahl von Studienanfängern, um erstaunt festzustellen, sie wüssten nicht, wie viele neue Studienplätze zur Verfügung stünden.

Während in ganz Europa die Ausgaben für Bildung steigen, fallen die Schulausgaben bei uns seit 1995. Was vor allem die Grundschulen betrifft. Doch da sitzt eh zu viel unterqualifiziertes Kindermaterial mit türkischen und arabischen Namen und peinigt die armen Lehrer. Zur Pressekonferenz über die neuen OECD-Vergleichzahlen

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Donnerstag, 15. September 2011 – Die beste aller Welten

Hello, Freunde der Welt,

von allen möglichen ist die unsrige die beste aller Welten, sagte Leibniz. Ausdenken könne man sich zwar bessere, doch rundum perfekte überstiegen Gottes Kapazitäten. Auch für Kumpel Schöpfer gilt der lateinische Spruch: Ultra posse nemo obligatur, über sein Können hinaus kann niemand verpflichtet werden.

Die denkbar beste wäre natürlich die ohne Leid, Tod und Schmerz. Doch das bliebe selbst für deus omnipotens eine unerreichbare Utopie. Auch Er müsse sich an die Realitäten halten, könne nicht von makelloser Vollkommenheit träumen. Der Gerechte muss gelegentlich leiden, der Lump schwelgt in Überfluss. Das ließe sich nicht ändern. Hätte jedoch den Vorteil, dass jede Kreatur aus Elend klug, aus Trübsal weise werden könne.

So mache der Mensch aus Not eine Tugend, korrigiere des Vaters Schwäche, indem er aus eigener Kraft sein Päckchen trage und dennoch zur richtigen Einsicht käme: gloria in excelsis deo.

Da passierte es: das Erdbeben von Lissabon 1755 verwandelte die Stadt am Rande Europas in eine Staubwolke. Die fortschrittsfreudige Aufklärung war erschüttert, ihr Optimismus ramponiert. Die geologische Eruption passte nicht zum rationalen Deismus der Vernünftler,

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Philosophie und Politik

Vom Nutzen und der Moral

Vom Nutzen und der Moral

Ist eine moralische Entscheidung nur richtig, wenn sie erfolgreich ist? Falsch, wenn sie praktisch in die Hosen geht? Am Beispiel Libyen: Wäre im Falle einer Niederlage der libyschen Rebellen die militärische Hilfe der Nato falsch gewesen? Übersetzen wir das mal in eine andere Zeit. Hätten die Alliierten gegen Hitler verloren, wäre ihr Einsatz falsch gewesen? Dann sind wir endgültig amerikanisiert. Das Kriterium der Wahrheit ist allein der Erfolg.

In Vorkriegsdeutschland wurde die Nutzenphilosophie der Angelsachsen nur mit Herablassung und Verachtung behandelt. Die Dichter und Denker gaben sich als kategorische Kantianer, obgleich sie meisten hegelianisch dachten, die dem Erfolg auch nicht gerade abhold waren. Wenngleich sie denselben nicht als Werk menschlicher Marionetten, sondern des Weltgeistes höchstselbst betrachteten.

Bei den frommen Biblizisten drüben überm Teich nicht viel anders. Erfolg ist Segen Gottes, der nicht erst im Jenseits, sondern schon hienieden als Macht und Reichtum zu Buche schlägt. Während die Deutschen einen Weltkrieg benötigten, um den Endsieg einzufahren, waren die Amis davon überzeugt, ihn mit der Eroberung des neuen Kontinents schon errungen zu haben. Sie fühlten sich

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