ARCHIV

Sonntag, 27. November 2011 - Tantra-Kapitalismus

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Volksabstimmung,

wenn die Grünen heute verlieren, müssen sie selbst dafür sorgen, dass der ungeliebte Untergrundbahnhof gegen ihre früheren Verbündeten „durchgezogen“ wird. Der kleine demoskopische Rausch an den Grünen so zwischendurch verwandelt sich allmählich in einen Kater. Renate K. hat's arrogant in Berlin vermasselt, dort fallen die Ökos übereinander her.

Bleibt auf dem Teppich, ermahnt der erste grüne Ministerpräsident und geborene Landesvater Kretzschmann seine ParteigenossInnen, die störrisch die Steuern für Reiche erhöhen wollen. Verschreckt mir die Leute nicht, die uns wählen sollen. Auch von den Schotterprotesten im Wendland hält er nichts mehr, will nicht wahrhaben, dass Röttgen doppelzüngig das umstrittene Endlager Gorleben beibehalten will, obgleich er von ergebnisoffener Suche in ganz Deutschland schwatzt.

Wer will schon neben einem strahlenden Ewigkeitslager leben? Dass die flüchtige Gegenwart unermessliche Konsequenzen nach sich zieht, sollte jedem Gläubigen vertraut sein. Dass die Gläubigen als säkulare Modernisten die Ewigkeit selbst produzieren, hat sich noch nicht herumgesprochen. Ist doch Glaube nichts als selbsterfüllende Prophezeiung oder ...

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Samstag, 26. November 2011 - Jeder kehre vor der eigenen Tür

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Deutschenfreundlichkeit,

die in Europa rapide dahin zu schmelzen scheint. 70 Jahre Rehabilitierung benötigte Deutschland, um wieder an Deck zu kommen. Die Finanzkrise unter Merkels harter Hand könnte das erworbene Vertrauen schnell wieder aufzehren. Europa fühlt sich von Deutschlands Wirtschaftsmacht bedroht.

Ein englisches Blatt schreibt schon wieder von Krieg. Wirtschaft wird als Fortsetzung des Krieges mit geeigneteren Mittel empfunden. Die Demütigung der Abgehängten durch ökonomischen Erfolg der Konkurrenten sitzt tiefer, als mit Kanonen niederkartätscht zu werden. Hier geht es nur um hirnlose Brutalität, dort um bereichernde Schlitzohrigkeit und wirtschaftliche Cleverness.

Deutschland hat seine Instrumente ausgewechselt. Früher schreckte es die Welt mit stupider Gewalt, heute schlägt es die Gegner mit deren eigenen Waffen: mit Ökonomie.

Sollte die Euro-Katastrophe kommen, wird es nur einen Schuldigen geben: Deutschland. Das steht für die meisten ausländischen Kommentatoren fest. Unter ihnen der ehemalige Mitterand- und heutige Sarko-Berater Jacques Attali. „Heute ist es wieder an Deutschland, in seiner Hand die Waffe zum kollektiven Selbstmord des fortschrittlichsten Kontinents zu halten.“

Viermal hätten die Franzosen und Deutschen im letzten Jahrhundert Europa in ein Ruinenfeld verwandelt. Merkwürdig, wie schnell die früheren Gräben wieder frei liegen, die man längst für immer zugeschüttet hielt. Ausgerechnet aus Rosamunde Pilchers Heimat Wales, dem Land deutscher ZDF-Sehnsucht, kommen martialische Drohungen. War alle Friedens- und Versöhnungsarbeit ...

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Freitag, 25. November 2011 - Europa wird verramscht

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Eurobonds,

wenn bei Ullrike Herrmann schon die Kacke am Dampfen ist, muss die Lage desolat sein. Obgleich sie sich unermüdlich für solidarisch-gleiche Zinsen – Eurobonds – einsetzt, sind die meisten TAZ-Leser von dieser Idee wenig überzeugt: nur 34%. 40% sind vielmehr dagegen. Sind TAZ-Leser nicht links? Inwieweit ist die TAZ überhaupt noch links?

Wollen die Linken keine Gutmenschen mit wohlverstandenem Eigennutz sein? Wenn Deutschland den andern nicht auf die Beine hilft, wird es sich selber schaden.

Auch Marx wollte kein Moralist sein, sondern Geschichtsmaschinist und Notwendigkeitsprophet. Die französischen Moralisten unter den Sozialrevolutionären nannte er utopische Sozialisten. Moral war Überbau, sie ändert sich notwendig im Takt kommender und gehender Epochen. Marx war wie Hegel ein Verteidiger dessen, was ist. Was vernünftig ist, ist wirklich. Der einzige Unterschied: das Vernünftige und Wirkliche war bei Hegel im Prinzip mit Preußen erreicht, bei Marx lag's in weiter Ferne.

Nicht der moraldampfende Mensch, die unbeirrbare Geschichte wird den Endsieg der proletarischen Schafe über die kapitalistischen Böcke bringen, über viele Stufen der Unmoral hinweg, die nicht übersprungen werden können. Marxisten sind keine Gutmenschen. Was gut ist, darüber lachen sie. Gut ist allein, was Geschichte bringt, die an die Stelle Gottes gerückt ist: sie lässt regnen über Gute, Schlechte und moralfreie Historienanbeter. ...

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Donnerstag, 24. November 2011 - Die deutschen Gutmenschen

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Eurobonds,

Medien sind entweder unfähig, Wirtschaft zu erklären. Oder sie dürfen und wollen es nicht, um die Spannung ihrer Leser aufrecht zu erhalten. Fortsetzung der Euro-Soap-Opera: welcher Staat stirbt in der nächsten Folge? Der Gyros-Grieche, der Espresso-Italiener?

Wüsste das geneigte Publikum seit den ersten Krisenzeichen, dass Eurobonds Solidarität bedeuten und alle andern Maßnahmen Nichtsolidarität, hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit anders reagiert, als gehässig auf die Griechen einzuschlagen: Unser Geld kriegt ihr nicht, ihr Hellenen.

Hätten die Politiker von Anfang an die richtigen Weichen gestellt, wär's nie zu einer ausgewachsenen Krise gekommen. Wie langweilig für SPIEGEL, ZEIT, SZ und WELT ohne künstliche, gedehnte Nick-Knatterton-Spannung. Gottlob können sie Guttenberg reaktivieren, den reuigen Lügenbaron, der nach Abflauen der Euro-Tragödie für Glanz und Elend sorgen wird. 

Die Bevölkerung ist nicht egoistischer als man sich an fünf Fingern ausrechnen kann. Sie ist in jene zwei Moralen gespalten, in denen sie seit Jahrtausenden sozialisiert wird: in private Solidarität und politischen Egoismus. Die karitativen Ausgaben der Menschen steigen noch immer, obgleich ihre realen Einkünfte ...

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Mittwoch, 23. November 2011 - Feindschaft der Ungleichen

Archiv-Tagesmails - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Billionen,

zuviel freischwebende Geldmassen in der Weltwirtschaft, es herrsche „Anlagenotstand auf Erden“. Schreibt Ulrike Herrmann in der TAZ.

Obwohl Amerika wesentlich mehr Schulden hat als europäische Staaten, fließt das Geld der Anleger ungehindert und angstfrei übern großen Teich. Der Grund: die US-Notenbank Fed kauft alles, was von der Welt verschmäht wird. Als letzte Adresse für ungeliebte Staatsanleihen, so versteht sich die Fed. Als „lender of last resort“, als Kreditgeber der letzten Instanz.

Das hat etwas Tröstliches und Jesuanisches: kommet her, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Klingt einfach und genial, wo ist der Haken? Die Fed muss sich aufblähen, Mammon ad infinitum drucken. Die freischwebenden Geldmassen werden noch voluminöser, der Anlagenotstand auf Erden noch dringlicher und notständiger. Es ist wie bei Messiassen, die so viel – zu viel – Gutes anzubieten hätten, wenn, ja wenn die böse Welt es nur annehmen könnte.

Erlöser sind zu gut für diese Welt, die Welt hat sie nicht verdient – also muss sie vernichtet werden. Man könnte auch von Überdüngung sprechen. Wohin mit den Wohltaten für die ausgelaugte Krume, wenn diese schon resistent geworden ist gegen die Segnungen der Kunstdünger der BASF? Man könnte ja erstmal ...

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