Montag, den 24. Oktober 2011

Kommentar vom Sokratischen Marktplatz (aus:Tagesmail vom 09.03.2012)

Die beiden Kontrahenten reden aneinander vorbei.

 

Die beiden Lager reden aneinander vorbei. Während die einen vom iranischen Volk reden, nicht vom Regime, reden die anderen vom Regime, nicht vom Volk. Die einen machen den Westen für die ansteigenden Spannungen verantwortlich, die anderen den Iran.

Dass Dauerkonflikte kein Entweder–Oder kennen, sondern in komplementärer Hinsicht Mitschuldige, scheint in der internationalen Politik verloren gegangen zu sein.

Stereotype Schuldzuweisungen führen nicht zur Deeskalierung. Wenn es nur noch Achsen des Guten und des Bösen gibt, bleibt nur die Vernichtung des Anderen.

 

In seinem Vortrag vor der amerikanischen Israel-Lobby erinnerte Netanjahu ständig an den Holocaust. Die Instrumentalisierung des Holocaust zu aktuellen Zwecken nennt Finkelstein „Holocaust-Industrie“.

Müsste man Ahmadinedschads Worte auf die Goldwaage legen, wäre Israels Angst berechtigt. Ist er aber nicht ein bedeutungsloser Worterassler – und die wahren Machthaber bleiben im Hintergrund?

Was hat Netanjahu unternommen, um Friedenssignale auszusenden? Braucht er ein externes Feindbild, um mit Kriegsgerassel von innenpolitischen Problemen abzulenken? Kein Wort ist mehr zu Friedensverhandlungen mit Abbas zu hören, kein Wort zu den Gerechtigkeitsforderungen der jungen Demonstranten in Tel Aviv.

 

Der Freiburger Gernot Erler, außenpolitischer SPD-Sprecher, schafft es, allen Problemen elegant auszuweichen und sich in Plattitüden zu ergehen. Unter der Maske des guten Freundes spielt Deutschland den unzuverlässigen Verräter.

 

Schon jetzt wirft der mögliche Waffengang zwischen Iran und Israel seine Schatten voraus, verstärkt die Grabenbildung zwischen einseitigen Gegnern Israels, die zu wenig auf die Ängste des kleinen Landes eingehen und einseitigen Unterstützern Jerusalems, die alle Schuld beim Feind ausmachen.

 

Schwarz und Weiß, Gut und Böse, religiöse Kampfbegriffe sind die Hauptkategorien der internationalen Politik. Die besten Voraussetzungen für eine globale Welt mit grenzenloser Wirtschaft und endlos wachsendem Wohlstand.