Montag, den 24. Oktober 2011

Wissenschaft in der Hand der Politik

Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Jacobs University Bremen, der Johannes Kepler Universität Linz sowie der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar haben eine Studie

im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellt:

"Lebenswelten junger Muslime in Deutschland"

Ziel der wissenschaftlichen Studie war, das Ausmaß und die Ursachen radikaler Einstellungen und Verhaltensweisen junger Muslime in Deutschland abzubilden und kausal zu erklären.

Diese Studie wurde von Innenminister Hans-Peter Friedrich der Bild-Zeitung vorab zur Verfügung gestellt und erst nach der Veröffentlichung in der Bild-Zeitung erhielten Wissenschaftler Zugang zur der Studie.

Die Veröffentlichung in der Bild-Zeitung war eindeutig tendenziös, negative Teil-Ergebnisse wurden herausgenommen und der Innenminister benutzte die Bild-Zitate, um ressentimenthaft die Drohung zu verbreiten: "Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben."

Die Verfasser der Studie selbst sollen entsetzt sein, was der Innenminister und Bild aus ihrem Werk gemacht haben.

Es gab viel mediale Kritik zum „Populismus“ des Innenministers. Was kaum thematisiert wurde, war, dass die Studie selbst nicht repräsentativ war, also das wichtigste wissenschaftliche Kriterium nicht erfüllt ist, um aus einer empirischen Untersuchung Rückschlüsse auf reale Zustände ziehen zu dürfen.


Ein Forschungsteam an der Humboldt-Universität zu Berlin hat die Studie sofort überprüft:

Stellungnahme zur Studie  "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland"

Ihr Ergebnis: „Die Studie ist zur Beantwortung der gestellten Forschungsfragen nur bedingt geeignet“.

In der kritischen Stellungnahme werden differenziert die inhaltlichen und methodischen Schwächen der Studie analysiert und festgestellt, dass die „Repräsentativität nicht gewährleistet“ sei.  (Stand 03.03.2012)

 

Weiteres zur Problematik von Wissenschaftlichkeit

siehe unsere Tagesmail "Zahl und Herrschaft"