Totholz gegen Donnergugis

Vorbild Natur - Dienstag, den 04. Oktober 2011

Totholz gegen Donnergugis

Den – trotzdem zu schützenden – Hirschkäfer müssen wir leider in die negative Kategorie „Natur als Vorbild“ aufnehmen. Die Ähnlichkeiten mit den männlichen Wesen der Spezies homo sapiens sind zu erschreckend. Dieser Waldbewohner (Lucanus cervus) ist (auch) nur ein Angeber, der mit äußerlichem Pomp und Riesengeweih verschleiern will, dass er in völliger Abhängigkeit von seinen Weibchen in einem Matriarchat lebt.

Schon sein Spitzname „Donnergugi“ (von Donnergott Thor) ist völlig lächerlich, passt allerdings herr-lich auf seine menschlichen Pendants. Und dass der Donnergugi aus der Familie Schröter stammt, sagt alles. Diese herumkrabbelnden Möchtegern-Machos aus der Schröter-Clique können nicht einmal alleine fressen, nein, ihre Weibchen müssen ihnen das Futter vorrichten, damit die Männchen es einschlürfen können. Ihre demonstrativen Riesengeweihe dienen nämlich nicht dazu, Nahrung zu finden und zu zerkleinern, nein, sie sind nur Kampfwaffen, um Konkurrenten bei den Weibern zu besiegen.

Dazu kommt, dass sie ihre Wettbewerber nur auf den Rücken legen können – sie kennen immerhin schon das Gesetz der Hebelwirkung – aber mit Kneifen und Beißen zur Bewältigung des Alltags ist nix. Das können – typisch – die kleinen fitten Weibchen mit ihren kleinen Geweihchen: kräftig zubeißen – und mütterlich versorgen.

Die Entwicklung der Nachkommenschaft der Donnergugis ist zwar eher un-menschlich, ...

... aber es gibt durchaus auch hier Parallelen zu entdecken: z.B. entwickeln sie sich sehr langsam. Bis aus Schläfern echte Donnergugis werden, müssen die Larven bis zu 8 Jahren in Eichen-Totholz heranreifen. Und was können Sie dann? Sich bedienen lassen und Konkurrenten bekämpfen.

Die Larven werden also im "Totholz" von Eichen eingelagert, wo keine Säfte mehr ließen. Welchen Einfluss das auf die Intelligenz der Donnergugis hat, wurde noch nicht herausgefunden.  

Ihre Überlebenschancen waren offensichtlich schon immer begrenzt: die Römer liebten es, die Larven als Delikatesse einfach aufzuessen, die Neuzeit-Deutschen dagegen klauen ihnen alles Totholz, um es kapitalistisch in Cash umzusetzen.

Und wenn die Donnerggis noch nicht alle gestorben sind, dann leben sie nicht mehr lange.