Umwälzung III

Tagesmail - Montag, den 01. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung III,

„Und Ihnen und Ihren Familien wünsche ich Gesundheit, Kraft, Zuversicht und Gottes Segen für das neue Jahr 2018.“ (Deutsche Kanzlerin)

Wenn das Wohl eines Landes dem Segen eines unbekannten, nicht-existenten, allmächtigen Männergottes ausgeliefert wird, hat eine deutsche Kanzlerin die letzte Schamgrenze zum Gottesregiment überschritten. Gottes Segen erhalten nur Gläubige. Da es in diesem Land – Gott sei‘s geklagt – immer mehr Ungläubige gibt, könnte sich der Segen in Fluch verwandeln. Könnte nicht, er wird es.

„Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen so ihr gehorchet den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, so ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes, und abweichet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, daß ihr andern Göttern nachwandelt.“

Segenswünsche für fromme Untertanen sind Fluchwünsche für den gottlosen Rest. Vielen Dank, liebe Angela, für Deine hintergründigen Verfluchungen. Als beinharte Physikerin, der Mathematik nicht unkundig, wirst Du das Problem erkannt haben: was geschieht mit dem Gesamtwohl des Landes, wenn Segen über die rechtgläubige Minderheit, Fluch über die verdammenswerte Mehrheit kommt? Als Pastorentochter wirst Du Abrahams Fürbitte für Sodom kennen. Wie viele Gerechte muss Deutschland haben, dass Dein Männergott nicht Pech und Schwefel über Dein Land regnen lässt? Genügen 50, 20 oder 10 Kauders, Göring-Eckardts oder Andrea Nahles‘, damit Armageddon nicht in Berlin beginnt?

Kennst Du noch den Begriff Laizismus – oder hast Du ihn schon auf dem Altar Deiner lutherischen Obrigkeit geopfert? Genügt es Dir, wenn Begriffe auf dem ...

... Papier stehen, im prallen Leben aber – so ganz beiläufig und mit unschuldiger Miene, die Du ja vollendet beherrschst – dem Orkus übergeben werden? Was meinst Du, welche Wirkungen Deine Segenswünsche auf jene haben, die, nach Glauben Deines Reformators, in der Hölle enden werden?

Kennst Du noch den Großen Katechismus Deines hochgerühmten Reformators, der allen Ungläubigen prophezeit (Antwort auf die Frage 206: Wem wird das ewige Leben zuteil?):

„Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“

Mit Deinem Segen hast Du den Zorn Gottes über die Mehrheit Deines Volkes heraufbeschworen. Ach, war Dir gar nicht bewusst? Nanu, so wenig bibelfest? Dann könntest Du doch wenigstens vor die öffentlich-rechtgläubigen Kameras gehen, Dich entschuldigen und Deinen vergifteten Segen mit allen Gesten des Bedauerns zurücknehmen. Wäre doch nicht zu viel verlangt – oder?

Dein Wort zum neuen Jahr ähnelt dem wöchentlichen Wort zum Sonntag: keine Realität nirgends. Man könnte sich fragen, wo Du eigentlich lebst, dass Du Dir sagen lassen musst, was beim „kleinen Mann auf der Straße“ – die kleine Frau interessiert ohnehin niemanden – täglich abgeht.

„Die einen sagen - Die anderen sagen.“

Ja, was sagst denn Du? Lässt Du Dir nur berichten, was in Deinem Volk vorgeht? Haben denn die, die das Eine und das Andere sagen, Recht – oder sagen sie Dir nur, was Du hören willst, damit Du die Erfolgreichen belobigen und die Anderen zu Seelsorgern und Psychotherapeuten schicken kannst?

„Die anderen sagen: Es gibt zu viele Menschen, die an diesem Erfolg nicht teilhaben. Die nicht mit dem Tempo unserer Zeit mitkommen. Beides sind Realitäten in unserem Land: der Erfolg und die Zuversicht, aber auch die Ängste und die Zweifel“.

Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass Du alle Dinge nur antippst und nichts erklärst. Dass Du Probleme des Landes nur als Vorlage benutzt, um Deine umfassende Fürsorglichkeit zu erklären.

Für mich ist beides Ansporn. Diesem Auftrag fühle ich mich verpflichtet.“

Mit anderen Worten: Du kommst frisch-fromm-fröhlich zur Tür herein, fragst, wo sind die Probleme – um die Geste Deines Erlösers einzunehmen: All eure Sorgen werfet auf Mich, denn Ich sorge für Euch, lassen wir diese nervtötenden Debatten auf dem politischen Marktplatz.

Geht es nur um psychologische Probleme bei den Zweifelnden und Ängstlichen oder um handfeste Gründe, die Ängste und Zweifel erst hervorrufen? Bist Du, als gelernte christliche Sozialistin, etwa Deinem geschichtsfrommen Marx untreu geworden, für den alle psychischen Probleme Folgen materieller Probleme waren? Behauptest Du nun das Gegenteil: alle Probleme sind psychisch, materielle Probleme gibt es nicht mehr in Deiner erwartungsvoll zu Dir aufblickenden Gesellschaft?

Beiläufig sprichst Du vom Tempo unserer Zeit, als sei es der oberste Gott unserer Zeit. Wer hat ihn denn zum Gott gewählt? Wer hat ihm erlaubt, eine Demokratie zu regieren? Ist irgendjemand gefragt worden, ob er Tempo als höchste Instanz der BRD – noch über Parlament, Verfassungsgericht und Regierung – akzeptieren kann?

Oder denkst Du wieder einmal an Deinen christlichen Gott, der ein Gott der Zeit sein soll? 1000 Jahre sind vor Gott wie ein Tag. Wenn Gott 1000 Jahre des Menschen auf einen Tag verkürzt und dieses Tempo über Nacht seinen Kreaturen zumutet, dann Gnade ihnen Gott. Dann müssen sie sich warm anziehen, um das höllische Tempo – pardon, das himmlische Tempo – zu überstehen.

Nicht zum ersten Mal, dass Du Dich in Deiner Tagespolitik auf den Gott der Zeit – oder des Kairos – beziehst. Dies ist die Zeit, dies ist nicht die Zeit, dass

„Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahinmüssen. Denn unsere Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz. Unser Leben fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“

Nun verstehen wir Deine knappe Redekunst – oder Dein mysteriöses Schweigen. Du willst Dein Leben nicht wie Geschwätz verbringen. Im Jüngsten Gericht musst Du über jedes unnütze Wort Rechenschaft ablegen. Das sollten Deine Untertanen endlich kapieren und Dich nicht immer zum Schwatzen verführen.

In der Schule lernen wir, Demokratie ist Herrschaft des Volkes. Kaum im wirklichen Leben angekommen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Demokratie von Supergöttern bestimmt wird: vom Fortschritt, ökonomischem Wachstum, Beschleunigung, Digitalisierung, Vernichten alter und Schaffen neuer Arbeitsplätze, unendlicher Kluft zwischen Reich und Arm, von Wettbewerb und Naturzerstörung. Für meditative und flanierende Geister ist Demokratie offenbar nicht geeignet.

Auch nicht für Nachdenkliche, denn Denken kostet Zeit. Gedankenlos hasten und rennen, um „wirtschaftlichen Erfolg“ zu erzeugen, das ist das Gebot grenzenloser Begierde. „Wirklich gut geht es Deutschland, wenn der Erfolg allen Menschen dient und unser Leben verbessert und bereichert.“

Mal ne doofe Frage. Wie kann unser Leben verbessert und bereichert werden, wenn wir – wie die Einen sagen – bereits in Milch und Honig waten?

Wer denkt an die Menschen in der Welt, die durch unseren grenzenlosen Wohlstand immer mehr geschädigt werden? Sei es durch hemmungslosen Naturverbrauch, der immer mehr das Klima anheizt. Sei es durch ungerechten Freihandel, der niemandem eine Chance lässt, selbst zu produzieren. Du sprichst von einem gerechten Europa. Nicht von einer gerechten Welt. Was wohl Deine Freunde, die Griechen, von Deiner Rede eines gerechten Europas halten? Und was denken die vielen Flüchtlinge, die durch erdrückende Überlegenheit der westlichen Wirtschaft keinen Fuß auf den Boden kriegen?

Von anderen musst Du Dir sagen lassen, dass es einen Riss durch unsere Gesellschaft gibt. Dachtest Du, Du würdest eine homogene Schafherde regieren? „Schon lange gab es darüber nicht mehr so unterschiedliche Meinungen. Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht.“

Schon lange nicht? Meinst du, so lange nicht, wie Du regierst? Unglaublich, aber wahr: diese unterschiedlichen Meinungen gibt es spätestens seit dem Einbruch des Neoliberalismus. Einige meinen, bereits seit der revolutionären Studentenbewegung – von der Du vermutlich nur von weitem gehört hast.

Es fällt auf, dass Du Begriffe wie Kapitalismus und Neoliberalismus nie in den Mund nimmst. Als Besiegerin des Sozialismus bist du womöglich der Meinung, solche Klassenkampfbegriffe seien längst Makulatur. Seit Deinem lautlosen Regiment ginge es nur noch um Wettbewerb und Fortschritt. Alles andere sei Schnee von gestern. Nicht um Klassenkämpfe zur Herstellung der Gerechtigkeit ginge es – links und rechts seien obsolet sondern um nationalen Wettlauf, um Gewinnen der Zukunft. Selbst schuld, wer zum „Verlierer der Moderne“ wird.

Kann es sein, Angela, dass Dein christliches Weltbild ein versteckter Sozialdarwinismus ist? Zwischen dem Wettlauf um das Himmelreich und dem in die Etagen der EINPROZENT gibt es keinen Unterschied. Prediger lassen die dumpfe Masse im falschen Glauben, christliche Nächstenliebe schließe erbarmungslosen Wettbewerb aus. So kann man auch betrügen.

„Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber nur einer erlangt das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet! Ein jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streicht; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn."

Alle laufen, viele sind berufen, nur einer kommt aufs Treppchen Gottes. Es muss gekämpft werden, damit man seinen Konkurrenten schlägt. Durch Selbst-Optimierung. Psychologen beklagen die zwanghafte Selbstverbesserung der Menschen, als hätten Psychopathen ihn erfunden. Nicht mal die Ökonomen haben ihn erfunden, sondern – die Theologen. Das Christentum und seine neoliberalen Ableger sind die schlimmsten Sozialdarwinismen der Geschichte.

Wer lustvoll leben will, hat Pech gehabt. Wer gewinnen will, muss sich zusammenreißen. Sinn des Lebens ist nicht schnödes Glück, sondern Leisten, Leisten, Produzieren, Geld aus Dreck machen.

Kein Zufall, dass in Deiner ganzen Rede nichts von Glück und Zufriedenheit zu hören war. Von Zufriedenheit schon gar nicht. Denn Zufriedenheit ist hierzulande Selbstzufriedenheit. Alle Wörter, die mit selbst beginnen, sind in einer fremd-gesteuerten Gesellschaft verfemt. Selbst denken, selbst entscheiden, selbst Gerechtigkeit herstellen: alles stammt von der Sünde der Autonomie, auf Deutsch: der Selbst-Bestimmung.

Liebe Angela, der Begriff wird Dir nichts sagen: Du bist eine Gegenaufklärerin. Aufklärung legt Wert auf selbstbestimmtes Denken und Handeln. Solche Wörter spuckst Du aus Deinem Munde. Von philosophischen Grundfragen unseres Daseins hast Du ohnehin keine Ahnung. Vermutlich denkst Du noch immer, der gottlose Marxismus sei Inbegriff weltlicher Philosophie gewesen. Wer jenen besiegt hat, der hat alle besiegt. So kann man sich täuschen, wenn man sich daran gewöhnt hat, das Denken den Pastoren – und Ökonomen zu überlassen.

Dein Weltbild ist schlicht: Gott regiert die Geschichte. Wenn Faktoren wie Ökonomie, Digitalisierung, grenzenloses Wachstum die Geschichte regieren, dann deshalb, weil Gott es gewollt hat. Du segnest die Wirklichkeit, als sei sie göttlich. Natürlich weißt Du um die bösen Seiten der Realität. Aber auch die sind von Gott, sonst hätte er sie nicht zugelassen.

Dein Berliner Hauptgebet stammt von einem schwäbischen Philosophen – nein, nicht von Kretschmann. Alles, was wirklich ist, ist vernünftig (also göttlich), alles, was vernünftig (göttlich) ist, muss ergo Wirklichkeit sein.

Warum Du bisher alternativlos regieren konntest? Das liegt an Deinen Kritikern. Sie nörgeln an Dir herum, doch Deine religiöse Politik erkennen sie nicht: denn auch sie sind religiös, doch wissen wollen sie es nicht. So ist es im heiligen Neugermanien.

Deine Rede trieft von nationalem Autismus. Weder die Welt kommt vor, noch die Klimakatastrophe, noch die Trumpisierung des Westens – den Europa immer mehr imitiert. Israel, Deinen angeblichen Augapfel, erwähnst Du mit keinem Wort. Trump hast Du, mit vielen Nationen, kritisiert, weil er den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern mit dem Holzhammer geschwächt hat. Netanjahu – und seine gefügige Springerpresse – hat all diese Länder attackiert. Auch Dich, ohne Deinen Namen zu erwähnen. Dennoch hältst Du es nicht für nötig, ein einziges aufklärendes Wort zu diesem zentralen Krisenherd des Westens zu verschwenden. Unter uns: kann es sein, dass Du Dich nicht nur vor Hunden fürchtest, sondern auch Angst hast, gegen Freunde aufrecht Deine Meinung zu sagen?

Europa erwähnst Du im Vorübergehen:

„Es wird darum gehen, ob wir Europäer in der globalen und digitalen Welt unsere Werte solidarisch und selbstbewusst nach innen wie nach außen vertreten.“

Hast Du je definiert, was unsere Werte sind? Oder hältst du dies für überflüssig, weil ohnehin jeder wissen sollte: es handelt sich um christliche Werte? Vermutlich stimmst Du jenen pastoralen Lügnern zu, die hemmungslos in die Welt posaunen, Demokratie und Menschenrechte seinen Erfindungen Gottes (so geschehen an Weihnachten in einem ZDF-Gottesdienst).

Hast Du Dich jemals intensiv mit der griechischen Polis auseinandergesetzt? Könnte es pardon sogar sein, dass Du unbewusst die modernen Griechen hasst, weil Du den alten nicht gönnst, Urheber der Demokratie und der autonomen Menschenwürde zu sein?

Gewiss, knallharte PhysikerInnen halten nichts von Begriffen wie Es und Über-Ich. Was sich nicht quantifizieren lässt, sind für sie magische Rituale. Gleichzeitig haben sie keine Schwierigkeiten, den göttlichen Schöpfer des Urknalls zu suchen – oder an einen göttlichen Herrn der Geschichte zu glauben. Wenn Physik zur schwärmerischen Metaphysik wird.

Der deutsche Nationalcharakter reduzierte sein Gesichtsfeld vor allem auf Innerlichkeit. Die äußere Welt war entweder unerkennbar oder ein Feld minderwertiger Tatsachen. Das scheint noch heute zu gelten.

Innerlichkeit ist bei Dir zur Innenpolitik geschrumpft. Alles um Deutschland herum scheinen belanglose Äußerlichkeiten für Dich zu sein. Man wagt es gar nicht laut zu sagen: die mächtigste Frau der Welt ist geprägt von Realitätsverlust, von elementarer Seins- und Weltvergessenheit. Sie betreibt deutsche Identitätspolitik mit abendländischen Werten. Werte sind für sie private Tugenden. Wie etwa die Achtung vor dem Anderen. Achtung als politische Kategorie – gegenüber schwächeren Ländern, Achtung als Solidarität der europäischen Länder: das gibt es nicht.

„Dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält, dass wir wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund stellen, dass wir uns bemühen, wieder mehr Achtung vor dem anderen zu haben, und zwar Achtung im umfassenden Sinne aufmerksam sein, wirklich zuhören, Verständnis aufbringen , das sind meine Wünsche für das neue Jahr.“

Was uns im Innersten zusammenhält: da haben wir die Innerlichkeit, die faustisch klingen soll. Die Fremden, die hier integriert werden sollen, können an dieser faustischen Innerlichkeit nicht teilnehmen. Schon gar nicht, wenn sie einer unfaustischen Religion angehören.

Was hält uns im Innersten zusammen? Darüber hast Du bei einem Kindergartenbesuch Auskunft gegeben. „Psst, psst“, ermahntest du die Kinder. „Wer kann englisch, wer kann russisch?“

Anstacheln der Kinder zu machtgesteuerter Leistung, frühe Spaltung der Ehrgeizigen von den Träumern: das ist Deine Welt – und sonst gar nichts. Abgesehen von der Religion, die alles ersetzen muss, was die eindimensionale Leistungswelt verfaulen und verkümmern lässt. Lebenslust, Lebensfreude? Die kennst Du nur unter dem Motto: freuet euch in dem Herrn, und abermals sage ich euch: freuet euch.

Deine Weltblindheit entlarvt sich am deutlichsten, wenn man Deine Ansprache mit der Neujahrsrede des UN-Generalsekretärs Guterres vergleicht:

„Ich schlage Alarm – die rote Alarmstufe für unsere Welt“, hieß es in der am Sonntag in New York veröffentlichten UN-Erklärung. Guterres betonte, dass sich im abgelaufenen Jahr viele bewaffnete Konflikte verschärft hätten und neue Konflikte ausgebrochen seien. Die globalen Ängste vor nuklearen Waffen seien heute so stark wie zu Zeiten des kalten Krieges. Auch erlebe die Welt schreckliche Verletzungen der Menschenrechte. Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit stiegen weiter an, der Klimawandel drohe außer Kontrolle zu geraten. Der UN-Generalsekretär unterstrich, dass die Welt nur gemeinsam die Gefahren überwinden, Konflikte lösen und Vertrauen wieder gewinnen könne.“ (WELT.de)

Guterres’ Rede, die sich auf die ganze Weltlage bezieht, ist von elementarer Eindringlichkeit. Davon ist bei Dir, Angela, nichts zu spüren. Selbst der chinesische Machthaber Xi Jinping übertrifft Dich an relevanten globalen Aussagen:

„China wird im Neuen Jahr nach den Worten seines Staatschefs Xi Jinping seinen Teil zur Verteidigung der internationalen Weltordnung und zum Klimaschutz beitragen. Mit Blick auf die internationale Politik hob Xi hervor, dass China nachdrücklich für "die Autorität der Vereinten Nationen" einstehen werde. Auch seine Verpflichtungen für den Klimaschutz werde sein Land einhalten.“ (SPIEGEL.de)

Solange deine Machtinstinkte funktionieren, Angela, scheint es Dich wenig zu interessieren, wie sie funktionieren. Stumm gibst Du den Deutschen, was sie benötigen: Trost in der zunehmenden Kälte des Universums. Auch Du weißt keineswegs, wo die Deutschen kopflos herumirren. Doch es genügt Dir, dass Dein Gott es weiß. Politik ist für Dich Gehorsam unter Gottes Willen.

Deine Ansprache hatte mit Politik fast nichts zu tun. Du hast eine Predigt gehalten: Deutsche, alles paletti, solange ihr tut, was ich euch sage. Arbeitet, bringt Leistung, macht mir keine Schande im internationalen Wettbewerb der Völker. Alles andere kommt von selbst.

„Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“

Unter der charismatischen Regierung einer Pastorentochter wollen die Deutschen das Wunder erbringen, zu rackern wie Berserker, Geld zu scheffeln wie Rockefeller – und sorglos zu sein wie Lilien auf dem Feld. Nicht das erste Mal, dass die Deutschen, gesegnet von Oben, sich als Wundermänner der Geschichte präsentiert hätten. Danach der Absturz.  

 

Fortsetzung folgt.