Samstag, 03. September 2011 - Holocaust und Abendmahl

Archiv-Tagesmails - Montag, den 19. September 2011

Hello, Freunde der englischen Jugendlichen,

in den Medien werden sie Ungeziefer genannt. Hier endlich einmal das Gespräch mit einer Frau, die sich um diese Kids kümmert und verschiedene Tätergruppen unterscheiden kann. Interessant, dass die Medien nur den Raub teurer Fernseher und Markenturnschuhe meldeten, nicht den von Babymilch oder Windeln. Sonst hätten sie fragen müssen: warum müssen in einem reichen Land Lebensmittel gestohlen werden?

Wer hat gewusst, dass teure Markenartikel die Stehler vor Angriffen bewahren? Jeder vermutet richtig, dass die teuren Konsumprodukte geklaut sind und die Täter ergo von einflussreichen Gangs oder Drogendealern geschützt sein müssen. Es ist wie im wahren Leben. Wer im teuren Mercedes-Cabrio mit offenem Verdeck und plärrender Musik durch die Stadt paradiert, darf sich auch geschützt fühlen – durch die Tycoonregeln des Kapitalismus.

Vom Ungeziefer zum basalen Bösen. Sind Breivik & Co Verkörperungen des Bösen? Für einen Gerichtsgutachter gibt’s diese theologische Kategorie nicht. Er will den Täter verstehen, nicht ohne eine gewisse Basissympathie für den Übeltäter. Denn ganz ohne Empathie ginge dieses schwierige Geschäft nicht, sagt ein forensischer Gutachter in der TAZ. Auch Verbrecher hätten eine Würde. Ob man Leute wie Broder als geistige Brandstifter der Taten Breiviks benennen könne? Das sei Unsinn, behauptet der Psychiater, ... 

... das Anschauen eines Quelle-Katalogs mit Kindermoden verleite auch niemanden zur pädophilen Tat.

Das halte ich wiederum für Unsinn. Natürlich geht’s nicht um simple Monokausalitäten, sondern um eine Gesamtstimmung in der Gesellschaft, die sich aus vielen Quelle-Katalogen, TV-Serien und relevanten Hauptströmungen des Zeitgeistes zusammensetzt. Zu sagen, hier spielen viele Faktoren eine Rolle, also dürfe man keine speziellen herauspicken, entspricht ebenfalls dem Zeitgeist, der zwar immer und gern Verantwortung übernimmt, aber nur, um sich hinter derselben zu verstecken. Wenn alle schuldig sind, ists niemand mehr, das ist das Gesetz der undurchdringlichen Anonymität einer hochkomplexen Moderne.

Niemand hätte Broder verübelt, sich einmal selbst zu befragen, ob seine einseitigen Attacken gegen immer dieselben Minderheiten nicht zu einem Gesamtklima beitragen, das den Norweger erst zu seiner Schreckenstat ermutigte. Dessen dickes Memorandum zeigt doch zur Genüge, wie viel Recherchen er als Abstützungen seines Vorhabens nötig hatte, um des „Segens“ des Zeitgeistes in ganz Europa versichert zu sein. Hier müsste sich jeder an die eigene Nase langen, der sich der Broderei politisch nicht klar widersetzt hat.

Davon abgesehen, wehrt sich der mit gesundem Menschenverstand arbeitende Gutachter zu Recht gegen die Determinierungsdogmen der Gehirnheinis, wir seien nix als ausführende Organe der Amygdala. Klar, dass am Schluss des Gesprächs das korrekte Glaubensbekenntnis stehen muss. Auch für die gottlose TAZ. Amygdala ist übrigens jene paarig auftretende Mandel, die man besser nicht operativ entfernen sollte, damit die Kinder nicht so oft Halsweh kriegen.

Morgen sind Wahlen in Angies Stammland, da, wo sich Fuchs und Has Gut Nacht sagen. Die Leute wandern weg, Jobs sind Mangelware, die Tüchtigen verschwinden, übrig bleiben die Alten, Loser und die Rechten. Diese Entwicklung sei unvermeidlich, sagt ein IFO-Wirtschaftler. Wer etwas werden wolle, müsse in die Stadt ziehen. Natürlich müsse eine Grundversorgung gewährt bleiben, das sei die Pflicht des Staates. Ausländer zu holen, hätte keinen Sinn, denn dadurch würden auch keine neuen Arbeitsplätze entstehen.

Für „Raumpioniere“ seien das hingegen ideale Reviere, um neue Konzepte des Zusammenlebens auszuprobieren. Der Effekt ist aus Amerika bekannt. In heruntergekommene Industriereviere oder verlassene Slums ziehen Künstler, Studenten und wagemutige Leute, die in den Wüsten der Zivilisation ihr uramerikanisches Frontierleben ins Leben zurückrufen wollen.

Und zum Schluß noch das abstoßende Beispiel einer Hochschule, die sich derart der Industrie ausliefert, dass sie alle Profite ihren Kapitalgebern aushändigt, alle Schulden dem Staat aufbürdet - die Uni Lüneburg.


Zum Breivik-Gesamt-Kommentar siehe: Kontroversen – Der Fall Breivik