Philosophische Tagesmails

Neubeginn LXXX

Tagesmail - Montag, den 06. November 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXX,

noch 12 Jahre Zeit. Zwölf Jünger Jesu. Die zwölf Artikel der Bauern. Zwölf ist eine heilige Zahl, danach könnte das Unheil kommen, das ersehnte und befürchtete:

„In den nächsten zwölf Jahren müssen die globalen Emissionen um 20 Prozent sinken, wenn die Klimakatastrophe verhindert werden soll. Um das in Paris festgeschriebene 2-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Emissionen nach 2030 also extrem schnell auf null absinken. Das ist unrealistisch und wäre extrem teuer.“ (TAZ.de)

Kinder, die in diesen Jahren geboren werden, gehen einer vorapokalyptischen Welt entgegen. Zum ersten Mal in der Weltgeschichte mutet die Menschheit ihren Neugeborenen eine menschengemachte VERWÜSTUNG der Erde mit unermesslichen Folgen zu.

Asiatische und afrikanische Landstriche werden unbewohnbar. Gletscher schmelzen, Meeresspiegel steigen an. Fidschi-Inseln werden verschwinden. Wasser wird knapp und ungenießbar, Stürme, Überschwemmungen, Gluthitze werden Millionen Menschen vertreiben, die in die weniger gepeinigten Erdteile flüchten. Der Fremdenhass der dortigen Privilegierten, identisch mit den Urhebern der Naturzerstörung, wird explodieren und zu Bürgerkriegen führen. Die verschärften Verteilungskämpfe um Land und Lebensmittel könnten atomare Weltkriege entfesseln.

Chor der Neugeborenen: Warum tut ihr uns das an, die ihr uns ungefragt in die Welt gesetzt habt?

Chor der Erwachsenen: Zu Unrecht klagt ihr uns an, wir sind selbst Opfer – der unaufhaltsamen Entwicklung, des Gangs der Geschichte.

Chor der Neugeborenen: Wer sind die Täter? Wen müssen wir anklagen?

Chor der Erwachsenen: Oh ihr Kleinen. Aus euch spricht die Unschuld der Unwissenden. Also wisset: nicht zu allen Taten gibt es Täter.

Chor der Neugeborenen: Oh, ihr Erwachsenen, die ihr wissend und dennoch ...

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Neubeginn LXXIX

Tagesmail - Freitag, den 03. November 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXIX,

gibt es einen Terrorismus des Staates gegen seine Untertanen?

„Es war wohl ein glücklicher Zufall, dass in dieser Woche noch Herbstferien sind. Deshalb befanden sich keine Schüler im Foyer der Spandauer Carlo-Schmid-Sekundarschule, als dort großflächig die Zwischendecke herabstürzte.“ (Berliner-Zeitung.de)

Reines Glück, reiner Zufall, dass Kinder in einer bankrottierenden Schule nicht zu Schaden kamen. Es hätte Verletzte und Tote geben können.

Terroristische Einzeltäter werden als besonders verrucht geschildert, indem man ihnen einen „absichtlichen Tötungswillen“ unterstellt. Der staatliche Terrorangriff gegen Spandauer Kinder wird nur als bedauerlicher Unfall in einem Nebenbericht erwähnt. Unkommentiert.

Ein korrekt böses, bewusst gewolltes Attentat auf Menschen wird von den Medien als Leckerbissen zelebriert. Schlechte Nachrichten sind gute, böse sind die allerbesten:

Was wir über den Ablauf der Ereignisse wissen, was wir nicht wissen. Herkunft, Glaube und Motive des Täters. Die ihn kannten, schildern ihn als unauffälligen, ja netten Zeitgenossen. Mitgefühlsreaktionen aus aller Welt. Wir sind Charley Hebdo. Eine Stadt im Schock. Eine bewusst geplante Tat, die sich gegen unser aller freiheitlichen Lebensstil richtete.

Der biografische Hintergrund des Täters wird in allen Einzelheiten ermittelt: aus welchem Land? welcher Glaube? erfolglos? erfolgreich? Religiöse Motive? Motive eines rachsüchtigen Versagers? Welches Geschlecht? Nein, das Geschlecht steht geradezu a priori fest: Täterinnen sind verschwindende Ausnahmen. Nur eins ist den Medien ...

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Neubeginn LXXVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 01. November 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXVIII,

L-U-T-H-E-R. Das Urbild aller deutschen Heroen, Führer und Söhne der Vorsehung, wortmächtiger Kämpfer gegen die Lügen seiner Zeit, wird 500 Jahre danach mit Lügen gefeiert. Ein enormer Fortschritt: von katholischen zu ökumenischen, von konfessionellen zu nationalen Lügen. In einem staatsfinanzierten Musical, übertragen von einem staatstreuen Sender, wird der Reformator

„in einer tausendstimmigen Apotheose zum Führer der westlichen Welt, zum Vorkämpfer der Aufklärung, zum Schutzpatron des Individuums, zum Ritter des Gewissens, zum Erfinder der intellektuellen Emanzipation von Autoritäten, zum Edelsten aller Sterblichen, der sich aber dabei auch noch im Ton mäßigen kann. "Ich will selber denken!" (ZEIT.de)

Alles gelogen. Er verfluchte die Aufklärung der Renaissance und des Humanismus, unterwarf das autonome Gewissen einem schrecklichen Gott und verwandelte die Abhängigkeit von Priestern in totale Abhängigkeit von einer unfehlbaren Schrift. Die klerikalen Mittler zwischen Mensch und Gott transformierte er in einen papiernen Papst, dessen Offenbarungen wortwörtlich befolgt werden mussten. Jahrhunderte später radikalisierte sich die buchstäbliche Unfehlbarkeit zur subjektiven Deutungswillkür, die es allen Geistbegabten erlaubte, die Heilige Schrift jeder unheiligen Zeitgeistphilosophie zu prostituieren.

„Ich will selber denken“: Luther als Vorläufer Kants auszugeben, ist der helle Wahn. Mündigkeit ist nach Kant die Fähigkeit, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Habe ich ein Buch, das für mich Verstand, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.“ Freies Denken ist für Luther strengstens verboten. Seine Verteidigungsrede vor dem ...

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Neubeginn LXXVII

Tagesmail - Montag, den 30. Oktober 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXVII,

Beschleunigung ist Erstarren in rasender Geschwindigkeit. Dass alles in Bewegung gerät, zeigt sich an der polaren Entwicklung der Gegensätze. Nicht nur Vernunft drängt nach oben, auch Unvernunft oder Torheit meldet sich dreist zu Wort. Das sorgt für Aufdecken des Verdrängten, für Entlarvung falscher Kompromisse und klärt den Frontenverlauf.

Torheit ist nicht Dummheit, kein Mangel an Intelligenz. Sie ist Leugnung der Wahrheit aus verzweifelter Unterlegenheit, welche – in trügerischer Hoffnung, der Verzweiflung zu entgehen – die Wahrheit beseitigen muss.

Woher die Verzweiflung? Aus vergeblichem Widerstand gegen eine Wahrheit, die sich selbst verriet und mit Gewalt verbündete, um ihre Gegner zu unterdrücken, anstatt durch machtfreies Zeigen, Argumentieren und Überzeugen zur Einsicht zu bringen. Wahrheit besitzt nur eine Macht: die Macht des Erkennens und Widerlegens der Unwahrheit.

Nicht Gewalt ist das Schrecklichste unter den Menschen, sondern Gewalt, die im Gewande der Wahrheit auftritt. Die Wahrheit wird euch freimachen: das johanneische Wort hat sich der Wahrheit des autonomen Menschen bemächtigt, um sie in göttliche Allgewalt zu verfälschen. Wahrheit überzeugt durch sich selbst, nicht durch Verheißung ewigen Lohns und Androhung ewiger Strafen. Nicht Macht, Technik und Fortschritt machen uns frei, sondern Erkennen. Erkennen des friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Natur.

Wann begann die Wahrheit? Mit dem Wort Hesiods:

„Vieles Erdichtete wissen wir zu sagen, Wirklichem ähnlich;

Aber wir wissen auch, wenn wir es wollen, die Wahrheit zu künden.“

Homer, Hesiods Vorgänger, war noch dem täuschenden Schein verpflichtet. Mit Geschichten wollte er unterhalten, Hesiod aber wollte lehren und ...

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Neubeginn LXXVI

Tagesmail - Freitag, den 27. Oktober 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXVI,

„weil wir 2015 haben“, antwortete der kanadische Ministerpräsident Trudeau auf die Frage, warum sich Inuit, Sikhs und Flüchtlinge in seinem Kabinett befinden.

„Weil wir im Jahre 1517 sind“, antwortete eine lutherische Pastorentochter auf die Frage, weshalb der Reformationstag ausnahmsweise als nationaler Festtag gefeiert werden soll – natürlich nicht. Ist sie doch eine kluge Frau, die weiß, was die trutzige Kirchturmuhr geschlagen hat. Alles hat seine Zeit und nun ist Zeit für nationale Erneuerung im Geiste des wortgewaltigen Reformators.

Wie aber passt Luther zu Goethe, in dessen Geist die Deutschen ihre Verwurzelung finden sollen, wie die Kanzlerin auf der Frankfurter Buchmesse auf der Höhe deutscher Bildung gefordert hatte? Der dezidierte Nichtchrist und der Hasser aller Vernunft – auf einer nationalen Linie?

„Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge
Duld ich mit ruhigem Mut, wie es ein Gott mir gebeut.
Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider,
Viere: Rauch des Tabaks, Wanzen und Knoblauch und Kreuz.“

Den deutschen Mannen gereichts zum Ruhm,
Daß sie gehaßt das Christentum
,
Bis Herrn Karolus' leidigem Degen
Die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
Bis endlich die Pfaffen sie bezwungen,
Und sie sich unters Joch geduckt;

Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, ...

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Neubeginn LXXV

Tagesmail - Mittwoch, den 25. Oktober 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXV,

neuer Wein in alten Schläuchen? Remmidemmi ist kein Neuanfang. Aber der Wein ist ja nicht neu, die Schläuche aber mit Gewissheit verbraucht und verschlissen. Die schwarze Null wird zur schwarz-gelb-grünen erweitert.

Die Grünen zeigten ihre vorauseilende Wendigkeit: abgelehnt wurde der Antrag, die Kanzlerin solle 4-mal im Jahr Rede und Antwort stehen. Geschlossen stand die zukünftige Koalition in Reih und Glied.

Solms fundamentaler Satz, das Parlament würde die Politik bestimmen, die Exekutive habe sie lediglich auszuführen, wird von keiner Gazette erwähnt. Grau im Gesicht und von oben bis unten, sitzt die mächtigste Exekutorin der BRD – die die Legislative am Nasenring führt – in der ersten Reihe, genervt und gelangweilt: wann ist dieser Kulissenzauber endlich vorüber? Und schon sitzt sie wieder auf erhöhtem Podest. In Deutschland thront die Obrigkeit dem Himmel am nächsten. Im englischen Unterhaus – undenkbar.

Wie glücklich sie sind über die neue Partei am rechten Rand, die sie mit Lust prügeln dürfen, um sich selbst nicht prügeln zu müssen. Alle gegen eine: das wird das Unterhaltungsprogramm der nächsten Jahre. Dem christlichen Abendland ist die Funktion des Sündenbocks ja unbekannt. Das Böse ist nun dingfest gemacht und geortet. Die fünf aufrechten Parteien werden sich schon noch finden, um das Vaterland in Not mit der kapitalistischen Einheitspartei zu retten.

In Formationen uniformer Gesinnungen hat eine Kanzlerin Erfahrung, die außer Machtspielchen nichts mehr im Kopf zu haben scheint und – wenn‘s stimmt – die AfD ausdrücklich wollte, um das Böse zu externalisieren und alle Getreuen in Bälde großkoalitionär um sich zu scharen.

In China siegte der Sozialismus über den willfährigen Kapitalismus, in Deutschland hat er sich still und leise in den Kapitalismus hineingebohrt – um ihn von ...

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Neubeginn LXXIV

Tagesmail - Montag, den 23. Oktober 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXIV,

hat der Kapitalismus den Sozialismus besiegt? Nein.

Hat der Westen den Osten besiegt? Nein.

Ist Amerika noch immer die führende Großmacht der Welt?

Schon jetzt nicht mehr. À la longue überhaupt nicht. China wird die absolute Weltmacht Nr. 1 werden.

Was bedeutet das für die Welt?

Dass die Völker der Welt sich immer mehr an China orientieren werden. Der Drang des westlichen Neoliberalismus nach Abstreifen demokratischer Fesseln wird zu einem postdemokratischen Neoliberalismus führen, der dem sozialistischen Kapitalismus zum Verwechseln ähnlich sein wird.

China hat sich den Kapitalismus komplett einverleibt und dem Sozialismus unterworfen. Den einstigen Systemfeind hat es zum knechtischen Inhalt degradiert, den es der totalitären Herrschaftsform des Marxismus-Maoismus untergeordnet hat.

Sind Marxismus auf der einen Seite, Leninismus, Stalinismus und Maoismus auf der anderen nicht völlig unverträgliche Systeme?

Nein. Belanglose Unterschiede gib es, doch das Hauptmerkmal ist bei allen gleich: Marx verabscheute demokratische Methoden und Moral. Alles aber, was nicht demokratisch ist, ist totalitär.

Marxens Reich der Freiheit: ist das nicht demokratisch?

Das Absterben des Staates ist kein Absterben von Mächten, die nicht mehr gewillt wären, anderen Menschen ihren Willen aufzuzwingen. Selbst, wenn das Reich der Freiheit demokratisch wäre: das Anstreben eines guten Ziels mit bösen Mitteln kann niemals gut sein. Platons gerechter Staat war totalitär, weil das ...

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Neubeginn LXXIII

Tagesmail - Freitag, den 20. Oktober 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LXXIII,

wie ist die Situation in der Welt? Keine deutsche Frage. Im Wahlkampf wurde nicht mal die Lage Europas angesprochen, geschweige die Befindlichkeit des Weltdorfs.

Wie viele ausländische Journalisten sind in Berlin akkreditiert? Wie viele von ihnen werden in deutsche Talkshows eingeladen, um ihre Außensicht von Deutschland darzulegen?

Trumps Trompetenstoß: Amerika zuerst, wurde von den Deutschen niedergemacht, obgleich sie ihre eigene Nationalverherrlichung schon lange praktizieren – wenn auch klammheimlich, wie es sich für Musterschüler geziemt, die nach draußen vorbildlich, nach drinnen das Gegenteil sind.

BILD-Wagner hasst alle Politiker, die die Welt retten wollen. Er will, dass allein seine paradiesische Heimat gerettet wird. Die Welt? Kann man den Hühnern geben. Dabei ist die Verflechtung und Abhängigkeit aller Völker voneinander so gigantisch geworden, dass es keine Rettung einzelner Nationen geben kann ohne Rettung der gesamten Oikumene:

„Göring-Eckardt, die die Welt retten will. Was für eine Wohltat, dass Sie, Wolfgang Kubicki, nur Deutschland retten wollen.“ (BILD.de)

Auch die Verdammung kniender Hertha-Spieler durch BILD-Reichelt – eine Solidaritätsaktion mit amerikanischen Trump-Kritikern – war nichts als eine hinterlistige Verteidigung Trumps, dessen chauvinistische Borniertheit immer deutlicher zum Vorbild von BILD geworden ist.

Deutsche wollen keine Utopie, halten Visionen für pathologische Alpträume, palavern aber in ökonomischer Trunkenheit vom deutschen Paradies, halten ...

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