Philosophische Tagesmails

Neubeginn LII

Tagesmail - Freitag, den 01. September 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LII,

Der, die, das,
Wer, wie, was
Wieso weshalb warum?
Wer nicht fragt bleibt dumm.

Wer aber nur fragt, ist dumm – und will es bleiben. Wahlen sind Generalantworten. Mündige Menschen wissen, wie sie ihre Zeit auf Erden zu verbringen gedenken. Grundlegende Fragen nach dem WerWieWas des Zusammenlebens haben sie sich beantwortet. Sie müssen wissen, wem sie die Regierung ihrer Nation und ihr eigenes Schicksal anvertrauen.

Ob Gott existiert oder was das Sein als Seiendes ist, solche Fragen sind bombastische Nichtigkeiten und bleiben dem Grübeln privater Personen überlassen, die das Problem ihrer unsterblichen Seele, ihrer kostbaren, metaphysischen und transzendenten Existenz nur mit Hilfe von Sein und Zeit, Göttern und Teufeln beantworten können. Was keineswegs bedeutet, dass Leben in einer demokratischen Gemeinschaft nicht die Urfragen der Menschheit beantworten würde.

Selbstbewusste, freie Menschen vertrauen der Natur und selbstbewussten, freien Menschen. Natur ernährt und erfreut den Menschen. Der autonome Mensch ist dem autonomen Menschen ein Verbündeter, Gefährte oder Freund. Eros, Sympathie, Leidenschaft können immer sein, Respekt, Achtung und Akzeptanz müssen sein. Nächstenliebe – als simulierter Altruismus, um egoistische Seligkeit zu gewinnen – ist ausgeschlossen.

Deutschland, die fragende Nation. Sie debattiert nicht, sie urteilt nicht, sie sagt nicht unverblümt ihre Meinung: sie fragt. Stellen Sie Ihre Fragen. Die wichtigsten Fragen zur Wahl. Wir beantworten Ihre Fragen. Politik ist zum Ping-Pong, zum ...

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Neubeginn LI

Tagesmail - Mittwoch, den 30. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns LI,

einmal im Jahr trifft die Kanzlerin ihre medialen Paladine und zeigt ihnen, was sie denken, indem sie ihnen zeigt – was sie selbst denkt. Abgesehen von diversen Kleinigkeiten, die die Langeweile des Wahlkampfes bekämpfen sollen, denken Merkel und „ihr Land“ dasselbe. Nicht Merkel ist das Problem, sondern das Land, das sich von ihr repräsentiert fühlt.

L’etat, c’est moi, intonierte bereits ihr französischer Kollege, der Überflieger, mit Versailler Fanfaren. Da will die deutsche Regierungschefin nicht zurückstehen. Die graue Maus spielt sie nur, sie ist die mächtigste Frau der Welt. „Das ist mein Land“: erklärt sie ihren Besitzanspruch, der wie ein unbehendes Liebesgeständnis klingen soll. In wenigen Wochen wird das Land überschwänglich antworten: „Seht, das ist unsre Kanzlerin. Sie weiß, was wir denken, sie denkt und fühlt wie wir. Wir lassen uns nicht trennen. Wir sind eins.“

Die edelschreibenden Söhne fühlen sich Muttern überlegen, was nicht bedeutet, dass sie anders dächten. Die kritischen Kritiker müssen sie nur für das Publikum spielen. Also mühen sie sich, sich irgendetwas aus den Fingern zu saugen. Ihre Artikel beginnen mit bemühter Skepsis und enden in regelmäßigen Stoßseufzern der Erleichterung: Sie ruht in sich. Sie bleibt gelassen. Noch nie war sie so souverän. Man kann ihr glauben. Keine Antwort bleibt sie schuldig und ist kompetent bis über beide Ohren. Sie lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie ist sachlich, nüchtern und – bescheiden.

Bescheidenheit hat Demut abgelöst, damit niemand den Paladinen Sehnsucht nach dem Reich Gottes nachsagen kann. Der Unterschied zwischen beiden Wörtern – ein Unterschied wie zwischen Jenseits und Diesseits – kennen sie nicht und wollen sie nicht kennen. Wörter sind für sie assoziative Schwarmbildungen, die man eher mit Geschmacksnerven steuert, als mit dem rohen Satz des Widerspruchs.

Ein obligatorischer Satz bei der Berichterstattung aus dem Allerheiligsten lautet: Für einen Lacher sorgte Merkel, als sie …Wer für einen Lacher sorgt, hat das Match ...

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Neubeginn L

Tagesmail - Montag, den 28. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns L,

Joschka Fischer ist deutsch durch und durch. Denn Deutschland ist super. (TAZ.de)

Wenn ein einstiger Turnschuhrebell und die linke TAZ einstimmig in Jubeltöne ausbrechen, dann ist der Staat – das Schweinesystem, der irdische Staat des Teufels, die Herrschaft des Pöbels – zur „allumfassenden Familie“ geworden. Auch Peter Sloterdijk ist widerlegt, der „Nationen im Wesentlichen als Resultate politischer Überstrapazierung der Familienmetapher“ definierte.

Nein, es ist möglich. Die Deutschen haben es bewiesen: ein Ausbeuterstaat, ein Repressionsgebilde, eine Mammokratie kann – zur großfamiliären Mama-kratie werden. Zur echten Familie mit Papa, Mama und vielen Kindern.

Papa ist leibhaftiger Pastor oder weißhaariger Pastorendarsteller, Mama eine echte Pastorentochter. Selbst die Rüpel der Familie sind mit dem himmlischen Herrn rechtzeitig ins Reine gekommen. Eine ganz große Koalition ist eine Familie, deren Mitglieder alle stolz auf den weisen – wenn auch unbedeutenden – Vater und die resolute, abgeklärte, nüchterne Mutter sind, die ihre Sippe geschickt durchs irdische Getümmel manövriert. Im Urvertrauen auf den ganz großen Vater, zu dem sie täglich spricht: so hoch der Himmel über der Erde ist, soviel sind Deine Wege höher als unsere Wege und deine Gedanken höher als meine Gedanken.

Dann ist die Epoche der Aufklärungsimitation vorbei, es beginnt die Epoche der herzensinnigen Romantik. Gottlob wiederholen sich die Dinge nicht, jubilieren Edelschreiber und Gelehrte – weshalb sie sich besten Gewissens der Wiederholung ihrer nationalen Biografie widmen.

„Wahre Wunder der Verwandlung – oder Transsubstantiation – haben sich in unseren Zeiten ereignet. Ein Hof hat sich in eine Familie, ein Thron in ein Heiligtum verwandelt. Die goldene Zeit muss in der Nähe sein. Wer den ewigen Frieden sehen und liebgewinnen will, der reise nach Berlin und sehe die königliche Kanzlerin. Im Erscheinen des edlen Elternpaares kündigt sich eine bessere Welt ...

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Neubeginn XLIX

Tagesmail - Freitag, den 25. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XLIX,

der Permafrost taut auf. Die Summa der verdrängten Erinnerungen, die unterhalb der Bewusstseinsschwelle seit Tausenden von Jahren zu Eis erstarrt sind. „Gedenket nicht mehr des Vergangenen, schaut nach vorne“, sind Vernichtungsbefehle der menschlichen Lerngeschichte. Wenn der Mensch nicht wissen darf, was er bereits gelernt hat und noch lernen müsste, um das Überleben der Gattung zu sichern, hält er sich für lernunfähig und hoffnungslos.

Um der Verzweiflung zu entgehen, entfacht er eine rasende Flucht in die Zukunft, die keine Alternative zulässt. Die Flucht ist ein Fortschrittsrausch, der alles Altvertraute und Vergangene auslöscht, um sein Heil in einer allmächtigen Technik zu finden, die der fehlbare Mensch für sein unfehlbares Geschöpf hält.

Das Unvollkommene und Heillose gebiert das Vollkommene, das seinen Schöpfer erlösen soll. Der Vater zeugt den Sohn, der die Schande seines Scheiterns tilgen und nach getaner Tat sterben muss – um im Glauben der Seinen aufzuerstehen und das Universum zu regieren.

Vater und Sohn sind die beiden Seiten des Mannes, der sich aus sich selbst wiedergebären muss, um sein totales Versagen zu verleugnen. Seine Wundertaten entfernt er aus der Vergangenheit und Gegenwart, um sie der Zukunft anzuvertrauen. Die unüberprüfbare Zukunft wird zur Fata Morgana ewiger Verheißungen, die den Zeitpunkt ihrer Realisierung immer mehr in die Zukunft verschieben müssen.

Demnächst, nicht mehr lange, in Kürze werdet ihr mit allen Sinnen schauen, was ihr bislang nur glauben konntet. Wartet nur, balde … wird der Wundermann vor eurer Türe stehen und Einlass fordern. Doch wehe den törichten Frauen, die nicht mehr warten wollten, weil sie an männliche Erlöser nicht mehr glauben konnten.

Frauen sind unfähig, ein bewusstes und waches Leben zu führen. Entweder verschlafen sie ihr Dasein auf Erden – oder sie müssen auf den männlichen ...

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Neubeginn XLVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 23. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XLVIII,

„Die Kanzlerin auf einer Videospielmesse? Das hätte peinlich werden können, doch Angela Merkel war abgeklärt genug, alle Fettnäpfchen zu vermeiden.“ (SPIEGEL.de)

Was war noch mal ein Fettnäpfchen?

„Die Redewendung ins Fettnäpfchen oder in den Fettnapf treten bedeutet, „es mit jemandem verderben“,  weil ein Thema angeschnitten wurde, das für den Betroffenen unangenehm ist.“ (Wiki)

Was war noch mal „abgeklärt“?

„Durch Erfahrungen im Leben reif und ruhig geworden.“ (Wiki)

Ist „ab“ nicht das Gegenteil von „auf“? Dann müsste aufgeklärt heißen: dumm geboren, nichts dazugelernt – und die Hälfte vergessen. Abgeklärt wäre deutsche Gegenaufklärung als Spitzenleistung der Weisheit.

Wir übersetzen: die Kanzlerin war aufklärungsresistent, aber listig genug, um es auf der Videospielmesse mit niemandem zu verderben – indem sie peinlich alles Kritische vermied und sich voller Bewunderung für den neuesten Digital-Klamauk zeigte.

„Abgeklärt, gelassen, nüchtern, sachlich, unaufgeregt“: die medialen Söhne lassen Mutter und Sippe nicht im Regen stehen. In den Anfängen ihrer Karriere war es umgekehrt. Da ließ das trotzige Ossi-Trampelchen keinen Fettnapf aus, um durch reziproke Selbstimmunisierung den arroganten Westen zu düpieren und dadurch für sich zu gewinnen. Eine gewagte, aber brillante Strategie, die vom himmlischen Vater hundertfältig belohnt wurde.

Als sie die ersten Angriffe narbenlos überstanden hatte, belohnte sie die ...

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Neubeginn XLVII

Tagesmail - Montag, den 21. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XLVII,

Demokratie im Schnellerhitzungsverfahren. Nach vier lähmenden Groko-Jahren, vielen Wochen ferienbedingter Auslagerung innerdeutscher Lebensunfähigkeit an die Strände des Mittelmeers, nun der abrupte Umschlag in den Wahlkampf-Dampfmodus.

Urlaub ist outsourcing larvierter deutscher Depression in jene Länder, die von der Berliner Elite so lange gewürgt werden, bis sie unter Heulen und Zähneklappen zugeben: Merkel vergib, wir haben gesündigt vor Dir und dem Euro. Gib uns eine letzte Chance, sieh nicht an unser antiprotestantisches Lebensgefühl, fahrlässig in den Tag hineinzuleben, ohne Rücksicht auf die Herrschaft des Wirtschaftswachstums.

Eine Christin ist immer im Dienst, auch im Urlaub. Also wandert die Pastorentochter – wie John Bunyans Pilgrim – auch im Urlaub unentwegt gen Jerusalem. Laufet mit Ausdauer im Wettkampf, denn die Stadt, die ihr sucht, liegt nicht auf Erden.

„Wisset ihr nicht, daß die, so in der Rennbahn laufen, die laufen alle, aber nur einer erlangt das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streicht; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde.“

Merkel befindet sich im Dauerwettkampf. Urlaub, Entspannen, Erholen sind für sie nur ein Wechsel der Laufbahn-Arena. Wie es sich gebührt, läuft ihr gestrenger Ehemann weit vor ihr her. Nicht nur ihrem Volk hat Merkel nichts mehr zu sagen. Der Gesprächsstoff mit ihrem „skurrilen, aber objektiven“ Professor ist ihr schon lange ausgegangen. Als Ersatz hat sie sich Reinhold Messner, einen Weltmeister des Bergsteigens, als geistigen Sherpa an ihre Seite geholt, der ihre ...

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Neubeginn XLVI

Tagesmail - Freitag, den 18. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XLVI,

als die Nachkriegsdeutschen ihr Glück bemerkten, war es bereits vorbei. Die Weltgeschichte ist nicht der Boden des Glücks, hatte ein schwäbischer Denker ihnen ins Stammbuch geschrieben. Daran hatten sie sich viele Jahrzehnte gehalten und die Welt ins Unglück gestürzt, um ihr Glücksverbot als nationale Erfüllung zu erleben. Wenn andere unglücklich sind, fällt es nicht auf, dass auch wir es sind.

Andere Völker, die ihr Glück suchten, wurden von deutschen Tiefendenkern verachtet. Da waren diese englischen Krämer, die mit Reichtum und Macht glücklich werden wollten. Obgleich der Urtheoretiker des Kapitalismus – als er noch jung war und philosophisch dachte – die Menschen vor der Illusion gewarnt hatte, durch Reichtum glücklich werden zu wollen:

„Als die Vorsehung die Erde unter eine geringe Zahl von Herren und Besitzern verteilte, da hat sie diejenigen, die sie scheinbar bei ihrer Teilung übergangen hat, doch nicht vergessen und nicht ganz verlassen. Auch diese letzteren genießen ihren Teil von allem, was die Erde hervorbringt. In all dem, was das wirkliche Glück des menschlichen Lebens ausmacht, bleiben sie in keiner Beziehung hinter jenen zurück, die scheinbar so weit über ihnen stehen. In dem Wohlbefinden des Körpers und in dem Frieden der Seele stehen alle Lebensstände einander nahezu gleich und der Bettler, der sich neben der Landstraße sonnt, besitzt jene Sicherheit und Sorglosigkeit, für welche Könige kämpfen.“ (Adam Smith, Theorie der ethischen Gefühle)

Die Vorsehung hat die Erde ungerecht unter den Menschen verteilt. Näher besehen aber sind alle Menschen nahezu mit dem gleichen Glück ausgestattet worden. Der ...

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Neubeginn XLV

Tagesmail - Mittwoch, den 16. August 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XLV,

Na Welt, wie geht’s denn so?

Welt (erstaunt): das willst du gar nicht wissen. Seit wann interessieren sich Menschen für meine Befindlichkeit?

Freudig klingt das nicht. Du wirst dich doch nicht vernachlässigt fühlen?

Na ja, die zunehmenden Hitzewallungen. Menopause – fürchte ich.

Du klingst ja wie ein Weib. Und ich dachte, du wärst nicht unterzukriegen. Schluss mit dem sinnlosen Gebären? Du wirst dich doch nicht übernommen haben?

Bürschlein! Gehörst du nicht zu denen, die mir die letzten Haare vom Kopf fressen?

Hoppala, wir werden dich doch nicht überschätzt haben? Ein bisschen Tumult im Kinderzimmer – und schon machst du schlapp?

Wenn euch Naseweisen sonst nichts einfällt, macht ihr auf Spott. Du scheinst ein bisschen vergessen zu haben, wer von wem abhängig ist.

Das wird doch keine Drohung sein? Hast du noch immer nicht kapiert, dass wir schon auf dem Absprung sind? Es gibt noch mehr Mütter im Universum, die schöne Töchter haben.

Muss ich jetzt eifersüchtig werden, ihr Himmelsstürmer?

Ich fürchte, du bleibst ewig eine Helikoptermutter. Du kannst nicht loslassen.

Wie kann man‘s am besten im Weltall getroffen haben wie ihr – und dennoch so unzufrieden sein? Da muss ich was falsch gemacht haben mit ...

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