Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt XX

Tagesmail - Montag, den 01. Oktober 2018

Sofort, Hier und Jetzt XX,

Wolfgang Schäuble hielt eine politische Grundsatzrede, die Kanzlerin Merkel längst hätte halten sollen – wozu sie jedoch unfähig ist. Bei einem Konzert des WDR-Symphonieorchesters, auf dem Beethovens 5. Sinfonie (die Schicksalssinfonie) erklang, sprach er über – das Schicksal. (WDR.de)

Begriffe wie Fatalismus oder Kausalität wären Merkel nie über die Lippen gegangen. Die Spezialistin für Leicht- und Seichtsprache hätte eher ihre Redenschreiber entlassen, als mit exaltierten Begriffen hausieren zu gehen. Ihre Nullsprache, an die sie sich gewöhnte, hält sie für volkstümlich. Von ihrem Vater, dem Kanzelprediger, lernte sie, dem Volk aufs Maul zu schauen – aber ohne Luthers Derbheiten. „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“: Kohls Lieblingsspruch wäre mit ihrer stolzen Demut unverträglich. Sündenstolz kennt viele Maskierungen.

Eliten halten das Volk für begriffsstutzig, weshalb sie es mit einer scheinbar volksverträglichen Sprache für dumm verkaufen. Doch das Volk ist nicht dumm, schon gar nicht von Natur aus. Die Bildungsinstitute der Republik, die für den Aufstieg fit machen sollen, halten es nicht für notwendig, die sprachliche Kluft zwischen Oben und Unten zu überbrücken. Die verschiedenen Klassen der Demokratie sollen nicht nur durch Wohn- und Geldverhältnisse, sondern durch verschiedene Bimbessprachen für immer getrennt bleiben.

Hochgerüstete Intellektuellensprache hält Merkel für arrogant – und wirkungslos. Denkerische Leistungen traut sie dem Volk nicht zu. Wer ständig am Volk vorbei agiert, will wenigstens den Eindruck erwecken, als wolle er die Untertanen sprachlich mitnehmen. Wie Gottes’ Sohn sich zum Menschen herabließ, damit das Wort Fleisch werde, so müssen sich erwählte und gewählte Politiker zum Menschen auf der Straße herablassen, um ihnen Gnade und Gunst zu erweisen. Merkel hält nichts von Philosophie und beschränkt sich auf die Kenntnis ...

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Sofort, Hier und Jetzt XIX

Tagesmail - Freitag, den 28. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XIX,

mit Kompromissen in den Abgrund. Ausgerechnet Merkel. Weder kann sie Klardeutsch, noch scharf debattieren. Gerade sie will den Deutschen das Debattieren beibringen.

Überall in den Medien gibt es willfährige Anne Wills, die Gesprächssimulationen mit der Kanzlerin anbieten. Wie kann jemand, auf Seiten der Mächtigen, streiten, der sich asymmetrischer Klarheits-Demobilisierung bedient? Wie kann jemand, auf Seiten der Medien, streiten, der sich meinungslosem Beobachten unterwirft?

Mächtige haben Meinungen, wollen sie aber nicht verraten, damit sie keine Angriffe provozieren. Beobachter haben Meinungen, wollen sich aber nicht kenntlich machen. Sie könnten ihre Nähe zu den Mächtigen gefährden.

Wer war es, der den direkten Schlagabtausch der Kandidaten im Wahlkampf stets verweigerte – stattdessen Stichworte bevorzugte, deren Beantwortung sie mit ihren „Kommunikations-Designern“ eingeübt hatte?

Wer sich dem Publikum vorstellt mit dem Satz: Sie kennen mich, der gibt sich transparent. Transparente müssen sich nicht erklären. Schwaben hängen morgens ihre Bettwäsche aus den Fenstern, um zu demonstrieren: heute Nacht sind wir sauber geblieben. Merkel, die Geheimnisvolle, zeigt sich, wie Gott sie schuf und singt zum Frühgebet:

Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
soll niemand drin wohnen
als Jesus allein.

Eine Magd Gottes ist für eine christliche Nation ein Mysterium, was beweist, ihre Religion ist den Deutschen ein unergründliches Rätsel. Sie können nicht ...

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Sofort, Hier und Jetzt XVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 26. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XVIII,

nun also zur Abwechslung die Wahrheit. Tusch und Hurra: wir feiern die nächste Epochenwende! Mathias Döpfner reißt die Tür auf, verjagt die wahrheitsvergessene, räudige Postmoderne ins Dunkel der Vergessenheit – und bringt Licht mit.

Das Licht, die Lichter, les lumieres, die Aufklärung, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Dazu das Beste aus dem Reich der Utopisten, Gutmenschen und moralischen Visionäre. Wenn die Welt darbt, wird die WELT sie retten. Mit der Suche nach der Wahrheit, geschmückt mit nicht weniger als „Hunderten von Eigenschaften, die das Prinzip Zeitung zur überlegenen Erfindung der Gegenwart machen“:

„Sie hat das Potenzial, in politisch instabilen Zeiten für Gerechtigkeit, Transparenz, Offenheit zu sorgen. Sie kann die Demokratie stützen, mehr noch, die Erfindung, die ich meine, ist eine essenzielle Voraussetzung zum Entstehen und zur Erhaltung von Demokratie.“ (WELT.de)

Obwohl er die neue Wahrheit erst suchen muss, weiß er bereits, wie beschaffen sie sein muss. Kein Problem für den führenden Zeitungsverleger der Republik, der das Beste der Zukunft mit dem Besten der Vergangenheit zu vermählen weiß. Vergangenheit?

Döpfner kennt keine Vergangenheit. Weder die, in der Wahrheit noch galt, noch die, in der sie gemeuchelt und verscharrt wurde. Er will eine neue Epoche verkünden, ohne die alte bei Namen zu nennen und ohne zu erklären, was ihn bewog, die verleugnete Postmoderne aus dem Weg zu räumen. Jene Postmoderne, in der galt:

„Es gibt keine übergeordnete Sprache, keine allgemeinverbindliche Wahrheit, die widerspruchsfrei das Ganze eines formalen Systems legitimiert. Wissenschaftliche Rationalität, sittliches Handeln und politische Gerechtigkeitsvorstellungen spielen je ihr eigenes Spiel und können nicht zur Deckung gebracht ...

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Sofort, Hier und Jetzt XVII

Tagesmail - Montag, den 24. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XVII,

ein Beamter nachgeordneter Behörden mit runder Brille, beneidenswert vollem Haupthaar und verschiedenen japanischen Ichs schafft es, die Regierung, somit die BRD, das Machtgefüge in Europa und also der ganzen Welt an den Rand des Abgrunds zu bringen. Anerkennung für seine überragende Persönlichkeit? Beförderung? Gehaltszulage? Nichts.

Kein Anstand in Deutschland, zetert BILD, um elegant das Wort Moral zu umgehen – schließlich gehört die Hauptgazette der BRD zur Führungsinstanz der Schlechtmenschenfront. Hier gibt es das Gute nur, wenn es um Interessen des eigenen Biotops geht.

Er ist verunglimpft und bepöbelt worden, auch von Mitgliedern der Bundesregierung, die gegenüber ihren Beamten eine Fürsorgepflicht haben. Man hat ihn vernichtet, ohne ein Wort über seine Leistungen zu verlieren.“ (BILD.de)

Verunglimpft, bepöbelt und vernichtet: das ist angewandte Martyrologie. Der Erlöser wurde verhöhnt, geschlagen, bespuckt und ans Kreuz geschlagen. Doch im Unterschied zum deutschen Stellvertreter-Opfer wurde er nach der Kreuzigung befördert und mit reichlichen Gehaltszulagen bedacht. Aufgefahren gen Himmel, ernannte man ihn zum Pantokrator, dem Erben des gesamten Reichtums im Universum.

Deutschland bereitet sich vor. Auf die nächste Weltwirtschaftskrise, die uns Weimar ein erhebliches Stück näher bringen wird. Den Experten schwirrt schon der Kopf. Aus der letzten Krise haben sie nichts gelernt. Warum auch? Nach jeder Krise wurden sie reicher: die nächste Krise beten sie inbrünstig herbei.

Kommt die nächste Krise übers Land und frisst den Wohlstand der Kleinen, um den der Großen zu mästen, geht’s rund in Europas stärkster Macht. Dann werden ...

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Sofort, Hier und Jetzt XVI

Tagesmail - Freitag, den 21. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XVI,

Theodor Mommsen war eine ungewöhnliche Erscheinung in deutschen Landen: er war ein aufrechter Mann, der sich nicht nur dem aufkommenden Antisemitismus, sondern „Junkertum, Kaplanokratie und allen dehumanisierenden Tendenzen“ entgegenstellte. Am Ende seines Lebens zog er sich den Zorn des Kanzlers zu, der ihm den Vorwurf machte, „sein Blick für die Gegenwart sei getrübt durch die Vertiefung in 2000 Jahre Vergangenheit.“

Politische Gegenwart als Erkenntnisobjekt existiert für heutige Historiker nicht, Ergebnisse ihrer Vergangenheitserforschung zum Nutzen der heutigen Demokratie wären für sie Perlen vor die Säue.

Alt und verbittert wandte sich der berühmte Verfasser einer „Römischen Geschichte“ ab von dem „erbärmlichen, nichtswürdigen und rückgratlosen“ Volk der Deutschen. Man sieht, der Charakter eines Volkes wird nicht in 12 Jahren verdorben.

Ökonomisches Junkertum, Kaplanokratie und dehumanisierende Tendenzen der Schlechtmenschenfront beherrschen heute erneut die Szenerie. Allerdings sollten wir, anstatt von Kaplanokratie, trefflicher von Angelokratie sprechen.

„Haben wir dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein oder vielleicht auch mal ein Bild in einer Kirche noch ein bisschen erklären zu können. Wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würde ich mal sagen, es ist mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her.“ (Kath.net)

Mommsen war kein Elfenbeinturmbewohner, sondern Gelehrter, leidenschaftlicher Politiker und Journalist. Aus diesem Grund hasste er Cicero, diese ...

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Sofort, Hier und Jetzt XV

Tagesmail - Mittwoch, den 19. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XV,

der Verfall der zweiten deutschen Demokratie ist nicht nur der Zerfall der politischen Klasse, der wirtschaftlichen, medialen und intellektuellen Eliten. Es ist der Zerfall der ganzen Gesellschaft inmitten eines bankrottierenden Westens.

Wer das Überleben der Menschheit will, muss den Zerfall aufs innigste begrüßen. Die Fortführung der jetzt herrschenden Raserei und Verwüstung, des naturvernichtenden grenzenlosen Wahns wäre das Todesurteil der Gattung. Zerfall ist gefährlich, Konstanz der Gefahr gefährlicher: sie wäre der sichere Untergang.

Alles muss zerschlagen, jeder Baustein muss von allen Seiten geprüft, beurteilt und unvoreingenommen bewertet werden.

Unvoreingenommenheit ist uns fremd. Im Licht aller bisherigen Erfahrungen muss sie von Grund auf erarbeitet werden. Erfahrung ist Erkenntnis des Vergangenen. Die Vergangenheit wird heute geächtet, eine illusionäre Zukunft auf den Altar gehoben. Wenn die Menschheit ihre Gattungsbiografie missachtet und ihre Vergangenheit negiert, wird sie keinen neuen Anfang zustande bringen. Sie wird sich abschaffen.

Nichts Heiliges, Fragloses und Unbezweifelbares darf unangetastet bleiben. Will der Mensch sein Schicksal selbst in die Hand nehmen, muss er wissen, wer er ist.

Äußerlich ist der Gang der Menschheit ein Erfolg – ein Erfolg in Machtanhäufung und verblendeter Überhebung über die verachtete Natur. In Wahrheit ist der Gang der Menschheit die selbsterfüllende Prophezeiung einer Heilsgeschichte, die eine winzige ...

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Sofort, Hier und Jetzt XIV

Tagesmail - Montag, den 17. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XIV,

„warum schweigt Merkel“ – fragt der SPIEGEL. Es ist die wichtigste Frage der deutschen Politik. Ist sie zu klug, um zu reden? Zu töricht, weil sie nichts zu sagen hat? Denker, Gelehrte, Gottesmänner, Weise aus aller Welt, Taoisten, Buddhisten, Anhänger des Paulus, Heideggerianer, Kierkegaardianer, Wittgensteinianer (bitte keine schwatzhaften Weiber): eilet herbei und ergründet das Rätsel, das Phänomen der schweigenden Angela, deren Reden nur den Sinn haben, ihre Unergründlichkeit der Öffentlichkeit zu verbergen.

Ist Schweigen das sigillum veri ihrer Macht über eine unendlich geschwätzige, alles zerredende und zersetzende Gegenwart?

Cherchez la mère: muss sie sich entziehen, um sich als einfältiges Mütterchen durch Stille interessant zu machen? Spielt sie ein vertracktes Spiel mit der Menge, indem sie durch Schweigsamkeit nichts anderes verbirgt – als ihre Leere?

Gelegentlich muss sie reden, um nicht in den Verdacht zu geraten, eine heidnische Philosophin zu sein. Besteht ihre esoterische Kunst im Nichtssagen durch Reden?

Das Weib schweige in der Gemeinde. Angela ist eine Magd des Herrn, die ihrem Reformator nicht untreu werden will – und doch untreu werden muss. Ach, Spötter und Speier werden ihre Seelenqualen nie erfassen.

„Das weibliche Geschlecht ist von Gott nicht geordnet zum Regiment, weder in der Kirche noch sonst in weltlichen Aemtern. Dem Weib ist es verboten, dem Mann gegenüber eine Herrscherstellung einzunehmen, mit der Begründung, das Weib habe eine sehr schädliche Neuerung eingeführt, nämlich die Sünde. Dem Weib kommt daher Unterordnung zu, sowohl der Schöpfungsordnung nach, als auch der Ordnung der Welt nach dem Sündenfall. Die Rolle der Konkurrentin des Mannes im ...

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Sofort, Hier und Jetzt XIII

Tagesmail - Freitag, den 14. September 2018

Sofort, Hier und Jetzt XIII,

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Während in Berlin der politische Wärmetod eingetreten ist – sie können nicht miteinander, sie können nicht ohne einander, Dauergezänk halten sie für Politik –, verteidigt eine kleine Gruppe Entschlossener im Hambacher Forst die demokratische und soziale Ordnung der BRD, die nur Bestand hat, wenn das Überleben der BRD gesichert ist. Das Überleben kann nur sicher sein, wenn nicht Deutschland allein, sondern das Leben der gesamten Menschheit durch Einklang mit der Natur geschützt wird.

Artikel 20 des Grundgesetzes müsste dringlich ergänzt werden durch den Grundsatz:

(5) Nur eine ökologische Ordnung garantiert den Schutz der Natur und den Fortbestand der Völker – und damit die demokratische und soziale Grundordnung der BRD.

Der gewaltlose Widerstand der Baumbesetzer ist kein Verstoß gegen das ...

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