Philosophische Tagesmails

Von vorne LVI

Tagesmail - Freitag, den 30. August 2019

Von vorne LVI,

Trump ist Narzisst, Bolsonaro Psychopath, Rechte und Konservative besitzen einen großen Mandelkern und ekeln sich vor der Welt.

Verabscheuenswerte Menschen sind Untersuchungsobjekte der Psychologie, inzwischen der Gehirnforschung. Erfolgreiche Menschen sind Objekte der Berichterstattung, gloriose Siegertypen gehören in die Geschichtsbücher.

Erfolgreiche und verabscheuenswerte sind Lieblingsobjekte bewundernder Medien. Denn das Gute ohne Abgrund ist langweilig, weshalb zwielichtige Erfolgsritter Lieblinge der Gazetten sind. Da alles berechenbar geworden ist, muss das Außergewöhnliche unberechenbar sein. Glanz und Abgrund bedingen sich:

Ich kann nicht verhehlen: Die Bauernschläue des neuen britischen Premiers Boris Johnson imponiert mir. Der Trick, das Parlament in den Zwangsurlaub zu schicken, sich das Placet der Queen zu holen und dann ganz in Ruhe den harten Brexit vorzubereiten, ist höchst verwerflich, aber clever.“ (SPIEGEL.de)

Erfolg ist ein Triumph der Gene. Wer nichts zustande bringt, sollte sich psychologisch untersuchen lassen. Bringen wird es nichts, entweder man hat‘s oder man hat‘s nicht.

Wer nicht nur erfolglos, sondern auch verbrecherisch ist, ist ein Fall für verurteilende, aber nicht für verstehende Seelenforscher. Denn Verstehen des Verruchten wäre Verzeihen. Wer verstehen will, ist ein Weichling, der dem Bösen nicht widerstehen kann. Anständige Menschen schäumen gegen Verbrecher – nicht aber, wenn sie Politiker befreundeter Staaten sind. Die können so kriminell sein, wie sie wollen, das muss man bedingungslos abnicken.

Kriminelle sind Produkte des Bösen. Punktum. Das Böse ist, wie es ist: ein ...

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Von vorne LV

Tagesmail - Mittwoch, den 28. August 2019

Von vorne LV,

„Ist Krieg in Europa wieder denkbar?“ fragt Dirk Kurbjuweit im SPIEGEL.

Der Krieg in der ganzen Welt hat nie aufgehört – gegen die Natur. Besinnungslos wird der Planet abgebrannt, verseucht, vergiftet, verpestet, vermüllt, erstickt, ausgelaugt, ausgeraubt, geschändet, erniedrigt, gedemütigt, geschmäht, entstellt, abgeschlachtet, gebrandmarkt, hässlich gemacht – und für nichtig erklärt.

Retour à l’origine. Sie muss zurückkehren, woher sie gekommen ist: ex nihilo ad nihilum. Aus Nichts kann nur nichts werden. Die perfekte Schöpfung muss sich als göttliches Blendwerk entlarven.

Die Kreatur des Schöpfers hat den Auftrag, das Blendwerk zu entsorgen und ungeschehen zu machen, sodass der Bankrott des Kreators als gewolltes, mit Absicht inszeniertes Werk präsentiert werden kann.

Die Entsorgung des jämmerlich gescheiterten Allmächtigen Mannes durch die Kreatur wird umdeklariert zur Heilstat, zur Erlösung des Sünders durch Den, den der Sünder rehabilitieren muss.

Der Sünder wird berufen, als Wachsfigur einer Heilsgeschichte zu fungieren. Seine Berufung wird zu seinem Beruf, sein Beruf ist seine Arbeit, mit der er die Natur zerlegen soll. Der Sünder soll vollbringen, was dem halbherzigen Schöpfer nicht gelang, als er in Wut seinen ganzen Pfusch auslöschen wollte.

Erneut gelang es ihm nicht, zu vollenden, was er sich vorgenommen hatte. Er strich das Vernichten und begnügte sich mit Degradieren seines Werkes, das mehr schlecht als recht funktionieren sollte, um eines fernen Tages gelöscht und ...

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Von vorne LIV

Tagesmail - Montag, den 26. August 2019

Von vorne LIV,

eben noch dominierten die Gene. Nun kommt die unbegrenzte Lernfähigkeit. Jeder kann zum Genie werden.

Da der Zeitgeist sich langweilte, schlug er ein neues Kapitel auf. Wie immer, wenn Neues verkündet wird, ist es ein Altes. Macht nichts. Weshalb wird Vergangenes verleugnet? Damit Neues stets neu präsentiert werden kann – aus der „Mottenkiste des Alten.“

Die Medien sind Auguren des Neuen, gewendet und frisch poliert aus den Friedhofshallen des Alten. Was wären sie, wenn sie nicht prophetenhaft, Daumen rauf, Daumen runter, zu Grabe tragen und zum Leben wieder auferwecken dürften? Sie prognostizieren nicht, sie präsentieren, was die schnell dahin fliehende Zeit als Neuestes zu bieten hat.

Die ARD ist entrüstet über die SPD, die es wagt, sich der längst begrabenen Gerechtigkeitsidee zu erinnern und die Reichen an ihre Pflichten zu mahnen: „Nun greifen Sie in die Mottenkiste; Frau Schwesig, um die Reichen zur Kasse zu bitten?“

Doch Frau Schwesig glaubt selbst, einen neuen Gedanken ex nihilo erfunden zu haben. Das Alte-Neue-Spiel gehört zu den Konsolenspielen wagemutiger, alles riskierender, süchtiger, blind nach vorne schauender Futuristen.

„«Viele glauben, sie seien für Naturwissenschaften einfach nicht begabt», sagt Physiknobelpreisträger Wieman. «Doch das ist Quatsch. Mit dem richtigen Unterricht kann jeder in jedem Fach riesige Fortschritte machen.» Niemand werde als Genie geboren, ist Wieman überzeugt – nicht einmal ein Wolfgang Amadeus Mozart. "Aktives Lernen" heißt diese Methode heute: Studenten machen lassen, ...  

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Von vorne LIII

Tagesmail - Freitag, den 23. August 2019

Von vorne LIII,

„Der Geist der CDU ist der, dass es nicht nur Entweder-Oder gibt.“ (CDU-Ziemiak)

Wenn die Gesetze des Denkens schwinden, hat die Realität keine Chance mehr. Sein oder Nichtsein, das ist für Erdenbezwinger kein unlösbarer Widerspruch. Sie schaffen beides. Sie werden leben, ob sie gleich stürben. Fortschritt hat die alte Logik überwunden.

Naturschutz und Wachstum der Wirtschaft? Das Ende der Gattung und Weiterleben? Tot sein und fortfahren wie bisher? Ja sagen und Nein tun? Lügen als Wahrheit verkaufen? Gestern behaupten und heute dementieren? Sich ändern und alles beim Alten lassen? Natur vernichten und einträchtig mit ihr zusammenleben? Trump verabscheuen und ihn bewundernd imitieren?

Denkgesetze sind Naturgesetze. Wer symbiotisch mit der Natur leben will, darf den Satz des Widerspruchs nicht lästern. Wahr-nehmen ohne Wahrheit, Denken ohne Schlüssigkeit sind Vergehen an der Natur. Wer Natur vernichtet, um sie zu vervollkommnen, verstößt gegen Logik und Natur. Als Logik erfunden wurde, sollte sie schützen vor Irrtum, Trug und Täuschung.

„Für den denkerischen Kampf galt es, ein Maß und eine Regel zu suchen, den körnigen Gehalt von dem blendenden Schein zu unterscheiden, vor Täuschung zu bewahren.“ (Theodor Gomperz, Griechische Denker)

Bloßes Wahrnehmen ist passives Erleiden. Erst das Verknüpfen der Wahrnehmungen durch die Gesetze der Logik führt zur Erfassung der Natur, deren Elemente in logischer Weise verbunden sind.

Die Quantenphysik erlebte einen Schock, als sie entdeckte, dass die Gesetze menschlicher Logik in der Welt der kleinsten Teilchen nicht mehr zu gelten schienen. Das blieb ein Rätsel bis heute. Denn es änderte sich nichts an der Tatsache, dass ...

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Von vorne LII

Tagesmail - Mittwoch, den 21. August 2019

Von vorne LII,

das Christentum ist die genialste Religion der Menschheitsgeschichte. Sie tritt auf im Gewand einer höchsten Liebesmoral – und lässt alle amoralischen Optionen offen. Nichts Grausames, Gewalttätiges und Böses, das ihr im Namen des Herrn verboten wäre. Bringt sie es doch fertig, im Namen der Liebe die absolute Mehrheit der Gattung ins ewige Feuer zu schicken.

Ama et fac, quod vis. Liebe – und lass es krachen.

Pecca fortiter, sed fide. Hau auf den Putz – wenn du nur glaubst.

In der Achsenzeit entstanden in China, Indien und Griechenland ethische Systeme, die sich politischer Gewalt und Priestern höherer Religionen entgegenstellten. Bis heute wogt der Kampf zwischen humaner Selbstbestimmung und klerikaler Fremdbestimmung, die die Autonomie der Menschen hasst.

Wäre die Menschheit der Vernunft von Konfuzius, Buddha und Sokrates gefolgt, würde sie seit Jahrtausenden in Friede und Glück leben. Noch immer schwankt sie zwischen Vernunft und Gewalt. Noch vor kurzem redete sie mit Friedenszungen, ließ aber nicht ab von einer immer gewaltigeren Bedrohung der Natur und des Menschen. Jetzt pendelt der Kurs wieder in unverblümtes, allen moralischen Schein verschmähendes Demonstrieren von Gewalt.

„Menschenliebe ist das Wesen der Sittlichkeit, Menschenkenntnis das Wesen der Weisheit.“ (Konfuzius)

Nach Buddha – der kein Religionsstifter, sondern Philosoph war – ist Ziel des Lebens „das unerschütterliche Glück“. Nirwana ist „Glückseligkeit“. Buddha lehrt, dass das Nirwana „hier unten sichtbar, manifest, aktuell, von dieser Welt“ ist. (Mircea Eliade) Welche Handlungen führen ins irdische Glück? „Großzügigkeit, sinnvolles Verhalten, Geduld, begeisterte Tat, Meditation, Weisheit.“

„Unrecht erleiden ist besser als Unrecht tun. Ich bin weder Athener, noch Grieche, sondern ein Bürger der Welt. Zur Unterscheidung von Gutem und ...

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Von vorne LI

Tagesmail - Montag, den 19. August 2019

Von vorne LI,

Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viele Wolken gehen
weit hin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
daß ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.

Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut?
Wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?   (Wilhelm Hey, Pastor)

Nur Gott kennt die Zahl, dem Menschen ist sie unbekannt. Dem Geschöpf bleibt nur ignorante Bewunderung und Anbetung des allwissenden Schöpfers, der seine Zahlenkenntnis mit niemandem teilt.

Zwei Kulturen bestimmen das Geschick des Abendlands und der vom Abendland überwältigten Welt. Zwei Kulturen, die um Tod und Leben ringen – und sich dennoch mit aggressiv-unverträglichen Symbiosen durchdringen, die für beide gefährlich – ja, wie wir inzwischen wissen – lebensgefährlich geworden sind.

Die Kultur der erkennbaren Zahl, in der der Mensch Ordnung und Schönheit der Natur wahrnimmt –
und die Kultur der für den Menschen unerkennbaren Zahl, deren Erkenntnis Gott niemandem offenbart.

Gott erschafft die Welt mit dem Wort und offenbart sich dem Menschen mit demselben, das in einer heiligen Schrift nachgelesen werden kann. Das allmächtige Wort steht dem Menschen nicht zur Verfügung. Das offenbarte Wort dient nur ...

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Von vorne L

Tagesmail - Freitag, den 16. August 2019

Von vorne L,

die Entdeckung der Moral begann mit der Entdeckung der Zahl. Die Zahl war die Ordnung der Natur – was war die Ordnung des Menschen? Gehörte der Mensch nicht zur Natur? Dann hätte die Ordnung der Zahl auch für ihn gelten müssen. Woher aber die Unordnung unter den Menschen?

Da kam Unruhe auf. War der Mensch kein Mitglied der Natur? War er aus ihrer Ordnung herausgefallen?

Lang, lang ist‘s her, als alles besser war – was die ecclesia triumphans des Fortschritts partout nicht anerkennen will, um nicht als blamabler Rückschritt enttarnt zu werden: damals, in der Frühzeit der Menschheit, soll es das Reich der Mütter gegeben haben, was das Reich der Männer bis heute dementiert.

„Aus dem gebärenden Muttertum stammt die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergeht.“ (Bachofen)

Als die Männerherrschaften, die das Reich der Mütter zerstört hatten, ins Taumeln gerieten, entdeckten sie plötzlich wieder die Ordnung der Mütter – in der Natur, im Reich der Zahlen. Die Natur schien vollkommen durch die wohlige Ordnung der Zahlen. Das Abstrakteste wurde zur Grundlage des Heimischen.

„Pythagoras glaubte das Wesen der Dinge in der Zahl zu finden. Durch die Erhebung der Zahl, des Abstraktesten, was sich denken lässt, zum Prinzip der Welt war eine Idee gefunden, die das Sein der Körperwelt bestimmte. Durch sie wurde die Vielheit der Dinge zum geordneten Kosmos, in dem das Leben des Einzelnen in der Gesellschaft in Harmonie gestaltet war. Dies war das Grundgesetz der pythagoreischen Ethik und Politik, die in der Gerechtigkeit gipfelte und ...

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Von vorne IL

Tagesmail - Mittwoch, den 14. August 2019

Von vorne IL,

Wie ist die Milchstraße entstanden?

„Demnach ist vor etwa zehn Milliarden Jahren eine Galaxie mit der noch jungen Milchstraße zusammengestoßen und in ihr aufgegangen. Diese Kollisionspartnerin muss etwa ein Viertel der Masse der Milchstraße gehabt haben, wodurch letztere auf einen Schlag enorm gewachsen ist.“ (Berliner-Zeitung.de)    

Eine sinnvolle Frage? Sind das sinnvolle Antworten? Was wüssten wir mehr, wenn wir dies alles wüssten? Sind das relevante Fragen, deren Antworten unser Leben verändern und bereichern können?

Würde die Menschheit in Millionen Jahren existieren, hätten Wissenschaftler Millionen solcher Fragen und Antworten aufgetürmt, die unser Leben auf Erden – gänzlich kalt ließen.

Tatsächlich haben sie nur einen Sinn: Naturgesetze zu finden, mit denen der Mensch seine Herrschaft über die Erde endlos ins Universum ausdehnen kann.

Sie geben sich unschuldig, als wollten sie wissen um des Wissens willen. Doch ihre Unschuld und kindliche Neugierde beschränken sich auf das Stadium der Unfähigkeit, ihre vagen Vermutungen in Herrschaftswissen zu transformieren.

In demselben Moment jedoch, in dem sie die Stufe technischer Realisierung erreichen, wäre es um ihre intellektuelle Reinheit geschehen. Ihr Wissen wird zur Macht.

Der wissenschaftliche Erkenntnisprozess wiederholt die beiden Stufen der Naturerkenntnis, die in Europa stattfanden: a) Griechen wollten erkennen, um die Ordnung des Kosmos zu bestaunen. b) Christen übernahmen ...

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