Philosophische Tagesmails

Sofort, Hier und Jetzt XCII

Tagesmail - Freitag, den 22. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt XCII,

Markus Lanz hatte eine exquisite Idee. In seine öffentlich-rechtliche Bildungssendung hatte er Jean Ziegler als exotisches Exemplar einer aussterbenden Gattung eingeladen, die der Welt dreist den Spiegel vorhält.

Woran erkennt man den inhumanen Kapitalismus, Herr Ziegler? Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort, die niemanden überraschte: „Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind.“ Die Menschheit sei reich genug, alle Menschen ausreichend zu ernähren. UN-Wissenschaftler würden behaupten, die Erde könne mühelos 11 bis 12 Milliarden ernähren (gegenwärtig: 7,35 Milliarden).

Wie in deutschen Interviews üblich, unterließ es Lanz, zwingende Nachfragen zu stellen:

Könnte die Natur den gigantischen ökologischen Fußabdruck dieser Massen verkraften? Wäre der Planet in der Lage, die Menschheit mit naturverträglichen Methoden zu ernähren? Kann ein Paar verantworten, noch Kinder in die Welt zu setzen?

Danach durfte Ziegler einen Monolog halten. Er erzählte von Kindern im Kongo, die unter höllischen Bedingungen jenes Mineral aus lebensgefährlichen Schächten gewinnen, das zur Produktion von Handys unerlässlich ist.

„Die glamourösen Läden und das Marketing der neuesten Technologien stehen in starkem Kontrast zu Kindern, die Säcke mit Steinen schleppen, zu Minenarbeitern in mit der Hand geschlagenen Schächten und zu dauerhaften Lungenschäden." (ZEIT.de)

Nein, internationale Industriegiganten leben doch nicht von Kinderarbeit. Für ...

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Sofort, Hier und Jetzt XCI

Tagesmail - Mittwoch, den 20. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt XCI,

Neuseeland war das letzte sündenfreie Paradies der Erde. Nun gibt es keines mehr. Alles ist befleckt, entehrt, besudelt. Kein Fleckchen Erde mehr, wo Menschen den Schein einer unberührten Natur erleben können, als Zeugen, die sich einbilden dürfen, dass ihr Beobachten keine Spuren hinterlässt.

Rundum ist sie entjungfert und geschändet, die Erde, die Mutter Natur, die Schöne und Reine. Das Böse hat Einzug gehalten. Es gibt kein Plätzchen mehr, wo der Mensch verdrängen kann, dass sein Fußabdruck als Herr und Despot der Erde blutrot gezeichnet ist.

Nun gibt es kein Halten mehr. Was gebrandmarkt ist, kann nicht, darf nicht mehr gerettet werden. Schon ist die Axt dem letzten Baum an die Wurzel gelegt, wie jeder Baum, der keinen Gewinn bringt, abgehauen und ins Feuer geschickt wird. Der Mensch hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne fegen und seinen letzten Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Neuseeland war das letzte Land ohne menschliche Brandzeichen. Nun kommt die finale Epoche, in der die gesamte Natur zur Spreu verurteilt und ins Feuer geworfen wird.

Wenn Deutsche in die Welt reisen, fliehen sie vor der beschädigten Natur ihres Landes, die sie Heimat nennen und deren Anblick sie nicht mehr ertragen. Sie müssen in die Ferne, wo sie das Unberührte zu finden hoffen. Natur ist da, wo du nicht bist.

„Liegt dort hinter jenem Walde nicht ein fernes, fremdes Land?“

Sie empfinden sich als Märtyrer, wenn sie ihre Heimat verstümmeln, um die Welt mit Tand zu überfluten. Müssen sie sich nicht opfern, das Eigene verwüsten, um ...

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Sofort, Hier und Jetzt XC

Tagesmail - Montag, den 18. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt XC,

lasset die Kindlein zur Demo kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich der Erde.

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.

Das Genie ist früh komplett.

«Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis», sagte Lindner. In einem alten Video aus Schulzeiten Lindners, das vor anderthalb Jahren aufgetaucht war, hatte sich der damals 18-Jährige noch ganz anders über Schule geäußert: Darin sagt er, dass er die Schulzeit nur abgesessen habe.

Als Schüler haben wir damals in unserer Freizeit Grenzpfosten zersägt: Währung, für eine europäische Umweltpolitik“, so Altmaier.

FDP-Lindner und CDU-Altmaier halten Jugendliche für politisch inkompetent, rühmen sich aber ihrer eigenen frühreifen Politerfahrungen.

Wie oft veranstalten Klassen Bildungsreisen in alle Welt?
Wie oft fallen naturwissenschaftliche Fächer aus, weil es keine LehrerInnen gibt?

In Technik, KI, Sport, Geigen- und Klavierspiel können Genies nicht jung genug sein. Besonders, wenn sie für ihr Land Ehre und Ruhm einheimsen.

Lernt man in Schulen Demokratie und Ökologie?

Also auf in die verheißungsvolle Realität. Welch wunderbare Gelegenheit, Verantwortung in weltumspannender Vernetzung zu lernen und zu demonstrieren. Wenn die Schule versagt, muss das Leben einspringen. Es müsste schulische ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXXIX

Tagesmail - Freitag, den 15. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXXIX,

am 11. September 1990 verkündete der damalige US-Präsident Bush Senior eine Neue Weltordnung vor beiden Kammern des Kongresses:

„Wir erleben heute einen einzigartigen und außergewöhnlichen Moment. So ernst die Krise am Persischen Golf ist, so bietet sie zugleich die Gelegenheit, zu einer Periode der Zusammenarbeit zu gelangen. Aus diesen schwierigen Zeiten kann unser fünftes Ziel – eine neue Weltordnung – hervorgehen: eine neue Ära – freier von der Bedrohung durch Terror, stärker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer in der Suche nach Frieden. Eine Ära, in der die Völker der Welt, Ost und West, Nord und Süd, prosperieren und in Harmonie leben können. Hundert Generationen haben nach diesem schwer zu fassenden Weg zum Frieden gesucht, während tausend Kriege in der Zeitspanne menschlichen Bemühens wüteten. Heute ringt diese neue Welt um ihre Geburt, eine Welt, die anders ist als die, die wir bisher kannten. Eine Welt, in der die Herrschaft des Rechts die Herrschaft des Dschungels ersetzt. Eine Welt, in der die Völker die gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Gerechtigkeit erkennen. Eine Welt, in der der Starke die Rechte des Schwachen respektiert. Das ist die Vision, die ich mit Präsident Gorbatschow in Helsinki geteilt habe. Er und andere Führer Europas, am Golf und auf der ganzen Welt verstehen, dass die Art und Weise, wie wir heute diese Krise lösen, der Zukunft kommender Generationen ihre Gestalt geben könnte."

Zur Jahrtausendwende schrieb Michail Gorbatschow sein „Manifest für die Erde“:

„Wir müssen uns zusammentun, um eine nachhaltige Weltgesellschaft zu schaffen, die sich auf Achtung gegenüber der Natur, die allgemeinen Menschenrechte, wirtschaftliche Gerechtigkeit und eine Kultur des Friedens gründet. Auf dem Weg dorthin ist es unabdingbar, dass wir, die Völker der Erde, Verantwortung übernehmen füreinander, für die größere Gemeinschaft allen Lebens und für zukünftige Generationen. Das Entstehen einer weltweiten Zivilgesellschaft schafft neue Möglichkeiten, eine demokratische und humane Weltordnung aufzubauen. Unsere ökologischen, sozialen und spirituellen Herausforderungen sind miteinander verknüpft, nur zusammen können wir umfassende Lösungen entwickeln.“

Am 11. September 2001 wurde die Neue Weltordnung vom Sohn des Präsidenten, George W. Bush, wieder gestrichen. Seitdem fällt die Welt zurück in ihre Alte Weltordnung:

Das Streben nach Gerechtigkeit, die Suche nach Frieden gelten nichts mehr. Die Völker der Welt suchen Disharmonie. Die Herrschaft des Rechts wird ersetzt durch die Herrschaft des Dschungels. Die Völker lehnen gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Gerechtigkeit ab. Der Starke respektiert nicht die Rechte des Schwachen. Die Menschheit hat nicht begriffen, dass sie die Natur retten muss – um sich selbst zu retten.

Wie konnte das geschehen?

Nun auf zur Demo der Fridays for Future. Die kommenden Generationen haben ein Recht auf Antworten und eine lebenswerte Welt.

Fortsetzung folgt.

 

Sofort, Hier und Jetzt LXXXVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 13. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXXVIII,

wo man hinblickt: Verfall, Dekadenz, Untergang. Die bewährteste und älteste Demokratie Europas zerfleischt sich. Die EU spaltet sich. Die Polarisierung der deutschen Gesellschaft verschärft sich. Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.

Sollte es abwärts gehen mit dem deutschen Wohlstand, steht der Untergang des Abendlandes vor der Tür. Man klagt, staunt, rätselt, schämt und ängstigt sich – nur eins tut man nicht: man denkt nicht.

Gründe für den Verfall? Ja, gibt es denn Gründe? Niemand kommt ins Grübeln.

Nichts ohne Ursachen: verrät sich hier nicht der Wille zur diktatorischen Kausalität? Wer benennbare Ursachen will, will sie eliminieren. Zukunft wird totalitär, wenn sie alternativlos und eindeutig die Irrtümer der Vergangenheit vermeiden will.

Gibt es denn Eindeutiges, Unmissverständliches, Zwingendes? Nur im Einmaleins. Darüber hinaus ist all dies von Übel. Selbst die Physik ist ins Schwanken gekommen. Wahr-scheinliches kennt sie, Wahres aber ist nichts als Reduktion kognitiver Dissonanz. Kinder und Tölpel ertragen nicht die Vieldeutigkeit der Realität.

Eure Rede sei Jaja, Neinnein, alles andere ist von Übel: das war die Rede eines charismatischen Wirrkopfs, der keinen Satz ohne Widerspruch formulieren konnte. Doch die Widersprüche beruhten nicht auf Schwächen, sie waren gewollt.

Dank der unvereinbaren Gegensätze gelang es dem Christentum, die heidnische Welt zu besiegen. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Wer Vieles und Widersprüchliches bringt, wird jedem bringen, was er benötigt, um seine Sicht der Dinge als göttliche Offenbarung zu präsentieren. Nichts Menschliches und ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXXVII

Tagesmail - Montag, den 11. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXXVII,

gestern wurde die Buber-Rosenzweig-Medaille an zwei vorbildliche Initiativen verliehen.

Formeln von Schmerz und Scham wurden von den FestrednerInnen in gewohnter Glätte abgespult. Generalmotiv der Feier war die biblische Frage: Mensch, wo bist du?

Nach dem Sündenfall rief Gott nach Adam:

„Und Gott der HERR rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.“

Adam heißt auf Deutsch „der Mensch“. Eva, die Gehilfin, gehört nicht in diese Edelkategorie:

„Und der Mensch versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter die Bäume im Garten.“

Die Assoziationskette der Feier mit dem Refrain „Mensch, wo bist du?“ war unmissverständlich. Der Mensch ist Sünder und hat sich vor Gott zu rechtfertigen. Politik wurde zur Religion, der Citoyen zur Sündenkreatur.

Der angesprochene Mensch ist der Deutsche, der seine antisemitische Urschuld immer noch nicht überwunden hat. Vor Gott soll er sich schuldig fühlen, nicht vor den Menschen. Diese sind unfähig, sich aus eigener Kraft von ihrer Schuld zu befreien. Nur, wenn sie die Gnadenangebote der drei Erlöserreligionen reumütig akzeptieren, können sie sich ihrer Schuld entledigen.

Ergo: Deutsche, werdet fromm und beugt euch den Priestern des unfehlbaren Gottes. Der assoziative Rahmen (Framing) der Feier war eindeutig: Ohne Religion kein sinnvolles Leben, keine Bewältigung der deutschen Holocaustschuld, keine intakte Beziehung zum Staate Israel.

Ist der Deutsche schuldig? Die Väter und Vorväter der jetzigen Deutschen haben entsetzliche Verbrechen an den Juden begangen. Nicht die Generationen von ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXXVI

Tagesmail - Samstag, den 09. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXXVI,

„Nichts ist scheußlicher, nichts unverschämter auf Erden als das Weib.

„Lass dich nie vom Weib, dem arschrollenden bezirzen, auch nicht durch schmeichelndes Geschwätz, das dich nur einfangen will.“

„Ein bös Gewächs im Leben ist das Weib; als nöt’ges Übel kaufen wir es doch!

„Ein Mittel gegen schlimme Frauen hat noch nie jemand erfunden: solch ein Übel sind die Frauen!“

„Zu Edlem sind wir Weiber nicht im Stand, doch Schlechtigkeit, die setzen wir leicht ins Werk.“

„Dem Weib vertraue nie dein Leben an.“

„Bei Weibern kannst du niemals Treue seh’n.“

„Wer einem Weib traut, der schenkt dem Räuber Vertrauen.“

„Kein Gezücht ist so schamlos wie die Weiber.“

„Es gibt kein schamloseres Tier als das Weib.“

„Dem Weib trau ich nur in einem einzgen Punkt: Dass nach dem Tode es nicht von neuem leben wird.“

„Vergoldet Schmutz und Dreck – das ist das Weib.“

„Mistloch, Votzenzeigerin, Schwanzschüttlerin.

Aphrodites wichtigste Gaben an die Frau sei „ihr Geschwätz, ihr Grinsen und ...

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Sofort, Hier und Jetzt LXXXV

Tagesmail - Mittwoch, den 06. März 2019

Sofort, Hier und Jetzt LXXXV,

Worte können töten, Stummheit auch. Und sie sagte kein einziges Wort: Merkel lächelt wie ein Honigkuchenpferd – und erledigt Macron mit eisernem Schweigen. Da kann der französische Präsident vorpreschen, kluge Reden halten und Artikel schreiben, wie er will: gegen Angela kommt er nicht an. Ihre siegreiche Strategie lernte die kluge Jungfrau von ihrem himmlischen Herrn:

„Und Jesus schwieg und sagte kein einziges Wort.“

Heiden plappern. Gläubige vermeiden jedes überflüssige Wort, denn eines Tages müssen sie über jedes unnütze Wort Rechenschaft ablegen. „Alles, was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden.“ „Dann sage ich nichts mehr und will meinen Anwalt sprechen.“

Biblische Vorgänge, verwandelt in weltliche. Der Anwalt ist der säkulare Nachkomme des himmlischen Parakleten. Alles, was der Mensch in seinem Leben schwatzte, beteuerte und beschwörte, wird ihm am Jüngsten Gericht vom Obersten Ankläger um die Ohren geschlagen. Gäbe es nicht Jenen, der für ihn spräche: er wäre verloren. Es ist sein Für-sprecher oder Paraklet, der Partei für ihn ergreift, weil er stellvertretend für alle Gläubigen die Schuld übernahm. Der Mensch selbst ist unfähig, seinem Schöpfer Rede und Antwort zu stehen.

„Und wenn jemand sündigt, haben wir einen Fürsprech beim Vater.“ „Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.“ „Also ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet's an! Und die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Also ist die Zunge unter unsern Gliedern und befleckt den ganzen Leib und zündet an allen unsern Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist.“

Logos, das Wort, ist das Zauberwort des Schöpfers, nicht das Wort der ...

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