Philosophische Tagesmails

Umwälzung XV

Tagesmail - Montag, den 29. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XV,

„Wenzel Michalski, Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Deutschland, erlebte Grässliches: «Mein Sohn wurde als Jude beschimpft und gewürgt, dass er das Bewusstsein verloren hat. Nach einer Scheinhinrichtung war Schluss. Grässliches Schulversagen: Bis auf eine Lehrerin taten die Lehrer nichts.»“ (BILD.de)

Lud Anne Will die Leiter der Schule zum Streitgespräch? Sagten diese ab – weil sie zu feige waren, ihr Versagen zu rechtfertigen? Will: Wir haben mit der Schule telefoniert. Ich kann diese Sache hier nicht klären.

Bundesrepublikanische Realität: Es gibt Taten, aber keine Täter. Schuld, aber keine Schuldigen. Schreckliches, aber keine Verantwortlichen.

Michalski, der Vater des misshandelten Jungen: „Bei Judenhass im Alltag, in der Schule am Arbeitsplatz, wenn man da was Antisemitisches hört, müssen andere Menschen eingreifen.“

Genau das tat die Schulleitung nicht – und Anne Will deckt das beschämende Verhalten der Verantwortlichen, von der Schulleitung bis zum zuständigen Kultusministerium, die allesamt hätten Stellung beziehen müssen. Da veranstaltet das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Gespräch mit dem Thema: Wie antisemitisch ist Deutschland? – und schützt die Verantwortlichen vor der Pflicht, das eigene Tun vor der Öffentlichkeit zu erklären, zu verteidigen oder sich selbstkritisch zu äußern.

Das wäre Demokratie. Die Moderatorin klärt nicht auf, sondern vertuscht – coram publico. Sie vertuscht, als hätte sie das Recht, selbst zu entscheiden, was aufklärungspflichtig ist oder nicht. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen – und haben sie für unschuldig erklärt. Nachfragen nicht erlaubt: Ich bestimme die ...

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Umwälzung XIV

Tagesmail - Freitag, den 26. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XIV,

Festhalten: zwei Minuten noch, dann geht die Welt unter. Jetzt zweimal bis sechzig zählen – und arrividerci, ihr Menschen, ade, du schöne Welt. Ach, es war schön mit euch. War‘s nicht zauberhaft, wie wir die Erde zur Sau machten? Und wenn sie noch so flennte und heulte: ihr moralisches Geseire ließ uns kalt. Die verfluchte Welt, wir haben sie platt gemacht. Fini. Etwas Besseres hat sie nicht verdient.

Die Archive des Universums, gleich hinter der Milchstraße rechts, werden die Geschichte des Homo Deus mit Goldrand herausgeben:

„Die Menschheit des Planeten Erde, eine außergewöhnliche Gattung. Vor nichts schreckte sie zurück, nicht mal vor ihrer Selbstauslöschung. Wir werden sie immer in Ehren halten.“

„Eine Forschergruppe sieht eine wachsende Gefahr für den Untergang der Menschheit und hat daher die „Weltuntergangsuhr“ um 30 Sekunden auf zwei Minuten vor Mitternacht vorgestellt“. (Berliner-Zeitung.de)

„Welt, ade, wir sind dein müde,

wir wollen nach dem Himmel zu!
Da wird sein der rechte Friede,
ungetrübt erhabne Ruh.
Welt, bei dir ist Krieg und Streit,
nichts denn lauter Eitelkeit;
in dem Himmel allezeit
Friede, Freud und Seligkeit.“

Alles, lieben Brüdern und Schwestern, was ihr jetzt noch lesen werdet, ist bereits ätherischen Ursprungs. Die Ära der postmundanen Literatur: sie ist hiermit ...

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Umwälzung XIII

Tagesmail - Mittwoch, den 24. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XIII,

„Ich bin Gott, ein Sohn Gottes. Ich bin gekommen. Die Welt ist in Zerstörung begriffen. Und ihr, oh Menschen, müsst vergehen wegen eurer Ungerechtigkeit. Aber ich möchte euch erlösen. Und ihr werdet sehen, wie ich mit himmlischer Kraft wiederkomme. Gesegnet ist der, der mir jetzt gehuldigt hat. Aber ich will ein ewiges Feuer auf alle übrigen werfen, auf ihre Städte und Dörfer. Und Menschen, die nicht begreifen, welche Strafen sie erwarten, werden vergeblich bereuen und ächzen. Aber die will ich für immer bewahren, die an mich geglaubt haben.“ (Celsus über typische Erlöser)

Was hat Trump mit Erlösern gemein? Auch Er ist der Größte, der sich herablässt, die Armen und Schwachen zu retten, sie aber vernichtet – und die Starken, die sich Ihm unterwerfen, noch reicher und mächtiger macht. Deutsche Kritiker finden das Phänomen Trump unerklärlich – Erlöser sind den Gläubigen einer Erlöserreligion unbekannt und unerklärbar.

Als die Germanen sich dem Christentum unterwarfen, unterwarfen sie sich zugleich den Gesetzen des untergegangenen römischen Reiches – das von der christlichen Religion, einem unerbittlichen Feind Roms, besiegt worden war. Beide Systeme waren spiegelbildlich identisch.

„Der Weltherr in Rom, der alle Rechte in sich verschlossen halte, der Leben und Tod auf seinen Lippen trage, hatte einen zwar feindlichen Bruder, aber doch einen Bruder im Herrn der evangelischen Geschichte, der mit dem Hauch seines Mundes den Widerstand der Natur bezwinge oder seine Feinde niederschlage, der sich bereits auf Erden als Weltherr und Weltrichter ankündigte.“ (Bruno Bauer)

Wie Trump und der römische Kaiser, war auch der christliche Erlöser der Allgewaltige und Einmalige. Über den Geburtstag des Augustus hieß es in Analogie zur ...

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Umwälzung XII

Tagesmail - Montag, den 22. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XII,

die Königin erschien nicht in der TV-Arena. Sie lässt kämpfen. Der Prozess omnipotenter Gottwerdung ist Vertreiben rivalisierender Götter, Aufstieg ins Unsichtbar-Numinose zur Alleinherrschaft, Ernennen von Boten, Stellvertretern oder Söhnen, die den Menschen ihre Botschaft in Orakeln und Offenbarungen zu überbringen haben.

Von Anfang an war es der Fehler des Herausforderers, nicht auf gleichwertiger Ebene der Repräsentanz zu bestehen. Abgekämpft, überfordert, desorientiert zeigte er sich dem Volk, um Mitleid mit dem gestürzten Heros zu erregen.

Schwindet das Charisma eines SPD-Messias, bleibt ein Erdenrest, zu tragen – tapfer und parteisoldatisch: wir haben hart gearbeitet und werden hart arbeiten. Wer nicht weiß, wie‘s weiter geht, wer kein Genie besitzt, um Wegweisendes locker aus dem Ärmel zu schütteln, der muss ersatzweise – malochen.

Wem Argumente ausgehen, muss es machen wie die Marktschreierinnen, die beispielsweise Andrea, die Männliche, heißen: damit kann ich nicht arbeiten; das ist nicht förderlich; das bringt uns nicht weiter.

Die Wahrheit wird zur Dienerin des hard work: was bringt es, was nützt es, was profitieren wir? Wenn selbst der – einst angelsächsisch verpönte – Nutzen ausbleibt, bleibt nur noch das deutsche Rackern um des Rackerns willen: jeder bleibe in seinem Stand; wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Der Proletenkampf gegen ...

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Umwälzung XI

Tagesmail - Freitag, den 19. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung XI,

„Augstein wird ihm noch weitere seltsam platte Fragen stellen wie «Was ist Antisemitismus?».“ (WELT.de)

Seltsam platt, die klaffendste Wunde der BRD – einer Nation, die glaubt, mit Ökonomie ihre schreiendsten Unaufrichtigkeiten ungeschehen zu machen. Deutsche können über alles debattieren, ohne das Geringste zu klären. In TV-Debatten werden Begriffe regelmäßig zu Feinstaubgewölke geschreddert.

„Der Beginn der Weisheit ist die Definition der Begriffe“. (Sokrates)

Antisemitismus ist eine der schlimmsten Inhumanitäten der Täternation. Keine Rede, dass die Menschheitsverbrechen gegen die Juden von den Deutschen so aufgearbeitet wären, dass man sich über die Ursachen der judenfeindlichen Taten verständigen könnte. Die Bundesregierung will einen Antisemitismus-Beauftragten ernennen. Zudem will sie antisemitische Flüchtlinge und Asylbewerber rigoros abschieben.

„Bald jährt sich wieder die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee. Der 27. Januar ist hierzulande ein bundesweit begangener, gesetzlicher Gedenktag. Gedacht wird des arbeitsteiligen Massenmordes an den europäischen Juden, verübt von Hunderttausenden Deutschen und ihren Kollaborateuren. Aus diesem Anlass wollen nun CDU und CSU auch etwas gegen den Antisemitismus von Flüchtlingen und Asylbewerbern aus dem arabischen Raum tun.“ (ZEIT.de)

Micha Brumlik verwirft den „gut gemeinten“ Vorschlag. Sein Gegenvorschlag, der den Verdacht einer menschenrechtlichen „Sonderbehandlung“ Israels entkräften könnte, wäre die Einrichtung zweier Ämter:

„Ja, zwei Ämter! Die historische Verantwortung gebietet es zwar, Antisemitismus eigens im Blick zu behalten. Die Gegenwart einer auseinanderdriftenden ...

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Umwälzung X

Tagesmail - Mittwoch, den 17. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung X,

ein Gespenst geht um in Deutschland. Es ist stumm, lächelt wie ein Honigkuchenpferd, liebt seine Nächsten wie sich selbst, ist nur bei Nacht und Nebel zu sehen, gibt sich, je nach Lage der Dinge, weiblich oder männlich, vernichtet, unter strenger Wahrung des Anstands und der Höflichkeit, all seine Konkurrenten – und regiert Deutschland.

„In der DDR hat man es ja tatsächlich geschafft, über heikle Themen den Mantel des öffentlichen Schweigens zu breiten, mit dem Argument, solche Themen nützten dem Klassenfeind.“

Dem Gespenst sind alle Untertanen gleich-gültig. Dennoch tut es, als müsste es feindliche Klassen regieren – die seines Gesprächs nicht würdig sind. In sein gespenstisches Schweigen dringt der Lärm seiner Rivalen, die sich einbilden, ihr Gossengeschwätz sei Gradmesser ihrer Bedeutung.

Alle konkurrieren gegen die anonyme Kanzlerin – und müssen ihr doch unwillentlich nützen. Ein Wunder, das politische Analytiker bislang nicht entschlüsseln konnten. Ein Mysterium, dem rohen Verstand der Menge unzugänglich. Ihr gedachtet es böse mit mir zu tun, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich meine Macht über die Deutschen zu erhalten, solange es mir gefällt.

In verborgenen Schriften hat die gottesfürchtige Magd (wie „Machdd“ auszusprechen) ihre persönliche Devise gefunden. „Schaffet euch Freunde – mit dem ungerechten Mammon.“ Weshalb sie den ungerechten Mammon in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellte und klug handelte wie eine ungerechte Haushalterin.

Die anderen Sätze empörten sie: Die Söhne dieser Welt sollten ihrem Geschlecht gegenüber klüger sein als die Söhne des Lichts? Das musste widerlegt werden. Seitdem beweist sie den Deutschen, dass Töchter des Lichts allen Söhnen dieser ...

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Umwälzung IX

Tagesmail - Montag, den 15. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung IX,

„wenn‘s ans Sterben geht, werde ich da sein“ – schrieb eine Tochter an ihre greise Mutter.

Wo aber sind wir, wenn‘s ans Leben geht?

Wenn‘s ans Sterben geht – werden wir nicht mehr sein. Denn wir werden nicht mehr leben. Wer wird uns betrauern?

Fortschritt soll alles können. Doch sattes Leben kann er nicht erzeugen. Fortschritt lehrt nicht das Leben. Er will den Tod, um Unsterblichkeit zu erringen. Wenn wir sterben, werden wir nicht trauern können. Fortschritt ins Unsterbliche wird im Tode enden. Beschleunigen zum Tode ist vorweggenommene Trauer, die nicht trauern darf. Mit Fortschritt müssen wir uns betäuben, um unsere Trauer nicht wahrzunehmen. Fortschritt ist die rasende Betäubung unserer Unfähigkeit zu trauern.

Wäre Glück die Fähigkeit früherer Zeiten, müssten wir rückschrittlich, nostalgisch und ewiggestrig werden.

Läge Glück in der Zukunft, müssten wir vergangenheitsblind, fortschrittlich und futurisch werden.

Was sind wir? Vergangenheitsblind, fortschrittlich und futurisch. Ergo glauben wir, dass die Menschheit noch nie glücklich gewesen sein kann. Oder dass sie vielleicht glücklich war, Glück aber das Streben des Menschen ins Unendliche verhindert.

Was ist die Erfüllung des Lebens? Ein überschwänglich glückliches Leben? Oder ein ruhe- und rastloses Expandieren in grenzenloser Herrlichkeit, das andere in den Schatten stellen muss?

Weltpolitische Fragen, die das Schicksal der Menschheit bestimmen.

Lebten wir in planetarischen Demokratien, müssten Weltkonzilien einberufen werden, auf denen die Stimmen der Welt miteinander ins Gespräch kämen und über das Ziel der ...

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Umwälzung VIII

Tagesmail - Freitag, den 12. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung VIII,

„Ich empfehle sehr, dass wir die Gesellschaft nicht aufteilen. Es gibt keine Unterschicht. Es gibt keine Schichten in Deutschland; es gibt nur Menschen, die es schwerer haben, die schwächer sind.“ (SPD-Parteisoldat Müntefering, 2006)

„Bundeskanzlerin Merkel sagte gestern, die Politik dürfe eine Kluft zwischen Teilen der Gesellschaft nicht zulassen.“ (2006)

„Liberale kennen keine Schichten. Nur Chancen. Und die sind für alle gleich“. (FDP-Niebel, 2006)

„Nein, von Unterschicht wollte wirklich fast niemand sprechen gestern im Bundestag.“ (2006)

„Das Prekariat ist eine Erfindung der Soziologen.“ (CSU-Glos, 2006)

„Aber wir haben doch keine Klassengesellschaft mehr“. (Klaus Bölling, Regierungssprecher Helmut Schmidts, 2006)

„Wir müssen uns von der uralten Idee des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit verabschieden.“ (CDU-Schlarmann 2006)

Das war der endgültige Sieg des Neoliberalismus in Deutschland, gefördert, unterstützt und abgesegnet von allen führenden Parteien – vor allem den Führern der Proleten, die seitdem unter dem weiten Rock der Mutter verschwunden sind. Seitdem klingt Mutterns Devise kaiserlich: Ich kenne keine Schichten und Parteien. Ich kenne nur Faule und Fleißige, nur Deutsche, die mir vertrauen und mich wählen – solange ich gewählt werden will.

Die klassenlose Gesellschaft war in Marxens Geburtsland bereits im Jahre 2006 Realität geworden – und niemand bemerkte es. Die Hartz4-Therapie Schröders, um ...

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