Philosophische Tagesmails

Neubeginn XXXII

Tagesmail - Montag, den 17. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXII,

„Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen. Jeder Teil dieser Erde ist uns heilig, jede glänzende Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in unseren Gedanken und Erfahrungen. Das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde – das wissen wir. Alles ist miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden“:

„Diese Worte finden Widerhall in der ganzen Welt, wenn Menschen sich gegen die Vermarktung ihrer Nahrung, ihres Wassers, ihres Saatgutes und der natürlichen Vielfalt wehren. Der Widerstand gegen die Privatisierung im Namen der unsinnigen Wirtschaftsglobalisierung ist Grundstein der Erd-Demokratie. Wirtschaftsglobalisierer sehen die Welt als etwas, das man besitzen kann und nutzen den Markt als reine Profitmaschine. Global operierende Konzerne wollen sich die Welt als Privatbesitz aneignen. Die selbstmörderische globalisierte freie Marktwirtschaft beutet lebenswichtige Ressourcen der Erde aus. Sie verschmutzt und laugt die Umwelt aus, verdrängt Millionen von BäuerInnen, Handwerkern und Arbeitern. Statt einer Kultur der Fülle schafft die profitgetriebene Globalisierung eine Kultur des Ausschlusses, der Enteignung und der Knappheit. Das Eigentum der Reichen ist in der Enteignung der Armen begründet – es sind die gemeinschaftlichen, öffentlichen Ressourcen der Armen, die privatisiert werden. Die Armen werden wirtschaftlich, politisch und kulturell enteignet. Die „Eigentümer-Gesellschaft“ beschönigt die lebensfeindliche Philosophie derer, die alle Gaben dieser Erde und alle menschliche Kreativität zu kontrollieren und zu monopolisieren suchen. Die Einhegung der Allmenden, des gemeinsamen Eigentums, welche in England begannen, haben Millionen von überflüssigen Menschen geschaffen. Während mit den ersten Einzäunungen nur Land geraubt wurde, werden heute alle Lebenselemente geplündert: Wissen, Kultur, Wasser, natürliche Vielfalt, öffentliche Dienste, das Gesundheits- und das Bildungswesen. Dabei ...

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Neubeginn XXXI

Tagesmail - Freitag, den 14. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXXI,

die Deutschen besitzen kein Atom-U-Boot, auf das sich ihre sportliche Kanzlerin vom Hubschrauber abseilen könnte. Keinen Eiffelturm, in dem sie einem Tycoon aus der Neuen Welt ein Dreisterne-Menü bei grandiosem Blick über Paris böte, der ihr das Kompliment ausspräche: Sie sind noch gut in Form. Kein Versailles, wo ein junger, strahlender Held, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, die Grandeur seiner Nation wiederfände.

Während England darniederliegt, seine Modernitäts-Verlierer in himmelhochragenden Feuerfallen zum Tode verurteilt werden, reichen die taumelnden Nachkommen der Amerikanischen Revolution den desorientierten Nachfahren der Französischen Revolution die Hände, um ihre Wundmale zu betäuben. Die Franzosen waren die ersten Freunde jener Uramerikaner, die den Briten zeigten, dass der Neue Kontinent sich nicht länger von alten Mächten herumkommandieren lässt.

Den ewigen Konflikt zwischen Frankreich und der Insel nutzt der schlaue Wolkenkratzerbesitzer aus Amerika, um auf Kosten der insularen Herzensbeziehungen seine beschädigte Reputation auf Hochglanz zu polieren. ER hat es geschafft. Er ist im Kreise der Weltenherrscher angekommen. Der Kandidat wird nicht gefeuert. Er hat seine Gegner erledigt, wie sein heldenhafter Sohn das unberechenbarste Raubtier der Welt – den friedfertigen Elefanten: mit dem Patronengürtel um den Leib, Messer und blutendem Schwanz in seinen Schlachterhänden.

Bei so viel Ruhm und Ehre: was blieb da der Kanzlerin anderes übrig, als das Kontrastprogramm einer Pilgerreise an den heimatlichen Ostseestrand zu absolvieren, um sich im Kreise ihrer biederen Untertanen von den Anstrengungen der Weltpolitik zu erholen? Deutsche können mit westlicher Schaumschlägerei nicht mithalten. Immer kommen sie zu spät – doch wenn, dann mit Macht. Dann überspringen sie alle und ...

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Neubeginn XXX

Tagesmail - Mittwoch, den 12. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXX,

abgesehen davon, dass links ein Idiotenkürzel und Vermummungsbegriff ist, steht das geographische Wörtchen für eine eminente Sache – für Adalet.

Wenn in einem gewaltigen Marsch Hunderttausende von Türken für ihre bedrohte Demokratie eintreten, indem sie Adalet fordern, gibt es im deutschen Paradies nur verlegen-säuerliche Reaktionen. Demokratie – ja schon, doch was hat sie mit Adalet zu tun?

Lieber „Vollbeschäftigung“ als „Adalet“, war unlängst in der WELT zu lesen: in Anführungszeichen, die Hohn und Spott bedeuten. Die Springerpresse, Inbegriff deutscher Leitmoral, Bauchsprecherin des eingeborenen Volkes und des gesunden Merkelverstandes, ruft nicht nur zur Selbstjustiz auf – pardon, sie hetzt –, sie vollbringt die artistische Rückenverbiegung, im gleichen Moment vor der „Flucht in die Moral“ (Ulf Poschardt) zu warnen.

Paradiese sind Sozietäten der Vollendung, was sollte ihnen fehlen? Unziemliches moralisches Begrapschen kann die Aura eines vollendeten Kunstwerkes nur zerstören. Also Pfoten weg von unserem hart erarbeiteten Juwel, ihr moralbesoffenen Eskapisten.

Eine Krise der Linken? Sie wäre überfällig und wünschenswert. Wenn man nie kontinuierliches Lernen lernte, muss man gelegentlich auf die Fresse fallen, um klug und weise zu werden. Doch lieber stürzen sie sich von der Klippe, als klug und weise zu werden. Über wie viele Bataillone verfügt die Klugheit, wie hoch ist der Börsenwert der Weisheit?

Die gegenwärtigen Parteien sind ausgelaugt. Ihre Denkvorräte sind ihnen ausgegangen, von denen sie zehren könnten. Nun rächt es sich, dass die Deutschen die Philosophie über Bord warfen oder zum Theologie-Ersatz verschnitten haben.

In der Polis sind Kompromisse notwendig, im Denken aber zerstörerisch. Das ist ...

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Neubeginn XXIX

Tagesmail - Montag, den 10. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXIX,

Gipfel sind lärmende ADHS-Zentren des Weltgeschehens. Allzu oft überschatten sie das Wesentliche an den Rändern des Horizonts. Während die Welteliten Abermillionen an Geldern verpulvern, um ihre politische Impotenz aufreizend zur Schau zu stellen, machen sich die Völker auf den Weg, um ihre Demokratien zu retten:

„Erste Schätzungen gingen von mehr als 1,5 Millionen Personen aus, die dort am Sonntagabend für Gerechtigkeit in der Türkei demonstrierten. Lange war spekuliert worden, ob Erdoğan die Polizei und das Militär anweisen würde, den Protestmarsch noch vor Istanbul noch zu stoppen. Zuletzt hatte er scheinbar großmütig erklärt, solange von dem Marsch keine Gewalt ausgehe, könnte Kılıçdaroğlu ihn auch zu Ende führen. „Wer bist du, mir meine verfassungsgemäßen Rechte wie einen Gnadenakt zu präsentieren?“, antwortete Kılıçdaroğlu daraufhin an die Adresse Erdoğans. „Niemand kann uns daran hindern, nach Istanbul zu gehen.“ (TAZ.de)

Hier steht ein Volk auf, das vom zivilisierten Westen längst als wieder auferstandenes Janitscharen-Reich tief in die asiatische Steppe zurück verlagert wurde. Für rasende Medien nur ein belangloses Randereignis. Doch wo das Aas der Übersättigten ist, da türmen sich die Schlagzeilen.

Da kocht die Wut, da schäumen die Federn. „Deutschland vor aller Welt blamiert“: das ist es, was die G-20-Sommerspiele in der kühlen Hansestadt für moralverachtende Moralisten aus Neugermanien unerträglich macht: was sollen die Leute von uns denken, ihr Schandflecke unseres Wohlstands-Paradieses? Es hätte ein so triumphales Gesamtereignis aus Profit und Beethoven, eine Synthese aus Bildung und Bimbes werden können. Nun müssen wir uns schämen – und noch mehr malochen und exportieren, um die Schande ungeschehen zu machen.

Das lutherische Deutschland, seinem Reformator untreu geworden, ist auf die Seite des Ablasspredigers Johann Tetzel übergelaufen: Solang der Euro im Kasten klingt, Merkel im Dreitakt springt. Im Auftrag der Pastorentochter, die sich ...

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Neubeginn XXVIII

Tagesmail - Freitag, den 07. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXVIII,

über allen Gipfeln ist Ruh‘, wartet nur, balde ruhet ihr auch.

Mit deutscher Bildung gegen alles Unwesen aus welschen Landen. Ludwig van, Friedrich von. Wer in Angelas Kabinett will, muss Deutschland über alles und die Ode an die Freude auswendig können. Was geschieht da an den Deichen der Nordsee?

In einem Weltrettungsgipfel treten die leidenschaftlichsten Kosmopoliten aus aller Welt an, die humansten Denker, die überzeugendsten Verteidiger der Natur, um in öffentlichen Streitgesprächen, zu Tränen rührenden Verlautbarungen und erregenden Manifesten, an die Menschheit zu appellieren:

Wie lange noch wollt ihr Mächtige wählen, dulden und ertragen, die euch das Leben auf diesem Planeten zur unerträglichen Pein machen? Wie lange noch, oh Mensch des 21. Jahrhunderts – nach so vielen Kriegen unter den Völkern, Erniedrigung und Schmähung so vieler Menschen, Verwüstungen der Natur vom Süd- bis zum Nordpol, unter dem Trug des Fortschritts, unter dem Blendwerk eigener Grandiosität – willst du Obrigkeiten gehorchen, die dich in den Orkus führen?

Ihr da: habt ihr noch alle Tassen im Schrank? Und ihr: hat man euch das Gehirn herausoperiert? Und vor allem ihr, die ihr vor Gier nicht mehr aus den Augen schauen könnt: könnt ihr nicht mehr bis drei zählen? Wollt ihr die Welt zu Schanden machen, um sie euren Kindern in verwüstetem Zustand zu hinterlassen? Sollen sie eines Tages euer Geld fressen, um über die Runden zu kommen? Sollen sie die letzten bewohnbaren Inseln der Welt mit Atomraketen sichern, um Milliarden Überflüssiger in den Tod zu schicken? Sollen sie sich in unterirdischen Höhlen verbarrikadieren, um den Gluten der Sonne zu entgehen? In Großstädten auf dem Meeresgrund, in riesigen Unterseebooten, das Leben der Fische zur Hölle machen? Jahrtausendelang ins Nichts des Universums flüchten, um Millionen gescheiterter Planeten einen weiteren ...

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Neubeginn XXVII

Tagesmail - Mittwoch, den 05. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXVII,

G20 ist ein Klub selbsternannter Weltführer, von niemandem gewählt, von niemandem kontrolliert. Niemand überprüft, ob ihre Entschlüsse von den Teilnehmern eingehalten werden. Sanktionen gibt es keine. Politische Macht und ökonomischer Einfluss allein entscheiden über ihre Führungskompetenz.

Die UNO, das Parlament der Völker, wird von ihnen bis zur Bedeutungslosigkeit ausgehebelt. Gleichzeitig reduzieren sie ihre finanziellen Beiträge zu UN-Hilfsprogrammen, um hungernde Völker ihrem Elend zu überlassen. Dem Elend der Klimaverschärfung, die zum großen Teil von ihnen verursacht wurde und dem Elend der Armut, einer Konsequenz ihrer erbarmungslosen wirtschaftlichen Überlegenheit.  

Dem herrschenden EINPROZENT der Superreichen entspricht das EINPROZENT reicher Regierungen, die sich anmaßen, das Schicksal der Erde in ihre gierigen und verantwortungslosen Hände zu nehmen. Winzige Minderheiten, berauscht von ihrer militärischen, technischen und ökonomischen Superiorität, haben den Planeten vereinnahmt und bestimmen in einer abenteuernden, von Größenwahn und Selbstzerstörung vibrierenden Dauererregung, die Sicherheit des menschlichen Lebens und die Garantie der Natur gefährdenden Gesamtpolitik, das Geschick der Menschheit.

Je demokratischer, offener und vernetzter die globalen Verhältnisse erscheinen, umso machtloser werden die Milliarden Menschen, die es satt haben, nach Jahrtausenden schmählicher Unterwerfung sich von männlichen Minderheiten das Vernichtungsurteil auferlegen zu lassen.

Sollte es der Menschheit nicht gelingen, ihren Untergang zu verhindern, wird er vor aller Augen einer wissenden Weltöffentlichkeit exekutiert werden. Milliarden Menschen scheinen keine Chance zu haben, einer winzigen Clique von Übermenschen die ...

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Neubeginn XXVI

Tagesmail - Montag, den 03. Juli 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXVI,

mögen sie uns hassen, wenn sie uns nur fürchten. Wie alle neurotischen Götter wollen Herrscher geliebt werden. Werden sie nicht geliebt, verbreiten sie so lange Drangsal und Schrecken, bis sie gefürchtet werden.

Es ist die Strategie des liebesunfähigen Mannes, der Macht erringen muss, um Beachtung durch Angst zu erzwingen. Ein Preußenkönig soll seine Untertanen auf den Gassen mit dem Ruf gepeitscht haben: liebt mich oder ich prügle euch.

Es geht um die Machthaber der Erde, die wie Heuschrecken in eine Metropole einfallen, das Leben der Einwohner derangieren und beeinträchtigen, bis die Canaille endlich zuschlägt, damit die Machthaber – als schuldlos Angegriffene – mit aller Gewalt zuschlagen können. Der Terror muss bei den Schwachen beginnen, damit die Regierenden zeigen dürfen, wer die stärkeren Bataillone hat.

Heere von Polizisten und Sicherheitsleuten fallen wie Heuschrecken über eine Stadt her, um sie zu zwingen, die Anwesenheit der Mächtigen gefälligst zur Kenntnis zu nehmen.

Siehe, so bringe ich morgen Heuschrecken in deine Stadt, die sollen den ganzen Boden bedecken, dass man das normale Leben nicht mehr sehen kann. Sie sollen eure Häuser versiegeln, euer gewohntes Leben verwüsten, wie ihr es in Friedenszeiten noch nie erlebt habt.

Nicht nur die Reichen führen Krieg gegen die Armen – wie ein Superreicher erklärte, der mit einem Federstrich zwölf Milliarden kassierte –, die Mächtigen haben sich auf die Seite der Reichen geschlagen, um dem störrischen Volk die Faust vor die Nase zu halten. Ob gewählt oder nicht, sie kujonieren ihre Untertanen wie Tycoons ihre Lohnabhängigen. Macht und Money sind vor aller Augen eins geworden.

Vor kurzem noch wurde als verschwörungsbesessener Antikapitalist an den Pranger gestellt, wer die Identität von Geld und Gewalt zu behaupten ...

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Neubeginn XXV

Tagesmail - Freitag, den 30. Juni 2017

Hello, Freunde des Neubeginns XXV,

„gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam, gemeinsam“: da capo al fine.

Das, hoch verehrte Damen und Herren, war die Zusammenfassung einer wegweisenden Kanzlerinnenrede. Danach ein PHOENIX-Reporter, der in rasendem Tempo die Rede ebenfalls zusammenfasst, indem er die phrasenhaftesten Phrasen der Rede rekapituliert – um die drohende Stille bis zum Beginn des nächsten Redners zu überbrücken.

Das Publikum des Senders für Chefredakteure muss als unfähig angesehen werden, die Rede ohne Beaufsichtigung durch einen öffentlich-rechtlichen Sender auf sich wirken zu lassen und autonom zu verarbeiten. Wenn man eine Rede in zwei Leerformeln charakterisieren kann, wundere sich niemand, dass die Kanzlerin als Leerformel-Phraseurin betrachtet wird.

Die Medien, unter zunehmendem Druck des live-streams, bringen die hohlsten aller hohlen Standardsätze als Schlagzeilen. Justament Neuigkeits-Süchtige nehmen am liebsten alte, abgedroschene Floskeln zur Kenntnis. Weshalb genaue Analysen des Gehörten und Gesehenen fast immer unterbleiben.

Nicht nur Talkshows werden unter dem Aspekt des Originellen, Verblüffenden und Neuen bewertet. Eine Idee mag „volkspädagogisch wertvoll, humanistisch grundiert“ sein, dann ist sie aber auch „wenig originell“. (SPIEGEL.de)

Lieber originelle Barbarei als anödende Humanität. Richtig und falsch, wahr oder unwahr, sind Kategorien von Hinterwäldlern. Ströbele, einer der aufrechtesten Politiker dieses Landes, wird vom SPIEGEL wegen seiner Treue zu sich und ...

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