Philosophische Tagesmails

Neubeginn IV

Tagesmail - Freitag, den 12. Mai 2017

Hello, Freunde des Neubeginns IV,

das Weltende ist abgesagt. Atmet auf, Brüder und Schwestern. Ein deutsches Genie widerspricht einem englischen.

Artensterben, Polschmelze, unerträgliche Hitzewellen in Afrika, Wasserknappheit, plastikverseuchte Weltmeere, Tornados, Springfluten und sonstige Naturkatastrophen – alles übertrieben. In der Münchner Innenstadt sind die Temperaturen um drei Grad höher – na und? Das meiste wird gar besser: in gemäßigten Breiten wird‘s behaglich warm, der südbadische Gutedel endlich genießbar.

„Sollten die Temperaturen in den nächsten hundert Jahren nochmals um 1,5 Grad Celsius steigen, wie es die pessimistischsten Prognosen vorhersagen, dann wird es in Deutschland zwar schön warm, das bedeutet aber nicht gleich den Untergang der Menschheit“, betont Walter. Noch müssen wir die Koffer nicht packen.“ (WELT.de)

Als Stephen Hawking sein Untergangsinferno skizzierte, gab es kein Echo – nirgends. Nur eine einzelne Stimme meldete sich und widersprach: der deutsche Astronaut Ulrich Walter. Ja klar, die Deutschen durchschauen den Katastrophen- Schwindel, sie sind untergangsresistent geworden. Seit dem Weltuntergang im Jahr 1945 haben sie alle Apokalypsen prophylaktisch überwunden.

Zu Recht verschwinden die Grünen von der Matte, es gibt kein ökologisches Problem. Unter der Theokratie einer ehemaligen Umweltministerin ist die einst vorbildliche BRD zur Nation mit der verheerendsten Naturschändungsbilanz geworden. Der ökologische Fußabdruck der Deutschen dringt bis ins Mark der Erde.

Es muss also Hysterie sein, wenn die Weltuntergangs-Uhr von fünf vor zwölf auf zweieinhalb Minuten vor zwölf vorgerückt wurde. Kein Rauschen im ...

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Neubeginn III

Tagesmail - Mittwoch, den 10. Mai 2017

Hello, Freunde des Neubeginns III,

la poudre de perlimpinpin: wenn Wunderpulver zu faulem Zauber wird. So könnte die vor uns liegende Regierungsepoche des neuen französischen Präsidenten eines Tages überschrieben werden. (TAZ.de)

„Pinpin“ ist ein leichtgläubiger Mensch. Sind religiöse Glaubenssätze für Leichtgläubige? Dann hätte es Macron nicht schwer, christliche Europäer von seinen Zauberfähigkeiten zu überzeugen. Es ist keine Prophetie, sondern eine Prognose: bald wird Macron seinen Bewunderern auf die Makrone gehen.

[„Makrone f.: 'Weihnachtsgebäck aus Eiweiß, Zucker, Mandeln und anderen Zutaten', Makron.„Kokosmakrone: Du fallsch mer uf die M. 'Du gehst mir auf die Nerven'. Durch nl. Vermittlung aus frz. macaron, dies aus ital. Maccaroni.“] (Aus dem „Pfälzischen Wörterbuch“)

Deutsche Leichtgläubige sind von aufgeklärter Art: also Schwergläubige, die täglich zum Himmel stammeln: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. A priori sind sie leichtgläubig (in medialer Hochsprache: sie „geben sich“ leichtgläubig, wobei unklar bleiben soll, sind sie es oder nicht? Das Faktum des Scheins scheint zu verschwimmen mit dem Faktum des Seins, so viel für Faktengläubige), im Nachhinein aber zerreißen sie ihre „übers Wasser gehenden“ Heilsfiguren – die sie gnadenlos in den Fluten versenken, besonders, wenn sie Schulz heißen. Der hinterlistige Gabriel hat seinem abiturlosen Parteikollegen das Amt untergejubelt, damit ...

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Neubeginn II

Tagesmail - Montag, den 08. Mai 2017

Hello, Freunde des Neubeginns II,

„der Arbeiter ist auf die Straße, aufs Pflaster geworfen … Das macht die Arbeitslosigkeit, die schreckliche Arbeitslosigkeit, die in den Mansarden die Totenglocke läutet. Panik hat alle Industrie zum Stillstand gebracht, und das Geld, das feige Geld, hat sich versteckt." (Emile Zola)

Was ist der Unterschied zwischen politischen Wunderkindern und Populisten? Es gibt keinen … außer der Kleinigkeit, dass Wunderkinder Erfolg haben und das Bestehende verteidigen, indem sie es „energiegeladen nach vorne bringen“. Ach ja: und dass sie von den Eliten gehätschelt und angebetet werden – bis, bis sie versagen: dann bricht man ihnen das Genick. Einen „Schulz-Effekt“ gibt es nicht, er ist zu 99% ein Daumen-rauf-runter-Effekt schreibender Prätorianer.

Ach ja, Populisten verheißen einen arktischen Wintereinbruch für Andersdenkende, Wunderkinder verheißen – Wunder für alle, was sonst? Wunderkinder müssen versprechen, die „gespaltene Nation zu erneuern, zu einigen, ja sie zu versöhnen“. Mit weniger geben sie sich nicht ab. Würde ihnen dies wunderbarerweise gelingen, hätte das Volk keinen Anteil an seiner Erneuerung, Einigung, Rettung und Versöhnung – außer, dass es Erneuerung, Rettung und Versöhnung passiv über sich ergehen ließ. Die höchste analytische Einsicht der Medien lautet: Nationen sind in der Mitte gespalten. Weshalb sie gespalten sind, ist keiner Bemerkung wert.

„Eine neue Seite unserer langen Geschichte wird heute Abend aufgeschlagen. Ich möchte, dass es eine der Neuentdeckung von Hoffnung und Vertrauen ist.“ (Macron)

Ein Mensch soll die uralten Wunden einer Nation zum Verschwinden bringen. Selbst allmächtigen Göttern blieb es bislang versagt, ihre Kreaturen, die sie höchst selbst entzweiten, miteinander zu versöhnen. Die Zeit der Politik geht zu Ende. Es kommen die religiösen SinnstifterInnen im Gewande der Politik. Sie haben keine politischen ...

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Neubeginn I

Tagesmail - Freitag, den 05. Mai 2017

Hello, Freunde des Neubeginns I,

als ob wir von vorne begönnen. Das Neue ist nicht das Unbekannte, Unerhörte und Zukünftige, das Alte nicht das Überholte und Vergangene. Neu und Alt sind keine Variablen der Zeit, sondern überdauernde Qualitätsmerkmale.

Das Neue kennt kein zeitliches Verfallsdatum. Es ist nicht Feind des Alten, sondern Rehabilitierung des Totgesagten, das zu Unrecht verscharrt wurde. Das Neue ist das Alte, das wir wieder zu entdecken haben – als sei es unbekannt. Wir glaubten es zu kennen und hielten uns für berechtigt, es zu entsorgen.

In den Abfallgebirgen der Vergangenheit das Unersetzbare zu entdecken, ist die Goldgräberstimmung, die uns antreibt, die verdrängten Weisheiten der Menschheit wieder ins Bewusstsein zu rücken. Neu ist, was in längst vergessenen Zeiten wahr hieß. Wahr ist das Menschen- und Naturfreundliche.

Nicht alles Faktische ist wahr. Auch Unwahres kann faktisch sein. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf: der Satz ist faktisch, aber nicht wahr. Wer sich nur auf Fakten verlässt, hat sich der Wahrheitsfrage entledigt. Wenn schreckliche Fakten gut sein sollen, ist Unwahres wahr, das Schlechte gut geworden.

Die Moderne hat das Neue entstellt. Das zeit-unabhängige Gültige und Wertvolle wurde zur schnell verfallenden Neuheit. Die Moderne fragt nicht: ist es faktisch – ist es wahr? Stattdessen fragt sie: ist es von gestern? Dann muss es falsch sein. Vergrabt es in euren Archiven, degradiert es zur Bildung, denn es geht uns nichts mehr an.

Qualitäten wurden von der Moderne in schnell verfließende Zeitangaben verfälscht. Dem Entweder-Oder wollte die Neu-Zeit entfliehen und verendete im ...

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Weltdorf C

Tagesmail - Mittwoch, den 03. Mai 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs C,

Walter Steinmeier, pastorale SPD-Ausgabe des Bundespräsidenten, Ehrenmitglied exklusiver Warner-Garden („ich warne vor …“), ermutigt sein Volk zur Rettung der Volksherrschaft, indem er es entmutigt: „Glaubt ja nicht, dass ihr die Probleme der Demokratie lösen könnt. Sie sind zu komplex, übersteigen eure Lösungs-Kapazitäten um ein Vielfaches“.

Die präsidiale Volkspädagogik des einstigen Schröder-Gehilfen ist „energiegeladen nach vorne gerichtet“. Nach vorne in eine verheißungsvolle Zukunft, in der die Menschen verstummen, weil ihre Gottesmaschinen den homo simplicius stupidus abgeschafft haben. Die glänzende Zukunft des Homo Deus – von dem Historiker Noah Harari in Sehergabe vorausgesagt – wird identisch sein mit jenen vergangenen Epochen der Finsternis, in denen der Mensch die Klappe zu halten hatte.

Die progressiv-steinzeitliche Erziehungskunst lässt sich als widersprüchlicher Imperativ – oder paradoxe Intervention – formulieren: „Sohn! (Töchter spielten keine Rolle) mach deinen Eltern keine Schande und werde ein berühmter Mann, damit wir stolz auf dich sein können. Glaub aber ja nicht, dass du dieses Ziel erreichen wirst. Dazu bist du zu antriebslos und zu begriffsstutzig. Also lass die hohe Bildung und backe beizeiten simple Brötchen.“

Auch ein Beitrag zur Gleichheit der Chancen durch Bildung – zur willigen Befehlsempfänger-Masse. Wie haben Volkshorden zu sein, um Führungsklassen nicht auf den Wecker zu fallen? Sie sollen einfach gestrickt sein, um die undurchsichtigen Machenschaften der Erwählten nicht zu durchschauen, doch gewitzt und clever genug, um es erst gar nicht zu probieren.

Wen die Eliten lieben, den züchtigen sie zu Demuts-Nieten. Das Ziel führender BRD-Brahmanen steht fest: der unterkomplexe Massenmensch hat sein Schicksal nicht selbst zu gestalten. Macht- und Priesterklassen hingegen wissen, dass sie der Geschichte, der Evolution, der Zeit und dem Zufall ausgeliefert sind. Sie sind ...

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Weltdorf IC

Tagesmail - Freitag, den 28. April 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs IC,

links, rechts, Mitte sind Krüppelbegriffe, geografische Metaphern, die längst verdunkelt haben, wofür sie standen. Werfen wir sie weg, sie stiften endlose Unklarheiten. Sie sind keine politischen Begriffe, sondern wurden von Sitzanordnungen abgeleitet. Zu kurz gegriffen. Sie repräsentieren theologische Selektionen:

„Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.“

Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.“

In jeder mittelalterlichen Kathedrale erblickt man das Sinnbild der Synagoge links vom Chorbogen und das der Kirche rechts davon. Die Linken müssen ins ewige Feuer. Die Rechten erben das Reich des Vaters. Die Geschichte des Antisemitismus beginnt nicht im Dritten Reich.

Die europäische Linke steht kurz vor dem historischen Generalbankrott. Schon lange kokettieren mittige deutsche Medien mit der Einerleiheit von lechts und rinks. Die Warnung Ernst Jandls wird in den Wind geschlagen:

Lechts und rinks – kann man nicht velwechsern,

werch ein illtum.

Die endlose Kumpanei von CDU&SPD hat einen lechts-rinksen Dauerkompromiss ausgebrütet. Von rechten Parteigenossen wird Merkel vorgeworfen, sie ...

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Weltdorf XCVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 26. April 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs XCVIII,

Schließlich ging es um die Frage, ob Merkel Demokratin sei. „Diese Frage einer Moderatorin bei der W20-Frauenkonferenz brachte die Bundeskanzlerin hörbar aus dem Konzept. Sie setzte an, geriet ins Stocken, brach ab. Dann rang sie sich doch zu einer Antwort durch.“ (WELT.de)

„Ich möchte mich nicht mit diesem Titel schmücken.“ Schließlich hätten andere für das Thema sehr viel härter gekämpft. Königin Maxima der Niederlande versucht zu vermitteln: Demokraten seien doch schließlich alle, die „gleiche Rechte und freie Wahl“ befürworten. „Dann bin ich doch auch eine“, sagt Merkel. Ivanka Trump hat ihren Finger schon vorher weit nach oben gestreckt. Sie hat nur ein kleines bisschen gezögert.“ (Berliner-Zeitung.de)

Es war nicht irgendeine Moderatorin, es war Miriam Meckel, Herausgeberin der Wirtschaftswoche, Freundin jener Talkmasterin, die in der ARD Tête-à-Tête-Gespräche als politische Debatten verkauft. Natürlich fasste Anne Will sofort die Gelegenheit beim Schopf, um den nächsten Termin für ein Kamingeplauder zu ergattern. „Blendend sehen Sie aus, Frau Will“, hatte Merkel die Edeltainerin huldvoll angesprochen. „Wann findet denn unser nächstes Sonntags-Date statt? Das letzte hat mir soviel Spaß gemacht.“

Demokratin – pardon: Feministin – ist kein „Titel, mit dem man sich schmücken kann.“ Merkels mangelhafte Bildung kennt keine Begriffe, nur machtgestützte Titel. Dass eine holländische Königin einer deutschen Kanzlerin Nachhilfeunterricht geben muss, was ein uralter Kampfbegriff der Frauenbewegung bedeutet, müsste in einer funktionierenden Demokratie ausreichen, um letztere zum Rücktritt zu bewegen.

Deutsche Wahrheitsmedien, die beim Plausch der mächtigsten Frauen der Welt als Claqueure anwesend sein durften, bringen es fertig, aus dem Vorgang einen Klamauk zu machen, ja, die physikalische Gewitztheit der Befragten hervorzuheben. Erst ...

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Weltdorf XCVII

Tagesmail - Montag, den 24. April 2017

Hello, Freunde des Weltdorfs XCVII,

ich liebe Nepotismus, sagte der weltführende Nepotist. Vorbei die Zeiten, dass Führungsklassen verschweigen würden, was ihr liebendes Herz bewegt. Scham? Machiavellistische Doppelreden? Strategische Korrektheiten? Schnee von gestern. Wir betreten eine Epoche erbarmungsloser Ehrlichkeit.

Das Spiel mit verdeckten Karten hat ausgespielt. Man muss sich schon allmächtig empfinden, wenn man steigende Aufrichtigkeit, verbunden mit hemmungsloser Brutalität, als Doppelpaket verkaufen kann.

Angela hat den Epochenwechsel noch nicht verstanden. Noch liebt sie die pastorale Augenwischerei. Trumps Verwandten- und Vetternwirtschaft offiziell unterstützen? Gott bewahre. Doch unter dem unverdächtigen Vorzeichen eines Frauengipfels will sie Trumps Tochter, die mächtigste Frau der USA – von niemandem gewählt – nach Deutschland einladen. Da kann niemand meckern.

Für die Frau im SPIEGEL eine mächtige Chance, den Mann im Weißen Haus zur Raison zu bringen:

„Wenn das keine Botschaft ist: Ein Gipfel jener beiden Frauen, die Donald Trump zur Vernunft bringen sollen – wenn das überhaupt möglich ist. Zwei Frauen, auf die sich die Hoffnungen der freien Welt richten, weil sie angeblich die Macht haben, den Mann zu beeinflussen, der auf Frauen so herabblickt.“ (SPIEGEL.de)

Christiane Hoffmann scheint den Unterschied zwischen Frauen und Frauen nicht zu kennen, den starke Männer zu machen pflegen. Sie kennen keine Frauen, sie kennen nur Huren und Heilige. Zu letzteren zählen nur die eigenen Familienangehörigen und sorgsam ausgesuchte Damen – deren Unterstützung man benötigt. Trump fühlte ...

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