Philosophische Tagesmails

Umwälzung IX

Tagesmail - Montag, den 15. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung IX,

„wenn‘s ans Sterben geht, werde ich da sein“ – schrieb eine Tochter an ihre greise Mutter.

Wo aber sind wir, wenn‘s ans Leben geht?

Wenn‘s ans Sterben geht – werden wir nicht mehr sein. Denn wir werden nicht mehr leben. Wer wird uns betrauern?

Fortschritt soll alles können. Doch sattes Leben kann er nicht erzeugen. Fortschritt lehrt nicht das Leben. Er will den Tod, um Unsterblichkeit zu erringen. Wenn wir sterben, werden wir nicht trauern können. Fortschritt ins Unsterbliche wird im Tode enden. Beschleunigen zum Tode ist vorweggenommene Trauer, die nicht trauern darf. Mit Fortschritt müssen wir uns betäuben, um unsere Trauer nicht wahrzunehmen. Fortschritt ist die rasende Betäubung unserer Unfähigkeit zu trauern.

Wäre Glück die Fähigkeit früherer Zeiten, müssten wir rückschrittlich, nostalgisch und ewiggestrig werden.

Läge Glück in der Zukunft, müssten wir vergangenheitsblind, fortschrittlich und futurisch werden.

Was sind wir? Vergangenheitsblind, fortschrittlich und futurisch. Ergo glauben wir, dass die Menschheit noch nie glücklich gewesen sein kann. Oder dass sie vielleicht glücklich war, Glück aber das Streben des Menschen ins Unendliche verhindert.

Was ist die Erfüllung des Lebens? Ein überschwänglich glückliches Leben? Oder ein ruhe- und rastloses Expandieren in grenzenloser Herrlichkeit, das andere in den Schatten stellen muss?

Weltpolitische Fragen, die das Schicksal der Menschheit bestimmen.

Lebten wir in planetarischen Demokratien, müssten Weltkonzilien einberufen werden, auf denen die Stimmen der Welt miteinander ins Gespräch kämen und über das Ziel der ...

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Umwälzung VIII

Tagesmail - Freitag, den 12. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung VIII,

„Ich empfehle sehr, dass wir die Gesellschaft nicht aufteilen. Es gibt keine Unterschicht. Es gibt keine Schichten in Deutschland; es gibt nur Menschen, die es schwerer haben, die schwächer sind.“ (SPD-Parteisoldat Müntefering, 2006)

„Bundeskanzlerin Merkel sagte gestern, die Politik dürfe eine Kluft zwischen Teilen der Gesellschaft nicht zulassen.“ (2006)

„Liberale kennen keine Schichten. Nur Chancen. Und die sind für alle gleich“. (FDP-Niebel, 2006)

„Nein, von Unterschicht wollte wirklich fast niemand sprechen gestern im Bundestag.“ (2006)

„Das Prekariat ist eine Erfindung der Soziologen.“ (CSU-Glos, 2006)

„Aber wir haben doch keine Klassengesellschaft mehr“. (Klaus Bölling, Regierungssprecher Helmut Schmidts, 2006)

„Wir müssen uns von der uralten Idee des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit verabschieden.“ (CDU-Schlarmann 2006)

Das war der endgültige Sieg des Neoliberalismus in Deutschland, gefördert, unterstützt und abgesegnet von allen führenden Parteien – vor allem den Führern der Proleten, die seitdem unter dem weiten Rock der Mutter verschwunden sind. Seitdem klingt Mutterns Devise kaiserlich: Ich kenne keine Schichten und Parteien. Ich kenne nur Faule und Fleißige, nur Deutsche, die mir vertrauen und mich wählen – solange ich gewählt werden will.

Die klassenlose Gesellschaft war in Marxens Geburtsland bereits im Jahre 2006 Realität geworden – und niemand bemerkte es. Die Hartz4-Therapie Schröders, um ...

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Umwälzung VII

Tagesmail - Mittwoch, den 10. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung VII,

GROKO – das Große Koma. Die Große Bewusstseinsstörung wird nicht kommen, sie ist bereits da.

Wozu brauchen wir Trump, um die westliche Krankheit zum Tode festzustellen? Es ist so leicht, sich einen Sündenbock zu schaffen und sich von allen Krankheiten und Übeln freizusprechen. Nicht das unvergleichliche Individuum steht im Mittelpunkt der Moderne, sondern die Stellvertreter des Individuums. Bitt für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Wir haben Kriminelle, um die Verbrechen der Gesellschaft zu ignorieren,

wir haben Psychopathen, um den Wahn und das Irresein der Gesellschaft zu verleugnen,

wir haben gekreuzigte und auferstandene Erlöser, um die Menschheit für unfähig zu erklären. Um alle Schuld auf SIE zu schieben. Um alles Heil von IHNEN zu erwarten.

„Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Der Einzelne ist nichts, Erlöser sind alles. Die Sprache der Moderne entlarvt es: der Einzelne ist Subjekt; Subjekt ist das „Daruntergeworfene“. Nicht der Einzelne ist Autor der Geschichte. Der Geschichte muss sich der Einzelne unterwerfen.

Das Stellvertreter-Syndrom wurde im Abendland aufgespalten. Schuld ging an die Schwachen, Erlösung übernahmen die Starken. Verlierer der Moderne werden ...

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Umwälzung VI

Tagesmail - Montag, den 08. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung VI,

besser keine Regierung als keine Regierung! Die deutschen Milch&Honig-Champions, Sehnsuchtsort-Bewohner, schwarze Nullisten und Export-Artisten: ratlos in der Wohlstandskuppel. Es geht nicht um Regierungen; die Politeliten haben fertig. Es geht um das Bruttosozialvolk, das nun kassiert, was es eingezahlt hat.

Wer stets lau wählt, den wird der Herr aus dem Munde spucken – der wird mit lebenslänglicher GROKO bestraft. GROKO ist eine vordemokratische, metademokratische und postdemokratische Hautkrätze, anfänglich ohne sichtbare Symptome, doch wenn sich die schwarz-rot-goldenen Eiterpickel zeigen, ist es für alles zu spät.

Aberwitzig, diese mediale Balkon- und Portal-Brünstigkeit: nun geht es aber wirklich los. Nein, doch nicht. Aber jetzt – oder immer noch nicht? Jawoll, Ulrich Wilhelm: mehr Volksknete für die öffentlich-rechtlichen Brot&Spiele-Sender – oder die Berichte um die BER-Regierung werden bedingungslos eingestellt. Statt teurer, kriecherischer Ante-portas-Fragen: Was drang durch die Ritzen? könnten preiswerte Quiz-Sendungen gebracht werden: Wie gut kennen Sie Ihre Kanzlerin wirklich? Was tut eine Physikerin am liebsten: Kartoffeln anpflanzen oder Luther im Original lesen?

Wozu benötigen Paradies-Bewohner eine Regierung? Wenn einem die gebratenen Vögel ins Maul fliegen, hat die Stadt Gottes sich über die Stadt des Widersachers endgültig hinweggesetzt und ist im Standby-Modus angekommen. Schlaraffenland ist programmierbar, eine aufwändige und teure Regierung überflüssig.

Zukunftsfest ist eine Gesellschaft, wenn sie zur digitalen Maschine mutierte. Wir stehen kurz vor dem finalen Abendmahl, der wundersamen Verwandlung analoger Rohstoffe in geistbegabte Algorithmen. Ersetzt euer morsches Gehirn, eure minderwertigen Organe durch Implantate mit Silicon Valley-Ewigkeitsgarantie. Die deutschen Regierungen haben ihre Mission vorbildlich erfüllt, sie haben sich ...

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Umwälzung V

Tagesmail - Freitag, den 05. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung V,

a) „Und alle haben gemeinsam, dass sie ihre nationalen Interessen über die der Weltgemeinschaft setzen. Wir Europäer tun das nicht.“ (Der beliebteste Politiker der BRD)

Nach der bigotten TV-Neujahrspredigt seiner geliebten Kanzlerin – nun das bigotte Neujahrsinterview Gabriels im SPIEGEL.

b) „Bisher definieren wir häufig europäische Werte, bei der Definition gemeinsamer Interessen sind wir viel zu schwach. Um einem Missverständnis gleich vorzubeugen: Unsere Werte Freiheit, Demokratie, Menschenrechte dürfen wir nicht kleinmachen. Im Gegenteil. Aber der Politologe Herfried Münkler hat recht: Nur normative Positionen zu beziehen, nur Werte in den Mittelpunkt zu stellen wird in einer Welt von lauter harten Interessenvertretern nicht erfolgreich sein. In einer Welt voller Fleischfresser haben es Vegetarier sehr schwer.“

Gabriel bezieht sich auf den Machiavelli-Bewunderer Herfried Münkler, der über seinen Heros erklärte:

„Machiavelli beschreibt nicht die Metaphysik der Politik, sondern ihre Physik, die Weise, in der sie funktioniert, das Wirken von Kräften. Ihn interessiert nicht, wie die Welt sein sollte, sondern wie sie ist. Das schafft einen klaren Blick. Indem er moralische Verpflichtungen und politische Rationalität voneinander trennt, stellt er das Handeln der politischen Akteure von Intentionalität auf Funktionalität um. Machiavelli ist nicht mehr davon überzeugt, dass die gute Absicht als Königsweg zum guten Ziel führt. Er denkt darüber nach, was die strategischen Voraussetzungen sind, um ein bestimmtes Ziel, etwa inneren Frieden, Stabilität der Republik, Sicherung der Herrschaft, zu erreichen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass möglicherweise auch das Gegenteil des moralisch Geforderten, also Lügen, Grausamkeit, physische Gewalt, die unverzichtbare Voraussetzung sein kann, dieses Ziel zu ...

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Umwälzung IV

Tagesmail - Mittwoch, den 03. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung IV,

Milch und Honig sind unregierbar. Was auch sollte regiert werden, wenn alles in Butter ist?

Warum sträuben sich die Gewählten in Berlin, das Land, wo Milch und Honig fließt, mit einer profanen Koalitionsregierung – zu entweihen? Könnte es sein, dass auch hartleibige Realpolitiker von einem letzten, unzerstörbaren Gespür für das Heilige geleitet werden? Was nicht übertroffen werden kann, das ist das Vollendete und Heilige:

„Zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden".

Sie scheuen sich, das Paradiesische und Unüberbietbare mit ihren lächerlichen Fähigkeiten übertreffen zu wollen. Oh, es gibt sie noch, die verlässlichen Urreflexe im deutschen Vaterland, die im Innersten spüren, wenn das Profane seine Grenzen erreicht und der stolzeste Mensch sich höheren Mächten unterwerfen muss.

Der Garten Eden Utopie der Frommen, die jede irdische Utopie verteufeln – wurde nicht von Menschen erschaffen. Der Schöpfer war auf algorithmische Genies nicht angewiesen, um seine Wunderwerke zu erschaffen. Auch nicht auf minderwertige Arbeit, die ohnehin erst nach dem Sündenfall den Ureltern zur Strafe verordnet wurde. Bebauen und bewahren im Einklang mit Gott ist nicht Malochen im Schweiße seines Angesichtes.

Die abgefallene Menschheit müsste glauben, um die Schöpfung zu bewahren. Der Appell der Grünen – die Törichten wissen es nicht – ist ein missionarischer Aufruf an die sündige Menschheit, zum Vater zurückzukehren. Sündige Leistung, und sei sie noch so staunenswert, kann in Gottes Paradiesgärtlein nichts zustande bringen. Ora et labora: wer nicht betet, kann auch nicht arbeiten. Beten ist Arbeiten mit ...

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Umwälzung III

Tagesmail - Montag, den 01. Januar 2018

Hello, Freunde der Umwälzung III,

„Und Ihnen und Ihren Familien wünsche ich Gesundheit, Kraft, Zuversicht und Gottes Segen für das neue Jahr 2018.“ (Deutsche Kanzlerin)

Wenn das Wohl eines Landes dem Segen eines unbekannten, nicht-existenten, allmächtigen Männergottes ausgeliefert wird, hat eine deutsche Kanzlerin die letzte Schamgrenze zum Gottesregiment überschritten. Gottes Segen erhalten nur Gläubige. Da es in diesem Land – Gott sei‘s geklagt – immer mehr Ungläubige gibt, könnte sich der Segen in Fluch verwandeln. Könnte nicht, er wird es.

„Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen so ihr gehorchet den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, so ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes, und abweichet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, daß ihr andern Göttern nachwandelt.“

Segenswünsche für fromme Untertanen sind Fluchwünsche für den gottlosen Rest. Vielen Dank, liebe Angela, für Deine hintergründigen Verfluchungen. Als beinharte Physikerin, der Mathematik nicht unkundig, wirst Du das Problem erkannt haben: was geschieht mit dem Gesamtwohl des Landes, wenn Segen über die rechtgläubige Minderheit, Fluch über die verdammenswerte Mehrheit kommt? Als Pastorentochter wirst Du Abrahams Fürbitte für Sodom kennen. Wie viele Gerechte muss Deutschland haben, dass Dein Männergott nicht Pech und Schwefel über Dein Land regnen lässt? Genügen 50, 20 oder 10 Kauders, Göring-Eckardts oder Andrea Nahles‘, damit Armageddon nicht in Berlin beginnt?

Kennst Du noch den Begriff Laizismus – oder hast Du ihn schon auf dem Altar Deiner lutherischen Obrigkeit geopfert? Genügt es Dir, wenn Begriffe auf dem ...

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Umwälzung II

Tagesmail - Freitag, den 29. Dezember 2017

Hello, Freunde der Umwälzung II,

selbst wenn Merkel ginge – nichts würde sich ändern. Es ist der deutsche Nationalcharakter, der sich ändern muss.

In der Welt gibt es viele kluge und einfühlsame Köpfe, doch sie haben keine Macht. Die Mächtigen hingegen agieren ohne Gerechtigkeit und Einfühlsamkeit.

Revolutionen sind ohne Sinn. Machteliten werden ausgetauscht – die Macht der Starken über Schwache bleibt.

Demokratie ist langfristiges Abschaffen jeglicher Macht zugunsten öffentlichen Streitens und friedlichen Abstimmens. Solange Demokratien von militanten Nichtdemokratien bedroht werden, sind sie selbst zur defensiven Militanz genötigt – wenn sie nicht überfahren werden wollen. Deshalb muss Außenpolitik zur globalen Innenpolitik werden. Einzelnen Nationen kann nur geholfen werden, wenn allen geholfen wird.

Umwälzung will keinen Austausch der Machteliten, sondern die Zertrümmerung aller Macht und den Beginn eines weltweiten Dialogs über die Frage: Wohin will die Menschheit?

Die Nachkriegsgeschichte unter der Leitidee des UN-Völkerparlaments stand unter der Devise, ein Weltdorf zu errichten, als sei es eine planetarische Demokratie. Internationale Konflikte sollten ohne Krieg und Kriegsgeschrei beigelegt werden. Mit dem Ende des Kalten Kriegs schien die Möglichkeit eines demokratischen Weltgeistes nahe herbeigekommen.

Das erschreckte die Eschatologen des Westens, die unverrückt an die Wiederkunft ihres Herrn und an ein apokalyptisches Finale der Heilsgeschichte glaubten. Eine friedliche Weltgemeinschaft kraft menschlicher Vernunft hätte alle christlichen Dogmen über den Haufen geworfen. Biblizistische Fanatiker zwangen die USA zum Abbau ...

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