Philosophische Tagesmails

Dienstag, 29. Mai 2012 - Deutsch-israelische Beziehungen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Benedikts,

die deutsche Regierung hat die Putschisten im vatikanischen Stadtstaat eindringlich davor gewarnt, den deutschen Papst durch Intrigen nach Oberbayern outzusourcen. Eine deutsche Mobilmachung sei in einem solchen Falle unvermeidlich. Hier stünden – im Gegensatz zum NATO-Angriff gegen Gaddhafi, an dem Deutschland sich nicht beteiligt habe – elementare deutsche Interessen auf dem Spiel.

Deutschfeindliche latent-atheistische Kreise aus den höheren Machtzirkeln der Kardinäle hätten mit Durchstecherein und Intrigen das Intimleben des Papstes klammheimlich observiert und ins Netz gestellt. Das sei selbst für eine urprotestantische Kanzlerin wie Angela Merkel nicht hinnehmbar. Die deutsche Regierung hat den klerikal-mafiösen Verschwörungskräften ein Ultimatum von einer Woche gestellt.

Im Falle einer Nichtbefolgung werde die altlateinische Messe sofort wieder abgeschafft und der Paternoster im Bundeskanzleramt in Vaterunser umbenannt. Wer mit Gott nach oben fahre, würde mit seinem Gegenspieler nach unten stürzen. Da könne Martin Mosebach noch so herummosern.

Dilma Rousseff heißt die Angie Brasiliens. Wie ihre deutsche Kollegin spricht sie viel von Ökopolitik, allein ihre Taten sehen anders aus. Verbrechen gegen die Urwälder des Landes sollen nun doch nicht so besonders bestraft werden. Die lebenserhaltenden Bäume werden bedenkenlos gefällt, um Profit mit endlosen Sojafeldern zu machen.

„Frau Solarium“ wird IWF-Chefin Lagarde von den Griechen gehöhnt, weil die Französin ...

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Montag, 28. Mai 2012 - Das Selbst

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Sports,

sind Sportler keine Mitglieder der Demokratie, wenn sie in einer Demokratie leben? Leben sie in einem parallelen Universum, das mit dem unseren nur noch das Geld gemein hat?

Für Aristoteles war das Leben oberhalb des Mondes (supralunar) vollkommen. Kickende Millionäre leben möglicherweise in einer vollkommenen Parallelwelt, mit der unvollkommenen Welt unterhalb des wesentliches Geldes haben sie nix mehr zu tun – höchstens gnädig einige Autogramme verteilen.

In einer demokratischen Zeitung namens ZEIT – Chefredakteur der wahrhafte Demokrat Giovanni di Lorenzo – ist die Frage zu lesen: Sollen Sportler sich politisch äußern? Man muss sich zwicken und noch mal lesen: in einer demokratischen Zeitung wird die Frage gestellt, ob Sportler sich politisch äußern sollen? Ist das nicht unterste Demokratenpflicht?

Gestellt ist die Frage einem Sportwissenschaftler namens Gunter Gebauer, offensichtlich einem Fachmann in demokratischer Ignoranz des Grundgesetzes, der den Sportlern kraft höherer sportwissenschaftlicher Einsicht die Lizenz der freien Meinungsäußerung entzieht. Als Sportler habe man ja noch keine politischen Kompetenzen, den meisten fehle ohnehin die nötige Intelligenz.

Gut zu hören, dass Sportler keine demokratischen Kompetenzen beim Lernen des Gemeinschaftsgeistes in einem Team erwerben, hat doch auch unsere schnöde Wettbewerbswirtschaft mit Gemeinschaftsgeist so viel zu tun wie ...

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Sonntag, 27. Mai 2012 - Grass und Grünbein

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Liedes,

vor zwei Generationen führten die Europäer noch Krieg gegeneinander. Heute veranstalten sie einen gemeinsamen Sängerwettstreit, der in die ganze Welt übertragen wird.

Doch was, wenn das Geschehen in einem Land stattfindet, in dem politisch Andersdenkende im Gefängnis sitzen, Lesben und Schwule sich nicht blicken lassen dürfen, Demonstrationen verboten und Demonstranten verhaftet werden? Wie hier, wenige Stunden vor der Veranstaltung.

Das Festival sollte nicht boykottiert werden, hatten auch die Dissidenten in Baku gefordert. Doch jeder westliche Gast sollte vor Ort Position beziehen, um ihren Kampf gegen Unterdrückung zu unterstützen. Auch die Künstler. Was ist davon übrig geblieben?

Jan Feddersen von der TAZ verhöhnte die Kritiker von Amnesty International als „Menschenrechtisten“ und „Spaßbremsen“. Sonst passierte nix, notierte der SPIEGEL, keine politische Demonstration auf weiter Flur.

Mit einer angeblichen Ausnahme. Sie dauerte nur wenige Sekunden und „war so charmant vorgetragen, dass sie die heitere Stimmung nicht zum Kippen brachte.“ Als Anke Engelke die deutsche Punktvergabe übermittelte, sprach sie auf Englisch: „Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen, aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf deiner Reise, Aserbeidschan! Europa beobachtet dich.“ Was der SPIEGEL verschweigt: waren ...

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Samstag, 26. Mai 2012 - Utopien

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Glücks,

in Dänemark, Finnland, Holland und Norwegen leben die glücklichsten Menschen. Die unglücklichsten in Afrika, in Togo, in Benin. Deutschland liegt auf dem 30. oder 46. Platz.

Nicht Reichtum mache in erster Linie die Menschen glücklich, sondern politische Freiheit, soziale Netzwerke und die Abwesenheit von Korruption. Wirtschaftswachstum führe nur dann zum Glück, wenn das Land zuvor arm war. Ab einer bestimmten Sättigung drohe eher das Gegenteil, Konsumismus mache unglücklich, besonders in Ländern mit einer großen Kluft zwischen Reichen und Armen. Man vergleiche sich immer mit denen, die noch mehr haben.

Ein solider Job gehöre auch dazu, denn Arbeitslosigkeit führe zu Statusverlust. Ein sicherer Job sei wichtiger als hohes Einkommen. Auch Ehe und Religion seien Glücksfaktoren. Stabile Partnerschaften erhöhten das Wohlbefinden der Menschen. In armen Ländern mit unsicheren Lebensbedingungen habe der Glaube eine tröstende Funktion.

Solange es kein hohes Niveau an Vertrauen und Altruismus gäbe, könne keine Gesellschaft glücklich sein.

Diese dualistischen Begriffe taugen nichts mehr. Wenn Altruismus den Menschen glücklich macht, muss er aus egoistischen Gründen altruistisch werden. Wenn Egoismus unglücklich macht, muss er uneigennützig werden, um sein Glück zu machen.

Wahrer Egoismus ist wahrer Altruismus. Vorausgesetzt, das Glück wird ...

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Freitag, 25. Mai 2012 - Alexander Rüstow

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Spaßbremsen,

Jan Feddersen berichtet für die TAZ aus Baku und fordert Gerechtigkeit für Aserbeidschan. Es sei ein westlich anmutendes Land, Religion und Staat seien getrennt, mit einem Ajatollaland nicht zu vergleichen. Auf dem Papier seien selbst die Schwulen anerkannt. Gewiss doch, es gäbe noch ein paar kleinere Probleme, doch die sollte man nicht aufbauschen. Einen Kritiker von Amnesty International nannte er einen Menschenrechtisten und eine Spaßbremse. Von SPIEGEL-Niggemeier wird er deshalb scharf kritisiert. Die TAZ macht ein harmloses PRO und CONTRA aus dem Fall.

Wenn demnächst Merkel nach China fährt, sollte sie möglichst keine Menschenrechtsverletzungen anprangern. Peking könnte sie als Spaßbremse bezeichnen.

Der nächste Schritt, den der lockere Feddersen gehen könnte, wäre die Untersuchung jener Oppositionellen, die für Freiheit eintreten und von den Schlägern des Despoten niedergeknüppelt werden. Ihnen müsste er ordentlich die Meinung sagen: Ihr Opfer, blast euch nicht so auf vor ausländischen Kameras. Ihr nutzt nur die Gelegenheit des Sängerwettbewerbs, um euch als Edelmenschen vor dem Ausland zu präsentieren. Jan Feddersen ist ein sehr gerechter Mann und duldet keine Übertreibungen, schon gar nicht im Kampf gegen sympathische Despoten.

Für Russland treten im Eurovision Song Contest die Buranowskije Babuschki auf, waschechte Großmütter mit Runzeln, Zahnlücken und Goldzähnen. Ihre Originalsprache ist das Udmurtische. Motor des Ensembles ist Galina, 73, die in Udmurtisch Bienenkönigin genannt wird: Muschmumy. Während bei uns ...

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Donnerstag, 24. Mai 2012 - Die Tat

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Russlands,

wer künftig in Moskau gegen Putins Kleptokratie demonstrieren will, muss reich sein. Sonst kann er die Strafe nicht bezahlen, die für verbotenes Demonstrieren verhängt wird. Bei uns ist es auch nicht billiger, doch noch haben wir unabhängige Gerichte, die über willkürliche Verbote befinden können. Putin flieht immer öfter in die Provinz, sein System verfällt.

Im Handeln muss man Kompromisse machen, im Denken auf gar keinen Fall – wenn man Demokrat sein will. Die Differenz zwischen Denken und Handeln muss man aushalten und sich bemühen, seinen Zielen durch argumentativen Kampf um immer neue Mehrheiten näher zu rücken.

Das ist schwer, doch niemand hat gesagt, dass Leben in einer Demokratie leicht ist. So schwer ist es aber auch nicht, denn so ist Leben in Freiheit. Clinton hätte vielleicht gesagt: it‘s life, it‘s democracy, stupid! Alles andere wäre Grabesstille in einem totalitären Sarkophag. Das gilt natürlich nur, wenn man politische „Ideale“ hat.

Reine Machterhalter und Systemkonservative haben keine Ideale, sie wollen nichts verändern, sie können mit sich „identisch“ sein. Ihr Tun kann mit ihrem Denken übereinstimmen. Das wäre die Identität der Bankrotteure, die alles für richtig halten, weil es ist, wie es ist – und weil alles sein soll, wie es ist.

Es klingt merkwürdig, doch in dieser Identität des Stillstands leben wir gerade. Sie beherrscht unser Leben von morgens bis abends, obgleich sie Wert darauf legt, sich ...

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Mittwoch, 23. Mai 2012 - Lust

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Genießens,

die Deutschen malochen zu viel. Malochen ist kein selbstbestimmtes Arbeiten, das es im Kapitalismus nicht gibt. Wer sich mit Haut und Haaren verkaufen muss, um zu überleben, verkauft nicht seine Arbeit, sondern seine erpressbare Malocher-Energie. Marxens Arbeitswerttheorie ist eine Malocherwerttheorie. Unter Ausbeutern gibt’s keine Arbeit, mit der man sich selbst bestimmen kann.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Wenn Arbeit nicht Vergnügen wäre, wäre sie Malochen. Der Satz des Paulus: wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen, erhält nur Sinn, wenn man von lustbetonter Arbeit nicht leben kann und seine Arbeitskraft an andere verkaufen muss, die über die Qualität meines Lebens bestimmen können.

Malochen ist die Quittung für ein schreckliches Vergehen vor Gott und eine Sündenstrafe. Wörter wie Vergnügen oder Genießen sind im lustfeindlichen Neugermanien kontaminiert. Wer sagt schon nach einem Fest: es war vergnüglich, es war ein Genuss, weil ich frei von Kontrollmechanismen war?

Das würde ja bedeuten, man habe seine Kontrollmechanismen aufgegeben, ohne völlig die Kontrolle zu verlieren. Würde man sie nämlich völlig verlieren, würde man die Gesellschaft sprengen, glaubt Pastor Gauck, der Freiheit immer von Verantwortung kontrollieren und einhegen lassen muss.

Ohne Kontrolle scheint‘s hierzulande nicht zu gehen. Wer kontrollieren muss, misstraut sich und seinen Mitmenschen. Nur mit Urvertrauen in Mensch und Natur kann ich loslassen und mich meinen triebgesteuerten ...

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Dienstag, 22. Mai 2012 - Anamnesis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Parlaments,

bei Entscheidungen über Krieg und Frieden soll das Parlament zukünftig nicht mehr beteiligt werden. Das hat die deutsche Regierung signalisiert. Doch das Parlament müsste dieser Selbstentmächtigung selbst erst zustimmen.

Die NATO ist das erfolgreichste Militärbündnis der Geschichte, heißt es. Sie hat noch keine einzige Niederlage einstecken müssen. Nun kommen ihr Gegner und Feinde abhanden, Schlimmeres kann einem Militärbündnis nicht passieren. Wer Feinde braucht und keine hat, muss sie sich schaffen. Also Raketenschirm gegen den Iran, mit Ausschluss Russlands, das sich umzingelt und bedroht fühlt und aufzurüsten beginnt.

Nach dem Fall sprach man von einem Friedensbonus in der Weltpolitik. Doch der Waffenexport der Länder boomt, die Militärausgaben steigen. Die NATO will sich nun arbeitsteilig bewaffnen. Das eine Land stellt Panzer, das andere die Flugzeuge. Dann wären im Zweifelsfall alle auf alle angewiesen, die Kriegsverweigerung eines Landes nicht mehr möglich. Mitgefangen, mitgehangen. Dazu Andreas Zumach in der TAZ.

Als ob der Verfassungsschutz sich nicht schon oft genug geirrt hätte! Nun soll er, gewissermaßen nebenbei, über die Gemeinnützigkeit von Vereinen entscheiden. Wen er als extremistisch einstuft, dem sollen ...

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