Philosophische Tagesmails

Sonntag, 05. August 2012 - Sinngebung des Sinnlosen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Aufklärung,

der jüdische Theatermacher Tuvia Tenenborn, Sohn eines Rabbiners, reiste monatelang für ein Buchprojekt durch Deutschland, das er als düsteren Ort voller Nazis und Antisemiten erlebte. „Alles Nazis over there.“ Aus juristischen Gründen wollte der Rowohlt-Verlag das Buch nicht veröffentlichen.

Es gab zwei Gutachten. In dem einen heißt es, Tenenborns Text sei „unverhältnismäßig verletzend, unseriös“ und schade dem Anliegen, den allgegenwärtigen deutschen Antisemitismus aufzuzeigen. Die Rede ist von einem „jüdischen Hysteriker“.

Das zweite Gutachten bemängelt die „willkürlich zusammengestellte Sammlung subjektiver Eindrücke“, den "gefühlten Antisemitismus“ und kommt zum Ergebnis, der Autor sei „weder witzig noch erhellend, sondern hämisch und sarkastisch“.

Tenenborns Fazit seiner Rundreise: „Dieses Land hat sich seit Hitlers Herrschaft nicht geändert. Ich hasse die Deutschen. Hasse sie, ihre großen Masken, ihre endlosen Diskussionen, ihre ständige Predigerei, ihren impliziten oder expliziten Judenhass, ihre Rückgratlosigkeit, ihre exakte Art, ihre exakten Lügen, ihre Starrsinnigkeit, ihren versteckten Rassismus, ihr ständiges Bedürfnis, geliebt und gelobt zu werden, und ihre Selbstgerechtigkeit.“

Am Ende, so die SZ, verlasse der Autor das Land mit „gemischten“ Gefühlen. Gemischt – oder eindeutig hasserfüllt? Würde ein Deutscher auf diese Art über Muslime reden, könnte ihm ...

Weiterlesen...
 

Samstag, 04. August 2012 - Zensuren

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Provinzposse,

gestern ging's um einen Diktator im Sport, heute geht’s um einen Helfershelfer des Diktators in Münster. Hindenburg war ein Totengräber der Weimarer Republik, der dem Diktator den Weg zur Macht frei machte. Bis heute trägt der Schlossplatz in Münster den Namen Hindenburgs. Nun soll er gekippt werden, doch es gibt enormen Protest.

Hindenburg war Anhänger der Monarchie. Wie eine deutsche Monarchie mit einem deutschen Diktator zusammenhängt, zeigen die folgenden Sätze Hindenburgs aus seinem Testament:

„Ich danke der Vorsehung, dass sie mich an meinem Lebensabend die Stunde der Wiedererstarkung [des deutschen Volkes] hat erleben lassen. Ich danke all jenen, die in selbstloser Vaterlandsliebe an dem Werk des Wiederaufstiegs mitgearbeitet haben. Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Klassen- und Standesunterschiede zur inneren Einheit zusammenzufassen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan“.

Er scheide von seinem deutschen Volk in der festen Hoffnung, dass Deutschland zur „vollen Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung“ reifen werde.

Hindenburgs Worte sind eine genaue Übersetzung des nizänischen Glaubensbekenntnisses ins Politische: Ich glaube an Gott, die Vorsehung, und an seinen Sohn, das deutsche Volk, das die Welt erlösen wird, von allen gehasst und ans Kreuz geschlagen wurde, in die Hölle fuhr – die Debakel des 30-jährigen Krieges bis zum Versailler Vertrag – und nun ...

Weiterlesen...
 

Freitag, 03. August 2012 - Freitod

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kritik,

Jan Fleischhauer vom SPIEGEL sieht keinen Verfall des deutschen Journalismus. Im Gegenteil, um den „Qualitätsjournalismus“ sei es heute besser bestellt als noch vor 20 Jahren. „Wenn Unabhängigkeit und Distanz wichtige Kriterien sind, dann haben sich die Dinge jedenfalls eindeutig zum Positiven gewendet.“

Es sei noch nicht lange her, dass Politiker und Journalisten sich duzten und gemeinsam in den Urlaub fuhren. Den Fall Prantl hält er für eine Petitesse, der SZ-Star habe nur den Halbsatz vergessen, dass er nicht selbst durchs Schlüsselloch geguckt habe.

Fleischhauer hat nur die entscheidende Frage nicht gestellt, warum Prantl überhaupt die Fiktion nötig hatte, dem obersten Richter – den er in seinem täglichen Job zu kritisieren hat – so auf die Pelle zu rücken. Ob man jemanden duzt oder zusammen mit ihm den Salat schnippelt, ist nicht der große Unterschied.

Wie ist es mit dem Verhältnis von kritischen Medien und Politikern bestellt? Das Deutschland-Radio sendete einen Kommentar über den Wehrbeauftragten, den FDP-Politiker Hellmut Königshaus. Königshaus, so hieß es da, nehme nicht die Soldaten, sondern vor allem sich selber wichtig.

Der Gescholtene reagierte mit einem Wutbrief, drohte verklausuliert mit strafrechtlichen Konsequenzen. Der Kommentar sei eine strafbare Verleumdung. Die Äußerung sei eine herabsetzende, ja beleidigende Kritik. Er erwarte, dass ...

Weiterlesen...
 

Donnerstag, 02. August 2012 - Verstehen und Lernen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Religionen,

zwei schwäbische Polizisten ließen sich zu Rittern des Ku-Klux-Klan schlagen. Es sei ihnen ums Christentum gegangen. Sie hätten nicht bemerkt, erklärten sie, dass es um Rassenhass ging. In netter Runde mit Mitgliedern des Geheimbundes sei viel über Glauben geredet worden.

In einem Flugblatt der Europäischen Weißen Ritter kann man nachlesen, dass sie die Bibel wörtlich nehmen und sich auf die unantastbare Tradition des göttlichen Wortes berufen. Auf dem Flugblatt ist ein durchgestrichenes Paar abgebildet mit einer weißen Frau und einem schwarzen Mann. Darunter ein Bibelzitat: „Es soll auch kein Mischling in die Gemeinde des Herrn kommen.“ (5.Mose 23,2). (Bei Luther: Hurenkind, in der Zürcher: Bastard. Kinder werden für die „Sünden“ ihrer Eltern bestraft)

Auch der Ku-Klux-Klan versteht sich als christliche Religion und bezieht sich auf uralte göttliche Anordnungen. Wie wär‘s mit einer kleinen Änderung des Grundgesetzes, dass Herkunft, Rasse und Religion von den Toten wiederauferstanden sind?

Die Religionen beginnen, die Reihen zu schließen. Ein bayrischer Bischof fordert Strafen für Gotteslästerung. Alle Religionen sollen durch ein „Gesetz gegen die Verspottung religiöser Werte und Gefühle“ geschützt werden. Spott und Satire stellten eine Verletzung der Menschenwürde dar.

Machen wir gleich Nägel mit Köpfen. Die Demokratie sollte überhaupt unter Strafe gestellt werden, weil sie keine Theokratie ist. Jedes eigenmächtige weltliche Treiben ist eine Beleidigung Gottes, der noch immer Herrscher aller Herrscher ist.

Das Grundgesetz muss dringend auf Heiligkeitsniveau gebracht werden. Aufklärung und Vernunft sind ...

Weiterlesen...
 

Mittwoch, 01. August 2012 - Anonymus Iamblichi

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Pferde,

Zu Prantl:

„Scheiße, Prantl! Scheiße!

So die TAZ zur SZ-Reportage-Affäre.


Zu Olympia:

„Über uns lachen,

schon die Ka-sachen.“   

BILD vor Gold.

 

„Ihr seid Pferde. Ihr seid anders als die Versager im Schwimmbecken.

Pferde können rundum sehen, weil ihre Augen seitlich am Kopfe sind.

Pferde können ihre Ohren nach jedem Geräusche ausrichten.

Pferde sind Instinkt-Tiere. Pferde hören, sehen die Gefahr.

Pferde sind keine Grübler. Pferde sind Pferde.

Sie springen höher, galoppieren schneller.

Sie machen es besser. Pferde sind Tiere der Freiheit.“     

BILD nach Pferde-Gold in Engeland.

 

„Pferde sind Tiere der Freiheit – in Verantwortung.“  ...   

Bundespräsident Gauck

Weiterlesen...
 

Dienstag, 31. Juli 2012 - Angst und Sicherheit

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Grenzwerte,

selbst in Biogemüse und –obst findet man immer häufiger unerlaubte Chemikalien. Das muss nicht mit dem Anbau auf dem Acker zu tun haben, sondern mit den verschlungenen Wegen der Verpackung, Lagerung, des Transports auf Lastern, in Containern, Schiffen, Flugzeugen. Überall wird gesäubert und mit Desinfektionsmitteln gereinigt. Kartoffeln laufen über ein Band, Kühe werden maschinell gemolken.

Kleinste Spuren genügen, um Natur mit Kultur in Zusammenhang zu bringen und zu verunreinigen. Die Labore fürchten um weitere Aufträge, wenn sie allzu rigide den Kopfsalat unter die Lupe nehmen.

Was tun? Ganz einfach die Grenzwerte erhöhen! Gesundheitliche Risiken bleiben unbekannt – denn sie werden nicht erforscht! Wozu hat man sonst Grenzwerte eingeführt, wenn man sie nicht nach Belieben verschieben kann?

 

Heribert Prantl ist einer der bedeutendsten Rechtskommentatoren der deutschen Medien. Eine moralische Kapazität, der neben seinem Job in der Chefredaktion der SZ in einem journalistischen Ausbildungsinstitut junge Nachwuchskräfte in der Kunst des Schreibens unterrichtet.

Nun hat er eine Sünde wider den Geist des Reportierens begangen und wird von Kollegen gezaust, nach dem Motto: dem Besten kann mal ein Fehler passieren. Aber nur einer, sonst könnten wir deutlicher werden.

In einem Porträt des Karlsruher Richters Voßkuhle beschrieb Prantl den angesehenen Juristen, als ...

Weiterlesen...
 

Montag, 30. Juli 2012 - Pussy Riots

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Nahostfriedens,

„Den Palästinensern widmete der Kandidat fast keine Zeit. Ein Treffen mit Mahmud Abbas hatte Romney nicht einmal angefragt.“ Der SPIEGEL überschrieb seinen Artikel: Romney will Israel nie kritisieren.

Als der persönliche Freund Netanjahus in London die britische Olympiaeuphorie nicht bejubelte, wurde er als diplomatischer Hanswurst dargestellt. Für seinen Kotau vor dem Jerusalem-Regime gab‘s kein einziges kritisches Wörtchen in der Presse.

Nur ein Viertel der amerikanischen Juden würde sich heute in der Wahl für Romney entscheiden. Amerikas Juden stimmen traditionell für die Demokraten. Obama gilt als wesentlich israelkritischer als sein Herausforderer.

Warum erfahren wir diesseits des Teichs so gut wie nichts über die netanjahu-kritische Haltung der liberalen amerikanischen Juden?

Romneys Haltung zum heiligen Land hat mit Politik nichts mehr zu tun. Aber alles mit Glauben.

(Gil Yaron in der WELT über Mitt Romney und Netanjahu)

 

Quizfragen sind in den Medien beliebt. Kennen Sie die Geschichte der Olympischen Spiele? Kennen sie Marilyn Monroe? Kennen Sie die deutsche Insel Mallorca?

Wie wär‘s mal mit einer sinnvollen Frage: Kennen Sie unser Recht? Wieviele Gesetze haben wir, die unser Leben regeln? Es sind mehr als 5000.

Das stetig wuchernde Rechtssystem, so der Philosoph Ludger Schwarte, erschaffe nicht nur eine Rätselwelt für Bürger, es untergrabe die Demokratie.

Das ist erst das deutsche Recht. Das europäische Regelwerk umfasst ...

Weiterlesen...
 

Sonntag, 29. Juli 2012 - Spötter und Heilige

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Blamage,

für Deutschland keine Medaille gewinnen, heißt das Vaterland blamieren. Wer für Deutschland Medaillen gewinnt, ist eine Legende. Zwischen Legenden und Blamagen gibt’s die Mehrheit der Langweiler, der Nichts-Besonderen. Wer nichts Besonderes ist, müsste sich alle 14 Tage bei der Polizei melden. Er ist terrorverdächtig.

Deutsche Schüler wissen nicht, dass Nazi-Deutschland eine Diktatur war. Was es natürlich nicht war, sondern ein totalitärer Staat. Ein Riesenunterschied, den man deutschen Lehrern (und deutschen Edelfedern) nicht vermitteln kann.

Was der Unterschied zwischen Faschismus und Totalitarismus ist, wissen deutsche Gelehrte derart genau, dass kein deutscher Lehrer es jemals verstehen wird.

Strikt genommen war Nazi-Deutschland auch kein totalitärer Staat, sonst würde man ihn zum Stalinismus verharmlosen, der lange nicht so schrecklich war wie das deutsche System, (im Gegensatz zu Hitler wollte Stalin das Gute) das man nicht mehr politologisch, sondern nur noch theologisch benennen kann: das System war das Böse.

Für den ehemaligen Nazi Carl Friedrich von Weizsäcker war das Nazisystem das Wehen des Heiligen Geistes. Nur Theologen wissen, dass das Böse und der Heilige Geist dasselbe sind. („der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, der ich Heil wirke und das Unheil schaffe, ich bins, der dies alles wirkt.“ (Jes. 45,7)

Deutsche Schüler wissen genau, dass die BRD vor der Wiedervereinigung ...

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 Weiter > Ende >>

Seite 167 von 194