Philosophische Tagesmails

Samstag, 03. März 2012 - Mundraub

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Aserbeidschans,

soll der Europäische Sängerwettbewerb in Aserbeidschan boykottiert werden, weil Dissidenten im Gefängnis sitzen und Menschenrechtsverletzungen im Land stattfinden?

Die Menschenrechtlerin Arsu Abdullajewa ist gegen einen Boykott. Die anwesende Weltöffentlichkeit will sie nutzen, um den Diktator zu Reformen zu zwingen. Die TeilnehmerInnen des Wettbewerbs sollen vom Regime die Freilassung aller politischen Gefangenen fordern. Die Pseudodemokratie müsse einer echten Demokratie weichen.

Wenn Musik die einzige Sprache ist, die die Menschheit miteinander verbindet, wäre dies eine Probe aufs Exempel. Welche Rolle werden die TV-Anstalten spielen, um das politische Geschehen in die Welt zu flimmern?

Es geht ein Riss durch die Tagesbeobachter:  1. was die Beurteilung Putins betrifft,  2. vor allem, was Syriens Assad betrifft.

1. Gabriele Krone-Schmalz, ehemalige ARD-Frau in Moskau, lässt kein einziges kritisches Wörtchen an Putin erkennen. Die neue, bis vor kurzem noch undenkbare enorme Bürgerbewegung gegen den Neuzaren scheint sie ...

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Freitag, 02. März 2012 - Heitmeyer

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Israels,

will Netanjahu Krieg gegen den Iran, wie SPIEGEL meint? Oder will er ihn nicht, wie Avi Primor meint?

In den nächsten Tagen wird Israels Premier nach Washington reisen, dort will er bei Obama „um konkrete Zusagen gegen Iran werben.“ Demnächst werde die rote Linie im iranischen Atomprogramm überschritten sein, dann schließe sich das Zeitfenster für eine mögliche Intervention, meint Verteidigungsminister Ehud Barak.

Sämtliche Geheimdienste der USA hätten keine Beweise, dass der Ajatollastaat Atomwaffen herstellen würde. Haben die Geheimdienste nicht schon oft in der Vergangenheit versagt? Es scheint große Spannungen zwischen Washington und Jerusalem zu geben.

Sollte Netanjahus „Werbung“ erfolgreich sein, wird das für viele ein weiterer Beweis für die Macht der „israelischen Lobby“ sein. Dieses Überlegenheitsgefühl, im Konnex ihrer traditionellen Selbsteinschätzung, in der Welt stets allein zu sein, scheinen auch ...

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Donnerstag, 01. März 2012 - Geist und Macht

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Afghanistans,

der massive Einsatz von Militär habe im Lande der Bora-Bora-Höhlen zu nichts geführt, meint die Berliner Zeitung. Der Westen stünde ohne Plan da, ein schneller Rückzug der Besatzertruppen komme aus Gründen der Gesichtswahrung nicht in Frage.

Das Projekt Demokratie und Menschenrechte sei nicht zum Selbstläufer geworden. Wieder einmal müsse eine Besatzungsmacht früher oder später erfolglos das Feld räumen.

Die WELT sieht das Ergebnis auch nicht anders, das ursprüngliche Engagement aber sei notwendig und hochherzig gewesen. Anfänglich sollten nicht nur die Taliban aus dem Weg geräumt, sondern Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie ins Land exportiert werden.

Wem universelle Rechte wichtig seien, der könne nicht einfach wegschauen, wenn sie irgendwo in der Welt verletzt würden. „Der Demokratie ist deswegen ein imperialer, grenzüberschreitender Zug eigen, das ist gut so.“

Das war die Linie der Neocons in den USA zur Zeit Dabbeljus, das Gute dürfe mit Gewalt die Welt erobern. Gutes mit Gewalt ist die Definition des Faschismus seit Platons Idealstaat. Doch Popper hat sich nicht durchgesetzt, leider hielt ...

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Mittwoch, 29. Februar 2012 - Postmoderne

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Demokratie,

die Schnelligkeit der Geldvermehrungscomputer kollidiert mit der Langsamkeit des parlamentarischen Verfahrens. Welche Geschwindigkeit wird sich durchsetzen?

Karlsruhe hat ein wenig die Blitzesschnelle der Finanztransaktionen gebremst und die demokratische Beratungs- und Abstimmungssolidität gestärkt. Ein kleiner Etappensieg, mehr nicht. Wenn die Dominanz der Geldzirkulationen und des Geldes nicht prinzipiell gestoppt wird, werden die Methoden des reiflichen Überlegens und Abstimmens langsam, aber sicher ausgehöhlt.

Das Völkermordgesetz in Frankreich ist verfassungswidrig und verstößt gegen die Meinungsfreiheit, entschied der Verfassungsrat in Paris. Sarko wollte mit dem Gesetz die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellen. Erdogan lobt das Urteil, doch Sarko plant schon ein neues Gesetz.

Langfristig sind alle Gesetze, die korrekte Meinungen vorschreiben, demokratieschädlich. Mag Deutschland mit der Leugnung des Holocaust ein Sonderfall gewesen sein: es wäre an der Zeit, zur demokratischen Wirklichkeit zurückzukehren.

Es ist die Probe aufs Exempel, ob wir unsere Hausaufgaben erledigt und verstanden haben, was vor 70 Jahren geschehen ist. Es kann auf die Dauer nicht förderlich sein, wegen einiger Wirrköpfe und Querschläger das Grundgesetz einzuschränken.

In dieses Kapitel gehört auch, dass das Buch "Mein Kampf" gedruckt und gekauft werden kann. Entweder ...

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Dienstag, 28. Februar 2012 - Polis und Familie

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Linken,

lächerlich sei die Kandidatenkür der Linken, meinte die ZEIT, mit aller Gewalt eine reputable Figur gegen den überragenden Gauck ins Feld zu führen, die niemals eine Chance hätte, gewählt zu werden.

Nicht lächerlicher als das Klumpenverhalten der anderen Parteien, sich im Vorfeldgeklüngel auf einen Ossi-Apostel zu einigen und die Wahl zur Farce zu machen.

Die euro-ermüdete Nation ficht ihre projektiven Kämpfe an ihrer Vaterfigur aus. Nach dem Verlust der Moral in der neoliberalen Sintflutphase wollen die Deutschen reumütig zur Anständigkeit zurückkehren, am besten auf urevangelischer Ebene.

Den Parteistrategen fielen nur zwei Pastoren und zwei Pastorinnen ein. Kein Intellektueller à la Schirrmacher, kein Linker à la Günter Grass, kein Rechter à la Martin Walser, kein Linkskatholik à la Geissler, kein Journalist à la Prantl, kein Psychoanalytiker wie einst Horst E. Richter, kein Sportler à la Beckenbauer, kein Künstler à la Wim Wenders, keine Vip à la Thomas Gottschalck, keine amtierenden Politiker à la Schäuble, Lammert oder Steinmeier, keine Feministin à la Schwarzer, keine Schauspielerin à la Iris Berben oder Maria Furtwängler, kein Industrieller à la Handkefreund Burda oder Öko-Milliardär Otto oder Kunstmäzen à la Wirth.

Die Teiche sind leergefischt, die Wiesn ist abgmaht, die Ich-Ideale und Vorbilder sind verschwunden. Die Nachfrage ist groß, das Angebot schmal und zweifelhaft.

Es war bereits im Jahre 1963, als ...

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Montag, 27. Februar 2012 - Kairos

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Frauen,

im SPIEGEL gibt es so gut wie keine Frauen in den Leitungsgremien, obgleich bereits Aust einen Arbeitskreis zur Erhöhung der Quote gegründet hatte. Selbstverständlich sind die heutigen Chefs voll auf der Seite der Feministinnen, was bedeutet: für Frauen kein Durchkommen.

Nun fordern prominente Frauen eine Quote von 30% in Führungspositionen. Soll das ein Witz sein? Bei etwa 50% Frauenanteil in der Bevölkerung? Wie ist die normale Antwort auf die Frage, warum Frauen zu wenig Karriere machen? Sie würden zu wenig fordern und zu sehr darauf vertrauen, dass sich ihre Fähigkeiten langsam, aber sicher herumsprechen werden. Bei Männern, die nicht zuhören können?

Täglich werden 100.000 Emails und Datenverbindungen vom Geheimdienst gerastert und gespeichert. Heribert Prantl wird zunehmend grantiger mit der Dritten Macht, die verantwortlich dafür sei, dass Telekommunikation keinen Schutz mehr genieße.

Von Anfang an habe das Bundesverfassungsgericht sich von Beteuerungen der Profi-Staubsauger einlullen lassen, dass sie sich in ihrem Informationshunger mäßigen würden. Das Gegenteil ist geschehen. Der frühere Verfassungsrichter Kühling habe vor dieser Entwicklung vergeblich gewarnt. Das Fernmeldegeheimnis könne man als Totalverlust abschreiben. Da redet man davon, ...

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Sonntag, 26. Februar 2012 - Ist Gauck Antisemit?

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Gestalter,

er werde ein Apostel sein, kein Gestalter, schreibt die Süddeutsche Zeitung über den neuen CDU-Liebling Gauck, als ob Apostel nicht schon viel zu viel in dieser Welt gestaltet hätten.

Gauck habe einen religiös-existentialistischen Begriff von Freiheit als „unpolitische innere Selbstverantwortung“. Den Urchristen gemäß, die in feindlich römischer Umwelt nur die Wahl hatten, „ihr Bekenntnis und ihr Martyrium vor Gott und sich selbst zu verantworten, mit den römischen Gesetzen und Organen aber nichts gemein zu haben“. Für einen Lehrer der Demokratie sei das zu dürftig.

Die deutsche Innerlichkeit entstammt tatsächlich dem Urchristentum, ein Apostel ist tatsächlich ein Gesandter Gottes und kein Gesandter des Volkes.

Doch was ist Innerlichkeit? Absage und Verzicht auf die Welt? Gegenbegriff zur Äußerlichkeit? „Gehe nicht nach draußen, kehre in dir selbst ein, im inneren Menschen wohnt die Wahrheit“, schreibt Augustin, ein Begründer und Legitimator des katholischen Kirchenstaates und der Inquisition.

Wie passen Innerlichkeit und Weltbeherrschung zusammen? Sie sind identisch, denn Gott wohnt nicht nur im intimsten verborgenen Seelenbezirk, er ist Schöpfer und Beherrscher der Welt und somit omnipräsent. Es ist auch nicht so, dass ...

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Samstag, 25. Februar 2012 - Hitler und Stalin

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Stanislaw Petrow,

den kennen Sie nicht? Er war Oberstleutnant der Sowjetarmee, der am 26. September 1983 einen von seinen Computern gemeldeten Raketenangriff der USA auf die UDSSR als Fehlalarm einstufte und damit den Beginn eines Atomkrieges, des Dritten Weltkrieges, verhinderte. Das wurde erst 1998 bekannt. Nun wird er dafür geehrt.

Erinnern wir uns, Petrow kommt aus einem Land, das von Ronald Reagan als Reich des Bösen bezeichnet wurde. Eine ähnlich brenzlige Situation gab es in der Kubakrise, als ebenfalls ein sowjetischer Offizier einlenkte und mit seiner Flotte nach Hause fuhr. Kennedy war wild entschlossen, einen Weltkrieg zu führen, wenn die russischen Schiffe, beladen mit Raketen für Kuba, ihren Kurs fortgesetzt hätten.

Ein gewisser Gorbatschow legte den Kalten Krieg endgültig ad acta, auch er ein Sprössling des Bösen.

Putin macht inzwischen Wahlkampf mit dem Slogan, Russen seien geborene Sieger. Das liege in ihren Genen. Rein zufällig haben amerikanische Wissenschaftler nichts weniger als Gott in den Genen der Bewohner von Gods own country gefunden.

Und was haben Deutsche in ihren Genen? Weder Gott noch Siegermentalität, sondern die Erkenntnis: der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus. Er ist ferngelenkt von – seinem Gehirn. Von wem ...

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