Philosophische Tagesmails

Donnerstag, 31. Mai 2012 - Shitstorm

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Bob Dylans,

des weltberühmten Sängers, der mit dem Song Masters of War“ einst die pazifistische Hymne der rebellischen Weltjugend schrieb. Nun wurde er mit der höchsten Auszeichnung Amerikas geehrt.

Von einem Präsidenten, der einen sinnlosen Krieg am Hindukusch für richtig hält, einen brandgefährlichen Präventionsschlag Israels gegen den Iran bedingungslos unterstützen würde, ein Foltergefängnis namens Guantanamo nicht schließen lässt und die Terroristen in Jemen und Pakistan persönlich aussucht, die ohne Anklage und Gerichtsurteil mit ferngelenkten Drohnen hingerichtet werden.

Wer Obama verteidigen will, könnte auf das Prinzip Staatsraison verweisen. Was für einen Privatmann ein Verbrechen, muss für einen Staatsmann allzu oft Staatsraison sein. Raison ist Vernunft. In Verbindung mit Staat klingt diese Vernunft vor allem nach Gewalt. Gewalt ist nicht immer vermeidbar, wenn man auf eigenes Überleben und selbstbestimmtes Leben Wert legt.

Es kann der beste Mensch nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Der Satz ist umkehrbar: es kann der beste Nachbar nicht in Frieden leben, wenn es mir Bösewicht nicht gefällt.

Nicht selten sind böse Nachbarn Produkt meines böswilligen Blickes, meiner böswilligen Einschätzung – und vice versa. Ich kann mich ...

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Mittwoch, 30. Mai 2012 - Religion

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Kinder,

regelmäßige Mahlzeiten, Zeit und Raum für Hausaufgaben, ein Internetanschluss, altersgerechte Bücher und Spielsachen, Geld für Schulausflüge, mehr als zwei Paar Schuhe, Versorgung mit Obst und Gemüse: an all diesen Punkten fehle es deutschen Kindern, die arm genannt werden.

Die deutsche Regierung gehe zuwenig gegen Kinderarmut vor, behauptet Unicef. Das wirtschaftlich potenteste Land Europas liegt im unteren Mittelfeld, was die Versorgung der Kinder betrifft. Viele Hartz4-Familien sitzen im Dunkeln, weil die Stromkosten steigen, aber die Energiesätze nicht. Also sperrt man ihnen den Strom.

Wer jetzt wieder nach Erhöhung der Sozialleistungen rufe, sei schief gewickelt, schreibt jene Zeitung, die dem Volk aufs Maul schaut. Mit Geld könne man solche Defizite nicht beheben. Denn Geld sei genug vorhanden in diesen Familien, die Eltern würden es aber für sich verprassen.

Da helfen nur Spontankontrollen ausgebildeter Hartz4-Spezialpolizisten. Vorbild die bestens bewährte Religionspolizei in Saudi-Arabien. Man kann auch bei Calvin lernen, dessen Schergen jederzeit in alle Wohnungen eindringen konnten, um das private Sittenleben der Genfer zu überprüfen.

Die jetzige Sparpolitik Merkels, der Fiskalpakt, beruhe auf einem neoliberalen Konzept Milton Friedmans vor 40 Jahren, das keinen anderen Zweck gehabt hätte, als die Sozialausgaben zu strangulieren, behauptet der Wiener Ökonom Stephan Schulmeister in der BZ. ...

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Dienstag, 29. Mai 2012 - Deutsch-israelische Beziehungen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Benedikts,

die deutsche Regierung hat die Putschisten im vatikanischen Stadtstaat eindringlich davor gewarnt, den deutschen Papst durch Intrigen nach Oberbayern outzusourcen. Eine deutsche Mobilmachung sei in einem solchen Falle unvermeidlich. Hier stünden – im Gegensatz zum NATO-Angriff gegen Gaddhafi, an dem Deutschland sich nicht beteiligt habe – elementare deutsche Interessen auf dem Spiel.

Deutschfeindliche latent-atheistische Kreise aus den höheren Machtzirkeln der Kardinäle hätten mit Durchstecherein und Intrigen das Intimleben des Papstes klammheimlich observiert und ins Netz gestellt. Das sei selbst für eine urprotestantische Kanzlerin wie Angela Merkel nicht hinnehmbar. Die deutsche Regierung hat den klerikal-mafiösen Verschwörungskräften ein Ultimatum von einer Woche gestellt.

Im Falle einer Nichtbefolgung werde die altlateinische Messe sofort wieder abgeschafft und der Paternoster im Bundeskanzleramt in Vaterunser umbenannt. Wer mit Gott nach oben fahre, würde mit seinem Gegenspieler nach unten stürzen. Da könne Martin Mosebach noch so herummosern.

Dilma Rousseff heißt die Angie Brasiliens. Wie ihre deutsche Kollegin spricht sie viel von Ökopolitik, allein ihre Taten sehen anders aus. Verbrechen gegen die Urwälder des Landes sollen nun doch nicht so besonders bestraft werden. Die lebenserhaltenden Bäume werden bedenkenlos gefällt, um Profit mit endlosen Sojafeldern zu machen.

„Frau Solarium“ wird IWF-Chefin Lagarde von den Griechen gehöhnt, weil die Französin ...

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Montag, 28. Mai 2012 - Das Selbst

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Sports,

sind Sportler keine Mitglieder der Demokratie, wenn sie in einer Demokratie leben? Leben sie in einem parallelen Universum, das mit dem unseren nur noch das Geld gemein hat?

Für Aristoteles war das Leben oberhalb des Mondes (supralunar) vollkommen. Kickende Millionäre leben möglicherweise in einer vollkommenen Parallelwelt, mit der unvollkommenen Welt unterhalb des wesentliches Geldes haben sie nix mehr zu tun – höchstens gnädig einige Autogramme verteilen.

In einer demokratischen Zeitung namens ZEIT – Chefredakteur der wahrhafte Demokrat Giovanni di Lorenzo – ist die Frage zu lesen: Sollen Sportler sich politisch äußern? Man muss sich zwicken und noch mal lesen: in einer demokratischen Zeitung wird die Frage gestellt, ob Sportler sich politisch äußern sollen? Ist das nicht unterste Demokratenpflicht?

Gestellt ist die Frage einem Sportwissenschaftler namens Gunter Gebauer, offensichtlich einem Fachmann in demokratischer Ignoranz des Grundgesetzes, der den Sportlern kraft höherer sportwissenschaftlicher Einsicht die Lizenz der freien Meinungsäußerung entzieht. Als Sportler habe man ja noch keine politischen Kompetenzen, den meisten fehle ohnehin die nötige Intelligenz.

Gut zu hören, dass Sportler keine demokratischen Kompetenzen beim Lernen des Gemeinschaftsgeistes in einem Team erwerben, hat doch auch unsere schnöde Wettbewerbswirtschaft mit Gemeinschaftsgeist so viel zu tun wie ...

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Sonntag, 27. Mai 2012 - Grass und Grünbein

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Liedes,

vor zwei Generationen führten die Europäer noch Krieg gegeneinander. Heute veranstalten sie einen gemeinsamen Sängerwettstreit, der in die ganze Welt übertragen wird.

Doch was, wenn das Geschehen in einem Land stattfindet, in dem politisch Andersdenkende im Gefängnis sitzen, Lesben und Schwule sich nicht blicken lassen dürfen, Demonstrationen verboten und Demonstranten verhaftet werden? Wie hier, wenige Stunden vor der Veranstaltung.

Das Festival sollte nicht boykottiert werden, hatten auch die Dissidenten in Baku gefordert. Doch jeder westliche Gast sollte vor Ort Position beziehen, um ihren Kampf gegen Unterdrückung zu unterstützen. Auch die Künstler. Was ist davon übrig geblieben?

Jan Feddersen von der TAZ verhöhnte die Kritiker von Amnesty International als „Menschenrechtisten“ und „Spaßbremsen“. Sonst passierte nix, notierte der SPIEGEL, keine politische Demonstration auf weiter Flur.

Mit einer angeblichen Ausnahme. Sie dauerte nur wenige Sekunden und „war so charmant vorgetragen, dass sie die heitere Stimmung nicht zum Kippen brachte.“ Als Anke Engelke die deutsche Punktvergabe übermittelte, sprach sie auf Englisch: „Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen, aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf deiner Reise, Aserbeidschan! Europa beobachtet dich.“ Was der SPIEGEL verschweigt: waren ...

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Samstag, 26. Mai 2012 - Utopien

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Glücks,

in Dänemark, Finnland, Holland und Norwegen leben die glücklichsten Menschen. Die unglücklichsten in Afrika, in Togo, in Benin. Deutschland liegt auf dem 30. oder 46. Platz.

Nicht Reichtum mache in erster Linie die Menschen glücklich, sondern politische Freiheit, soziale Netzwerke und die Abwesenheit von Korruption. Wirtschaftswachstum führe nur dann zum Glück, wenn das Land zuvor arm war. Ab einer bestimmten Sättigung drohe eher das Gegenteil, Konsumismus mache unglücklich, besonders in Ländern mit einer großen Kluft zwischen Reichen und Armen. Man vergleiche sich immer mit denen, die noch mehr haben.

Ein solider Job gehöre auch dazu, denn Arbeitslosigkeit führe zu Statusverlust. Ein sicherer Job sei wichtiger als hohes Einkommen. Auch Ehe und Religion seien Glücksfaktoren. Stabile Partnerschaften erhöhten das Wohlbefinden der Menschen. In armen Ländern mit unsicheren Lebensbedingungen habe der Glaube eine tröstende Funktion.

Solange es kein hohes Niveau an Vertrauen und Altruismus gäbe, könne keine Gesellschaft glücklich sein.

Diese dualistischen Begriffe taugen nichts mehr. Wenn Altruismus den Menschen glücklich macht, muss er aus egoistischen Gründen altruistisch werden. Wenn Egoismus unglücklich macht, muss er uneigennützig werden, um sein Glück zu machen.

Wahrer Egoismus ist wahrer Altruismus. Vorausgesetzt, das Glück wird ...

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Freitag, 25. Mai 2012 - Alexander Rüstow

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Spaßbremsen,

Jan Feddersen berichtet für die TAZ aus Baku und fordert Gerechtigkeit für Aserbeidschan. Es sei ein westlich anmutendes Land, Religion und Staat seien getrennt, mit einem Ajatollaland nicht zu vergleichen. Auf dem Papier seien selbst die Schwulen anerkannt. Gewiss doch, es gäbe noch ein paar kleinere Probleme, doch die sollte man nicht aufbauschen. Einen Kritiker von Amnesty International nannte er einen Menschenrechtisten und eine Spaßbremse. Von SPIEGEL-Niggemeier wird er deshalb scharf kritisiert. Die TAZ macht ein harmloses PRO und CONTRA aus dem Fall.

Wenn demnächst Merkel nach China fährt, sollte sie möglichst keine Menschenrechtsverletzungen anprangern. Peking könnte sie als Spaßbremse bezeichnen.

Der nächste Schritt, den der lockere Feddersen gehen könnte, wäre die Untersuchung jener Oppositionellen, die für Freiheit eintreten und von den Schlägern des Despoten niedergeknüppelt werden. Ihnen müsste er ordentlich die Meinung sagen: Ihr Opfer, blast euch nicht so auf vor ausländischen Kameras. Ihr nutzt nur die Gelegenheit des Sängerwettbewerbs, um euch als Edelmenschen vor dem Ausland zu präsentieren. Jan Feddersen ist ein sehr gerechter Mann und duldet keine Übertreibungen, schon gar nicht im Kampf gegen sympathische Despoten.

Für Russland treten im Eurovision Song Contest die Buranowskije Babuschki auf, waschechte Großmütter mit Runzeln, Zahnlücken und Goldzähnen. Ihre Originalsprache ist das Udmurtische. Motor des Ensembles ist Galina, 73, die in Udmurtisch Bienenkönigin genannt wird: Muschmumy. Während bei uns ...

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Donnerstag, 24. Mai 2012 - Die Tat

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Russlands,

wer künftig in Moskau gegen Putins Kleptokratie demonstrieren will, muss reich sein. Sonst kann er die Strafe nicht bezahlen, die für verbotenes Demonstrieren verhängt wird. Bei uns ist es auch nicht billiger, doch noch haben wir unabhängige Gerichte, die über willkürliche Verbote befinden können. Putin flieht immer öfter in die Provinz, sein System verfällt.

Im Handeln muss man Kompromisse machen, im Denken auf gar keinen Fall – wenn man Demokrat sein will. Die Differenz zwischen Denken und Handeln muss man aushalten und sich bemühen, seinen Zielen durch argumentativen Kampf um immer neue Mehrheiten näher zu rücken.

Das ist schwer, doch niemand hat gesagt, dass Leben in einer Demokratie leicht ist. So schwer ist es aber auch nicht, denn so ist Leben in Freiheit. Clinton hätte vielleicht gesagt: it‘s life, it‘s democracy, stupid! Alles andere wäre Grabesstille in einem totalitären Sarkophag. Das gilt natürlich nur, wenn man politische „Ideale“ hat.

Reine Machterhalter und Systemkonservative haben keine Ideale, sie wollen nichts verändern, sie können mit sich „identisch“ sein. Ihr Tun kann mit ihrem Denken übereinstimmen. Das wäre die Identität der Bankrotteure, die alles für richtig halten, weil es ist, wie es ist – und weil alles sein soll, wie es ist.

Es klingt merkwürdig, doch in dieser Identität des Stillstands leben wir gerade. Sie beherrscht unser Leben von morgens bis abends, obgleich sie Wert darauf legt, sich ...

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