Philosophische Tagesmails

Montag, 19. März 2012 - Homo rationalis

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Chefredakteure,

die Wahl des Chefs war die Stunde der Chef-Redakteure. Sie schreiben die Kommentare, sie kommentieren in den Öffentlich-Rechtlichen, sie sitzen in den Talkshows.

Sie sind die großen Söhne, die sich nach oben orientieren: zu Papa. Wenn's um Kleinkram wie Euro und Atom geht, dürfen die Kleinen den Mülleimer nach unten bringen. Wenn's um Ernennung des neuen Vaters geht, schließen sie die Reihen und rauchen die Schischa-Pfeife unter sich.

Die beiden letzten Väter: da hat ihnen Mama die Kür vermasselt. Das haben sie ihr heimgezahlt und den Letzten mit der Steinschleuder vom Thron geschossen.

Nun haben sie jemanden, der selbst Journalist werden wollte und über beste Kontakte nach ganz oben verfügt. Das Spiel der nächsten Zeit heißt: Vater und Söhne.

Kurt Kister, SZ, hat Fragen, die er endlich mal stellen und sich von Papa beantworten lassen darf: was eigentlich ist Demokratie, Papa? Freiheit? Wie schön du das sagst, das hab ich noch nie gehört. Und Verantwortung? Da stockt mir der Atem, die Tränen schießen mir in die Augen. Dass wir Chefredakteure ...

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Sonntag, 18. März 2012 - Apanage

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Monarchie,

heute wählen ungewählte VIPs – früher Aristokraten genannt – den neuen Monarchen. Synchron übertragen auf allen privaten und öffentlichen Kanälen. (Kommentator der ARD ist der bewährte Adelsbeobachter Seelmann-Eggebert.)

Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, Prinz Philip Kiril von Preußen, Pfarrer von Beruf, hat sich erfolgreich für die Wiedereinführung der Monarchie eingesetzt.

Königsfamilien vermittelten Stabilität, sie würden per Misstrauen oder durch Aufhebung der Immunität nicht aus dem Amt gejagt, erklärt der prinzliche Pastor, der in Zehdenick nördlich von Berlin lebt. Königsfamilien könnten besser das Herz der Menschen erreichen als ein Bundespräsident.

Ein Monarch könnte auch kein Schnäppchenjäger werden wie haltlose Aufsteiger, er habe seine großen Happen bereits über viele Jahrhunderte harmonisch zu einem stabilen Clankonzern zusammengefügt. Entweder habe er einen großen Familienbesitz oder eine Apanage. Von Freunden Geschenke anzunehmen, wäre unter seiner Würde.

Das wunderschöne Wort Apanage (heißt ursprünglich: mit Brot versorgen) ist eine Abfindung nichtregierender Adliger mit Landbesitz oder Geld zur Ermöglichung ...

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Samstag, 17. März 2012 - Der Duft der Frauen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Papstes,

er will nicht mehr nach Weihrauch und Myrrhe riechen, sondern nach Gras, Linde und Eisenkraut. Das Rezept ist geheim, niemand soll duften wie der Stellvertreter.

Linde riecht süßlich und passt eher zu einer Dame, doch keine Agape ohne Lindig-keit. (Phil. 4,5) Eisenkraut klingt nach Eisenfresser, ist gefährlich und in der EU verboten, doch was juckt das den Kirchenstaat? Mit Gras duftet er jünger als er ist, auch der Gottesmann huldigt dem Jugendwahn und zeigt sich störrisch gegen das Altern.

Alles Gras verdorrt, alles Fleisch ist wie Gras. Im Himmel werden die Gläubigen Wohlgerüche für die Nase des obersten Parfümeurs sein, der sich von lieblichen Düften der Kreaturen anlocken lässt. „Und der Herr roch den lieblichen Duft des Opfers von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln“. (1.Mose 8,20 f)

Den Geruch unreiner Tiere mag der Herr weniger. Ist er böse auf die Menschen, verabscheut er gar die Düfte reiner Opfer. „Den lieblichen Duft eurer Opfer will ich nicht mehr riechen“. (3.Mose 26,31)

Die Chemie zwischen Schöpfer und Geschöpfen stimmt nur, wenn die Gesinnung stimmt und letztere den Willen des Herrn tun. Das ist der Geruch der Erkenntnis, der „uns in Christus allezeit triumphieren lässt.“ Gerüche sind Zeichen des Sieges und ...

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Freitag, 16. März 2012 - Apokalypse

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Chinas,

warum ist uns das Riesenreich der Mitte überlegen? Es ist nicht die reine Quantität, es ist die Philosophie, die hier eine Rolle spielt, schreibt Stefan Aust, Nachfolger Rudolf Augsteins beim SPIEGEL, der nie einen Kommentar schreiben wollte, weil ihm die Schuhe seines Vorgängers zu groß waren.

Seitdem sind Chefredakteure zu stummen diskreten Managern der Macht verkommen. Wofür eine Zeitung steht, weiß man heute nicht mehr. Die Gazetten verwechseln domestizierten Pluralismus mit Meinungslosigkeit, die sich den herrschenden Mächten prostituiert.

Ein Philosoph ist bekanntlich ein unerträglicher Mensch, der seine Privatmeinung für Wahrheit hält. Der Philosoph der Weltmacht heißt in lateinischer Form Konfuzius. Sollten die Chinesen tatsächlich von Kungfutse, Kungfutzu – nicht mit Kungfu zu verwechseln – gelernt haben, dürften wir keine Sekunde zögern, uns mit dem Herrn aus der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu zu beschäftigen.

(Lu nicht zu verwechseln mit Ludwigshafen am Rhein, woher auch ein bedeutender Denker kommt, der aber in allen Dingen das Gegenteil zu Kungfutse lehrte und ...

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Donnerstag, 15. März 2012 - Kulturinfarkt

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des neuen Präsidenten,

Deutschland in Naherwartung der pastoral-politischen Erweckungsrede zur nationalen Einigung und Versöhnung etcetera. Da kann einer zeigen, ob er was gelernt hat.

Ob er ein Herz hat für die Überflüssigen? Hat er natürlich: Einer trage des andern Last. Ob er Verständnis aufbringt für die Letzten? Tut er ganz gewiss: Die Letzten werden die Ersten sein. Ob er den Reichen ins Gewissen predigen wird? Wird er mit Sicherheit: Den Reichen gebiete, dass sie nicht hochmütig seien, noch ihre Hoffnung auf den unsichern Reichtum setzen.

Auf unsichern Reichtum setzen die ganz gewiss nicht, sondern auf krisenfeste Papiere und Schulden, die im Zweifel vom Staat bezahlt werden.

Ob er an die Schwachen denken wird? Denkt er bestimmt: Wir aber, die Starken sind verpflichtet, die Schwachheiten der Ungefestigten zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen zu leben.

Er wird uns allen zu Gefallen reden. In Menschen- und in Engelszungen. Mit Liebe obenauf, dass er kein tönend Erz und keine klingende Schelle sei.

„Ich wünschte sehr der Menge zu behagen, Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, Und jedermann erwartet sich ein Fest. Sie sitzen schon mit hohen Augenbraunen, Gelassen da und möchten ...

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Mittwoch, 14. März 2012 - Bedürfnis und Befriedigung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Einwanderung,

gibt es eine Einwanderung ins deutsche Sozialnetz? Ein längerfristiges Aufenthaltsrecht haben nur EU-BürgerInnen, die hier zu arbeiten gedenken. Diese Gruppe hat dasselbe Recht auf Hartz4 wie Einheimische. Nur Arbeitsunwillige dürfen ausgewiesen werden.

Deutschland will auch der ersten Gruppe das Recht auf Sozialleistungen verweigern, obgleich dies gegen EU-Recht verstößt. An allen Ecken und Enden wird der europäische Gedanke ramponiert. Von jenen, die angeblich allein das Projekt Europa vorantreiben: den komplex denkenden Eliten.

Mehr als ein Fünftel aller Beschäftigten verdient unterhalb der Niedriglohnschwelle von 9,15 Euro, durchschnittlich 6,68 Euro. 4 Millionen arbeiten gar unter 6 Euro. Darunter viele Frauen, Ossis und Minijobber.

Da die Unterbezahlten – einst Ausgebeutete genannt – vom Staat gestützt werden müssen, subventioniert der Staat die Industrie. Hartz4 für die Ausbeuter. Da lohnt sich doch die Leistung der Malocher – für die Unternehmer.

Westerwelle hat nicht erklärt, für wen sich die Leistung lohnen soll.

Wie viel Lebensmittel wirft jeder Bürger im Jahr weg? Durchschnittlich 81 Kilo. 65% dieser Abfälle waren essbar. Die Deutschen klammern sich an ...

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Dienstag, 13. März 2012 - Leistung muss sich lohnen

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Mauern,

Privilegierte mauern sich ein. In Städten sind es die Viertel der Reichen, die mit dem Rest der Welt nichts zu tun haben wollen.

Die chinesische Mauer, die deutsche Mauer, die Klagemauer: an allen Mauern wird getrennt, sei es aus ökonomischen, militärischen oder religiösen Gründen. Mauern sind steingewordene Symbole der Ungleichheit.

Das neue Europa begann mit Niederreißen von Zäunen, Mauern und Schlagbäumen.

Nehemia hatte Mauern gefordert, um das Elend Jerusalems zu verstecken. „Ihr seht das Elend, in dem wir uns befinden, wie Jerusalem wüste liegt und seine Tore verbrannt sind. Kommt, lasst uns die Mauer Jerusalems aufbauen, dass wir nicht länger ein Gegenstand des Spottes seien.“ (Neh. 2,17)

Europa braucht Mauern, damit niemand unsere luxuriöse Verwahrlosung sieht. Fühlt Europa sich bedroht oder schämt es sich, dass es in Überfluss lebt? Das geistige Elend ist innen, das materielle draußen, und draußen soll es bleiben.

Das fordert Sarko, der zu viele Ausländer in Frankreich sieht, wieder Grenzkontrollen einführen und ...

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Montag, 12. März 2012 - Präses Schneider

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde Afghanistans,

wenn sonst nichts mehr half, um den Krieg am Hindukusch zu rechtfertigen, kam das Frauen-Argument. Wenigstens den Frauen ginge es erheblich besser als unter den früheren Taliban.

Nun hat Karsai, Freund des Westens, ein Gesetz unterschrieben, wonach Frauen geschlagen werden dürfen. Streng nach Regeln der Scharia. Karsai will den Taliban wohl eine Tür öffnen. Alles wie gehabt im Land der Unbesiegbaren.

10 Jahre Krieg des vereinten Westens sind ein erneuter Markstein in der fortlaufenden Chronologie westlich-moralischer Überlegenheit. Amerikanische Boys sind derart zerrüttet, dass sie den Koran öffentlich verbrennen, wehrlose Familien kollektiv über den Haufen schießen. Die Selbstmordrate der GIs ist in den letzten Jahren um 80% gestiegen.

Michael Stürmer, Historiker und ehemaliger Kohl-Berater, hält den Iran für ein „apokalyptisches Regime, das sich im Vorhof zum Jenseits verortet“. Damit sei der Ajatolla-Staat kein „rationaler Staat im westlichen Sinn.“

Hier würden nicht die Regeln der Eindämmung gelten, welche die Logik des Kalten Krieges bestimmten. Der Iran drohe Israel mit Vernichtung, um arabische Ängste vor seinem Dominanzstreben zu dämpfen und die Araber mundtot zu machen.

Tatsächlich wollten sie die Vorherrschaft am Golf und einen ...

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