Philosophische Tagesmails

Dienstag, 24. April 2012 - Recht ist eine Wahrheitsleistung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des Teufels,

manchmal muss man mit dem Teufel paktieren, wenn man Menschen nützen will, lautet der pragmatische Grundsatz jedes Realpolitikers, auch wenn er zur hohen C-Fraktion gehört.

Macht der Chef im Himmel ja auch nicht anders. „Da sprach der Herr zum Satan: Wohlan, alles, was er hat, ist in deiner Hand! Nur nach ihm selbst recke deine Hand nicht aus.“ (Hiob 1,12) Goethe benutzt die Hiobvorlage als Grundlage für den Faust.

Der Teufel ist immer ein Instrument seines großen Chefs, das Böse muss sich in den Dienst des Guten stellen. Das klingt beruhigend nach Domestizierung des Bösen. Der Teufel wird zum nützlichen Idioten seines überlegenen Gegenspielers, der die Drecks-Aufgaben erledigen muss, die ein wohlwollender Patriarch sich nicht zumuten will.

Das ist die eine Seite der Rechnung. Die andere ist die Absegnung alles Bösen durch die oberste Himmel-Behörde: das Grauen wird satisfaktionsfähig. Das Böse, im Dienst des Guten, kann sich selbst als Gutes ausgeben. Damit ist es unbegrenzt legitimationsfähig. Bei schrecklichsten Verbrechen kann es auf den Stempel des Patriarchen verweisen: „Persönlich geprüft und gebilligt!“

Das ist die zweiköpfige Moral des christlichen Westens und aller Religionen, die das Böse als notwendige Ingredienz des guten Lebens ausgeben. Kinder lernen ...

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Montag, 23. April 2012 - Espresso und Gefühle

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Entemotionalisierung,

wenn’s der eine tut, zeigt er sein unmenschliches Gesicht, wenn der andere, ist er ein eiskalter Profi: es geht um das beliebige Ausknipsen von Gefühlen, wenn sie hinderlich sind.

Er freue sich darauf, jetzt in sein Auto zu kommen und sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die wirklich wichtig seien: Reifentemperaturen, Autos, sagte ein deutscher Demokrat mit sensiblem Benzin im Blut namens Vettel. Der Autozirkus-Chef bestätigte: „das hat nichts mit uns zu tun“.

Die Motoren heulten auf in Bahrain, einem Staat, bei dem vor kurzem über 30 Menschen bei Demonstrationen starben und Oppositionelle ins Gefängnis wandern. Auch Schumacher, ein anderer Entemotionalisierer mit hochspezialisierten Gefühlen am Gaspedal ließ sich hören: Wir sind hier, um Sport zu machen, mit Politik haben wir nichts zu tun.

Angehörige einer hochwertig-arbeitsteiligen Kultur zeichnen sich dadurch aus, dass sie gefühls-teilig funktionieren. Sie wissen, wann sie Gefühle zeigen müssen – wenn sie ein Rennen verlieren, kann man schon mal sauer sein oder sogar vor Wut aufheulen –, und wann nicht. Nämlich dann, wenn man seinem Job in einem Staat nachgeht, wo es Andersdenkenden an den Kragen geht.

Da dieser Staat aber für die USA aus militärstrategischen Gründen wichtig ist, ermahnt Hillary Clintons Sprecherin nicht ...

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Sonntag, 22. April 2012 - Das ganz Andere und das Identische

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

 Hello, Freunde des Erfolgs,

was ist der Unterschied zwischen Wahn und Realität? Wenn der Wahn erfolgreich ist, wird er dekoriert, der Wahn-Sinn zur Realpolitik. Was erfolglos ist, wird bestraft, und muss zurück ins Wahnfach.

Woran erkennt man die Differenz zwischen zukünftigem Helden, Erfinder, Genie und Verrückten? Im embryonalen Zustand überhaupt nicht. Alles klingt unisono verrückt, überspannt, abenteuerlich, erst am Ende entscheidet der pure Erfolg.

Der Erfolgreiche spricht: wer es nicht aushält, in seiner Umgebung als verrückt zu gelten, hat keinen Erfolg verdient. Der große Erfolg ist der Sieg des Verrückten über die phantasie- und risikolose Normalität.

Kein Erfolgreicher, der seine Lebensstory nicht so erzählte: an wie vielen Türen musste ich anklopfen, wie viele Körbe und Absagen, wie viel Ignoranz und Ablehnung musste ich einstecken, bevor sich die ersten Anzeichen des Sieges zeigten.

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“, war die Lebenserfahrung Gandhis.

Man könnte variieren: zuerst ignorieren sie dich, dann sind sie entsetzt und halten dich für einen gefährlichen Spinner und bekämpfen dich, dann sehen sie, dass deine Verstiegenheiten, Dreistigkeiten und Brutalitäten ankommen, sich durchsetzen, selbst offizielle Staatsorgane dich heimlich oder offen unterstützen, dann beobachten sie noch eine Weile aus sicherer Entfernung, schließlich ...

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Samstag, 21. April 2012 - Die Frage nach dem Warum

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Nonnen,

jetzt werden auch noch die frommen Frauen in den USA aufmüpfig und wehren sich gegen den Vatikan. Sie bekämpfen keine Schwulen und sind nicht mehr gegen Abtreibung. Dafür sollen sie unter Kuratel gestellt werden.

Das wird höchste Zeit, sonst werden sie den Männerverein noch auf den Kopf stellen und eine Frau wird demnächst Nachfolgerin unseres Ratzinger.

Heißt es aber nicht: einem Weib gestatte ich nicht, dass sie belehre oder besser wisse als die Männer, oder so? Wie wär‘s mit Petrus: „Gleicherweisen, ihr frommen Frauen, seid untertan euren Männern, damit, auch wenn etliche dem Worte nicht gehorsam sind, sie durch den Wandel ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden, wenn sie euren Wandel in aller Scheu und Zucht beobachten.“ (1.Petr. 3,1 f)

Also nicht so viel quasseln, liebwerte Frauen, und wortlos belehren. Das Wort ward zwar Fleisch, doch von Weiberfleisch war nie die Rede, capisco?

Die Männer, denen der Evangelist ohnehin weder Scheu noch Zucht zutraut, haben die Gabe der Rede bekommen, dass sie, wenn sie, wie gehabt, schweineigeln, mit der Kraft des vollmundigen Wortes drüber hinweg hudeln.

Unter solchem Aspekt sollte man unsere charismatischen Rhetoriker mal genauer angucken, welch krumme Dinger sie mit ihren Redekünsten verstecken oder rechtfertigen müssen. Nun verstehen wir, warum ...

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Freitag, 20. April 2012 - Wahn und Realität

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Muslime,

der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität und gehört somit nicht zu Deutschland“, sagte der Volker in Kauder-welsch. Dann haben wir also den Pluralismus abgelegt und uns eine Mono-Ideologie zugelegt, die man Christentum zu nennen pflegt.

Wie kann man sich über den Satz aufregen, die Medien seien gleichgeschaltet, wenn die ganze deutsche, ja europäische Kultur durch eine durch Kreuz-zur-Krone-Ideologie gleichgeschaltet ist. Da haben wir doch den Großen Schalter, den Augstein nicht sehen wollte: es ist der religiöse Schalter in den Gehirnen.

Eine identische Kultur – von idem, dasselbe, das Gleiche – wäre eine Ajatolla-Kultur, Volker Kauder demnach ein Bibel-Salafist. Kein Verfassungsschützer wird den gemütlichen Schwaben unter die Lupe nehmen.

Linke Großhistoriker wie Wehler und Winkler reden auch nicht anders, wenn sie die Türkei für europa-untauglich erklären, weil dort nicht an jeder Wegkreuzung ein schnuckliges Marterl zu sehen ist.

Hat schon mal ein Ethnologe eine empirische Untersuchung durchgeführt, welch unterschwellige Kollateralfolgen diese vielen Kreuze mit Leichnam auf das unbewusste Leben der Bayern ausüben? Wer das Voralpenvölkchen kennt, muss annehmen, dass es anhand des Kontrastes sich erst recht seines Lebens erfreut.

Dann wäre der Schmerzensmann eher eine paradoxe Intervention als ein direktes Vorbild. Der massenhafte, ...

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Donnerstag, 19. April 2012 - Der Verbrecher und seine Richter

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Palästinenser,

wer nach Israel fliegen will, um sich für palästinensische Belange einzusetzen, wird von Fluggesellschaften wie Air-France oder der Lufthansa daran gehindert – die im Auftrag israelischer Behörden agieren. Dann fällt es nämlich nicht so auf, wie viele Aktivisten vor Ort abgefangen, in Haft kommen und wieder abgeschoben werden.

Ausländische Firmen als Hilfsbüttel Jerusalems. Man könnte ja Schwierigkeiten bekommen, das Land anfliegen zu dürfen. 40 Mitglieder der Kampagne „Willkommen in Palästina“ sitzen noch in Abschiebehaft.

Entgegen eigenen Prinzipien wirbt Nestle mit Comics und Trickfilmen für überzuckerte Kinderprodukte. Die Lebensmittelindustrie sorgt für Nachschub bei Ärzten, die den Wonneproppen Pillen gegen Übergewicht verpassen.

Jetzt ist es amtlich. Kassenpatienten müssen bei Fachärzten wesentlich länger warten als Privatversicherte. So muss es sein, sagt Futurologe Horx. Gleichheiten sorgen nur für Chaos und Murx. Es muss wieder Unterschiede und Hierarchien geben, Schwarmintelligenz gehört ins Tierische.

Die Rangskala der Rangskalen im Magazin TIME. Immer wieder von SPIEGEL und BILD freudig begrüßt, wenn Angie auf der Liste zu finden ist. Heuer auf Platz 86. Auf Platz 82 ein Benjamin Netanjahu. 89: Hillary Clinton. Der mächtigste Mann der Welt ...

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Mittwoch, 18. April 2012 - Göttliche Inszenierung

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde des richtigen Zitierens,

hat der iranische Düsterling, dessen Namen wir hier nicht nennen, damit er keine Bühne der Selbstinszenierung erhält, wirklich das Land Israel mit Auslöschen bedroht oder waren es Übersetzungsfehler – wie noch Jakob Augstein bei Jauch andeutete? Keine Antwort.

Hat ein salafistischer Prediger tatsächlich vor Kindern gesagt, „dass derjenige, der nicht bete und dazu dreimal aufgefordert worden sei, getötet werden müsse und jeder gläubige Muslim das Recht dazu habe“? Nach einer Woche hat sich die Anklage als erlogen und erstunken herausgestellt.

Was nicht bedeutet, dass der glattrasierte Geschäftsmann mit schicken Anzügen solche Dinge nicht denkt.

Höchste Zeit, dass die unsichtbaren Gehirne für den Staat sichtbar werden. Nachdem schon lange „forensische Psychologen und Psychiater“ sich der staatlichen Justiz angedienert haben, stehen jetzt auch die Gehirngucker Schlange, um ihre staatliche Unentbehrlichkeit unter Beweis zu stellen.

Terroristengehirnen fehle ein bestimmter Balken zwischen beiden Gehirnhälften (oder so ähnlich), so die Spinner-Tomografen. Ein renommierter amerikanischer Neurologe hat um der Wissenschaft willen die Gehirne seiner eigenen Familie regelmäßig untersucht.

(An dieser Stelle müssen wir unterbrechen und fragen, ob die unmündigen Kinder dieses faustischen Wissenwollers frei genug waren, auch Nein zu den Untersuchungen zu sagen oder ob es sich hier nicht ...

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Dienstag, 17. April 2012 - Breivik und Hitler

Tagesmail - Montag, den 24. Oktober 2011

Hello, Freunde der Zensuren,

Ratingagenturen sind Notengeber der Wirtschaft. Sie verteilen Zensuren, ohne dass man sagen kann, man hätte von ihren Beurteilungen gelernt. Nach Heben oder Senken des Daumens ist man so klug und doof als wie zuvor. In diesem Sinn sind sie echte Oberlehrer.

Wie viele Zensuren erhält ein Heranwachsender im Verlauf seines jungen Lebens? Nimmt man die Noten des Erwachsenenlebens dazu – in Form von Beurteilungen der Personalakte, von Lohn- und Gehaltszuwendungen, Zuweisungen in die sozialen Schichten – ist das ganze Leben nichts als eine ununterbrochene Zensurorgie.

Du wirst benotet von der Wiege bis zur Bahre. In welchem Monat konnte das Kind gehen, sprechen, Laufrädchen fahren, wann war es sauber? So geht es weiter. Wie viele Veröffentlichungen hat der Juniorprofessor? Wie groß ist der Anteil seines Blutfetts, in welchem Häuschen wohnt das vielversprechende Paar? Gab es schon rühmende Meldungen in der Presse, wie vernetzt sind sie in Facebook, wie viele Freunde haben sie? Was bringt der Galan im Bett? Wie vereinbart die Gattin an seiner Seite Kinder und Beruf? Wie fit sind sie noch im Alter? Was, mit 65 schon dement? War es eine schöne Leich? Wieviele Trauergäste gaben ihm letztes Geleit? Ist er in den Himmel gekommen, sitzend zur rechten oder linken Hand Gottes? Oder muss er für seine miese Gesamtnote in den Büchern, die da aufgeschlagen wurden, eine Ewigkeit lang geröstet werden? Setzen: sechs – ohne zweite Chance!

Ohne Bewertungen und Spiegelungen können wir nicht leben. Die Ichbildung beginnt mit Rückmeldungen der Eltern, das Kind puzzelt seine kleine Persönlichkeit aus den guten und schlechten Aussagen seiner gottgleichen Erzieher zusammen.

Wie die Autoritäten den Heranwachsenden sehen, so sieht er sich selbst. Später ...

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