Der Sokratische Marktplatz

Keine Geschichte, keine Heilsgeschichte, keine automatischen  Kräfte und Mächte
regulieren das Geschick des Menschen. Das Schicksal des Menschen
ist allein der Mensch. Was er nicht selber tut, bleibt ungetan.
Keine Verborgene Hand kommt ihm entgegen, kein radikal Böses wird ihn hindern.
Will er weiterhin als Despot der Natur auftreten, wird er scheitern.
In Anteilnahme mit den natürlichen Wesen kann er überleben.

Auf dem Sokratischen Marktplatz treffen sich selbstbewusste Demokraten,
die ihren Beitrag leisten wollen für das gelingende Leben der Menschheit.
Das Zentrum des Lebens liegt auf Erden. Jetzt und hier, im Irdischen müssen wir uns
bewähren. Der Mensch ist dem Menschen weder Raubtier noch Gott,
weder hoffnungslos, noch vollkommen.
Wenn wir in sokratischem Geiste lernen, uns als natürliche Wesen zu betrachten,
als gleichrangige Menschen zu begegnen, können wir es schaffen.

Der Sokratische Marktplatz

Die Herrschaft des Volkes entstand auf öffentlichen Plätzen. Wenn Menschen spontan zusammenkommen, können sie frei und ungehindert beraten, streiten, übereinstimmen und mehrheitliche Entscheidungen treffen. So geschehen in Athen, wo Sokrates auf dem Marktplatz sich nicht scheute, seine Mitbürger zum geistigen Wettstreit aufzufordern, um ihre demokratische Kompetenz auf Herz und Nieren zu prüfen.

Das Ringen um den besten Weg sollte jeden selbstbewusster machen in der täglichen Auseinandersetzung um ein menschenwürdiges Leben. Wer den Menschen haftbar macht für das Wohlergehen des Gemeinwesens, darf sich solchen Herausforderungen nicht entziehen; kritisch muss er selbst prüfen, wes Geistes Kinder diejenigen sind, die Macht für sich beanspruchen und in Parlamente gewählt werden wollen.

Anders in privaten Dingen, die jedermann gestalten kann, wie es seiner Individualität beliebt. Solange seine Freiheit nicht die Freiheit aller anderen beeinträchtigt. Auf dem öffentlichen Forum soll jedermann zeigen, was er kann und auf welche Weise er dem Gemeinwesen zu nützen gedenkt.

In vitalen Demokratien muss jeder Einzelne dem andern ohne Angst und auf gleicher Augenhöhe begegnen können. Je mehr Schichten, Klassen und Stände eine Nation in Stücke reißen, desto angeschlagener und zerbrechlicher wird die Gesellschaft.

Demokratien leben aus eigener Kraft, aus der Einsichtsfähigkeit ihrer selbstbestimmten und lernfähigen Bürger. Auf Absicherungen und moralische Hilfestellungen aus dem Bereich der Religion sind sie nicht angewiesen. Sie setzen auf eigene Vernunft, nicht auf überschwängliche Verheißungen von Charismatikern und Erlösern.

Es gibt viele Methoden, wie man Demokratien ruinieren kann. Eine der gefährlichsten ist, mit selbstherrlicher und maßloser Wirtschaft den Einfluss gewählter Regierungen immer weiter zu beschneiden. Die zunehmende Kluft zwischen Habenden und Habenichtsen bedeutet Stärkung der Mächtigen bis ins Unermessliche und Schwächung der Enteigneten bis zur ohnmächtigen Apathie.

Wer unterschiedslos vom Staate spricht, hat von Demokratie noch nichts verstanden. Wenn selbst Diktaturen und menschenfeindliche Regimes als Staaten gelten, kann Demokratie niemals ein Staat sein. In lebendigen Demokratien ist nicht der Staat, sondern das Volk die entscheidende Instanz. Sollten undurchsichtige Machtballungen eine Gesellschaft unterwandern, müssten sie als zerstörerische Fehlbildungen erkannt und zerschlagen werden. Ein Staat im Staate ist der Erzfeind jeder Demokratie.

Es ist nicht der Staat, der alle Probleme verursacht oder löst. Es ist der mündige Mensch, der Fehler begeht und sie wieder korrigiert, der Schwachen hilft, die Starken zähmt. In Demokratien gibt es weder ein „Väterchen“ Staat, der Benachteiligte fürsorglich bevormundet, noch einen „tyrannischen“ Staat, der Erfolgreiche fahrlässig einengt.

In Demokratien entscheiden Demokraten. Niemand sonst. Keine Wirtschaftsgesetze, die sich als unveränderbar definieren. Kein Fortschritt im Namen einer bedenkenlosen Technik, einer idolisierten Zukunft oder anderer Automatismen, die der nüchternen Überprüfung durch die Gesellschaft nicht standhalten.

Es gibt keinen Zwang zur unablässig blinden Erneuerung. Ob Alt, ob Neu, alles muss der Kritik des Souveräns vorgelegt werden. Wir leben nicht für die Zukunft, wir leben für die Gegenwart. Sinnvolles Vorausschauen darf den heutigen Tag nicht im Dienst des Kommenden opfern. Wir schauen nicht einseitig nach vorne, wir lernen aus Irrtümern der Vergangenheit, die wir nicht ausblenden oder verdrängen dürfen.

Alle Macht geht vom Volke aus und bleibt unter Kontrolle des Volkes. Alle Entscheidungen sind souveräne Willensbildungen der Bevölkerung und ihrer gewählten Vertreter.

Sind säkulare Demokratien mit Wahrheit unverträglich – wie religiöse Heilsbesitzer behaupten, die die Trennung von Kirche und Staat unterhöhlen, um zurückzukehren zur Macht des Klerus und naturfeindlicher Glaubenssätze?

In der Tat darf sich keine Entscheidung der unfehlbaren Wahrheit rühmen. Mehrheiten sind keine Garantien für unumstößliche Erkenntnisse. Dennoch kann freier Wettbewerb der Meinungen dazu beitragen, durch stets neue Mehrheitsbildungen uns dem zu nähern, was die Menschheit in friedfertigen Zukunftsentwürfen schon immer zu träumen wagte.

In diesem Sinn können Demokratie, universelle Menschenrechte und Naturverträglichkeit als förderliche Wahrheiten angesehen werden, die auch unseren Kindern und Kindeskindern eine Überlebenschance auf dem Planeten Erde einräumen. Solche Wahrheiten sind nicht exklusiver Besitz von Eliten und Auserwählten, sondern das Ergebnis fortlaufender und gemeinsam errungener Entwicklungen.


No history, no salvific history, no automatic forces or powers
control the destiny of man. The fate of man is man alone.
What he doesn‘t do, won’t be done.
No hidden hand forces him, no radical evil will stop him.
If he continues to act as a despot of nature, he will fail.
In proportion with natural beings he can survive.
 
At the Sokratischer Marktplatz you can meet self-confident democrats,
wanting to make their contribution to the successful life of humanity.
The center of life is on earth. Here and now on earth we must
prove ourselves. Man is to man neither a predator nor a god,
neither hopeless nor perfect.
When we learn in the spirit of Socrates to regard ourselves as natural beings,
as equal people, we can succeed.

Sokratischer Marktplatz

The rule of the people arose in public places. When people come together spontaneously, they can freely argue, agree and make majority decisions. This happened  in Athens, where Socrates did not hesitate to call his fellow citizens to the intellectual contest in order to test their democratic competence.

The combat for the best way should make everyone more self-conscious in the daily struggle for a dignified life. Whoever makes man liable to the welfare of the community can not escape such challenges; Critically, he himself must examine what spiritual children are those who claim power for themselves and want to be elected in parliaments. …

… Private affairs differ, in that they can be shaped according to individuality; providing individual freedom does not affect the freedom of others. At the public forum, everyone show’s what they can and demonstrates how they intend to benefit the community.

In vital democracies, each individual must be able to meet the other without fear and on equal terms. The more strata, classes and estates that can tear a nation to pieces, the more striking and fragile society becomes.

Democracies live out of their own strength, from the insight of their self-determined and able citizens. They are not dependent on safeguards and moral support in the field of religion. They rely on their own reason, not on surmising promises of charismatics and saviors.

There are many ways to ruin democracies. One of the most dangerous is to cut down the influence of elected governments with self-governing and unbridled economy. The increasing divide between rich people and poor means the strengthening of the powerful to the unimaginable and the weakening of the expropriated to impotent apathy.

Those who speak indiscriminately of the state have not yet understood anything about democracy. If even dictatorships and anti-human regimes are regarded as states, democracy can never be a state. In living democracies the people, not the state are the decisive authority. Should opaque power clashes infiltrate a society, they would have to be recognized and destroyed as destructive malformations. A state in the state is the archenemy of every democracy.

It is not the state that causes or solves all problems. It is the mature man who commits mistakes and corrects them again, helps the weak, tames the strong. In democracies, there is neither a „father“ state patronizing the disadvantaged, nor a „tyrannical“ state that negligently succumbs to success.

Democracies decide democrats. Nobody else. No economic laws that define themselves as unchangeable. No progress in the name of a futile technology, an idolized future, or other automatisms that cannot withstand sober review by society.

There is no compulsion for unremittingly blind renewal. Whether old, whether new, everything must be submitted to the criticism of the sovereign. We do not live for the future, we live for the present. It is not possible to sacrifice meaningful foresight to the present day. We do not only look to the future, we also learn from mistakes of the past, which we must not hide or repress.

All power goes out from the people and remains under the control of the people. All decisions are sovereign wills of the population and their elected representatives.

Are secular democracies incompatible with truth – as religious healers who assault the separation of church and state to return to the power of the clergy and anti-religious beliefs?

In fact, no decision can boast of infallible truth. Majorities are not guarantees of unimaginable knowledge. Nonetheless, free competition between opinions can help us to approach what humanity has ever dreamed of in peaceful future designs.

In this sense, democracy, universal human rights and natural acceptability can be viewed as beneficial truths, which also give our children and children’s children a chance of survival on planet Earth. Such truths are not the exclusive possession of elites and the elect, but the result of continuous and jointly developed ideas.