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Donnerstag,. 08. August 2013 – Charismatiker Obama

Hello, Freunde des Charismas,

das Christentum hinterlässt keine Spuren, es sei denn charismatische. Sind die Taten der Christen keine Gnadengaben, so sind sie des Teufels – der als Widersacher Gottes nicht zum Instrumentarium des Heiligen gehört. Alles, was gut und teuer ist, sind Gaben des Himmels. Alles Miserable stammt aus der Welt.

Das Christentum beherrscht seit Jahrhunderten den Westen, doch christliche Spuren im Seelenleben, in der Politik und in der Wirtschaft sind nirgends zu finden. Gäbe es sie, wären sie vollkommene Gaben des Himmels und keine Produkte der Welt. Fehlen sie, ist dies der sündigen Welt zuzuschreiben. Normale Menschen in ihrem alltäglichen Leben hat das Evangelium noch nie geprägt.

All dies erklärt, warum politische Ereignisse und menschliche Verhaltensweisen nie mit christlichen Begriffen analysiert werden. Es wäre wie Versündigung, in profaner Welt Spuren des Heiligen zu entdecken.

Freuds Analysen bedienen sich griechischer Mythen, jüdische und christliche Namen und Begriffe – wie etwa Moses-Komplex, Erlösungszwang, Marienpsychose oder jesuanisches Herrschen durch Leiden – als Ursprünge der Neurosen sucht man bei ihm vergeblich. Obgleich Freud ein scharfer Kritiker der Religion war.

In Religionen wird die Welt in Heiliges und Profanes eingeteilt. Ist das Leben auf Erden geglückt, muss es die Wirkung des Heiligen sein. Ist es missglückt, kann es nur profanen Ursprungs sein und hat

mit dem göttlich Perfekten nichts zu tun.

Charisma heißt Gnadengabe. Sind Politiker eindrucksvolle Menschen, erhielten sie ihre Gaben von Gott. Sie sind Charismatiker. Politiker werden heute eingeteilt in Menschen mit und ohne Charisma. Woran wir untrüglich erkennen, wie säkular die Welt geworden sein muss. Entweder Heiliger Geist oder das Nichts, identisch mit dem Bösen. Obama ist ein Geschenk des Himmels. Was aber, wenn der Himmel sein Geschenk zurückzieht? Dann ist der Held entzaubert und muss einen ordinären Bösewicht mimen.

Kommt politisches Charisma ins Spiel, darf der Hinweis auf Max Webers Begriff der charismatischen Herrschaft nicht fehlen. Zumeist ohne Frage, ob dieselbe mit Demokratie verträglich sein kann. Über solche Peanuts sind politische Ologen erhaben.

„Über die Geltung des Charisma entscheidet die durch Bewährung – ursprünglich stets: durch Wunder – gesicherte freie, aus Hingabe in Offenbarung, Heldenverehrung, Vertrauen zum Führer geborene, Anerkennung durch die Beherrschten.“ (Max Weber)

Wenn das nicht die korrekte Beschreibung des Nationalsozialismus ist, soll mich der Teufel holen. Nur bei charismatischer Herrschaft sind Beherrschte einverstanden mit ihrer Beherrschung. Nur hier entstehet die Schicksalsgemeinschaft: ein Volk, ein Reich, ein Führer.

War Max Weber ein Demokrat? Deutsche Gelehrte waren keine Demokraten. Sie verehrten die Besten – also sich selbst –, mit dem Besten der Besten, einem Monarchen von Gottes Gnaden, an der Spitze. Erst nach seiner Amerikareise und verlorenem Weltkrieg kam Weber zur Überzeugung, dass ohne kapitalistische Demokratie die am Boden liegende deutsche Nation verloren sei.

Also entwickelte er sich zum realpolitischen Pflichtdemokraten, was bedeutete: Parteien brauchen einen cäsaristischen Führer, sonst werden sie zur Herrschaft der Masse. Das Mehrheitsprinzip war Weber suspekt. Auch er stand in der aristokratischen Tradition: man soll die Stimmen wägen und nicht zählen. Wenn man sie doch zählen muss, muss es eine Instanz geben, die die vulgäre Majorität einkesselt und auf Vordermann bringt: der charismatische Führer.

Bekanntlich haben wir Weber die überstarke Position des Staatspräsidenten in der Weimarer Verfassung zu verdanken. Ohne ein Hindenburg wäre Hitler so schnell nicht, wenn überhaupt, an die Macht gekommen. Ergo: ohne Max Webers Begeisterung für charismatische Führer mitten in der Demokratie wären die Pforten zur deutschen Hölle nicht so offen gestanden.

Da Max Weber einer der wenigen Demokraten ist, die die Deutschen nach dem ersten Weltkrieg aufzuweisen hatten, geht man hierzulande pfleglich mit ihm um. Früher gab es keine Ausgabe der ZEIT ohne überschwängliche Bewunderung des großen Soziologen.

Da der Journalismus sich für die Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte nicht zuständig fühlt, darf eine Mode der anderen folgen, ohne die eigenen Irrungen und Wirrungen wahrzunehmen und Rechenschaft über sie abzulegen. Hauptsache, das Publikum merkt nichts. Zeitgeist, dein Name ist ZEITung.

Ein Charismatiker muss sich bewähren und beglaubigen. Sonst könnte jeder daherkommen und sich als Gottes Sohn ausgeben. Jesus bewährte sich durch Zeichen und Wunder. Wunder sind Wunden im Leib der Natur, Verletzungen der Kausalkette. Ein Gottessohn, der Charismatiker aller Charismatiker, beglaubigt sich bei der Menschheit durch absichtliche Verletzungen der Natur.

Schon Moses und Aaron mussten eine Wunderkonkurrenz mit den Zauberern des Pharao absolvieren, damit ihnen die störrischen Kinder Israel vertrauen. Schon hier das erste Ranking in göttlicher Naturbeschädigung. Ein Gott, der kein Naturgott sein will, gibt sich auf unnatürliche Weise zu erkennen. Kein übernatürlicher Gott, der nicht beweisen müsste, dass er Natur zur Minna machen kann. Insofern sind moderne Christen die göttlichsten unter ihren Brüdern und Schwestern im Herrn. Sie zeigen mit Verve, dass sie die heidnische Natur zum Presque rien (Fast-Nichts) verdampfen können.

In jeder Urreligion muss der Gott zeigen, dass er stärker ist als der Gott der Nachbarn. Warum sollte man ihn anbeten, wenn er nichts auf die Waage bringt? Der Gott des Alten Testaments musste allerhand Allotria treiben, damit die misstrauischen Kinder Israels sagen: okay, den nehmen wir. Im Neuen Testament war es anfänglich nicht anders. Die Weisen vom Morgenland kommen von weit her, um anzubeten und Geschenke zu bringen, weil selbst die Sterne mitspielen.

Doch bald ist die äußerliche Beglaubigungsepoche vorbei. Jesus ist es leid, immer den Zauberer zu spielen und attackiert die Juden, die Zeichen und Wunder sehen wollen. „Warum begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: diesem Geschlecht wird kein Zeichen gegeben.“ Gesegnet sind, die glauben ohne Zeichen und Wunder.

Strikt genommen beginnt jetzt erst die Epoche des Glaubens. Die alten Hebräer mussten nicht viel glauben. Sie wollten sehen und überprüfen, was sie als göttlichen Mitspieler akzeptieren konnten. Der jüdische Glaube legt nicht denselben Wert auf das Glaubensgedöns wie die Christen. Bei ihnen kommt‘s auf Taten an.

Bei Christen kommt‘s auf Glauben an. Die guten Werke werden als Versuche des stolzen Menschen betrachtet, sich aus eigener Kraft das Himmelreich zu erringen. Auch Moses Mendelssohn hatte weniger Schwierigkeiten, eine autonome Religionsphilosophie ohne größeren Bruch mit der Religion seiner Väter zu entwickeln, als seine christlichen Kollegen, die den Glauben an naturfeindliche Inhalte strikt ablehnen mussten.

Aufklärung war eine praktische und moralische Angelegenheit. Für die nüchternen jüdischen Aufklärer zählten vor allem moralische Taten und kein irrationales „Ich glaube, weil es absurd ist“. Die jüdische und christliche Leistungsvorstellung bestimmen seit Jahrhunderten die Geschichte des Abendlandes. Doch sie sind unverträglich, weil sie sich diametral widersprechen.

Die Leistung der Juden besteht darin, vorzeigbare Leistungen zu bringen, um Gott von ihrer moralischen Qualität zu überzeugen, der sie am Ende der Tage zu belohnen hat. Ein klares Tauschverhältnis zwischen menschlichem und göttlichem Tun.

(Versteht sich, dass Leute wie Sombart diesen religiösen Urtausch als Beweis nahmen, den Juden die Erfindung des Kapitalismus in die Schuhe zu schieben. Doch Tausch ist nicht die Urzelle des Kapitalismus. Auch bei Marx im ersten Kapital des „Kapital“ vollkommen daneben. Wenn der Kapitalismus aus gerechten Tauschverhältnissen bestünde, lebten wir im Vorgarten des Paradieses. Die Menschen müssten lernen, den Tauschpartner als gleichberechtigten zu akzeptieren und die eigene Leistung mit der fremden ins Gleichgewicht zu bringen.

Der Kapitalismus beginnt mit Einbruch der Macht ins Tauschgeschäft, dem ungerechten Tausch, den man heute als „Angebot und Nachfrage“ bezeichnet. Wer Angebot und Nachfrage durch Machtverhältnisse manipulieren kann, bestimmt, was ein Produkt kosten darf. Macht „tauscht“ mit Ohnmacht und das geht immer zu Lasten der Ohnmacht. Hier beginnen die Spielchen mit Erpressungscharakter.)

Bringen die Juden eine klare Leistung, die sie berechtigt, eine adäquate Gegenleistung einzufordern, so beginnt beim Gnadenprinzip der Christen die Leistung – der Nichtleistung. Christen werden dafür belohnt, dass sie mit Absicht nichts bringen. Ihre natürliche moralische Veranlagung müssen sie auf dem Altar des neidischen und eifersüchtigen Gottes opfern.

Das lutherische Prinzip sola gratia – allein durch Gnade – verzichtet aus Leistungsgründen auf die Leistung moralischer Werke. Nicht durch Gerechtigkeit der Werke werden wir gerecht gesprochen, sondern allein durch den Glauben. Sola fide, sola gratia. Die Leistung des Christen besteht aus Leistungsverzicht. Herr, allein du kannst mich erlösen, ich bin ein armseliger Sündenkrüppel.

Der christliche Gott fordert den moralischen Totalbankrott seiner Jünger. Sie sollen keine guten Werke bringen, also können sie es auch nicht. Die Amoralität der Moderne ist das unmittelbare Produkt christlicher Werkeverweigerer. Nicht nur, dass sie nicht moralisch sein dürfen, sie können auch keine „Verantwortungsethik übernehmen, die – nach Max Weber – bedeutet: Gesinnung allein reicht nicht, man muss auch die Folgen seiner Gesinnung beachten.

Genau dies ist dem Christen untersagt. Er soll die Folgen seines sündigen Tuns dem Herrn anheim stellen. Der Herr übernimmt allein die Verantwortung für alles. Der Mensch denkt, Gott lenkt. (Kants Gesinnungsethik war vorschriftsmäßig lutherisch.) Gott ist im Regiment und bestimmt, wohin das Schifflein der Weltgeschichte fährt.

Von Christen Verantwortung für ihre Taten einfordern, hieße, ihnen das sola gratia, sola fide zu verbieten. Alles Vollbringen ist Sache des Gottes, alles Herumpfuschen oder Durchwurschteln die Sache protestantischer Kanzlerinnen und Demuts-Bankrotteure.

(Es gehört momentan zum guten Ton der Kommentatoren, mit Schaum vor dem Mund Mama Merkel zu dreschen. Das geht an Angie spurlos vorüber, was ihre Basher zur Weißglut treibt. Sie wollen nicht sehen, dass Merkel eine lutherische Christin ist und sonst nichts. Das ist das Geheimnis ihrer fröhlichen Aufgeräumtheit: mitten im Chaos fühlt sie sich in Gottes Hand. Verantwortung für ihr irdisches Tun übernehmen? Da sei der Teufel vor. Das wäre Blasphemie vor Merkels gestrengem Vatergott, der allein alles in allem sein und seine Verdienste mit keinem listigen Westentaschenmachiavellisten teilen will.

Die Verweigerungswut der Schreiber, das Tun der Menschen mit religiösen Kategorien zu untersuchen, kann nur dadurch erklärt werden, dass man den eigenen Glaubensfond tief in seiner Seele partout nicht mit weltlichen Dingen kontaminieren will. Glaube muss Glaube bleiben und darf von Weltlichem nicht tangiert werden.)

Schon bei dem stoisch denkenden Adam Smith macht sich die Mischung aus Leistung und Nichtleistung bei seiner Erfindung der Unsichtbaren Hand bemerkbar. Jeder soll tun, was er kann, doch die nationale Koordination der Gesamtleistungen kann von keinem Menschen geleistet werden. Hier muss die unsichtbare Hand von Oben eingreifen. Die moderne Ökonomie muss unendliche Leistungen bringen, die sie garantiert nicht überblicken und verantworten darf.

Da kann Hans Jonas noch so scharfsinnige Bücher über Verantwortung schreiben, was hilft‘s, wenn Christen nur Gesinnungen kennen, aber keine Verantwortung für ihr Tun übernehmen? Aus dieser Perspektive ist das Unbehagen an hiesigen Gutmenschen nicht unberechtigt. Als gelernte Lutheraner sind sie voll bester Gesinnungen und Absichten. Doch wehe, wenn ich an das Ende sehe. Da müssen sie vor dem Himmel pflichtgemäß mit leeren Händen ankommen. Auf Gutmenschen, die nur gut sein wollen, aber nicht gut sein dürfen, können wir gern verzichten.

Die größte Leistung der Christen besteht darin, den ganzen Karren in den Abgrund zu fahren – um Gott die Ehre zu geben. Soli deo gloria. Das ist der religiöse Hauptgrund, warum die Deutschen voll bester Absichten überschwappen, doch morgen bereits lassen sie alles fahren dahin und haben kein Gewinn.

„Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaot,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.“

Wohl dem Lande, das keine Helden – und Charismatiker braucht. Deutschland wäre nie einem Führer mit überdimensionalen Gnadengaben auf den Leim gegangen, wenn es nicht selbst nur Memmen und politische Feiglinge produziert hätte. Max Webers charismatische Herrschaft durch Wunder, Offenbarung, Vertrauen in einen Führer und Heldenverehrung (=Glaubenshelden) wäre eine Lachnummer für selbstbewusste Demokraten gewesen.

Der Politikwissenschaftler Franz Neumann hat in den 30er Jahren den Zusammenhang von Charisma und dem nationalsozialistischen Behemoth (ein alttestamentliches Urviech aus der Tiefe) erkannt. Die Legitimierung durch Charisma führte er auf die Theologie Calvins zurück. „Nach seiner Analyse führte die Ideologie des Nationalsozialismus die charismatische Macht des Führers auf das „Volkstum“ zurück“. Das ist nicht falsch, aber unvollständig. Seit Fichte war das deutsche Volk die Inkarnation des Göttlichen und die Deutschen waren zu Heilanden der Welt berufen.

Was sind Gnadengaben? Paulus im 1. Korintherbrief 12: „Es gibt viele Gnadengaben von Gott. Dem einen Weisheit, dem anderen Erkenntnis, dem dritten Heilung. Einem anderen aber wirkungsvolle Machttaten. Einem andern Reden aus Eingebung.“ Gnadengaben werden willkürlich und arbeitsteilig vergeben, damit die ganze Gemeinde zusammenarbeitet und niemand hochnäsig wird.

Dem Präsidenten O. sind zwei Gaben gleichzeitig verliehen worden: die Gabe der Rede aus Eingebung und die Gabe der Machttaten. Von seinen Gnadengaben war Mr. O. am Anfang seiner öffentlichen Wirksamkeit ergriffen und berauscht. Er war fest davon überzeugt, dass sein Charisma der Welt einen Neuanfang bescheren würde.

So sehr die Amerikaner an ihre selbstverfertigten Charismatiker glauben, so sehr misstrauen sie denselben. Warum denn das? Sie müssen daran glauben, dass eines Tages der wahre Christus kommen wird, um das Ende aller Tage einzuläuten. Woran erkennt man den wahren Christ, um ihn vom falschen Antichrist zu unterscheiden? Durch Zeichen und Wunder?

Jetzt kommt das Merkwürdige, dass beide Herren die Kompetenz zu charismatischen Gigantismen besitzen. Jeder Gläubige ist nun in sich zerrissen. Für welchen Glaubenshelden soll er sich entscheiden?

„Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist Christus, oder dort, so glaubet es nicht! Denn es werden falsche Christus und falsche Propheten auftreten und werden große Wunder vollbringen, sodass sie, wenn möglich, auch die Auserwählten irreführen. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. Wenn man nun zu euch sagt: Siehe, er ist in der Wüste, so geht nicht hinaus; siehe, er ist in den Gemächern, so glaubet es nicht. Denn wie der Blitz vom Osten ausfährt und bis zum Westen leuchtet, so wird die Wiederkunft des Sohnes des Menschen sein.“

Jeder Charismatiker ist des anderen Charismatikers Tod. Je mehr Charismatiker sich auf dem Markt der Seligkeit tummeln, je mehr müssen sie sich der Konkurrenz erwehren. Obama, du bist ein großer Held. Aber stehen hinter dir nicht noch ganz andere, die noch größer sind als du? Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Noch bist du nicht der Blitz vom Osten zum Westen.

In wie vielen trivialen Dingen bist du schon im Abgeordnetenhaus gescheitert. Nein, du kannst nicht der Richtige sein. Auf den wahren Messias warten wir noch.

In diesem Moment wird der vorläufige Charismatiker seines magischen Scheins beraubt. Ausgeglüht fällt er in sich zusammen. Wie Glaubensheld Samson seine Kraft verlor, als sein untreues Weib ihn seines Haupthaares beraubte, so ist Mr. O. seiner Strahlkraft spätestens seit der NSA-Affäre beraubt.

Und was macht Samson, als ihm seine letzten Kräfte schwinden? In letzter verzweifelter Anstrengung umfasste er „die zwei Mittelsäulen, auf denen das Haus ruhte, die eine mit seiner rechten und die andere mit seiner linken Hand, und stemmte sich gegen sie und sprach: Ich will sterben mit den Philistern! Und er neigte sich mit aller Kraft. Da fiel das Haus auf die Fürsten und auf alles Volk, das darin war, sodass es mehr Tote waren, die er durch seinen Tod tötete, als die er zu seinen Lebzeiten getötet hatte.“

Wenn Gott seine Gnadengabe einem Menschen entzieht, verfällt der Verworfene. Er kann höchstens noch die Stätte verwüsten, die er erlösen wollte. Nach ihm die Sintflut.

Das war die faschistische Tragödie Platons, der die Athener mit Gewalt zu seiner Utopie zwingen wollte, weil sie ihm nicht im Guten gefolgt waren. Das ist die Tragödie aller christogenen Erlöser und politischen Heilsbringer. Und seid ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt – das ist der finale Misston ausgebrannter Charismatiker.

Schon spricht Mr. O. wieder vom Kalten Krieg. Die ganze Welt domestiziert er mit der digitalen Macht seiner technischen Genies. Seine Drohnen töten, wo sie wollen.

„Ein Feuer auf die Erde zu bringen, bin ich gekommen, und wie sehr wünschte ich, es wäre schon entfacht.“

Misslingt einem Charismatiker, die Welt zu erlösen, muss er sie vernichten. Zeugen seiner kosmischen Niederlage gibt es dann nicht mehr.