Tagesmail vom 16.02.2026
Terra Madre – Erde muss uns bleiben XXXIX,
Durchhalten, erbrechen, durchhalten, kotzen, durchhalten – und kybernetisch in alle Winde streuen?
Sorgfältig in Deckung bleiben – denn die Welt schießt zurück?
Mit welchem Ergebnis?
Mit endloser Müllkatastrophe als Fortschrittswahn?
Trump, amerikanischer Satan im Kostüm des amerikanischen Erlösers, kommt mit der Axt und – ja was und? Macht er dem ganzen Spektakel ein Ende – und erscheint dann triumphal die amerikanische Erlösung über die verrottete Welt?
Amerikanische Erlösung ist endloses Wuchern der eigenen Gier auf Kosten der ganzen Welt?
Trump hat dieser Welt die Axt an die Wurzeln gelegt.
Diese Welt war in den letzten Jahrtausenden der verbissene und unermüdliche Kampf zwischen Wahrheit und Unwahrheit.
Zuerst auf dem Schlachtfeld der Europäer, dann in der ganzen Welt.
Der Kampf zwischen religiöser Wahrheit, die glaubt, niemals irren zu können – und der heidnischen Wahrheit, die verbissen gegen den eigenen Irrtum kämpfen muss?
„Weil aber ich die Wahrheit rede, glaubt ihr mir nicht.“
Warum glauben sie ihm nicht?
„Aber ihr glaubt nicht, denn ihr gehört nicht zu meinen Schafen. Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir nach. Und ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden in Ewigkeit nicht umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle und niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen. Ich und der Vater sind eins.“
Hier das perfekte Duo aus Vater und Sohn in der Synthese aus Allmacht und Verkommenheit, Allwissenheit und Ohnmacht.
Das war die allerheiligste Religion, bestehend aus Vater, Sohn und Schafen.
Die andere Religion – die ohne Götter auskam – bestand nur aus Mutter Erde.
Mutter Erde und allmächtiger Vater: das waren zwei konkurrierende Bilder, die unerbittlich gegeneinander kämpften: Mutter gegen Vater, Vater gegen Mutter.
Der Fortgang der Menschheit bestand aus zwei Schlachtfeldern: der Schlacht des Vaters gegen seinen bösen und hinterlistigen Knecht – und der ewigen Harmonie der gütigen Mutter, die ihre Kinder konfliktfrei versorgte.
„Die Idee der nahrungsspendenden Erde gab es in der griechischen und in anderen heidnischen Philosophien. Für die meisten traditionellen Kulturen reiften Mineralien und Metalle im Uterus der Mutter Erde, Bergwerksminen wurden mit ihrer Vagina verglichen und Metallurgie war die vom Menschen bewirkte Beschleunigung der Geburt des lebendigen Metalls im künstlichen Schoß des Hochofens – eine Abtreibung des Metalls vor der Zeit seines natürlichen Wachstumszyklus.“
Da kommt mir eine verwegene Idee: wenn die psychischen Leiden der Menschen, besonders der Frauen, ihren natürlichen Quellen entstammen – ist es dann unmöglich, dass sie nolens volens mit Mutter Erde mitleiden?
Überall liest man, die Leiden der Frauen nehmen zu, je mehr Leiden die Mutter Erde auf sich nehmen muss?
Ist das nicht ein unfassbarer Gedanke, dass die Erde eine gütige Mutter sein soll, die die Menschen ernähren kann, ohne Vernichtungskämpfe der Menschen schlichten zu können?
Die Erde als gütige Mutter: der Urgedanke der feministischen Ökologie.
Jetzt wird’s schwierig: „Noch ein anderes Bild der als weiblich gedachten Natur war verbreitet: die wilde, unbezähmbare Natur, die Gewalt und Aufruhr, Stürme, Trockenzeiten und allgemeine Auflösung bringen konnte. Die andere Metapher – Natur als Störung und Gesetzlosigkeit – rief einen wichtigen modernen Gedanken auf den Plan: den der Gewalt über die Natur. Zwei neue Ideen, die des Mechanismus – und die der Naturbeherrschung wurden zu zentralen Konzepten der modernen Welt.“
Und wie kommen wir jetzt zu Epstein? Wollte er die mechanische Gewalt über die Natur erträglich machen durch weltumfassenden platonischen Gewaltsex? Vergessen wir nicht, die Maschinisierung der Welt hinterlässt eine endlose Lücke an Empathie.
Was redest du für einen Unsinn?
Moment mal, hat irgendein Mensch die apokalyptischen Gedanken eines Peter Thiel als Geheimreligion des Silicon Valley vorausahnen können? Wenn KI eines Tages die Welt beherrschen wird – muss dann ihre mechanische Diktatur nicht mit weiblicher Sanftmut abgefedert werden – wenn auch mit gefühllosen Machtmitteln amerikanischer Milliardäre?
In Uramerika empfand man das Glaubenssystem der Indianer und ihre Ehrfurcht vor Mutter Erde als Gegensatz zum jüdisch-christlichen Erbe der menschlichen Verfügungsgewalt über die Natur.
Kann es sein, dass der Kampf der heidnischen Terra Madre mit dem religiös-allmächtigen Vater Gedanken entwickelte, die wir heute nicht mehr wahrhaben wollen?
Der Bergmann etwa führte zu seiner Verteidigung an, dass die „Erde keine wahre Mutter sei, sondern eine böse Stiefmutter, die die Metalle in ihrem Inneren versteckt und verbirgt, anstatt sie dem Menschen freiwillig zur Verfügung zu stellen.“
Nach tausend Jahren christlicher Indoktrination war es den Menschen unmöglich geworden, ihre harte Ausbeutung der Natur als sanftmütigen Sex mit der Mutter Erde zu betrachten. Was geschah?
„Immer mehr erscheint die Natur als etwas, das man plündern und ausbeuten kann, nicht als gütige Mutter, die ihren Kindern Nahrung spendet.“
Neue Bergbautätigkeiten haben die Erde verändert und aus einer freigebigen Mutter eine passive Dulderin gemacht, die sich die Schändung durch den Menschen gefallen lassen muss. In den Gängen der Erde nach Metallen zu schürfen, ist wie das lüsterne Wühlen in weiblichem Fleisch.“
Seit dem Ende des Mittelalters gibt es zwei Kampfbilder gegen die Natur: a) „Wissen ist Macht“ – und b) der Mensch braucht maschinelle Agenten, die dem Menschen gestatten, eine friedliche Naturbebauung ins Leben zu rufen.
Schluss mit den anzüglichen Inzestphantasien als Erklärung der inhumanen Naturausbeutung.
Was wir sicher sagen können: Trump hat dem heidnischen Erbe der Naturbearbeitung den Hals umgedreht: und zwar der heidnischen Wahrheit. Die ökologische Erkenntnis der Naturausbeutung ist für den Immobilienhändler keinen Pfifferling wert.
Schluss mit der Schwächung des kapitalistischen Wohlstands durch lächerliches Beschützen verletzlicher Pflänzchen. Das soll Wahrheit sein? Das ist Unfug!
Keine öffentlichen Dispute zwischen Wissenschaftlern, zwischen Frommen und Biologen. Hat Trump schon mal den Namen Sokrates gehört? Wir wissen nicht einfach, was Wahrheit ist, aber wir haben die Chance, durch gemeinsame Gespräche uns der Wahrheit zu nähern?
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ aber ich bin fähig, durch logisches Streiten uns der unbekannten Wahrheit zu nähern?
„»Philosophie sagt immer dasselbe«, nämlich die Wahrheit, dass es nur ein wirkliches Unglück gibt, schlecht oder ungerecht zu handeln. Diese Überzeugung ist nicht nur eine Erkenntnis, sondern auch eine Kraft: der gute Mensch ist stärker als der böse, und dieser kann daher jenem keinen wirklichen Schaden zufügen – wobei vorausgesetzt wird, dass jene unerschütterliche seelische Haltung ein höherer Wert sei als alle äußeren Güter, einschließlich des Lebens. Das ist für Sokrates unbedingte Wahrheit und unbedingte Norm, unabhängig davon, ob es ein jenseitiges Leben gibt oder nicht. Diese Ethik ruht auf den beiden Pfeilern der Autonomie und Autarkie. Ihre Wahrheit entstammt schlicht und einfach dem seelischen Wesen des Menschen. Solche Ethik hat Sokrates weniger doziert als selbst vorgelebt. Diese Übereinstimmung von Denken und Handeln, diese schlichte Rechtschaffenheit ohne alles Pathos, diese Bedürfnislosigkeit ohne Eitelkeit, diese Sicherheit und Festigkeit in allen Lebenslagen, nicht zuletzt die heitere Gelassenheit im Tode: das war es, was diesem einzigartigen Mann bei Mit- und Nachwelt einen unauslöschlichen Eindruck hinterließ.“
Trump weiß nichts von Philosophie und wenn er was wüsste, würde er sie verlachen. Für ihn gibt es nur klerikale Besserwisserei und hier fühlt er sich als Ober-Schamane.
Abendländische Kultur beruht vor allem auf der heidnischen Wahrheit.
Trump opfert die Wahrheit des Sokrates, um die Kohleförderung zu Erwerbszwecken nicht aufhalten zu müssen.
Das ist jener Tod, den man den Silicon-Valley-Diktatoren zuschreiben muss.
Der andere ist der Tod der Naturwissenschaften, die ihre bisherige Überlegenheit nur durch Überheblichkeit wahren konnten. Was konnten sie? Linien exakt berechnen, das war’s. Wie sie diese exakt berechneten Linien erklären könnten, das wussten sie nicht. Sie konnten alles berechnen, aber sie wussten nicht, was ihre Berechnungen für die Menschheit bedeuteten. Ihre Unkenntnis schützen sie mit aufgeblasenen Theorien.
„Alle Fragen der Ethik sind der Naturwissenschaft fremd.“, schrieb Max Planck. Hinzu kommt, dass es keine absolut korrekten Erkenntnisse der Physik geben kann, seitdem die Quantenphysik erfunden wurde.
Das bedeutet, „dass ein wirklich genaues Voraussagen eines Vorgangs in der Natur in keinem einzigen Falle möglich ist und dass daher von einer unmittelbaren exakten experimentellen Prüfung der Gültigkeit des Kausalgesetzes niemals die Rede sein kann.“
Wahrheit futsch, naturwissenschaftliche Begründung der Ökologie futsch: Trump trampelt auf allem sinnlos herum, was seiner Gier widerspricht. Er kennt nur eine Wahrheit, die Wahrheit seines Tresors. Die Stabilität der Natur ist ihm ebenso gleichgültig wie die Glaubwürdigkeit der Naturwissenschaft.
Wen wundert es, dass es keinen globalen Aufstand der Naturwissenschaftler gab, dass es – schon bei der ersten Erprobung der Atombombe – um keine korrekte Erkenntnis oder um den Schutz der Menschheit gegangen war. Ethik – was für ein Witz. Was sie können, das tun sie einfach, gleichgültig, welche Erkenntnisse herausspringen. Für das Schicksal der Menschheit haben sie keine Empathie.
Für Trump gibt es nur eine Wahrheit und die beruht auf seiner Macht über endlos viel Geld, überlegenen Waffen und der hemmungslosen Zerstörung der demokratischen Verfassung.
Und dennoch: Amerika darf man noch lange nicht abschreiben. Es gibt nicht das eine Amerika, es gibt zwei Amerikas: das eine ist hoffnungslos calvinistisch, das andere kennt die griechischen, französischen und englischen Vorbilder, die die Kolonisten während der Jahrhunderte verludert haben.
Immer mehr Anzeichen gibt es, dass immer mehr Amerikaner aufwachen, um ihre Demokratie zu retten. Und nicht nur ihre Heimat, sondern die Gemeinschaft all jener, die an eine humane Welt glauben.
Fortsetzung folgt.