Kategorien
Tagesmail

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXXVIII

Tagesmail vom 09.02.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXXVIII,

Die Deutschen sind stolz auf ihre Komödianten. Zumal in Karnevalszeiten. Dann reden sie so verrückt, dass kein Mensch weiß, was sie wirklich sagen wollen. 

Folgen sie der Galileischen Kausalität, die keine Ausnahme zulässt? Der Berliner Eisglätte-Logik, die nicht die geringste Normalität kennt und jedem die Chance gibt, auf dem Weg zur Haltestelle, an der keine Straßenbahn hält, auf dem Bauch zu landen?

Der quantenphysikalischen Logik des hochberühmten Wissenschaftlers, Philosophen und lutherischen Theologen C. F. von Weizsäcker, der jede verbindliche Moral-Logik (jeder Mensch habe seine eigene Moral) zurückweist und höchstens die exquisite Nächstenliebe zulässt, jede schwankende Wahrscheinlichkeit aber als Stimme des Universums anerkennt? 

Das oberste Test-Institut des Universums – „TdU“ – hat seine Geduld verloren und gibt den Erdbewohnern eine letzte Chance. 

Testbögen mit ultimativen Fragen ergehen an jeden Sterblichen, der die Funktionsfähigkeit seines göttlichen Gehirns auf die Probe stellen will.

Gehirn? War das schon eine versteckte Tücke-Frage? Der moderne Mensch beschränkt sich auf sein geniales Gehirn, der normale Mensch denkt noch mit seinem ganzen Körper? 

„Das Gehirn des über-intellektualisierten westlichen Menschen – des Mannes im „weißen Kittel“ – hat sich selbst vom übrigen Körper, dessen Bestandteil es ist – abgeschnitten. Es ist wie am Hof von Frankreich, der sich so weit von seinen Untertanen distanzierte, dass die unselige Königin (Marie Antoinette) sagte: „Sollen sie doch Kuchen essen.““

Erläuterung: „Die Natur hat das Gehirn für ihre Zwecke hervorgebracht, doch das Gehirn ist verrückt geworden. In seiner Überheblichkeit ist es zu dem Glauben gelangt, dass es selbst der Zweck des Universums sei und dass die Natur, die es hervorgebracht hat, zu seinem Wohle da sei –. Wir Menschen aber sind überheblich und vergöttern uns selbst. Sogar innerhalb unseres Körpers hält sich das denkende Gehirn für etwas Besseres! – Der westliche Mensch ist zum Glauben gelangt, dass nur sein Gehirn für ihn wichtig sei – der restliche Körper sei nur dazu da, herumgetragen zu werden. Der Mensch ist nur sein Gehirn.“

Jetzt beginnt’s zu dämmern. Weiß noch jemand, wovon die Rede ist? 

Wird’s nicht Zeit, unsere Denkinstrumente zu überprüfen und mit nagelneuem Werkzeug ganz frisch ans Werk zu gehen? 

Oder ist es etwa so: „Ich glaube, dass sich ein neues Bewusstsein über die ganze Welt ausbreitet. Es tritt in vielen Formen auf, sagt aber immer dasselbe. Wenn dieses Bewusstsein sich schnell genug ausbreitet, besteht vielleicht noch Hoffnung für die gegenwärtige Schöpfung oder Evolution des Lebens auf diesem Planeten. Aber die Zeit wird verzweifelt knapp. Jetzt kann uns nur noch ein vollkommen neues Bewusstsein retten, das sich so schnell wie ein Lauffeuer über die ganze menschliche Welt ausbreitet.“

Niemand kann doch daran zweifeln, dass die jetzige Lage auf Erden so ist: 

„Der Homo extinctor (der Vernichter) gibt sich alle Mühe, auf seinem Grund und Boden alles, was lebt, Pflanzen wie Tiere, zu zerstören, soweit sie ihm nicht unmittelbar von ökonomischem Nutzen sind. Entsprechend verbrennt ein Weizenbauunternehmer nach der Ernte sein Stroh – in der Hoffnung, durch das Feuer so viel Wildwuchs wie möglich zu töten – räumt jede Zufluchtsmöglichkeit für wildes Leben in Gestalt von Büschen, Wäldern, Heideland und Wildnis aus dem Weg und tränkt sein Getreide jedes Jahr von neuem mit tödlichen Giften – Unkrautvertilgungsmitteln, Insektentod, Pilztod, Bakterienkiller. So jemand kann ich nicht Bauer nennen, denn das ist eine ehrenvolle Bezeichnung. Ich bezeichne ihn als jemanden, der zum Krieg aufruft – einen durch und durch skrupellosen und zerstörerischen Experten in chemischer Kriegsführung.“

„Der neue Typus des Bauern geht ganz anders vor. Er arbeitet mit der Lebenskraft und nicht gegen sie. Anstatt zu versuchen, alles Leben in seinem Boden zu zerstören, ist er ständig darum bemüht, es zu vermehren. – Er weiß, dass seine Rolle die des Menschen als Bauern ist. Aber er vergiftet oder tötet nicht rücksichtslos alles Lebendige, was ihm nicht unmittelbar von Nutzen ist. 

Außerdem gibt es auf der ganzen Welt in zunehmendem Maße Gruppen, die sich darum bemühen, diesen oder jenen Teilbereich der Natur vor den Zerstörern zu bewahren. Man ist in einen kosmischen Kampf eingetreten – wie der Kampf von Kurekshtra, dessen Geschichte in der „Bhagavadgita“ erzählt wird. Es ist der Kampf zwischen Gut und Böse.“

Sind wir jetzt in einer Apokalypse gelandet, die Ähnlichkeiten besitzt mit der biblischen? 

Sind wir jetzt im beginnenden Nationalsozialismus angekommen, dessen Parolen aus zwei Vokabeln bestehen: zerstören, um zu überleben? 

Offenbar ist die Menschheit der Mutter Natur überdrüssig geworden: es gibt zu viele Menschen, die Hunger haben und zu wenig unverseuchte Nahrungsmittel, zu wenig unverseuchte Natur, der Mensch fühlt sich eingekesselt, er muss durch Extinktionen sein Reich in die Luft sprengen. Doch dann ist – Ende. 

„Wir haben uns langsam und fast unmerklich immer weiter in die Sache verstricken lassen; in die große, weltweite Verschwörung mit dem Ziel, die Mutter Natur zu unserem eigenen, eingebildeten Vorteil zu betrügen und zu zerstören.“ 

Was also muss die rettende Parole sein? 

„In der Erkenntnis suche Schutz;
Verächtlich ist, wen Lohnsucht treibt.“ (Bhagavadgita 2. 47, 49)

Warum hat sich die Menschheit einem unendlichen Fortschritt unterworfen? 

Weil sie innerlich spürt, dass sie die Natur ins Röcheln brachte. 

„Selbst Agrar-Experten können jetzt sehen, dass sich das gegenwärtige Bewirtschaftungssystem der westlichen Welt auf die Dauer nicht aufrechterhalten lässt. … Es hat den Anschein, als sei es der Ackerbauwirtschaft gelungen, mit brutaler Gewalt die Naturgesetze zu durchbrechen.“ 

Die Gesetze guter Landwirtschaft sind: 

Du musst mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie.
Die Natur ist vielfältig und darum musst du auch vielfältig verfahren.
Tier- und Pflanzenreich greifen komplementär ineinander und deshalb darfst du keines von beiden vernachlässigen.
Du musst dich bemühen, die organische Substanz deines Bodens zu vermehren.
Übermäßiger Schaden durch Unkraut und Krankheiten ist ein Zeichen schlechter Landwirtschaft.
Du darfst nicht töten um des Tötens willen.“ 

Von den heutigen Ackerbauunternehmen werden alle diese Gesetze ständig gebrochen. 

„Die ganze Geschichte der Menschheit seit der Neusteinzeit ist eine Geschichte der Ausbeutung der Bauern durch die Städter. 

Jetzt kommen wir zu einer schmerzlichen Erkenntnis, die die destruktive Rolle der Wissenschaft betrifft. Die neuzeitliche Wissenschaft ist stolz auf ihre exakten Erkenntnisse. Aber sie scheint zu bemerken, dass sie nicht kompetenter ist als normale Menschen, die den Anwendungsbereich ihrer Erkenntnisse diktatorisch bestimmen. Doch genau dies tat sie, nachdem sie die Herrschaft der Theologie beseitigt hatte. 

Die „logische“ Naturwissenschaft übernahm die Rolle der göttlichen Offenbarung, verschmähte aber das gleichberechtigte Gespräch mit anderen Menschen in der Polis. 

Sie wollen Erkenntnisse ans Tageslicht bringen, von denen sie selber nicht wissen, ob ihre praktische Anwendung etwas Gutes oder Schlechtes ergibt. 

Otto Hahn von der Max-Planck-Gesellschaft: „Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die Welt, die Wirklichkeit und Wahrheit ohne Rücksicht darauf zu erforschen, ob die Menschheit dadurch Gutes oder Schlechtes erfährt“ – eine Meinung, der auch Werner Heisenberg beigepflichtet hat (in den „Grundlagen der Naturwissenschaft“): „Ob eine Umkehr auf dem von der modernen Wissenschaft beschrittenen Weg für die Menschheit ein Glück oder Unglück wäre, vermag niemand zu sagen.“ Sicher aber ist sie unmöglich, und wir müssen uns damit abfinden, dass es unserer Zeit bestimmt ist, den einmal beschrittenen Weg zu Ende zu gehen.“ (Franz Lämmli, Homo Faber, Triumph, Schuld, Verhängnis? ) 

„Es mag erstaunen, dass bei den Griechen die verderbliche Pleonexia (verderblicher Überfluss) nur erscheint als ein Mehrhabenwollen an Geld und Macht, nicht aber an Wissen … Und wir fragen uns, ob am Ende der Oedipus das Symbol der modernen Menschheit sein sollte, die, von unwiderstehlichem Zwang getrieben, nach dem Wissen forschen muss, das sie zermalmt.“

Vielleicht spüren wir hier das berechtigte sokratische Misstrauen, der Natur keine moralischen Erkenntnisse abzuzwingen. 

Auch Aristoteles scheint überzeugt zu sein, dass die Technik schon eine Stufe erreicht hat, wo alle wesentlichen Bedürfnisse befriedigt werden konnten und der Mensch sich daher ganz der Philosophie und der reinen Wissenschaft widmen kann. (ibid) 

John Seymour hatte wenig Achtung vor der modernen Wissenschaft: 

„Das Schauspiel der modernen sogenannten „Wissenschaftler“, von denen jeder in seiner kleinen, isolierten Schachtel sitzt, wägt und misst und alberne, oft gefährliche Zaubertricks ausprobiert, ist erbärmlich. Wahre Wissenschaft kennt keine Scheuklappen und bezieht alles mit ein.“ 

Das Ziel: die Utopie der guten Landwirtschaft, ist das folgende Bild: 

„Ich kam in eine Stadt. Eine Stadt, die schön und organisch in einer fruchtbaren, besiedelten Ebene gewachsen ist, in der Kinder spielten und lachten und in Grotten, Obsthainen und Gärten sangen, in der Männer und Frauen hart und freudig arbeiteten, um den Boden zu bestellen. Die Stadt entstand unmittelbar aus der Landschaft – ohne hässliche, seelenlose Vororte. Und als ich in die Stadt hineinkam, erschauerte ich vor Ehrfurcht über ihre Schönheit. Wir müssen jetzt mit der Arbeit an einer neuen organischen Ordnung, einer neuen Harmonie, einem neuen Traum beginnen. „Die Welt ist ein Traum, der im Sterben liegt oder einer, der erst geboren wird.“ Wir müssen wieder Mensch werden. Die Welt als Garten – das ist, glaube ich, der Wunsch, den die Lebenskraft an uns hat. Leben ist zäh und nicht unterzukriegen und hat bereits große Verwüstungen überstanden. Die dünne durstige grüne Schicht, mag nur eine geringe Rolle spielen. Doch für mich spielt sie eine Rolle – und für Schwester, Bruder. Sie spielt auch eine Rolle für dich, Schwester Zaunkönig, Bruder Wal, Schwester Gras, Bruder Wurm, Mutter Fels.“
(alle nicht gekennzeichneten Zitate aus John Seymour, „Und dachten, sie wären die Herren“ )

Fortsetzung folgt.