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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXXV

Tagesmail vom 19.01.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXXV,

You are fired – der Lieblingsgruß der Reichsten an die Unerwünschten, die keinen Platz auf Erden haben.

Die Erde fackelt ab, die Menschen verbrennen, da, wo sie gerade gefeiert haben.

Nicht mehr lange und die Reichsten besitzen die ganze Welt. Wohin mit dem jämmerlichen Rest??

„Weltweit gibt es rund 3000 Milliardärinnen und Milliardäre – und noch nie besaßen sie so viel Vermögen wie jetzt. Das berichtet die Organisation Oxfam. In Deutschland leben demnach die viertmeisten Milliardäre. Laut Oxfam ist auch in Deutschland die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, und zwar um ein Drittel auf nun 172. Damit habe Deutschland die viertmeisten Milliardäre weltweit. Insgesamt, so rechnet Oxfam, verdiene ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland. Die Entwicklungsorganisation warnt, die große Lücke zwischen Arm und Reich sei auch hier »ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte«. Dem müsse die Bundesregierung mit höheren Steuern für die Reichsten entgegensteuern, forderte Oxfam. Zuletzt hatte die SPD eine höhere Steuer auf Erbschaften in Millionenhöhe vorgeschlagen, die Union lehnt das aber ab.“ (SPIEGEL.de)

Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrend Feuer.

Wer aber sagt: du Tor, soll der Hölle mit ihrem Feuer verfallen sein.

Er lässt regnen über die Gottlosen Feuerkohlen und Schwefel und Glutwind ist der Trunk, den er ihnen zuteilt.

Du wirst sie verderben wie im Feuerofen, sobald du erscheinst, o Herr, in seinem Zorne wird er sie verzehren und das Feuer wird sie fressen.

Siehe, der Name des Herrn kommt von ferne – brennenden Zornes und in wuchtigem Auffahren, seine Lippen voll Grimm und seine Zunge wie verzehrendes Feuer. Denn längst ist die Brandstätte zubereitet, errichtet ist sie tief und breit. Ihr Holzstoss hat Feuer und Holz in Menge; wie ein Schwefelstrom entzündet ihn der Odem des Herrn.

Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das mein Vater dem Teufel und seinen Engeln bereitet hat.

Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er weggeworfen wie das Schoss und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.

Denn der Tag des Gerichts wird es kundmachen, weil er sich in Feuer offenbart; und wie eines jeden Werk beschaffen ist, wird das Feuer erproben.

Genug vom göttlichen Zündeln. Noch ein einziger brennender Rest, dann ist Schluss:

Den Feiglingen aber und den Ungläubigen und Befleckten und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der von Feuer und Schwefel brennt und dies ist der zweite Tod.

Himmlische Religion ist eine Religion des vernichtenden Feuers.

Amerika ist eine Frucht des schärfsten, vielfachen Widerspruchs.

Der eine Teil ist Religion in ihrem Widerspruch aus Erlösung und Verdammung, der andere ist Demokratie aus Kraft der Vernunft.

Ein Mensch, der der Verdammung entfliehen muss, ist kein Anhänger der autonomen Vernunft. Er muss sich in allen Dingen unterwerfen: die Frommen sprechen von Glauben.

Das demokratische Teilelement sorgt dafür, dass die religiösen Elemente im Zorn ihres Widerstands in das pure Gegenteil verfallen. Unterwürfige werden trotzig, Gehorsame werden aufmüpfig. Wer ein selbständiger Demokrat sein will, muss sich gegen jede Unterwerfungsgeste mit aller Gewalt wehren.

Ayn Rand hat die moderne Tugend des „emanzipierten“ Amerikaners auf den Punkt gebracht.

„The Virtue of Selfishness verlangt Unterwerfung unter das Moralgesetz des Stärkeren wie in einem früheren Amerika, denn die Vereinigten Staaten waren aus „objektiver Sicht“ die erste „moralische Gesellschaft in der Geschichte“. Kultur ist nämlich nichts anderes als der Prozess, den Menschen von anderen Menschen zu befreien. Der Staat hat nur noch polizeiliche und militärische Aufgaben, keine sozialen. Der Solipsismus ist ein Wert an sich.“ (Gerd Raeithel, Geschichte der nordamerikanischen Kultur)

Der Ausdruck „making money“ sei die stolzeste Errungenschaft der Amerikaner, weil sie, anders als andere Völker, nie einem statischen Wohlstandsbegriff angehangen haben. Leider hätten Bettler, Schmarotzer und Erbschleicher die alten amerikanischen Tugenden ausgehöhlt. Das Grunddogma in der versteckten Kommune der Reichen, die kurioserweise in den Rocky Mountains liegt, lautet: kein Mitleid zeigen.

„Diese Kommune ist auf keiner Landkarte verzeichnet. Die Geld-Utopisten beschäftigen sich ausschließlich damit, frei zu sein und ihre Genialität triumphieren zu lassen. Allan Greenspan, einer der engsten Vertrauten Rands, wurde 1974 Wirtschaftsberater von Richard Nixon. Die protestantische Zeitschrift Christian Century widmete der Hohepriesterin des Eigennutzes einen respektvollen Nachruf. Sie starb, ohne Angehörige zu hinterlassen.“

Ayn Rand war die Vorläuferin von Silicon Valley. Was man nicht mit „normalen“ Mitteln vollbringen konnte, konnte man mit der genialen KI vollbringen.

KI ist das Zaubermittel, um die mitleidslose Amoral der Egoisten ins Werk zu setzen.

Seltsamerweise beziehen sich sowohl Egoisten wie Altruisten auf die Ethik des Neuen Testaments. Sowohl Egoismus wie Altruismus gelten als Inbegriff der Bergpredigt.

Um diese Absurdität für den gemeinen Verstand zu verstehen, müssen wir uns an Mandeville erinnern, der in den Entstehungszeiten des jungen Amerika ein führender Ökonom in Europa war.

Die auf den Kopf gestellte Moral des Holländers war schlicht und einfach das Gegenteil der bisherigen Moral.

Bislang war die offizielle Moral der Christen die Lobpreisung des Altruismus, die eher für die Armen da sind als für sich selbst. Oder für ihre Feinde. Oder für die Versager.

„Denn wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? – Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“

Was also ist der Sinn der Nächstenliebe? Andersdenkende zu übertreffen und vollkommen zu werden wie der Vater im Himmel. Von Demut und Uneigennützigkeit kann man hier nicht reden.

Dieser listige Hintersinn des Evangeliums war den Aufklärern widerwärtig. Sie wollten Klarheit und Eindeutigkeit.

Die Parolen Mandevilles waren einfach:

„Das Allerschlechteste sogar
Fürs Allgemeinwohl tätig war.
Nur das moralische Laster des Einzelnen kann der Wirtschaft Wohlstand bringen.
Stolz und Eitelkeit haben mehr Hospitäler erbaut
Als alle Tugenden zusammengenommen.
Wie hats ein solches Land doch gut,
Wo Macht ganz auf Verbrechen ruht.“

Die Nachfrage in einem wirtschaftlich gesunden Land muss immer wachsen. Das war die Meinung Mandevilles. Doch das ging nur, wenn ständige Gier ohne moralische Hemmung steigen wird. Menschliche Bedürfnisse sind unbegrenzt, Ressourcen hingegen knapp. Mandeville zitiert sogar den heiligen Thoma von Aquin:

„In den Dingen gibt es vieles Gutes, das gar keinen Ort hätte, wenn es nicht das Schlechte gäbe.“

Wir sehen, dass Machiavelli – verglichen mit den Anhängern Mandevilles – eine lahme Krähe war.

Was hier geschieht, ist die Befreiung der Aufklärer von der Doppelmoral des Christentums, das auch bei Machiavelli nicht gelungen war.

Doch die befreite Moral war keineswegs die Moral der alten Griechen. Die hatten keine Doppelmoral. Die hatten klare Verhältnisse; auf der einen Seite das „Naturrecht der Starken“, auf der anderen die sokratische Moral der Humanität.

Bis heute haben es die Christen des Abendlands nicht geschafft, ihre Moral in Eindeutigkeit zu propagieren.

Die Moral der Amerikaner ist eine andere als die der Europäer, dennoch sind beide fest von der Einigkeit der westlichen Moral überzeugt.

Die ungelöste Urfrage ist der nicht erkannte Widerspruch zwischen Christus und Sokrates, Glauben und autonomer Menschlichkeit.

In der Nachkriegszeit war Amerika noch von einem gleichen christlichen Glauben überzeugt. Die enormen Selbstwidersprüche wurden in Europa wie in Amerika übersehen.

Erst mit den Neoliberalen kam allmählich der Geist des Widerspruchs ans Licht. Neokonservative und andere Intellektuelle widersprachen sich an allen Ecken und Enden.

Beispiel: „Alles, was nach Sozialismus schmeckte, galt als unamerikanisch. Die Angst vor den Marxisten spielte eine große Rolle. Der historische Widerstand ging gegen outdoor relief, d. h. gegen Sach- und Geldzuwendungen an die Armen außer Hauses. Dies, so meinte man, würde die Armen nur verderben. Die amerikanische Ideologie würde besagen, jeder könne sich mit seiner Freiheitsgarantie die Gleichheit selbst erwerben.“

Amerika schüttelte alles ab, was es als Doppelmoral der Europäer verstand. Das Ergebnis ist der brutale Egoismus Trumps und seiner Gefolgsleute in Silicon Valley.

Die Unfähigkeit der Intellektuellen, den Geist des unterschiedlichen Denkens zu erkennen und seine Herkunft zu verstehen, ist die wahre Ursache des momentan sich auftuenden Grabens zwischen Washington und der EU.

Primär geht es nicht nur um wirtschaftliche Konkurrenz, sondern um unterschiedliches nationales Denken. Über Denken aber wird in beiden Kontinenten nicht nachgedacht.

Schon Galilei hatte mit seiner neuen Wissenschaft der Zahlen das Denken ohne Zahlen für minderwertig erklärt.

Der Fortschrittsfanatismus der Amerikaner, eine Verwandlung ihres eschatologischen Glaubens in Politik, verlegte das Ziel ihres Strebens immer mehr in eine unbekannte Zukunft mit göttlicher Perfektion: das wurde zum Spielfeld der jungen Genies. Und führte zur „Sehnsucht nach dem Transzendenten, sich vom Erdboden zu lösen.“

Hier kommt Trump ins Spiel, der nur einen Faktor der Politik anerkennt: Macht. Wer überlegene Macht besitzt, bestimmt die Weltpolitik. Wer hier zögert, von Faschismus zu reden, weiß nichts mehr vom Grauen des Dritten Reichs.

Fortsetzung folgt.