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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXXIV

Tagesmail vom 12.01.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXXIV,

Die Erde wird uns bleiben, solange wir sie vernichten. Schaffen, um zu zertrümmern: das ist das ewige Spiel der Schöpfung.

Die Schöpfung ist ein buntes, unterhaltsames – und grausames Spiel.

Am Anfang schuf Gott die Erde, damit sie kurzzeitig existiere – und am Ende zerlegt werde: etwas Unterhaltsameres kennen wir nicht.

„Ich strafe und züchtige alle, die ich liebhabe. Wer überwindet, dem will ich verleihen, mit mir auf meinem Thron zu sitzen.

Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, zu empfangen Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lob.“

Das Kind verliert den Spaß beim Spiel, wenn sich dieses ewig wiederholt und nie in Trümmer fällt – um endlich neue Spiele zu erfinden.

Je mächtiger die Despoten der Welt, je eifriger müssen sie zerstören, um sich ja nicht zu langweilen.

„Und sie sagten zu den Bergen und den Felsen: Fallet auf uns und verberget uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Throne sitzt und vor dem Zorn des Lammes! Denn gekommen ist der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?“

Am Ende der Tage langweilen sich die Mächtigen, denn sie wissen nicht, was sie tun sollen, um der Ödnis zu entgehen.

„Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden, und sie werden begehren, zu sterben, und der Tod flieht vor ihnen.“

Das ist unsere Gegenwart. Wen sollen wir zertrümmern, wen in unseren Besitz nehmen und ausbluten lassen – damit wir nicht verkommen vor Überdruss und Missvergnügen?

Wir kennen nur den Zeitvertreib der Niederlage und des Todes – damit wir das atemberaubende Neue schaffen können.

Derohalben haben sie den endlosen Fortschritt erfunden. Motor des Fortschritts ist die KI der Genies. Unaufhörlich schütteln sie Neues aus ihrem Gehirn, um es zu verwüsten und ein anderes Neues zu erfinden. Im Himmel wird gejubelt über das ewige „Stirb und Werde.“

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Oh Mensch, hast Du schon darüber nachgedacht, dass du dich sehnst nach dem unnatürlichen Tod, weil du auf Erden kein trüber Gast sein willst?

Verbissen kämpfen die Völker gegeneinander, um keine trüben Gäste auf Erden zu sein. Der Sieg wird unverträglicher sein als die Niederlage.

Das war das triumphale Elend der Gewinner – die sich die nächste nationale Katastrophe ausdenken mussten, um aufzuatmen, wenn der Gestank entflohen ist.

Unsere deutschen Vorfahren wussten es am besten:

„Entkleidet man das Denken der Nationalrevolutionäre aller mystischen Nebel, so enthüllt es sich als ein Denken von äußerster Brutalität. Es sucht gerade seine Ehre darin, brutal und hart zu sein, aufzuräumen mit all den lächerlichen Illusionen, die schwächliche Charakter für eine Befriedung der Welt ersonnen haben. Es setzt die Ideen Nietzsches und Spenglers um in eine politisch-aktivistische Ideologie, die ihre Hauptwurzel aus der Verachtung zieht. Eine hämische „Lust am Untergang“ durchzieht die Schriften der nationalen Revolutionäre. Sie sind es satt, auf einem „Gesellschaftsdampfer“ zu reisen: ihr Ideal bleibt das Kriegsschiff, auf dem „jede Bewegung sich mit instinktiver Sicherheit vollzieht“. Auf dem Kriegsschiff ist ihnen nur wohl, wenn seine Geschütze geladen und auf den Feind gerichtet sind. Der Nationalismus dieser Prägung lebte von Hass einerseits, von hybriden Visionen andererseits. Die Mischung was dazu angetan, verführerisch zu wirken. Die glutvollen Visionen eines neuen Weltbildes setzten Instinkte und Energien zum Kampf gegen die demokratische Republik frei. Alles geschah zur „Rettung der Nation“. (in Kurt Sontheimer, Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik)

Die klassischen und romantischen Bücher – Vordenker dieses Denkens – kennt Peter Thiel, das philosophische Über-Ich von Silicon Valley auswendig. Seine dortigen Gefolgsleute hat er längst infiltriert. Auch ein gewisser Donald Trump gehört zu dieser Truppe.

Energielose Humanität, die sich auf Völkerrechte beruft, ist der Tod jedes Fortschritts. Wirkliche Siegernationen verabscheuen „die falsche Humanität der Zivilisation der Rasse.“

Trump ist ein Verführer, der mit täglich wechselnden Parolen, Scharaden und Grimassen nicht nur die primitiven Deutschen beeindruckt. Sein Denken ist seinen Anhängern heilig:

„Wer Unrecht tut, der tue weiter Unrecht, und wer unrein ist, verunreinige sich weiter, und der Gerechte übe weiter Gerechtigkeit und der Heilige heilige sich weiter.“

Gegensätze sind das Geheimnis des zukünftigen Sieges. Aber, wer weiß schon, wie man Gegenteile knackt?

Die einstigen Denker der Deutschen haben es geschafft, den Krieg anzuzetteln. Heute sind sie ausgestorben, ihre Nachkommen schwanken daher wie Habermas, dessen Holocaust-Blindheit darin besteht, sich mit Netanjahu nicht mehr auseinanderzusetzen. In der Nachkriegszeit schaffen sie es nur noch, einen VW in Fahrt zu bringen.

Scham und Schande sind die Voraussetzungen, um die Frommen auf das rechte Gleis zu setzen.

Schuld ist der absolute Grund, um den Erlöser qualvoll ans Kreuz zu schlagen, damit er auferstehen und der Welt das Siegeszeichen zeigen kann.

Die neuen Generationen aber wollen frei sein von jeder Schuld und jeder Schande.

Sie haben auch kein Vergangenheitsproblem, von dem sie sich reinigen müssten. Sie gehen in den Keller und suchen die versteckten Köstlichkeiten ihrer Siegerjahre und bringen sie in die beliebte Sendung „Bares für Rares“.

Dort verhökern sie die ehemaligen Reichtümer ihrer Vorfahren gegen Money – und sind erstaunt, was ihnen noch zusteht.

Ihren Hunger nach der Welt zeigen sie ungeniert in ihrem Begehren, in die fremde Welt auszuwandern. Im tiefen Süden stehen sie auf prächtigen Terrassen und zeigen sich die wunderbaren Perspektiven ihrer Villen.

Einheimische sieht man in diesen Sendungen selten, Gespräche mit ihnen so gut wie nie. Vergangenheitsbewältigung mit ehemaligen Gastarbeitern oder Kolonialvölkern – nein, danke.

Noch immer wollen sie Herren der Welt sein, aber ohne lästige Konfusion mit Andersartigen, die sie zu Hause kaum ertragen.

Wir wollen zu Land ausfahren, wohl über die Fluren weit,
aufwärts zu den klaren Gipfeln der Einsamkeit.
Lauschen, woher der Sturmwind braust,
schauen, was hinter den Bergen haust,
und wie die Welt so weit, und wie die Welt so weit.
Es blühet im Walde tief drinnen die blaue Blume fein,
die Blume zu gewinnen, ziehn wir in die Welt hinein.
Es rauschen die Bäume, es murmelt der Bach,
und wer die blaue Blume finden will,
der muss ein Wandervogel sein.

Das ist die geheime Sehnsucht ihrer Reisen in den Süden. Keine Versöhnung mit fremden Menschen, schon gar nicht mit jenen, an denen sie schuldig wurden.

Inzwischen haben sie ein reines Gewissen in der Welt. Wo aber sind sie gelandet? Welchen Boden haben sie unter den Füßen?

Heute werden sie wieder zu heldischen Soldaten und wollen zurück an jene Stätten, wo sie am mörderischsten hausten.

Mit ökologischen Rettungsplänen begannen sie. Heute begnügen sie sich mit dem Ausrechnen günstiger Stromgeneratoren.

Wenn sie an die Amerikaner denken, ihre ehemaligen Befreier und Besieger, wird’s ihnen ganz schwach ums Herz. Ihre Vettern aus Übersee wollen sie nicht mehr länger retten, sondern in die Bedeutungslosigkeit abschieben.

Also müssen sie sich – gemeinsam mit der EU – unabhängig machen von den einstig guten Onkels. Jene sind aggressiv geworden gegen die Pose „Rettet uns vor den Bosheiten der Welt.“

Heute müssten sie autonom auf ihren Beinen stehen und sich als gleichberechtigte Partner erweisen. Doch hier schmilzt der Kanzler zu Merzens Fritzchen.

Gibt’s noch Hoffnung? Gewiss, für alle, die die Kraft in sich verspüren, sich dem Verhängnis zu widersetzen.

Sri Sri Ravi Shankar gibt uns ein hoffnungsvolles Vorbild:

„Wir werden die jetzigen Krisen überwinden. Kriege und die Klimakrise verunsichern viele Menschen weltweit. Da ist es schön, jemanden zum Jahresanfang zu sprechen, dessen Job es ist, Hoffnung, Mut und Frieden zu vermitteln – und der damit sogar Erfolg hat.“

Und dennoch: das blanke Gegenteil scheint unauslöschbar: Wer Politik als homo ludens betreibt, bleibt ein inhumanes – Luder.

Fortsetzung folgt.