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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXIX

Tagesmail vom 01.12.2025

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXIX,

Ich schreie ins Universum:

„Eine der wichtigsten deutschen Wirtschaftsorganisationen drängt auf eine grundlegende Abkehr von der bisherigen deutschen Klimapolitik. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) fordert, dass Deutschland das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 aufgibt. Außerdem soll die Regierung auf die Festlegung von konkreten CO2-Minderungszielen für einzelne Jahre verzichten. Sollte die Politik den eingeschlagenen Kurs fortsetzen, führt dies zu weiter steigenden Energiekosten für die Unternehmen mit weitreichenden negativen Folgen für die gesamte Unternehmenslandschaft.“ (TAZ.de)

Ich schreie ins Nichts:

„Wenn stimmte, was der Film „Das Zeitalter der Enthüllungen“ zu enthüllen behauptet: Dann müssten wir, also alle, die gesamte Menschheit geradezu, unser Weltbild sehr grundsätzlich korrigieren. Dann gäbe es nicht nur Wesen von überlegener Intelligenz, die von irgendwoher, aus dem Weltall oder den Tiefen der Ozeane, zu uns und über uns gekommen sind, um uns zu beobachten, zu studieren und manchmal zu erschrecken mit ihren Fluggeräten, die so wundersam beschleunigen, dass, wie es im Film einmal heißt, ein Mensch, der da drinsäße, zu Pudding würde. Der Film präsentiert auch Politiker beider Parteien, als seriös geltende Demokraten und Republikaner wie die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand, den Senator Mike Rounds aus North Dakota, die Abgeordneten André Carson und Anna Paulina Luna; und speziell Rounds und Carson scheinen der Erzählung in fast allen ihren Winkelzügen glauben zu wollen. Der Kronzeuge ist aber Marco Rubio, Sicherheitsberater und Außenminister, die Nummer drei in der Regierung der Vereinigten Staaten und die Hoffnung der Europäer darauf, dass es Reste von Rationalität gebe in dieser Regierung.“ (Sueddeutsche.de)

Das Universum antwortet nicht. Auch das Nichts antwortet nicht. Ich werde totgeschwiegen.

Ich kann es nicht glauben: ist die deutsche Wirtschaft so dumm wie Merz, der den Aufschwung der Wirtschaft für wichtiger hält als die Rettung der Natur?

Auch das Nichts antwortet nicht: sollten Hollywoods kranke Phantasien-Produktionen realistischer sein als man dachte?

Da ertönt eine Stimme aus der Schweiz: die ruft mir zu:

„Für alle lebenswichtigen Bereiche blinken die Warnleuchten rot: Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Umweltverschmutzung im großen Stil, unerträgliche soziale Ungerechtigkeiten, ständige Kriege und die Gefahr eines Weltkriegs. Das System wird von einer Oligarchie gesteuert, die es sich in ihren klimatisierten Luxusvillen, in ihren Superjachten, Privatjets und zur Not in eigenen Atombunkern bequem macht und von dort aus, je nach eigener Interessenlage, Entscheidungen trifft, die Folgen für alle haben. Für die, die unter den Hitzewellen ächzen, die verhungern oder in den von der Oligarchie verursachten Kriegen sterben, die an Armut und an durch Entwaldung und Verlust von Artenvielfalt ausgelösten Pandemien leiden. Für normale Menschen ist dieses System ein regelrechtes Geschwür.“

Gibt es keine Rettung? Keine menschliche Wirtschaft für das schreiende Ich? Doch, die Suffizienzwirtschaft.

Was zum Teufel, ist denn das?

„Suffizienz ist die Frage nach dem richtigen Maß für Konsum und Produktion. In der Wissenschaft mehren sich die Belege, dass sich Nachhaltigkeitsziele nicht allein durch technologische Innovationen erreichen lassen. Vielmehr braucht es die Einbeziehung von Suffizienzstrategien, um die von Jahr zu Jahr steigende Nachfrage nach Gütern zu begrenzen. Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC) hat Suffizienz inzwischen als entscheidende Strategie zur Erreichung der Klimaziele anerkannt. In Deutschland und weltweit wird Suffizienz in immer mehr Klima- und Energieszenarien integriert.“ (Wuppertal Institut)

Die Deutschen – auch die fromme Merkel – sagten: immer mehr, immer mehr, wir müssen wachsen. Jetzt kommt die Rettung vom Gegenteil: genug ist genug. Seid zufrieden mit dem, was ihr braucht. Nehmt ab, passt euch der Natur an. Überfordert nicht die ausgelaugte Erde. Schon gehen die Wasservorräte zur Neige. Aus riesigen, energie-erforderlichen Abständen müssen Lebensmittel herantransportiert werden. Schon zerbrechen die Lieferketten. Die Erde ist kein harmonischer Markt, sondern eine unerbittliche Konkurrenz.

Was tun? Ich kann ja nur ins Nichts schreien!

Antwortet der Schweizer:

„Eine Person kann das nicht machen, nur soziale Bewegungen, Streiks, Demonstrationen. Im 20. Jahrhundert gab es eine Bewegung mit Jean Jaurès. Er wurde getötet, weil er keinen Krieg wollte. In Deutschland wurde Rosa Luxemburg ermordet. Schauen Sie sich heute die verbale Gewalt an, mit der Superreiche reagieren, wenn die Idee aufkommt, dass sie auch nur zwei Prozent Vermögenssteuer zahlen sollten. Deren Vermögen steigt um acht bis zehn Prozent jährlich. Diese Leute sind aggressiv, sie kontrollieren auch die meisten Medien. Ja, es gibt Lösungen! Wir haben in Europa die Chance, uns zu äußern. Schweigen ist hochgefährlich. Wir dürfen nicht passiv bleiben.“ (derFreitag.de)

Kennst du die beiden Namen, die eben genannt wurden? Wenn diese eine Lösung boten, warum hört man nichts von ihnen in den heutigen Wirtschaftsdebatten?

Rosa Luxemburg – „trat für Massenstreiks als Mittel sozialpolitischer Veränderungen und zur Kriegsverhinderung ein. Anfang 1919 gründete sie die Kommunistische Partei Deutschlands mit, die ihr Programm annahm, aber die von ihr geforderte Teilnahme an den bevorstehenden Parlamentswahlen ablehnte. Nachdem der folgende Spartakusaufstand niedergeschlagen worden war, wurden sie und Karl Liebknecht von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet, was die Spaltung zwischen SPD und KPD vertiefte.“

Jean Jaures – „Als einer der profiliertesten Verfechter des Reformsozialismus auf humanistisch-pazifistischer Grundlage setzte sich Jaurès am Vorabend des Ersten Weltkrieges leidenschaftlich für die Sache des Pazifismus und gegen den drohenden Krieg ein. Bei Friedensdemonstrationen und im Parlament trat er für eine politische Verständigung mit Deutschland ein. Dafür war er bei der politischen Rechten verhasst. Unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Jean Jaurès am 31. Juli 1914 im Pariser Café du Croissant[2] bei einem Attentat von dem französischen Nationalisten Raoul Villain ermordet.“

Ich brülle noch mehr. Wer sich im verdammten Europa für eine menschliche Politik einsetzt – der wird getötet? Europa muss eine tödliche Krankheit sein.

Jetzt habe ich die Schnauze voll. Ich kehre zurück zu meinen (un)-geliebten Deutschen. Und was sagen die mir? Muss ich tatsächlich zurückkehren zu den ganz Alten in Athen? Haben wir denn keine eigenen Stimmen, auf die wir hören könnten?

Da gab’s doch diesen Novalis?

„Wie sieht nun die wahre Weltrevolution, die Besitzergreifung des Kosmos durch das Ich aus? Die Natur ist Feindin ewiger Besitzungen. Sie zerstört nach festen Gesetzen alle Zeichen des Eigenthums, vertilgt alle Merkmale der Formazion. Allen Geschlechtern gehört die Erde, jeder hat Anspruch auf alles, Das Eigenthumsrecht erlischt zu bestimmten Zeiten.“

Jetzt setzt euch auf den Hosenboden und schreibt den Silicon-Valley-Erwählten: Wenn ihr nicht sofort die Erde als Eigentum aller anerkennt, schafft euch zum Teufel. Ihr seid die schlimmsten Vernichter der Mutter Erde.

Langsam, brüll nicht rum wie ein Verrückter. Die Reise geht nicht nach außen ins Endlose: „Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und die Zukunft. Die Außenwelt ist die Schattenwelt, sie wirft ihren Schatten in das Lichtreich …“

Mann, hör auf mit deinem deutschen Innenreich. Wer soll dich hören, wenn du nach Innen brüllst?

Hier wird die Französische Revolution in der deutschen Innerlichkeit erstickt. Hier beginnt die vermaledeite Romantik.

„Die Rakete wird ins Innere des Menschen abgefeuert.“ Hier beginnt das verfluchte Reich der Genies.

„Genie ist das Vermögen von eingebildeten Gegenständen, wie von wirklichen zu handeln und sie auch wieder zu behandeln.“

Das klingt schon nach Hegel mit seinen ewigen Widersprüchen.

„Hat man nun einmal die Liebhaberey fürs Absolute und kann nicht davon lassen, so bleibt einem kein Ausweg, als sich selbst immer zu widersprechen und entgegengesetzte Extreme zu verbinden. Um den Satz des Widerspruchs ist es doch unvermeidlich geschehen …“

Herrgott, jetzt muss auch noch unser alleswissender Hegel dran glauben … Du hast sie wohl nicht mehr alle …?

„Dialektik, hier wird sie wiederentdeckt, als Dialektik des inneren Lebens des schöpferischen Lebens der Persönlichkeit, die sich in ihren Widersprüchen darlebt und darstellt und ausfaltet.“

Die Franzosen bleiben hartnäckig:

„Wir sind auf einer Mission: Zur Bildung der Erde sind wir berufen.“

Fragt ein Ungenannter: „Wann wird der Geist sich im Ganzen regen? Wann wird die Menschheit in Masse sich zu besinnen anfangen?“

Und Heinrich Heine warnt die Franzosen: „Der Deutsche ist lange das Hänschen gewesen. Es geht ihm wie es vielen dummen Kindern gehen soll, er wird leben und klug seyn, wenn seine frühklugen Geschwister längst vermodert sind und er allein Herr im Haus ist.“

Hegel sammelte alle Widersprüche dieser Welt – wie heute der Abfall gesammelt wird – und löste sie im Namen des Absoluten Geistes. Danach kommt das Ende der Welt: Amen.

Da kann Friedrich Schlegel nicht abseits stehenbleiben: „Der revolutionäre Wunsch, das Reich Gottes zu realisieren, ist der elastische Punkt der progressiven Bildung und der Anfang der modernen Geschichte.“

Nun beginnt die Religion demokratisch zu werden. „Es ist sehr einseitig und anmaßend, dass es gerade nur einen Mittler geben soll. Für den vollkommenen Christen, dem sich in dieser Rücksicht der einzige Spinoza am meisten nähern dürfte, müsste wohl alles Mittler sein. Das Paradies liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft: der Mensch hat es zu schaffen, mit allen Kräften der Phantasie, der Schöpfermacht seines Geistes und seiner Seele.“

Jetzt sind wir – Achtung – dem Dritten Reich schon näher gerückt.

„Todesweihe, Stilisierung des eigenen Todes als vorbildlich für die Jünger; mit Novalis … beginnt ein Vorsterben, sehr bewusst, von Dichtern, von Experimentatoren, die ihr Leben ihrem Werk opfern: das neue Sterben eines neuen Menschen, der nicht selten bewusst ins „Nichts“ geht, der die Auslöschung seiner Individualität bewusst auf sich nimmt, ohne Hoffnung auf individuelle Auferstehung, voll Hoffnung auf die vorbildliche Kraft seines Sterbens und auf den Sieg seiner „Bewegung“.

Erst, wenn wir bewiesen haben, dass wir sterben und danach wiederauferstehen können, sind wir des Führers, des kommenden Herrn würdig.

„Das Ich trägt Gott in sich und schafft, als Täter handelnd, eine neue Welt.“

Jetzt reicht’s. Was soll dies Getümmel?

Es soll die Deutschen darauf hinweisen, dass sie eine humane Zukunft nur schaffen können, wenn sie ihre inhumane durchschaut und abgeschafft haben.

Deutschland wurschtelt sich durch die Tücken seiner Innerlichkeit, um endlich zu seiner Mission durchzufinden: „Europas Geist erlosch, in Deutschland fließt der Quell der neuen Zeit. Deutschland erwache, als Weckruf für Europa.“

Kapierst du endlich – du Biertrinker?

Nee, da mache ich nicht mit. Ich setze mich ab nach Südafrika.

Wenn solche Banausen wie Du endlich verschwinden, können wir in Ruhe nachdenken, wie wir die Milliardäre im Weltraum versenken. Außer money money verstehen die nichts.

Wir aber schultern unseren Rucksack und beginnen, die Menschheit menschlicher zu machen. Und seid gewiss: das Schreien ins Nichts wird aufhören.

Fortsetzung folgt.