Tagesmail vom 07.11.2025
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XXII,
In Belem geht es erneut um Alles oder Nichts: wo bleiben die Deutschen, um die Erde zu retten?
Ein Deutscher antwortet:
„Mögen daher zahllose Feinde sich gegen uns verbünden, mögen sie Neid und Hass, Verschlagenheit und Wildheit aufeinander häufen, wir haben die Überlegenheit innersten Wesens, und diese Überlegenheit wird uns vollauf die Kraft gewähren, allem Ansturm gewachsen zu bleiben. Stehen wir nur fest auf uns selbst, ergreifen wir den tiefsten Grund und die innerste Kraft unseres Wesens, dann wird unser Genius mit uns sein und uns zum Siege führen, dann können die Pforten der Hölle uns nicht bewältigen.“
„Mir sagte einmal während meines Aufenthalts in Amerika ein hochgebildeter Amerikaner, als wir miteinander über Fragen und Verwicklungen der Gegenwart sprachen: „Wenn nur das deutsche Volk wahrhaftig bleibt, dann haben wir gute Aussichten für die Zukunft der Menschen.“ Er meinte mit solcher Wahrhaftigkeit eben ein solches Schaffen aus dem eigenen Wesen heraus, aus innerer Notwendigkeit, nicht eines äußeren Vorteils wegen.“
Sind wir also Weltmeister im Retten der Natur?
„Vergleichen wir uns mit dem indischen und griechischen Idealismus. Der Idealismus der Inder hat den Zug zur Innerlichkeit, die Ablösung von der sichtbaren Welt großartig ausgebildet, aber er kommt nicht zu einem neuen Schaffen von innen heraus; so erzeugt er weiche und edle Stimmungen, aber ihm fehlt die Kraft zur weltaufbauenden Tätigkeit. In einem einzigem Grundgefühl – erschöpft sich hier das ganze Leben.
Die Griechen stehen uns hier näher, auch ihre großen Denker verschmähen die bloße Nützlichkeit, sie wollen ein Leben um des Lebens willen, sie preisen die Erhebung zur Tätigkeit. Aber es bleibt ein großer Unterschied. Der griechische Idealist behandelt die Welt als gegeben, er sieht die Welt als herrliches Kunstwerk, das schauend sich anzueignen und freudig zu genießen die Aufgabe des Menschen bildet. In einer solchen fertigen Welt findet aber der Mensch nichts Wesentliches zu verändern, so gibt es hier keine Geschichte, keine Hoffnung einer Umbildung und Erneuerung. Wir Deutsche dagegen verstehen die Welt als im Werden begriffen und voll harter Kämpfe. Wir wollen eingreifen, bessern, fördern und geben der Geschichte eine große Bedeutung. Ist der Idealismus der Griechen vorwiegend künstlerischer Art, so vertreten wir Deutsche einen ethischen Idealismus. Jenen ist das Höchste die Anschauung. Uns ist das Höchste die Tat, die Tat der Persönlichkeit, die weltschaffende und weltgestaltende Tat.“
Schluss mit dem deutschen Geplapper, Herr Rudolf Eucken. Das hält ja kein Mensch aus. Die Tat soll für uns das Höchste sein – und deshalb werden wir von den meisten Beobachtern als „gedankenvoll und tatenarm“ beschrieben?
Sind die Deutschen unfähig, ihre Vergangenheit zu erkennen? Müssen sie alles mit Verklärung polieren, um sich permanent an der Weltspitze zu platzieren?
Jetzt betritt ein großer Philosoph die Bühne, er heißt Nikolaus von Cues:
„Immer mehr und mehr erkennen zu können ohne Ende, das ist die Ähnlichkeit mit der ewigen Weisheit. Immer möchte der Mensch, was er erkennt, mehr erkennen, und was er liebt, mehr lieben, und die ganze Welt genügt ihm nicht, weil sie sein Erkenntnisverlangen nicht stillt.“
(Alle Zitate aus Rudolf Eucken, Die weltgeschichtliche Bedeutung des deutschen Geistes)
Aus solcher Denkweise ist auch Goethes Faust hervorgegangen, aus solchem Streben nach Unendlichkeit findet das deutsche Leben eine unvergleichliche Größe.
„Und sehe, dass wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Drum hab ich mich der Magie ergeben.“
Hallo, KI, hast du dich versteckt? Bist du das, der sich hinter der Magie zurückgezogen hat? Ja, gewiss, ein bisschen Algorithmus, ein oberflächliches Allgemeinwissen – und fertig ist der neue Allwissende?
Du legst uns rein mit deinem oberflächlichen Überfliegen und deinem „Nichts-Genaues-Wissen“, gib’s zu!
Wie wär’s mit klaren Grenzen und nicht mehr mit end- und ergebnisloser Zukunft?
In 20 Jahren sind wir in der nächsten Epoche – und schauen wieder dumm aus der Wäsche, weil wir wieder nichts Genaues wissen.
Genügt es nicht, heute nach Belem zu schauen, um die Doofheit der mächtigsten Länder zu erkennen – die es vorziehen, gar nicht dabei zu sein?
„So kritisierte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in seiner Eröffnungsrede, dass »extremistische Kräfte« Falschinformationen zum Klima verbreiteten, um sich »Vorteile bei Wahlen zu verschaffen«. Er warnte, dass damit »künftige Generationen eingesperrt« würden, womit er unumkehrbaren Folgen des Klimawandels meinte. Das »Zeitfenster zum Handeln« gegen die globale Klimaerwärmung schließe sich »rasch«. Es ist davon auszugehen, dass Lula damit Trump meinte – der hatte im September in einer Rede vor der Uno-Vollversammlung in New York den menschengemachten Klimawandel erneut bestritten.“ (SPIEGEL.de)
Im amerikanischen Silicon Valley residieren die schlitzohrigsten Rechner der Erde und was wissen sie über die Zukunft der Menschheit?
Warum sagen sie der Menschheit in Brasilien nicht endlich – was sie tun sollte, um von den Amazonas-Krokodilen nicht gefressen zu werden?
Warum? Weil sie kein Ziel erreichen wollen. Wie ihre unvergleichlichen deutschen Vorbilder. Alles ohne Maß, alles ohne klares Ziel. Ist der Mensch nicht endlich, ist er ein unendliches Wesen?
Nein, sie wollen gottähnlich werden, die Magier aus der Zahlen-Werkstatt.
Als es bei ihnen mit dem Denken nicht mehr klappte, stürzten sie sich auf die Mathematik und wollten die Erde mit Gründlichkeit nachrechnen, um Gottes Rechenfehler nachträglich auszuradieren.
Doch jetzt, schau hin: wen schicken sie nach Berlin, um die ewigen Schwatz-Koalitionäre auseinander zu bringen?
„Die AfD empfängt Trumps Social-Media-Berater Alex Bruesewitz. Dieser trat mit radikal-religiöser Rhetorik auf. Der Feind, so raunte der Trump-Anhänger vor Pathos triefend, sei das absolute „Böse“, die tiefste „marxistisch-globalistische Finsternis“ – aber keine Sorge, Gott sei auf „unserer“ Seite im spirituellen Krieg um die Seele der Nation. Stellenweise klang Bruesewitz fast nach Dschihad. Für deutsch-rechtsextreme Ohren dürfte es vielleicht einen Tick zu radikal-religiös gewesen sein, als er zum „Krieg gegen die Finsternis“ agitierte und den Glauben als „unsere größte Waffe“ bezeichnete.“ (TAZ.de)
Das ist das Ende, welches die Unendlichkeits-Phantasten verheimlichen: sie müssen das begrenzte Heilige – und das unbegrenzte Unheilige zusammenbringen, damit sie – in den Himmel kommen. Ist der Himmel endlich oder unendlich weit entfernt?
Diese ärgerlichen Widerspruchsfragen überlassen die Rechengenies den Bösenspezialisten, denen es genügt, die Gläubigen zu betäuben.
Ach, diese Naturverwüstungen; das haben die Frommen doch schon lange gewusst.
„Die Stimme des HERRN zerbricht Zedern, der HERR zerbricht die Zedern des Libanon. 6 Er lässt hüpfen wie ein Kalb den Libanon, den Sirjon wie einen jungen Wildstier. 7 Die Stimme des HERRN sprüht Feuerflammen; / 8 die Stimme des HERRN lässt die Wüste erbeben; der HERR lässt erbeben die Wüste Kadesch. 9 Die Stimme des HERRN lässt Hirschkühe kreißen / und reißt Wälder kahl. In seinem Tempel ruft alles: »Ehre!« 10 Der HERR thront über der Flut; der HERR bleibt ein König in Ewigkeit. 11 Der HERR wird seinem Volk Kraft geben; der HERR wird sein Volk segnen mit Frieden.“
Die wahren Kinder des Höchsten müssen keine Natur retten. Sie wissen genau, dass ihr Erretter kommen und alles perfekt vollenden wird.
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker[1] sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.“
Das ist die endliche Geschichte der Kinder Gottes, die im Himmel ankommen – oder jener Bösen, die in der Hölle versinken werden. Und Tschüss.
In Belem trennen sich die Völker. Die Bösen-Verehrer sind prophylaktisch zu Hause geblieben. Nur diejenigen, die noch immer auf die Vernunft der Vernünftigen setzen, kämpfen verzweifelt miteinander um die letzten Rettungsmöglichkeiten.
Momentan scheint es, als ob die Menschheit kapituliert hätte. Nicht ausgeschlossen. Doch das wäre das sichere Zeichen, dass der Mensch sich selbst aufgegeben hätte.
Das ist nur eine Vermutung. Wir müssen alles tun, um diese Vermutung zu widerlegen. Bis jetzt hat sich die Menschheit über alle Katastrophen hinweggesetzt. Über Atomkriege und weltumspannende Krankheiten, über Armuts- und Elendskatastrophen.
Nein, das ging nie ohne furchtbare Opfer ab, aber die Menschheit hat das Schlimmste überstanden.
Solche Exzesse können wir nur überstehen, wenn wir unsere begangenen Fehler unter die Lupe nehmen, um sie für immer zu vermeiden. Das wäre der einzige Fortschritt, auf den wir stolz sein könnten.
Es liegen genug naturwissenschaftliche Wahrnehmungen auf dem Tisch, die wir mit rationaler Vernunft in sinnvolle Politik übersetzen könnten. National lässt sich die Klimakatastrophe nicht beheben. Alle Völker der Welt müssen sich hier zur einmütigen Lösung zusammenfinden.
Und was ist der entscheidende Fehler, den die Menschheit bis jetzt machte?
Wie wär’s mit der Antwort von Rudyard Kipling, der 1896 an William James schrieb:
„Ihr halber Ärger“, schrieb er, „ist der Fluch Amerikas – nackte, hoffnungslose, wohlgeordnete Langeweile; und das wird eines Tages der Fluch der ganzen Welt sein.“
Langeweile ist der Grund alles Bösen. Verbunden mit Macht ist Langeweile das schlimmste Gift der Erde.
Langweile können wir nur überwinden, wenn wir uns des Lebens ohne böse Hintergedanken erfreuen können. Freude ist der emotionale Kern der humanen Vernunft.
Fortsetzung folgt.