Tagesmail vom 27.04.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLVIII,
Carpe diem,
Menschheit, freue dich,
Endlich haben wir das Ziel erreicht.
Das Ziel der Geschichte: verführerisch und zum Greifen nahe liegt es vor uns.
Carpe diem.
Du weißt nicht, was das bedeutet?
Drück auf den Knopf, der alles weiß, und du wirst alles erfahren.
Carpe diem heißt: nutze den Tag.
Kommt von Karp, dem bedeutenden Schüler des bedeutenden deutschen Philosophen Habermas – der uns erst vor wenigen Tagen verlassen hat.
Was erfahren wir?
„Wie das Silicon Valley lernte, die Bombe zu lieben. In ihrem Buch „The Technological Republical“ fordern Alex Karp und Nicolas Zamiska eine Rückbesinnung des Silicon Valley auf seine kriegerischen Wurzeln ….“
Wie bitte? Hatten wir im Abendland vor allem Kriegerische Wurzeln? Hatten wir keinen „Frieden auf Erden“?
Hanna Pilarczyk weiß noch mehr:
„US-Techkonzerne folgen nicht einfach Donald Trump: Sie wollen selbst Staaten umbauen. Palantir-Chef Alex Karp hat nun seine autoritäre Vision skizziert. Es geht Karp nicht darum, wie man vielleicht vermuten könnte, den Staat abzubauen oder abzuschaffen. Staat und Techunternehmen sollen über kurz oder lang zu einer Einheit verschmelzen. Der Militarismus spielt eine große Rolle im Denken Karps: »Die Kastration Deutschlands und Japans nach dem Krieg muss rückgängig gemacht werden«, steht etwa unter Punkt 15. Deutschland unschädlich zu machen, heißt es weiter, sei eine »Überkorrektur« gewesen, für die Europa jetzt einen hohen Preis zahle. Was damit befördert wird, ist spätestens seit der Veröffentlichung von Karps Liste klar: der Umbau Deutschlands, weg von der Bundesrepublik hin zur Technologischen Republik Deutschland, der TRB. Das ist nichts weniger als ein Regime-Change – und sollte als solcher mit allen Mitteln bekämpft werden.“ (SPIEGEL.de)
Freude über Freude: das Ende der drögen Demokratie ist gekommen. Das Ende des lächerlichen Denkens, das Ende der folgenlosen Bewunderung der Weisen. Das Ende des folgenlosen Geschwafels der Volksversammlungen, unfähig, die aufquellenden Probleme einer Herrschaft des Volkes zu zähmen und in eine sinnvolle Richtung zu lenken.
Das Volk ist krank. Es übernimmt sich.
Wir brauchen Auserwählte, Supergenies, Erfinder von intelligenten Maschinen, die uns Menschen überflügeln und zeigen, wie Probleme gebändigt werden können.
Geschichte ist Mord und Totschlag. Maschinen funktionieren sicher und unauffällig.
Menschen müssen lernen, bewundernswerte Maschinen zu erfinden, um das Funktionieren der Natur zu sichern. Natur dürstet nach der Herrschaft der fehlerfreien menschlichen Intelligenz, die sich in Automaten verwandelt hat.
Was ist eine Maschine?
„Die Maschine ist, wie ich bereits gesagt habe, dabei das moderne Gegenstück zum Golem des Rabbiners von Prag.“ (Norbert Wiener, Gott, Golem, 1963)
Ein Golem?
„Beim Golem handelt es sich um ein von Weisen mittels Buchstabenmystik aus Lehm gebildetes, stummes, menschenähnliches Wesen, das oft gewaltige Größe und Kraft besitzt und Aufträge ausführen kann. Er ist seinem Schöpfer/Meister unterworfen und besitzt keinen freien Willen.“
Endlich sind die Menschen an ihr Ziel gekommen, ihre Phantasien in Wirklichkeit zu technifizieren. Ihren Glauben haben sie in fehlerlose Maschinen transformiert.
Die Menschheit ist nicht dazu verdammt, ihre Eingebungen in materielose Ideen zu verwandeln, mit denen perfekte Schüler der Weisen das zerrüttete Volk beherrschen müssen. Auf platonische Utopien kann sie verzichten.
Es gibt auch kein dummes, verwüstetes Proletariat, das auf die Gewitztheit einer automatischen Heilsgeschichte warten muss.
Nein, der Mensch ist fähig, seine Selbstrettung selbst zu organisieren – indem er jene Unterwerfung erfindet, die seine Genialität in noch höhere Intelligenz hinaufschraubt, zu der er selbst fähig ist.
Der Mensch ist ein Stufenwesen, das sich selbst überwinden kann – bis er die Spitze des babylonischen Turms erklommen hat.
Da aber gelten keine uralten Fabeln mehr:
„Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde. 5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.
Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.“
Und heute: haben wir erneut die Spitze des babylonischen Turms erklommen?
Haben wir schon wieder eine gemeinsame Sprache erfunden, die uns nichts mehr verwehrt, was wir wollen? Ist diese Sprache das Funktionieren der Maschinen, die auf der ganzen Welt verstanden wird – weil es die Sprache der Algorithmen ist?
Warum dann noch Krieg und die Sprache der Waffen?
Waffen sind Maschinen. Was Maschinen tun, ist heilig und perfekt.
Denn sie werden regiert von perfekten Menschen, die zu Übermenschen mutiert sind. Maschinen kann man nichts vorwerfen, sie können keine Fehler machen. Menschen aber wohl.
Karp will den Umbau Deutschlands, weg von der lächerlichen Demokratie, hin zur Technologischen Republik.
Einspruch, eine Republik ist das nicht mehr, das ist eine Supermaschine, die per lautlosem Knopfdruck schon jetzt in Amerika reagiert.
Das Ziel der Geschichte ist die Herrschaft der Supermänner oder göttlichen Genies. Alles andere ist Abfall und kann weggeworfen werden.
Das waren die Risiken der christlichen Erlösungsreligionen. Eine winzige Minderheit kann erlöst werden. Der Rest dem Teufel.
„Auch wenn die Ketzerei das Risiko seelischer Verdammung heraufbeschwört, muss dieses Risiko ehrlich und mutig getragen werden. Um es mit den Worten Calvins auszudrücken: Bist du gewillt, um des größeren Ruhmes Gottes willen verdammt zu werden?“ (Wiener)
Bist du gewillt, um der Herrschaft der KI willen das Wirtschaftswachstum ökologischer Simpel zu opfern?
Karps Forderungen nach einem neuen heiligen Krieg sind nicht überflüssig. Viele Menschen müssen zermalmt werden, um den wahren Erwählten, den mathematisch Denkenden, die Zukunft zu sichern.
Wir erleben den unausgesprochenen heiligen Krieg zwischen Denken und Rechnen, Geistes- und Naturwissenschaften. Geist allein taugt nichts. Er muss lernen, alles in Zahlen zu fassen.
Das Rechnen oder Bedienen der Maschinen mit der Sprache der Zahlen ist nicht einfach. Die Menschen der Zukunft müssen lernen, lernen, lernen. Pauken, büffeln. Die Schulen der Zukunft werden Kasernen der Automaten sein
„Die Welt der Zukunft wird ein mehr und mehr aufreibender Kampf gegen die Beschränkungen unseres Verstandes sein, keine bequeme Hängematte, in die wir uns legen können, um von unseren Robotersklaven bedient zu werden.“ (Wiener)
Der Triumph der Kybernetik ist der schleichende Tod der Philosophie, Was von Habermas ist bei Karg übrig geblieben?
„Die Sozialwissenschaften sind also kein guter Exerzierplatz für die Ideen der Kybernetik.“ (Wiener)
Das Ziel, das wir erreicht haben, ist das Ende des mündigen Denkens. Ab jetzt muss gerechnet werden.
Wer nicht rechnen, keine Maschinen verstehen und beherrschen kann, ist – theologisch – für die Hölle. Der neue Gott ist der Gott einer neuen Sprache: der Sprache der Zahlen.
Habermas, fahr in die Hölle, Karp, erlöse uns mit deinen neuen Zahlen.
Karp & Co vernichten die Demokratie, das Revier des Denkens mit der Sprache.
Die neuen Herren sind nicht nur die Reichsten und Mächtigsten. Sondern die genialsten Beherrscher der Zahlen. Schau nur, wie adrett und zynisch mit ihren Löckchen sie da stehen und die Welt zu Tode grinsen.
Bekanntlich sind die Deutschen in Mathe schwach geworden. Wenn sie nicht verstehen, dass sie diesen Umstand ändern müssen, werden sie untergehen.
Das Ziel der Geschichte in Buchstaben haben wir erreicht. Nun erwartet uns eine neue Geschichte, um uns den Babylonischen Turm doch noch erreichbar zu machen. Die Geschichte der Zahlen.
Deutschland kennt keine politischen Ziele der Humanität. Die Ziele des Todes öffnen sich bereits. Deutschland wird für Amerika überflüssig. Adieu, Berlin.
Fortsetzung folgt.