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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLVI,

Tagesmail vom 13.04.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLVI,

Guter Mond, du gehst so stille
Durch die Abendwolken hin;
Deines Schöpfers weiser Wille
Hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden
In das stille Kämmerlein!
Und dein Schimmer gieße Frieden
In’s bedrängte Herz hinein!“

Wer hat das ungarische Wunder heute Nacht vollbracht? Der stille Mond, der uns näher gerückt ist?

Kann gar nicht sein! Er verspricht doch nur Ruhe und Frieden, wenn das aber auf Erden versprochen wird, gibt’s nur Kriegsgetümmel, Raketenfeuer – und eine verstopfte Straße von Hormus.

Die Mondfahrer sind glücklich vor Eintracht und emotionaler Harmonie. Doch auf Erden angekommen, werden sie alles tun – nur keine Friedenspartei wählen.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.
Jetzt stehen wir und gucken – belämmert.

Sollen wir den technischen Fortschritt noch mehr anheizen, um unsere Konkurrenten zu überflügeln? Oder sollen wir uns besonnen in den Grunewald zurückziehen, um Frieden auf Erden zu garantieren?

Ein waidwund gestrandeter Wal vor den Küsten Deutschlands genügt, um Hunderte Menschen anzulocken, die arges Mitleid mit dem Tier hegen. Doch ein schrecklicher Krieg in Nahost genügt noch lange nicht, um den Kriegswütigen energisch die Meinung zu geigen.

Selbst unsere agilen SchreiberInnen scheinen Lunte gerochen zu haben.

„Die letzten Jahre, eigentlich Jahrzehnte, sie waren trotz rasanter technologischer Entwicklung hier insgesamt Rückschritt. Und es sieht gerade nicht so aus, als ob sich das bald ändern würde. Anstatt uns zu bekriegen und uns vielleicht gar bald von selbstgebauter, aber sich nun verselbständigender Technik beherrschen zu lassen, sollten wir „schnell zu einer globalen Zivilisation werden“. Die Raumkapsel von Artemis II hieß übrigens „Integrity“. Also Integrität. Einheit. Auch Aufrichtigkeit. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen.“ (TAGESSPIEGEL.de)

Welche Machtgeilen werden auf die Friedensgesänge der Pazifisten hören? Sie verachten die Friedfertigkeit der Fortschrittsverächter und sind einzig und allein überzeugt vom fluchwürdigen Flug ins Unbegrenzte.

Besser ein besinnungsloser Flug ins endlose Verderben als Frieden im Bekannten und Vertrauten. Auf deutsch: ALLE Moral ist KACKE.

Genauer: Sollte Moral die Stimme Gottes sein, ist sie dem Abgrund gewidmet. BILD ist eine Propagandastimme jenes Gottes, der zugleich Gut und Böse ist.

Es gibt verschiedene Götter: die allmächtigen Götter, die alleinigen Vertreter des Guten und Vernichter des Bösen. Sie brauchen Knechte auf Erden, die den Willen ihrer Schöpfer erbarmungslos durchführen. Allmacht ist die Ermächtigung, Gutes und Böses nach Belieben zu tun.

Der biblische Gott ist allmächtig, Herr der Engel und des Teufels. Predigerunsinn, dass dieser Allmächtige nur Gutes tun dürfte. Er liebt alle, die er erwählt und verflucht alle, die er verwirft.

Der Teufel ist böse und bleibt dennoch Vollstrecker Seines gesamten Willens. Mit dem Bösen vollstreckt Gott das Gute seines Willens. Damit ist er Mephistos Vorbild: Böses im Sinn tue ich dennoch das Gute.

„Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, kein Gott ist außer mir. Ich habe dich gerüstet, obgleich du mich nicht kanntest, 6 damit man erfahre vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, dass keiner ist außer mir. Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, 7 der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.“

Das ist die Urstimme der christlichen Welt. Der allmächtige verlangt von seinen Gläubigen etwas, was er selbst nicht tut: ein wahres Vorbild aller Milliardäre und Politgewaltigen. Kein Wunder, dass die Gläubigen nicht wissen. was sie tun und lassen sollen. Was zum Ergebnis führt: sie tun alles, was sie wollen und verteidigen es mit Gottes Willen.

Das betrifft nicht nur Kriegerisches:

„In seinem Hauptwerk, der Bienenfabel, beschrieb Mandeville als einer der Ersten die Wirtschaft als Kreislaufsystem und stellte die provozierende These auf, dass nicht die Tugend die eigentliche Quelle des Gemeinwohls sei, sondern das Laster. Mandeville sprach sich zudem für eine legalisierte, staatlich kontrollierte Prostitution aus. Er galt unter anderem Friedrich Hayek als bedeutender Vordenker.[1] Seine These, dass individueller Nutzen nicht mit globalem Nutzen identisch sein muss, wurde zu einem wichtigen Theorem der Ökonomie, das nach ihm auch Mandeville-Paradox heißt.“ (Über Mandeville)

Neoliberalismus braucht nichts Gutes zu tun, um Erfolgreiches hervorzubringen. Erfolg ist Essenz der Macht und der Überlegenheit.

Hayek ist ein Gläubiger des Erfolgs. Moral oder das Gute kann ihm gestohlen bleiben.

Und nun das Unglaubliche – und dennoch Alltägliche: Christliche Wirtschaftspolitik ist – im Sinne der volkstümlichen Moral – etwas Sündiges und dennoch Göttliches.

Deshalb gibt es bei uns in Deutschland keinen entscheidbaren Streit zwischen den Christlichen und den ungläubigen Sozialen, die Gott als Vorbild ihrer Moral ablehnen.

Grundmoral im christlichen Abendland und allem, was dazugehört, ist christliche Allmacht, die sich alles erlaubt und alles, was sie selber will, für göttlich – und alles, was der Feind will – für sündig und abscheulich hält.

Dabei dürfen wir nicht vergessen: es gibt zwei Grundmoralen im Westen: die Autonomiemoral der Griechen, die keinen Gott brauchen, um herauszukriegen, was sie für richtig halten sollen – und dem Recht des Allmächtigen im Himmel, der alles für heilig hält, was er gerade selbst will und alles für verdammenswert, was er nicht will.

In den USA gibt es deshalb immer zweierlei Christenarten: die einen halten alles für richtig, was Trump, der Vertreter der Obrigkeit, für richtig hält, auch wenn er sonstigen Direktiven der Bibel fundamental widerspricht.

Die anderen interpretieren das Biblische autonom. Sie forschen und wählen, was ihnen am wahrscheinlichsten erscheint.

Würden diese zwei Lager miteinander streiten, käme es zum Religionskrieg – wie einst Lutheraner gegen Calvinisten.

Da niemand mehr einen Religionskrieg will, vermischen sich die Ähnlichkeiten und Widersprüche zu einem stinkenden Gemenge aus Abwässern und Abfall.

Die Vernünftigseinwollenden exzerpieren, was sie für am sinnvollsten halten, ohne sich Gedanken über Allmacht, Mandeville u.ä. zu machen.

Die wortwörtlich Glaubenden verachten die Bibel und berufen sich nur auf ihren Verstand – ohne sich aber auf den Grundsatzstreit der Bibelhermeneutiker einzulassen.

Für die wörtlich Glaubenden gibt es keinen menschlichen Verstand, der sich erkühnen dürfte, das Gut-Böse-Spiel der wörtlich Glaubenden zu beurteilen.

Um die Begriffsverwirrungen der Gegenwart zu bereinigen, müsste das Abendland erst mal seine 2000 Jahre Vergangenheit aufräumen. Diese Mischung aus Autonomie und Heteronomie, ist der Grund unserer intellektuellen Blindheit.

Der ungarische Besieger Orbans wird in Deutschland mit zweifelnden Augen betrachtet, weil er sich „als rechts“ vorgestellt hat. Ohne sich zu erinnern, dass die Christdemokraten mindestens seit Adenauer sich als rechts bezeichnen.

Die Begriffsverwirrung aus bedeutungslosem rechts, halbrechts, links und halblinks sind unvermeidbar, denn alle diese Lokal-Definitionen sind leer und bedeuten nur, was ihre Schreiber im Moment ihres Schreibens emotional – aber nicht verstandesgemäß – für richtig hielten.

Das sind ähnliche Verwirrungen wie im alten Athen, als die Rhetoriker mit propagandistischer Absicht die Begriffsklärungen der Weisen in Müll zerrieben.

Die Weltprobleme werden den Globus in seinem täglich neu hergestellten rhetorischen Müll ersticken, wenn niemand das Grundproblem sieht und globale Dialoge und strenge Streitgespräche fordert, um die politische Atmosphäre zu reinigen.

Fortsetzung folgt.