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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLIX

Tagesmail vom 04.05.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLIX,

Was geschieht in diesem Moment auf Erden?

Weiß die Menschheit noch, was sie tut?

Pardon, nicht die Menschheit, sondern ihre Superreichen, die sich die irdische Macht mit Hilfe ihres ungeheuren Geldes und ihrer technischen Meisterschaft unter den Nagel gerissen haben?

Jeden Tag erleben wir neue Finten, neue Lügen, neue Taktiken, neue Rückzüge und Irrwege. Weltpolitik ist zum globalen Machtspiel geworden, in dem jeder jeden an den Pranger stellen will.

Die Medien haben nichts Besseres zu tun, als täglich die verwirrenden Einfälle der Militärführer zu durchschauen und die neuen Ziele zu offenbaren.

Politisch denkende Menschen müssen militaristisch denken lernen, um die Erde in einen Planet der Versuchungen zu verwandeln.

Ist das der Fortschritt, den sie verlockend beschreiben?

„Das Manifest der US-Firma Palantir steht für das neue Silicon Valley: autoritär, latent rassistisch, angetrieben von Machtgier und Steuergeld – gern auch aus Deutschland. Doch unser Digitalproblem reicht tiefer. Alex Karp hat vergangenes Jahr gemeinsam mit einem Co-Autor ein Buch veröffentlicht, das für die sozialen Medien zu einem bizarren Manifest mit 22 Punkten destilliert wurde. »Auf vielfachen Wunsch«, wie der einleitende Post erklärte. Es gibt zwischen den reaktionären politischen Ansichten von Alex Karp und der Unternehmensposition von Palantir augenscheinlich keinen Unterschied. Das Palantir-Manifest strotzt vor kaum verhohlenem Augenzwinkern in die Richtung rechtsextremer Ideologien. Es stellt verklausuliert die Pressefreiheit und Kritik an Regierenden infrage (»wir sollten viel gnädiger mit jenen sein, die sich einem Leben in der Öffentlichkeit unterwerfen«), atmet offene Staatsverachtung (»Beamte müssen nicht unsere Priester sein«) und behauptet, es herrsche vielerorts eine »Intoleranz gegenüber Religiosität«, der man sich »widersetzen« müsse. All das im Angesicht der Tatsache, dass der »Kriegsminister« der USA sein Militär zum Beten nötigt und der Präsident, für den Karp und andere fleißig spenden, sich selbst für den Messias zu halten scheint.“ (SPIEGEL.de)

Streng gesprochen, fallen wir zurück in verhängnisvolle frühere Zeiten. Neue Maschinen sollen realisieren, was im Zweiten Weltkrieg das Denken der Menschen im Banne hielt: Kampf gegen Demokratie, Rassismus, Eroberung des Globus, elitäre Herrschaftsträume, Auserwähltheitsphantasien.

Die Thiels, Karps und Musks wollen ihre eigene Befehlszentralen auf ungeheuren Schiffen, die sie nach Belieben dirigieren können.

Die Heilige Schrift ist ihr wegweisendes Buch, das sie zu politischen Zwecken wieder entdeckt haben:

„Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden. 13 Da sprach Gott zu Noah: Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. 18 Aber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen mit deinen Söhnen, mit deiner Frau und mit den Frauen deiner Söhne. Und du sollst in die Arche bringen von allen Tieren, von allem Fleisch, je ein Paar, Männchen und Weibchen, dass sie leben bleiben mit dir. 20 Von den Vögeln nach ihrer Art, von dem Vieh nach seiner Art und von allem Gewürm auf Erden nach seiner Art: Von den allen soll je ein Paar zu dir hineingehen, dass sie leben bleiben. 21 Und du sollst dir von jeder Speise nehmen, die gegessen wird, und sollst sie bei dir sammeln, dass sie dir und ihnen zur Nahrung diene. 22 Und Noah tat alles, was ihm Gott gebot.“

Seitdem warten sie auf ihren Noah-Yachten auf die globalen Katastrophen, die die Majorität der Menschheit auslöschen und sie als Auserwählte des Herrn deklarieren werden.

Damals hatte die Welt noch einerlei Sprache und einerlei Worte. Das gefiel dem allmächtigen Schöpfer nicht:

„Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! 8 So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.“

Wer ist der schlimmste Feind des Menschengeschlechts? Der Herr, der seine Geschöpfe als zerstörerische Konkurrenten betrachtet. Er wählte sich ein Volk als Lieblingsvolk und versprach:

„Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

Aus dieser Urreligion erwuchsen drei Erlösungsreligionen, die erst in der Gegenwart dazu bereit sind, einen Entscheidungskampf zu führen, welche die wahre Religion offenbart.

Der irdische Kampf der Menschen ist aber nichts anderes als der Kampf zwischen Gott und dem Teufel, seinem Knecht und Feind.  Wie kann ein treuer Knecht zugleich der schlimmste Feind seines Herrn sein?

Befinden wir uns nicht in einer Eingott-Religion, in welcher der Allmächtige keinen Konkurrenten duldet?

Das ist das große Geheimnis des Monotheismus. dass er in unauflöslichen Widersprüchen schwimmt und niemand diese Widersprüche lösen kann.

Auch die Griechen kannten den Widerspruch als Bestandteil ihres Denkens:

„Die Einheit der Gegensätze ist das Gesetz der Veränderung“, sprach Heraklit.

Für Hegel war der Widerspruch das große unlösbare Rätsel seines gymnasialen Lernens. Sowohl in seinem Glauben als in seinem philosophischen Studium traf er auf unauflösbare Widersprüche. Sollte er seine geliebten Griechen aufgeben und pietistisch fromm werden – oder sollte er die Theologie in den Wind schlagen, um den Atheisten zu folgen?

Hier entscheidet sich das Schicksal der jungen deutschen Geschichte. Denn Hegel weigert sich, sich zwischen Antike und Religion zu entscheiden.

Nietzsche war der Nachfolger Hegels:

„Nietzsche hatte klar erkannt, dass Griechentum und Christentum zwei widereinander strebende Elemente unserer Bildung sind. Nietzsche antwortet ganz wie Goethe, mit dem er sich in diesem Punkt eins weiß: „Das Griechentum ist natürlich, das Christentum unnatürlich. Das Christentum ist wie ein böser Frost einer langen Nacht, bei dem man glauben sollte, es sei für alle Zeit mit der Vernunft und der Ehrlichkeit der Menschen vorbei, der Kampf gegen den natürlichen Menschen hat den unnatürlichen Menschen gemacht“. Deswegen ist die Verquickung von Griechen- und Christentum ein Grundfehler der Philologie. Die Philologen, die auf den heidnischen Sinn verzichten, sind verzwickte Christen, unfähig, das Griechentum zu verstehen.“ (Lütgert, Das Ende des Idealismus …)

Hegel musste den eisernen Widerspruch zwischen Athen und Jerusalem lösen:

„Der Widerspruch ist das Beben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes. Es ist dies eine zu große Zärtlichkeit für die Welt, von ihr den Widerspruch zu entfernen; in der Tat ist es der Geist, der so stark ist, den Widerspruch ertragen zu können. Der Satz des Widerspruchs … ist die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit. Das Denken des Widerspruchs ist das wesentliche Moment des Begriffs. Widerspruch und Lösung des Widerspruchs durchzumachen ist das höhere Vorrecht lebendiger Naturen.“

Das hat bis heute niemand begriffen. Denn was unbequeme Logik ist, weiß kein Deutscher mehr in den christlich infizierten Kulturen.

Für Hegel galt es, eine neue Epoche auszurufen. Das Ziel musste sein, sich von der alten Geschichte zu befreien, die Antike mitsamt ihrem christlichen Rost zu überwinden. Der Trieb zur Antike wie zu aller Geschichte darf niemals aus einem antiquarischen Interesse, sondern aus dem Verständnis der Gegenwart und ihrer Bedürfnisse entstehen.

Was aber ist der Inhalt der neuen Kultur? „Es ist die Erzeugung des Genies oder das unbewusste Ziel der Natur. Darum ist es die Aufgabe der menschlichen Geschichte, den Genius mit Bewusstsein zu erzeugen, die Bedingungen für sein Auftreten und seine Wirksamkeit herzustellen. Ihn zu verstehen und zu verehren. Das Geniale in sich selbst und in andern zu pflegen, das ist der Sinn der Geschichte. Das Bildungsideal ist hoch aristokratisch, weder demokratisch noch sozial. Die materialistische Geschichtsphilosophie des Sozialismus wird mit Verachtung verworfen.

Das ist der Grund bis zum heutigen Tag, dass die „jämmerlichen“ Kompromisse nichts taugen, um die ehernen Widersprüche zu überwinden. Die Massen schwanken noch bis heute zwischen christlichen und griechischen Aspekten – die sich niemals versöhnen lassen.“

Hier beginnt die knochentrockene Herrschaft der Althistoriker, die, wie in einer preußischen Kaserne nur die eisenharte Logik der antiken Philosophen zulassen, aber keine dümmlichen Kompromisse zwischen Denken und Glauben.

Bislang waren die Schuljahre, infiziert vom Geist der Antike, für die Schüler glücklich. Der beginnende Konflikt zwischen Athen und Jerusalem änderte alles.

„Der Durchschnitt der Schüler stand unter dem Druck beständiger Angstgefühle, durch welche die Jugend entweder überlastet oder abgestumpft wurde. Aber jetzt trug die immer schärfer werdende Spannung zwischen Antike und Christentum den religiösen Zwiespalt unerbittlich in die Seele der höheren Schüler.

Geibel:
„Drei sind Einer in eins: der Hellene, der Christ und der Deutsche.
Ach und die Kämpfe der Zeit kämpf ich im eignen Gemüt
Könnt ich in jedem Gefühl sie versöhnen, in jedem Gedanken
Bildung, Glauben, Natur – wär ich ein seliger Mensch.“

Die Schüler bleiben innerlich leer, arm, unberaten, ungeleitet, ungewarnt und ungeschützt. Eine öde, trübe Stimmung legt sich über die Schule, die das Herz leer lässt und das Gewissen vernachlässigt, bis der steuerlose Junge mit einem Selbstmord endet.“

„Die enge Verschmelzung von Deutschtum, Christentum und Antike begann sich zu lösen, eine schwere Krisis, die schmerzhafte Erschütterungen zur Folge haben musste.“

Das war zu Beginn der Bismarckzeit, in der die Deutschen den französischen und englischen Kapitalismus aufzuholen begannen und den sozialen Kampf der Klassen durchfechten mussten. Hier erst wurde der Neoliberalismus als Frucht des neuen Positivismus erfunden.

Der Kampf zwischen Gott und Teufel ging in die nächste Runde. Noch heute kämpft die Schuljugend mit den Dämonen Luthers, Zwinglis und Calvins – ohne zu wissen, mit wem sie es zu tun haben. Der Westen beginnt auseinanderzubrechen.

Fortsetzung folgt.