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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLIV

Tagesmail vom 23.03.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLIV,

Die Geschichte der Menschheit ist ein unerbittlicher Kampf der Völker, von welcher Zeit-Ordnung wir tatsächlich beherrscht werden.

Ist Geschichte eine gerade Linie, auf der man alles kurz geschehen lassen muss, um es auf Nimmerwiedersehen zu vergessen und zu verleugnen?

Oder ist sie ein Kreis, den man immer wieder umkreisen muss, um sie ständig zu erneuern und wiederzubeleben?

Linien-Religionen rasen durch die endlose Zeit, um das Vergangene hinter sich zu begraben und dann in die unbekannte endlose Zukunft hinwegzueilen. Nur Mythen deuten ihnen an, woher sie kommen, nur vage Utopien fabulieren über die Zukunft.

Kreis-Religionen glauben an eine kugelrunde Natur, die man immer im Kreis umwandern muss, um sie neu zu erleben und das Alte in frischer Form zu regenerieren.

Bücherreligionen wie das Judentum, das Christentum und der Islam sind Linienreligionen, deren heilige Bücher für sie Offenbarungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind.

„Indianer hingegen sehen sich als Lebewesen unter vielen: als Verwandte des Bibers, des Ahorns, der Maispflanze, des Flusses, des Berges. Indianer denken in Kreisen. Die Schöpfung ist ein Kreis. Auf ihm, dem Kreis der Schöpfung, nehmen alle den gleichen Kreis ein. Eine Hierarchie der Macht ist auf einem Kreis nicht möglich. Religion ist kein Opium fürs Volk. Religion ist Kultur, ist Philosophie, ist Orientierung im Gefüge des Universums. Ein Wort für „Religion“ gibt es in indianischen Sprachen nicht. „Sünde“ gibt es nur eine: die Erde und damit die Zukunft der Ungeborenen zu zerstören.“ (Biegert, Indianerschulen)

Wer an die Natur als Kreis glaubt, der ist unfähig, sie hinter sich zu zerstören, denn von der ständigen Wiederbegegnung mit ihren Kostbarkeiten lebt er. Wie käme er dazu, das pulsierende Leben um sich herum zu beschädigen? Er würde ja sein eigenes Leben gefährden.

Der berühmte Urgeschichtsforscher Mircea Eliade definiert noch genauer:

„Der Hauptunterschied zwischen dem Menschen der archaischen und traditionsbezogenen – und dem Menschen der modernen Gesellschaften mit ihrer starken Prägung durch das Juden-Christentum – liegt in der Tatsache, dass der erste sich untrennbar mit dem Kosmos und den kosmischen Rhythmen verbunden fühlt, während der andere darauf besteht, nur mit der Geschichte verbunden zu sein. Natürlich hat der Kosmos auch eine „Geschichte“ – aber diese „Geschichte des Kosmos und der menschlichen Gesellschaft“ ist eine „heilige Geschichte“, bewahrt durch Mythen. Mehr noch, es ist eine „Geschichte“, die unbegrenzt wiederholt werden kann, insofern die Mythen als Vorbilder für Zeremonien dienen, die periodisch die ungeheuerlichen Ereignisse am Beginn der Zeiten wieder wirklich werden lassen. Die Mythen bewahren und vermitteln die beispielhaften Vorbilder für das gesamte verantwortliche Handeln des Menschen. Kraft dieser beispielhaften Vorbilder, die den Menschen einst in mythischen Zeiten offenbart wurden, werden Kosmos und Gesellschaft periodisch Wiedergeschaffen. Es ist nicht schwer zu begreifen, warum eine solche Vorstellung die Entwicklung von dem, was wir heute „Geschichtsbewusstsein“ nennen, unmöglich machte.“ (M. Eliade, Kosmos und Geschichte)

Von daher dürfte es niemanden wundern, dass die heutige Naturverwüstung allein das Werk der modernen Linienzeit sein kann. Die Gegenwart interessiert sich nicht für die Vergangenheit und spekuliert nur über die ungeheuren Genieleistungen der Zukunft. Schon heute sehen sie sich als Bewohner des Mars, als Herrscher des Universums – die zerrüttete Erde geben sie mit leichter Hand verloren.

Natürlich glauben die Linienfrommen an die Vergangenheit ihrer Religion, die man in Heiligen Schriften nachlesen kann. An diese Vergangenheiten aber muss man blindlings glauben. Beweisen kann man hier nichts. Sie sind himmlische Offenbarungen, die man nur im Glauben erfassen kann. Mit empirischen Beweisen ist hier nichts zu machen.

Mit der Moderne beginnt die systematische Ausbeutung der Natur. Die christliche Religion ist eine Linienreligion, die an das kommende Heil der Zukunft glaubt. Der Herr wird kommen, die Menschheit in Erwählte und Verworfene teilen und das Neue Reich des Heils bringen.

Francis Bacon war eine Hauptfigur der auszubeutenden Natur mit Hilfe der Technik.

„Die Bilder, die er benutzt, um seine neuen „wissenschaftlichen“ Ziele und Methoden zu umreißen, entstammen zu einem guten Teil dem Gerichtssaal. Sie zeigen die Natur als Frau, die mit mechanischen Vorrichtungen gefoltert werden muss, und erinnern sehr an die Verhöre bei den Hexenprozessen und die mechanischen Vorrichtungen, die bei der Folterung der Hexen benutzt werden.

Der Mann der neuen Wissenschaft soll nicht glauben, dass das Verhör der Natur etwas Unerlaubtes oder Verbotene sei. Die Natur muss durch Mechanik „bezwungen und bearbeitet werden“. Die „Untersucher und Erforscher“ der Natur haben die Aufgabe, ihre Geheimnisse und Pläne auszukundschaften. So wie der Schoss der Frau sich symbolisch der Zange geöffnet hat, so hegt der Schoss der Natur Geheimnisse, die man ihr zum Besten des Menschen durch Technik entreißen kann.“ (Carolyn Merchant, Der Tod der Natur)

In einem Kreislaufdenken wären solche einmaligen Zerstörungen unmöglich. Denn hier gibts nichts Einmaliges. Hier wiederholt und erneuert erneuert sich alles. Just so, wie der Bauer im Frühjahr regelmäßig die wiedererwachende Natur erlebt – wenn sie nicht schon von Maschinen und chemischen Stoffen restlos zerstört wurde.

Natur ist wie der Körper der einmaligen Frau, die vom Mann auseinandergenommen wird.

„Aus einer tätigen Lehrmeisterin und Mutter – ist ein geistloser, unterwürfiger Körper geworden. Die neue mechanische Ordnung und die mit ihr zusammenhängenden Werte „Herrschaft“ und „Kontrolle“ führen den Tod der Natur herbei.“ (ebenda)

Verstehen wir allmählich, warum Epstein’sche Sex-Verschwörungen und virtuelle Vergewaltigungen die Frauen restlos erniedrigen sollen?

Die moderne KI-Menschheit hat noch nicht verstanden, dass der Kreislauf der Natur sich endlos wiederholen muss – und wiederholen kann.

Die genialen Menschheitsgenies schlagen die Vergangenheit ihrer linearen Geschichte tot – um sie mit Hilfe ihrer Technik gänzlich neu und unerwartbar zu übertreffen.

Ein Mensch ist nicht dazu da, alles zu wiederholen, was er ausgerottet hat.

Er muss das Alte gnadenlos vernichten, um ein gänzlich Neues aus dem KI-Hut zu zaubern.

Wer das verhindern will, muss die Linien-Zeit sofort verlassen und zum Kreis überwechseln.

Die Deutschen huldigten noch bis zum Zweiten Weltkrieg dem uralten christlichen Motto:

„Die Geburt der Nation im Kriege“ oder „Töten, um aufzuerstehn.“

Das beruhte noch auf der Zeit der Einmaligkeiten. Ökologen halten nichts von rasenden Zeitereignissen, nur die Entfaltung der Natur braucht ihre Zeit.

Sie halten fest an ökologischem Kreislaufdenken.

Fortsetzung folgt.