Tagesmail vom 16.03.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLIII,
Wir wissen nicht, woher wir kommen, wir wissen nicht, wohin wir können oder sollen – wir wissen nur, dass wir „raus“ müssen.
Raus aus der grauen Hölle des Alltags, hinweg ins Licht des Südens. Unser Paradies heißt Urlaub.
Urlaub? Nöö. Auch das gefällt uns schon lange nicht mehr.
Kein TV-Film, in dem es nicht heißt: hej, gehst du mit mir? Nur du und ich? Raus in die Welt, zu Menschen, die nicht dauerdeprimiert, sondern fröhlich sind und noch singen und tanzen können?
Sie verdrehte die Augen und warf sich schmerzgekrümmt aufs Polster: gibst du mir meine Pillen?
Haben die Deutschen ihre schreckliche Geschichte schon bezwungen? Natürlich nicht, mit aller Gewalt sind sie dabei, jene zu vergessen und zu begraben. Das mühsam Verschüttete kann nie verstanden werden. Zumal niemand das Vergangene verstehen will.
Mit starren Gesichtern die jährlichen, pseudo-religiösen Erinnerungsfeiern überstehen: sollen das Erinnerungen sein, um das Schreckliche nie mehr zu wiederholen? Forget it.
Opfer und Täter müssen beide verstanden haben, was geschehen ist. Nicht, um die Schuld zu verdrängen, sondern im Gegenteil, um sie zu entschlüsseln.
Die einen müssten wissen, warum sie das Heraufkommen der Katastrophe nicht sahen, die anderen, warum sie den teuflischen Befehlen ihrer Führer nur blind gehorchen wollten.
„Der Philosoph Eric Voegelin sprach schon Ende der dreißiger Jahre von politischen Religionen, die gleichsam transzendentale Jenseitsvorstellungen in dem Sinn säkularisierten, dass sie die „Erlösung“ weltimmanent prophezeiten und so den Totalitarismus schufen. – Karl Löwith und Norman Cohn haben in unterschiedlicher Weise auf gewisse Parallelen mittelalterlicher Endzeitstimmungen und moderner totalitärer Utopismen hingewiesen. Sehr wohl kann ein weiter Bogen von den Erlösungshoffnungen vieler Romantiker über die völkische Bewegung bis hin zu den Nationalsozialisten gezogen werden.
Der NS war sicherlich der radikalste Ausdruck einer politischen Religion – um heilsgeschichtlich das „Tausendjährige Reich“ zu initiieren“. (Michael Ley, Apokalypse und Moderne)
Unbestritten ist: die schlimmsten Judenfeinde der Neuzeit waren die Deutschen. Sie fühlten sich als die wirklichen Nachkommen der Juden, die in einem „nationalistischen Blut- und Wunderkult“ die verkommene Welt retten wollten.
Max Weber hatte prophetisch geschrieben: „Die alten Götter, entzaubert und daher in Gestalt unpersönlicher Mächte entsteigen ihren Gräbern, streben nach Gewalt über unser Leben und beginnen wieder ihren ewigen Kampf.“
„Die Aufklärung, die Französische Revolution und in ihrem Gefolge der Marxismus verheißen ein eschatologisches Ende der Geschichte und versprechen paradiesische Zustände auf Erden. Somit sind die neuzeitlichen Ideen des Fortschritts der Geschichte Substitute der christlichen Erlösungsidee. Die Vorstellung vom nahenden Weltende reaktualisiert die christliche Apokalyptik. Alle totalitären Bewegungen der Moderne – Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus – bekämpfen mit apokalyptischem Eifer wesentliche Errungenschaften moderner Gesellschaften und stilisieren gesellschaftliche Probleme zu einem apokalyptischen Endkampf zwischen den Söhnen des Lichts und der Finsternis.
Die politischen Religionen der Neuzeit haben ihren historischen Ursprung in der Offenbarung des Johannes, die gegen Ende des 1. Jahrhunderts in einer politischen und religiösen Krisensituation entstand. Dort wird mit der Wiederkunft des christlichen Messias die Vernichtung all derer prophezeit, die nicht an Jesus glauben bzw. den christlichen Geboten zuwiderhandeln. Die Juden werden mit dem Satan gleichgesetzt. Mit dem Erscheinen des Messias beginnt das 1000-jährige Reich.“ (ebenda)
Den modernen Satan haben wir bereits. Es ist Trump, der mit allen teuflischen Tricks die Welt an der Nase herumführt, um das Kommen des Heils vorzubereiten.
Christian Stöcker hat genau hingeschaut:
„Donald Trump wird oft als Faschist bezeichnet, aus guten Gründen. Die religiösen Begründungen für den Irankrieg, sein Größenwahn und seine Obsessionen zeigen aber: Seine wahren Vorbilder sind viel älter. Donald Trump versteht nicht viel von Geschichte. Trotzdem kann kein Zweifel daran bestehen, wer und was er gern wäre: Ein absolutistischer Herrscher von Gottes Gnaden, mit unbegrenzten Privilegien, einem willfährigen Hof und einem Land, das alle seine Kriege, extravaganten Wünsche und Impulse klaglos finanziert und anschließend bejubelt.“ (SPIEGEL.de)
Trump, dessen Familie aus Deutschland stammt, will das gescheiterte Unternehmen der Deutschen – die Herbeiführung des Endreichs – mit modernen Mitteln zu Ende bringen.
Einer seiner Haupträdelsführer ist Peter Thiel, der mit seinem KI-Reich die Vorstellungen von Silicon Valley realisieren will. Thiel ist ein offenbarer Apokalyptiker, der mit Hilfe seiner Geniefreunde das Ende dieser bekannten und ausgelaugten Welt herbeiführen will.
„Der Weltraum bietet für Thiel eine grenzenlose Fluchtmöglichkeit vor der Weltpolitik. Auf der Achse zwischen den Extremen Cyberspace und dem Weltall liegt für Thiel die Möglichkeit der Besiedlung der Ozeane. Seasteading bedeutet die Schaffung von Stätten mit dauerhaftem Lebensraum auf dem Meer, ohne dass Länder einen Einfluss auf diese Gebiete nehmen könnten.“ (Peter Thiel)
Peter Thiel ist ein entschiedener Endzeitdenker – mit seinen technischen Möglichkeiten will er das „1000-jährige Reich“ realisieren. Sein Motto lautet:
„Nur wer an Geheimnisse glaubt und nach ihnen sucht, wird in der Lage sein, jenseits der ausgetretenen Denkpfade neue und offensichtliche Möglichkeiten zu entdecken.“
Nein, Thiel glaubt nicht, dass technischer Fortschritt alle Probleme der Menschen lösen könne. „Technologischer Fortschritt wird nicht alle Probleme der Menschheit lösen, aber ohne technologischen Fortschritt werden wir gar kein Problem lösen.“ (Gespräch mit Jens Spahn)
Das alles sind Variationen utopischer Endzeitvorstellungen. Die Welt geht zu Ende, die technisch Fortschrittlichen aber werden gerettet werden. Wer nichts bringt, geht unter. Das ist Calvinismus der Endzeit.
Wer die Geschichtskonkurrenz gewinnen will, muss auf dem Qui vive der höchsten KI-Kunst sein.
Der Mensch an sich ist nicht mehr fähig, die riesigen Probleme der Endzeit zu gewinnen. Das können nur jene Gestalten, die das Know-How der Menschheit vollständig übernommen und – weitergeführt haben.
Wir kommen jetzt in jene Epochen, die den Menschen ablösen müssen. Jedes Genie wird in ein KI-Wesen verwandelt und lenkt aus dem Anonymen die Geschicke der Menschheit mit. Doch niemand weiß, wer das ist, der da lenkt.
Wir sind unbekannten, uns geistig weit überlegenen Wesen untertan.
„Unser Leben wird weniger frei sein als heute. Alles wird über jeden Einzelnen bekannt sein, von den Vorlieben über den Gesundheitszustand, den finanziellen Verhältnissen bis zum Bewegungs- und Konsumprofil.“ (Thiel)
Trump spielt den Gläubigen den frommen Erlöser vor, den Atheisten, den teuflischen Gegenspieler zu Gott. Er beherrscht alle Rollen, die er benötigt, um die Welt in seinen Bann zu ziehen.
Zusammen mit Netanjahu eröffnet er den Endkampf mit den Glaubensfeinden, um der Apokalypse Platz zu schaffen.
Noch ist er mächtiger als der israelische Ministerpräsident. Doch dieser hofft, den ausgelaugten Amerikaner bald zu übertrumpfen und mit Unterstützung der amerikanischen Militärmacht die Welt unter seine Kontrolle zu kriegen.
Wie ist die Stimmung in Israel? Verwunderlich hoffnungsfroh:
„Während Millionen Menschen in der Region die militärische Operation der USA und Israels sowie deren Folgen fürchten, ist die israelische Gesellschaft in Jubelstimmung. Laut den jüngsten Umfragen unterstützen 93 Prozent der jüdischen Bevölkerung den Krieg. In einem Artikel der Zeitung Yedioth Ahronoth fängt ein Journalist die euphorische Stimmung ein: Während wir den monströsen iranischen Kraken loswerden, gehe ich die Straße entlang. Die Geschäfte sind geöffnet, Wolt-Kuriere eilen herum, um Sushi, Shawarma und überteuerte Schokoladenkuchen an israelische Bürger zu liefern. Menschen joggen im Park und zu Hause habe ich Strom, warmes Wasser und Internet. Das Pilates-Studio ist geöffnet und die israelische Börse bricht Rekorde. Und genau in diesem Moment starten über meinem Kopf Kampfflugzeuge der Luftwaffe zu einem weiteren Einsatz … Mit unglaublicher Präzision zerstören sie das Haus eines mittleren Offiziers der Revolutionsgarden … So sieht also der bedeutendste Krieg seit der Staatsgründung aus? Er sieht so aus, weil der Staat Israel ein Wunder ist, das sich nicht erklären lässt.“ (derFreitag.de)
Das ist der wahre Glaube der Ultras: nie die Hoffnung aufgeben, Gott ist stets auf ihrer Seite. Ein cleverer Ultra ist stets den Gojim überlegen.
Wo bleiben hier Avraham Burgs humanistische Ideals von der Versöhnung zwischen Juden und Deutschen?
Die kannst du vergessen.
„Es gibt keine separate jüdische Menschheit, und es darf sie nicht geben. Menschheit ist Menschheit ohne Kompromisse und Ausnahmen. Nicht einmal für uns. Mit der Streichung dieses Begriffs aus unseren Gesetzbüchern werden wir befreit und frei sein.“ (Burg, Hitler besiegen)
Burgs versöhnliche Stimme wird in Deutschland nicht gehört. Hier hört man nur von den Heldenstreichen eines Netanjahu.
Gerade deshalb müssen wir Burgs Stimme umso lauter verkünden:
„An dem Tag, an dem wir frei sind, werden wir auch Deutschland freigeben. Wir sollten nicht ewig Geiseln der Erinnerung bleiben. Wir sollten nicht in der Vergangenheit leben, sondern von ihr geheilt werden, Wenn Israel Deutschland frei gibt, wird es der Welt besser gehen. Das wird unser Beitrag für die Leidenden der Welt und die gegenwärtig Verfolgten sein. Vielleicht ist eine jüdisch-deutsche Vision einer besseren Welt möglich, eine Vision, die das wunderbare deutsche Judentum vom Zeitpunkt seiner Vernichtung weiterführt. Es waren die erstaunlichsten Juden, die wir je hatten. Es war ein Judentum, das auf Friedfertigkeit, Versöhnung, hoher Kultur, Identität, Integration, Judentum und Universalismus, Glaube und Universalismus, Glaube an den Menschen und unendliche Unschuld bis zu seinem Ende basierte.“
Wir enden mit den tröstlichen und verheißungsvollen Worten von Avraham Burg. Trump, Thiel, Netanjahu und Konsorten sollen in ihren Mars-Löchern verschwinden.
Fortsetzung folgt.