Tagesmail vom 09.03.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XLII,
Ökologische Politik muss Weltpolitik sein. Natur ist nur eine, also dürfte die Menschheit auch nur eine sein.
Welche Völker oder Nationen sind eins?
Westliche Politik ist Konkurrenz, die unablässige Nötigung, die Menschen in endlos viele Einzelteile zu zertrümmern.
Mit einer Ausnahme: die Mächtigen und Reichen müssen eine geschlossene Kaste bilden – nur der Grad des Reichtums kann verschieden sein.
Was wir bräuchten, wäre eine Menschheitsphilosophie, die eine friedliche Erdbevölkerung als praktische und theoretische Norm besitzt.
Die Philosophie der Indianerschulen „ist eine Philosophie der gegenseitigen Fürsorge, des gegenseitigen Respekts, des Teilens und der Harmonie mit allen Dingen.“
Die Philosophie der herrschenden Weißen hingegen besteht nur aus Wettbewerb – sie muss gegen alle konkurrieren, d. h., sie muss in allen Dingen besser sein als sämtliche Klassenkameraden.
In den Survival Schools herrscht das Konzept der Zusammenarbeit, der gegenseitigen Unterstützung, der Verantwortung und Hilfe.
Der Lehrplan umfasst die ganze Gefühlswelt und Umwelt des Schülers.
Gelehrte der westlichen Hochkultur werden hier sofort misstrauisch und müssen an den platonischen Faschismus denken, der eine Kaste der Besten als Herrschaftskaste konstruierte, gegen deren absolute Macht sich niemand auflehnen durfte.
Sind „wilde Indianer“ geborene Platoniker, die nicht die Freiheit einer normalen Demokratie kennen?
Platon verachtet die individuelle Freiheit des Einzelnen und will die geschlossene Freiheit aller Bewohner, die identisch sein soll mit der absoluten Freiheit der Ideenwelt. Man könnte sagen, jeder perfekte Denker muss sein wie jeder andere, alles Abweichende ist ein Denkfehler und muss verhindert werden. Perfekte Menschen sind wie Engel, die gleich sind mit allen anderen Engeln. Das ist der Traum des KI-Faschismus, der Maschinen als Lebewesen erfindet.
Eine friedliche Indianer-Demokratie kann auf ideelle Perfektion verzichten, ihr genügt es, jedem seine persönliche Freiheit zu gewähren, die – oh welche Freude – der Freiheit seines Nachbarn absolut ähnlich, ja mit ihr identisch ist.
Natürlich gibt es auch in Indianerschulen Differenzen. Dann geschieht, was Sokrates in der wirklichen athenischen Demokratie vorschlug: es muss gestritten werden, bis man sich geeinigt hat.
„Ja, das erledigen wir in unseren beratenden Versammlungen in der Schule, wo alle Schüler und Lehrer sich zusammensetzen. Das Lehrerkollegium bringt das Problem zur Sprache und wir lösen es gemeinsam.“
Gemeinsames Lösen höchst verschiedenartiger Probleme durch höchst verschiedenartiger Charaktere – ist ausgeschlossen.
Reiche kennen nur eine Lösungsart ihrer praktischen Probleme: durch die Lösung müssen sie am meisten profitieren. Nur List und Tücke sind gestattet, um den meisten Mammon auf ihre Seite zu bringen.
Ob die Armen mit dieser Lösung der Politiker einverstanden sind, ist belanglos. Sie haben nichts – oder fast nichts – zu sagen. Ihr Freiheitsbegriff gilt nichts bei den Reichen, die nur eine Form der Freiheit kennen: ihr persönliches Wirtschaftswachstum.
Eben waren die Grünen noch an der Macht, jetzt vagabundieren ihre Leitfiguren in der Welt herum, während ein bislang eher zweitklassig eingeschätzter eingewanderter Flüchtling ganz unvermutet das Erbe seines Vorgängers gewonnen hat.
Niemand rechnete damit, jetzt reiben sie sich die Augen und grübeln, welche Gründe mitgespielt haben.
Das können viele Gründe sein, vornehmlich der persönlichen Art.
„Wer diese Wahl ganz sicher nicht gewonnen hat: die Grünen. Özdemir war inhaltlich schon immer eher flexibel, das kam in Baden-Württemberg gut an, dort nennt man so etwas Pragmatismus. Innerhalb der Grünen kommt so etwas gar nicht gut an, dort nennt man das Prinzipienlosigkeit oder Opportunismus. Vor 15 Jahren übernahm ein etwas wunderlich anmutender Herr namens Kretschmann die Regierung und führte seither erfolgreich das einstige CDU-Land Baden-Württemberg. Die Grünen im Bund machten sich trotzdem lieber über ihn lustig, als ihn zu kopieren. Wenn sie klug sind, denken sie diesmal etwas länger nach.“ (SPIEGEL.de)
Idealisten sind die Habecks und Baerbocks, die nur eine ideale Lösung anstreben. Alles andere empfänden sie als minderwertig und ist deshalb verboten.
Seit Platon ist das ein uraltes Problem. Entweder alles – oder nichts, entweder ideelle Perfektion oder endloser Pfusch.
Pragmatismus ist ein unklarer Begriff. Er soll bedeuten, nicht sofort das Ideale, Unerreichbare anstreben, sondern zuerst das Erreichbare und praktisch Mögliche.
Da aber die Liste des Möglichen und Erreichbaren immer länger wird, je größer die Anzahl der Armen wächst, (was das Lebensnotwendige bei ihnen betrifft), aber auch die Liste der Milliardäre, je länger sich ihr Fortschritt ins Endlose dehnt, je weniger kann es eine Parteipolitik geben, mit der die Propagandisten das Wahlvolk verführen könnten.
Hätte Özdemir verloren, hätten alle sofort gewusst: dieser Türke, was versteht der schon von der christlichen Hochkultur?!
So aber kam es anders als die meisten vermuteten. Ähnlich war es bereits bei Kretschmann, der nicht als erste Wahl galt. Da er aber immer Hannah Arendt zitierte, wollte man ihn nicht einfach negieren. Zudem waren die Frommen im Lande durchaus zufrieden mit dem fleißigen Wallfahrtswanderer.
Je komplexer eine Gesellschaft ist, umso unmöglicher ist es, gemeinsame Ziele zu definieren. Das wissen die Superreichen und lassen ständig neue Formeln erfinden, um die doofen Wohnungssuchenden noch verwirrter zu machen.
Die Reichen kennen nur technisch-komplexe Probleme, die sie von ihren Genies lösen lassen. Sie selbst müssen nur blechen und am Ende den Profit kassieren.
Zudem ist Özdemir im Schwabenland sozialisiert worden. Er kennt den Fleiß der Einheimischen, die seit Jahrzehnten treu ins Mercedes-Gelände einmarschieren, ihre Stechkarte löchern, und – letztendlich – ihren makellosen Fabrikbesitzern aufs Wort glauben.
Im Schwabenland fahren Gewerkschaftler mit dem Porsche aufs Gelände. Sie besitzen ihr Reihenhäuschen und ihren stereotypen Garten. Die Vorstellung, dass ihre Chefs dabei sind, „die Mutter Erde auszubluten, sie total zu zerstören, indem sie alles Öl und Gas heraussaugen“ – kommt nicht in ihren biederen Sinn.
Indianer leben nur vom Allernotwendigsten – und sprechen dann ein inniges Dankgebet. In Stuttgart ist der unterirdische Bahnhof noch immer nicht fertig, obwohl vor Jahren Heiner Geißler ein öffentliches Forum veranstaltete.
Die Schwaben kennen keine echte Zukunft aus KI und dem Flug auf den Mond. Das Höchste, das ihnen in den Sinn kommt, ist der Luxus-Mercedes, mit dem sie ins Himmelreich einfahren wollen.
Jeder Schreiber kennt eine andere Lösung, weshalb Özdemir mit siegreicher Mine das Studio verließ:
„Bis kurz vor der Wahl sah es nach einem historischen Erfolg aus: Die Linke wollte erstmals in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen. Doch auf den letzten Metern gerät die Partei ins Straucheln – und stößt auf ein grundlegendes Problem. Es ist letztlich ein grundsätzlicher Widerspruch, der sich in Baden-Württemberg einmal mehr zeigt: Die Linke ist vor allem dann stark, wenn die Macht am fernsten ist. Sind Mehrheiten links der Union in Sicht, kann es schnell eng werden.“ (derFreitag.de)
Nein, es hängt nicht an der Nähe zur Macht, sondern an der Nähe zum vertrauten Leben.
Indianer kennen die Weißen von einer ganz anderen Seite. Sie trauen ihnen alles zu. Schließlich haben sie die Völker ganzer Kontinente ausgelöscht.
„In uns verkümmert das Gefühl für unsere Mitmenschen, wir haben nur mehr uns selbst vor Augen. Weil wir in Schachteln groß gezogen wurden und in Schachteln bleiben, bis wir sterben. Die Gesetze wurden nur gegen die Ohnmächtigen und Schwachen eingerichtet. Leute mit Geld können sich Gerechtigkeit kaufen. Der Reiche muss keine Strafen fürchten, wenn er tötet. Er darf auch stehlen und betrügen, denn er kann sich die Freiheit erkaufen. Das ist das Gesetz des Menschen. Das natürliche Gesetz ist anders.“ (alle Zitate in Biegert, Indianerschulen)
Indianer wissen, was deutsche Unterschichten seit Jahrhunderten verdrängen müssen:
„Das ist der wahre Prozess der Zivilisation: Imperialismus. Das ist das Prinzip, worauf sie die Städte aufbauen. Der Prozess, den man als Ursache dieser Auswüchse annimmt, wird nicht durchleuchtet, von da ausgehend begründet man einfach die Zerstörung eingeborener Völker mit der Notwendigkeit des Kapitalismus. Auch Sozialisten müssen sich mittlerweilen ihre Ressourcen besorgen – und das macht sie ebenso zu Kapitalisten wie alle anderen.“
Was bleibt uns desolaten Schwaben übrig, als die Zerstörung der Erde mit Edel-Porsches zu vollenden?
Wir wissen längst: die Grünen haben sich nie umfassend mit der Zerstörung der Natur durch KI und Auspuff auseinandergesetzt. So schlimm wird’s schon nicht werden, lautete ihre Selbstbetäubung.
Die Brutalität des Russen Dostojewski kennen wir nicht. Der beschreibt seinen Raskolnikoff in blutiger Sprache:
„Raskolnikoff bedeutet losgelöst, abgespalten von den tragenden Kräften des menschlichen Seins – abgespalten vom Boden, von der Erde, dem nach Dostojewski unersetzbaren Kraftquell des Menschen. Als Angehöriger der russischen Intelligenzschicht, abgespalten vom russischen Volk, dem Träger wahrhaften, ganzheitlichen Lebens, endlich als Rationalist abgespalten von den Kräften der tieferen, elementaren Schichten der menschlichen Persönlichkeit. Die organische Einheit des Seins ist ihm verlorengegangen, der „euklidische“ Verstand – welcher Diener des Lebens sein sollte – ist Herrscher geworden.“ (KINDLERs Literaturlexikon)
Wer Döpfner folgt, darf keinen Russen verstehen. Verständnis für Verbrecher macht verbrecherisch. Wer Putin zu verstehen versucht, ist ein slawischer Völkermörder.
Deshalb alle Dostojewski-Fans jetzt abschalten, sonst kommen sie noch auf die Idee, Trump mit Putin gleichzusetzen.
Raskolnikoff ist besessen von der Idee des Nutzens. Um des Fortschritts willen ist es „dem „großen Mann erlaubt“ „lebensunwertes Leben“ zu vernichten, um lebenswertes zu erhalten und zu fördern.“
Jetzt können wir aufatmen: Ost ist West und Kapitalismus ist Kapitalismus.
Je radikaler die Welt vernichtet wird, desto freier atmen wir nach vorne – ins Unbestimmte. Wer Bestimmtes will, schränkt seine Freiheit ein. Das wäre das Ende von Ost und West.
Fortsetzung folgt.