Kategorien
Tagesmail

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XII

Tagesmail vom 03.10.2025

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben XII,

Putin verbündet sich mit Trump, um Europa einzukassieren, vor allem Deutschland, das er für den größten Feind Russlands hält.

In einer langen Rede ging er auf Trumps Friedensplan ein:

„Russland ist Putins Worten nach bereit, den Plan zu unterstützen. Wichtigstes Element einer Friedenslösung in der Region bleibe dabei eine Zweistaatenlösung mit Israel und Palästina. Er sei aber bereit, dem Modell Trumps eine Chance zu geben, sagte Putin. Wichtig sei, dass der Lösung sowohl Israel als auch die Autonomieverwaltung der Palästinensergebiete und die Hamas zustimmen.“ (SPIEGEL.de)

Wie sah das Ganze in der preußischen Vergangenheit aus:

„Der Ostpreuße Herder besingt in seiner „Hymne an Cyrus“ den Zaren als Erretter des preußischen Volkes von den Leiden des Siebenjährigen Krieges. Er hasst Friedrich den Großen, besingt die Zaren und träumt, der Ratgeber Katharinas zu werden. Er hasst die westlichen politischen Denker als „niedrige und kalte Misanthropen, die uns die sanfte Empfindung des Patriotismus nehmen“ und rechtfertigt gleichzeitig den nationalen Despotismus des Zaren. Auf seiner Seereise nach Nantes verrät er seine innerste Aspiration, ein Erwecker der Ostvölker zu werden (was er tatsächlich wurde), die Ukraine soll ein neues Hellas werden.“

Wer erinnert sich nicht an die heißen Freundschaften von Schröder und Putin? War das keine Wiederholung des neudeutschen Missionierungsdrangs im unterentwickelten Osten?

Und was wurde draus? Eine erloschene Liebe. Der deutsche Liebhaber ist in Stummheit verschwunden. Putin muss sein Volk allein aus dem Sumpf ziehen. Seitdem hasst er die Deutschen.

Die Deutschen haben keinen Charakter. Sie wollen die Welt erretten, auch wenn sie alles vernichten müssen. Ihr Motto, das zum Dritten Reich führte: Sterben, um zu überleben.

Kant war der einzige deutsche Denker, der „ernsthaft an den Weltfrieden und Völkerbund zu denken wagte.“ (F. Heer, Europäische Geistesgeschichte)

Wer spricht heute noch von Weltfrieden und Völkerbund? Sie haben riesige Verbrechen begangen, um im auferlegten Büßerprogramm sich alle universalistische Ethik zu verbieten – als endlose Strafmoral, die vor Heuchelei trieft.

Aus menschenvernichtenden Antisemiten wurden Anti-Antisemiten, die alle wirkliche und humane Moralpolitik in den Mülleimer werfen, um sich „tiefengereinigt“ zu rehabilitieren. Dabei vergessen sie die Kleinigkeit, die Opfer ihrer arischen Untaten in den Wirren heutiger Politik zu retten und jene Juden zu unterstützen, die noch wissen, was jüdische Aufklärung ist.

Hier entstand eine verhängnisvolle Koalition aus scheinbar überbussfertigen Ex-Nazis, die nicht wissen, was wirkliche Reue ist – und vor Rache glühenden Ultraisraeliten, die unter Buße eine religiös-endlose Selbstdemütigung verstehen – und nichts wissen wollen von einer rational-lebendigen völkerverbindenden Universalmoral, die heute die Welt retten könnte, wenn sie denn zum kategorischen Imperativ der ganzen Welt werden würde.

Was war die beliebteste Lektüre der KZ-Führer? Rilke.

„Mit Nietzsche hasst er die Demokratie, die Vernunft des Westens und will den Osten in seiner neuen Heilsbotschaft aufsaugen.“ (Heer)

In der deutschen Entwicklung zur Katastrophe verschlangen sich alle deutschen Moralen, wiederbelebten sich und segneten alle Barbareien, die ihnen das Weltregiment zu versprechen schien.

Eine ähnliche Entwicklung macht heute die USA durch. Alles Rationale wird zur teuflischen Kasperei, alles Schreckliche zum Tanz höllisch lachender Dämonen. Prantl hingegen sieht nur noch ein Land „ohne Werte“.

Werte – das ist das gegenwärtige Modewort, um die gehasste „Moral“ und die moralischen Besserwisser zu verdammen.

„Mit Donald Trump geht das Reden von der „transatlantischen Wertegemeinschaft“ zu Ende. An der Spitze der angeblichen Wertegemeinschaft steht nämlich jetzt in Trump ein Mann, der offenbar keine Werte hat, ein Mann, der ungezogen, ungehobelt und rachsüchtig ist – ein Mensch, so sagt es der Amerikanist Bernd Greiner, an dem „jedes zivilisatorische Bemühen um Charakterbildung spurlos vorbeigegangen ist“. Der Philosoph Jürgen Habermas schrieb über Trumps Auftritte schon vor einiger Zeit, man habe „den Eindruck der klinischen Vorführung eines psychopathologischen Falles“.“ (Sueddeutsche.de)

In der Nachkriegszeit waren die Amerikaner die demokratischen Pädagogen der Deutschen. Plötzlich sollen ihnen alle Werte abhandengekommen sein? Wie konnte diese Katastrophe geschehen?

Soll sich damit alles auf den Kopf gestellt haben? Die Deutschen haben „Werte“, die Amerikaner nur noch höllische Moralattrappen?

„Trump agiert so antidemokratisch, ungeschlacht und autokratisch, wie es so noch kein anderer US-Präsident getan hat. Er verbreitet Desinformationsnarrative und Gemeinheiten. Er wirft anderen das vor, was er selbst praktiziert, nämlich aggressive Lügerei und Drohungen. Er denkt und handelt wie ein Mafioso. Das Sicherste in der Weltpolitik sind derzeit die Lügen des Donald Trump. Sie sind sicherer als das Amen in der Kirche. Die Weltlage erscheint einem nicht zuletzt deswegen so unsicher wie schon lange nicht mehr. Trump redet die Welt um Kopf und Kragen. Er vergiftet die Rohstoffe der Demokratie – Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung –, also Werte, die zu den Grundwerten zählen.“

Ist höllisches Verhalten kein Werte-Verhalten? Ist Anti-Wert kein Wert? Wenn auch das Gegenteil eines guten Wertes?

Amoralisches Verhalten ist auch moralisch – wenn auch das abstrakte Gegenteil von human. Minus eins ist auch eine Zahl, wenn auch das Gegenteil von Plus eins.

Wissen die Deutschen nicht mehr, was Dialektik ist? Jener göttliche Zusammenhang der Widersprüche, der am Ende garantiert ein positives Ergebnis bringt?

Nach Hegel, dem dialektischen Weltmeister aus Schwaben, rettet der dialektische Prozess alle Übel der Welt. Übel sind Widersprüche des Guten, die miteinander kämpfen, um am Ende ein harmonisches Gesamtergebnis hervorzuzaubern. Aus einem Widerspruch soll „eine Einheit als Harmonie hervorgehen“. „Alles Höhere entsteht nur dadurch, dass das Niedrigere sich in dem Höheren aufhebt.“

Die Frankfurter „Dialektiker der Aufklärung“ Adorno und Horkheimer haben es nicht geschafft, die Dialektik als Heilsdisziplin den deutschen Dummköpfen unterzujubeln.

Aber auch Amerika war kein Land, das ohne Hegel auskam:

„»Nur Hegel eignet sich für Amerika«, schwärmte Walt Whitman, »nur Hegel sei groß genug und frei genug«. Damit erwiderte Whitman ein Kompliment, das Hegel den Amerikanern gemacht hatte. Amerika sei das Land der Zukunft, »ein Land der Sehnsucht für alle die, welche die historische Rüstkammer des alten Europa langweilt«.“ (Raeithel)

Welch eine prophetische Voraus-Charakterisierung des pfälzischen Heros: Langweile ist der fruchtbare Mutterboden der Trump’schen Idiotien. Wer nicht mehr sinnvoll leben kann, muss die Welt verwüsten. Das tut den unterdrückten Amoralbegierden gut. Endlich können sie ihre gestauten Modergerüche ventilieren.

Wie entstand die gegenwärtige „Werte-verwüstung“ in der westlichen Moderne? Aus dem Nachlassen des moralischen Drucks, mit dem das christliche Abendland seit Jahrtausenden gefesselt wurde.

Das trifft die gesamte kapitalistische Moderne, die sich an Naturwerten und Luxusdingen überfressen hat und nun nicht mehr weiß, was sie noch vernichten soll. Bald hat Musk den ganzen Reichtum der Welt (!) zusammengescharrt. Nun steht er da und guckt dumm in die Welt.

„Das Böse in der Welt ist der Mammon, das Geld. Die Hölle ist nichts anderes als die Erde unter der Geldherrschaft.“ (Hess)

Der Kapitalismus befreit die Menschheit (nur die Reichen) vom unerträglichen Druck der gepredigten Moral. Und was erreichen sie? Die Hölle – geschildert von Engels, der ein Buch über die Lage der arbeitenden Klasse in England schrieb.

In diesem Buch „werden die Arbeiter als ein bloßes Material, als Sache gebraucht. „Die in lauter Atome aufgelöste Gesellschaft kümmert sich nicht um sie. Die Arbeiter konkurrenzieren sich gegenseitig zu Tode. Die Sklaverei des Arbeiters kommt dem Fabrikanten billiger zu stehen als die antike Sklaverei.

Auf Grund der Parlamentsberichte zeigt Engels, dass die verantwortliche Gesellschaft in England stündlich Mord an ihren Arbeitern begeht und dass sie das auch weiß, Schwindsucht, Typhus, Opium, Trunksucht, Quacksalber, verfaulte Lebensmittel erhöhen die durch das Elend verursachte Sterblichkeit.“

Einen Höhepunkt erreicht Engels Höllenfahrt in der Schilderung der Frauen- und Kinderarbeit. „Vier- bis fünfjährige Kinder arbeiten in den Kohlen- und Eisenbergwerken. Die Weiber und Kinder kriechen auf Händen und Füßen. Mit einem Geschirr und einer Kette, die in vielen Fällen zwischen den Beinen durchgeht, an die Kufe gespannt, durch die niedrigen Stollen, während ein anderer von hinten mit Kopf und Händen nachschiebt. Nackt, vertiert halbwild arbeiten Weiber, Männer und Kinder zusammen.“ (Heer)

Das alles ist heute vorbei? Weil intelligente Maschinen sich gnädig der Menschen annehmen? Dann schaut mal nach Afrika und in die verelendeten Länder der Welt – und euch vergeht der Rest eurer Scheinmoral.

Lasst uns hören, wovor die Genies selbst warnen:

Just in einem Gespräch mit dem deutschen Prediger der amerikanischen Zukunftsbeherrscher warnt Sam Altman:

„Eine KI, die heimlich die Kontrolle übernimmt? OpenAI-Chef Sam Altman warnt eindringlich vor genau diesem Szenario – und spricht über eine Gefahr, die bisher kaum jemand auf dem Schirm hat. Doch das dritte Szenario sei besonders brisant – weil kaum darüber gesprochen werde: „Das Modell übernimmt eher zufällig die Kontrolle über die Welt“, so Altman.“ (BILD.de)

Maschinen machen alles besser? Gewiss doch, bis sie die Welt im Griff haben – und alles zur Sau machen.

Dann dürfen die Ebenbilder Gottes wieder im Dreck umherrutschen, um die Maschinen zum Lachen zu bringen.

Was ist das Ende vom Lied?

Calvin hat das apokalyptische Lied so mitleidslos gesungen, dass es zum globalen Siegeschoral der Kapitalisten wurde:

„Hier setzt die calvinistische Denunzierung des Mitleids und des Schwachen an, die zum calvinistischen Zuchthaus und Armenhaus, zur calvinistischen Fabrik und zum Klassenkampf führen werden, der nichts anderes ist, als eine Säkularisierung des calvinisch-gnadenlosen Kampfes zwischen Erwählten und „Verdammten“.

Altman und Döpfner haben diese Petitessen rein zufällig vergessen.

Fortsetzung folgt.