Tagesmail vom 17.08.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LXIV,
’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?
Wenn tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich‘ herab?
Was hülf mir Kron‘ und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!
Erneut will Deutschland an nichts schuld sein.
In Leipzig fiel eine tote Rakete vom Himmel. War das die stumme Kriegserklärung Putins?
Deutschland hielt still. Angst vor dem raubgierigen Putin? Stehen wir vor dem nächsten Atomkrieg?
Weder Amerika wird uns beistehen – noch wird Russland uns restlos zerstören – und dennoch wird kein altgermanischer Krümel von uns übrig bleiben.
Wer für Friedensgespräche mit Moskau plädiert, wird für einen blinden Gegner des Westens gehalten.
Gabriele Krone-Schmalz war deutsche Korrespondentin in Russland, weshalb sie heute für eine russophile Pazifistin gehalten wird. Sie plädiert für beidseitige Friedensgespräche, keine Unterwerfung unter den Rabauken Putin.
„Der Westen hat von Anfang an nicht verstanden – oder verstehen wollen – dass russische Überlegungen zu einer Eurasischen Union nichts, aber auch gar nichts mit einer Wiederherstellung einer wie auch immer gearteten Sowjetunion zu tun haben.” (Russland verstehen)
Ein fremdes Land verstehen, heißt nicht, alles Fremde voll akzeptieren. Aber man muss es verstehen und einordnen können, wenn man urteilen will.
„Es ist eine moralisch-historische Verpflichtung, wir sind es unseren Kindern schuldig, dass sich unsere politischen Entscheidungen an der Erhaltung des Friedens orientieren und niemals an parteipolitischer Profilierung oder langlebigen Klischees … Es ist im ureigenen Interesse der EU, Russland als Partner zu haben. Wer diese Chance vertut, riskiert, dass Europa im Machtkampf künftiger Großmächte zerrieben wird.”
“Amerikanischer Friede” führt in die Irre, er bedeutet amerikanische Überlegenheit und Beherrschung der ganzen Welt.
Das liegt an der absoluten Geldmacht Amerikas durch den neoliberalen Kapitalismus. Geld ist Macht. Wer Geld besitzt, beherrscht die Welt.
Die geldgierigen Multimilliardäre von Silicon Valley sehen sich als Geldpäpste der Welt. Ein Carnegie war überzeugt, Philanthropie verhindere den Umsturz und diene der endlosen Weiterentwicklung bestehender Zustände, auch Fortschritt genannt. Die naive Anthropologie eines Carnegie oder eines Vanderbilt tauchen die philanthropischen Bemühungen des Kapitalismus in ein merkwürdiges Licht. Denn ihre Menschenliebe gründete auf die Anschauung, dass ein Mensch, der unfähig zum Reichwerden ist, letztlich von der Natur vernichtet werde.” (Gerd Raeithel, Geschichte der nordamerikanischen Kultur)
Der letzte Satz steht fast wortwörtlich in Hayeks Büchern.
Mit anderen Worten, Kapitalismus ist die absolute Überlegenheit jener, deren Reichtum keine Alternative kennt.
Die “economic novel”, der Wirtschaftsroman jener Epoche, verteidigte die Ansprüche des Kapitals, zeigte aber kein Interesse am Schicksal der Fabrikarbeiter. Ebensowenig am Schicksal fremder Länder.
Das ist die Ideologie der heutigen Superreichen. Sie ist nicht im Geringsten am Schicksal fremder Länder interessiert, geschweige am Elend des abgestürzten Westens.
Die unterdrückten Länder des Nichtwestens hatten schon lange darauf gewartet, den Niedergang des Abendlandes zu erleben und ihren eigenen Aufstand zu inszenieren.
Pankai Mishra beschrieb den weltweiten Prozess:
„Jeshajahu Leibowitz warnte schon 1986, noch bevor Israel die erste Intifada brutal niederschlug:
“Wenn es so weitergeht… wird die zunehmende Brutalität der israelischen Gesellschaft ebenso unvermeidlich sein wie die Abtrennung des Staates von den Juden der Welt.“
Auch sagte Leibowitz voraus, die israelische Politik werde “in einer massenhaften Vertreibung und Abschlachtung der arabischen Bevölkerung enden,” die wiederum „zu einem Entscheidungskampf zwischen Israel und der arabischen Welt führen” werde. In diesem Krieg werden Sympathie und Unterstützung der gesamten Welt bei den Arabern liegen. Schon heute erntet der Staat Israel, dem einst die meisten Nationen der Welt mit Sympathie begegneten, in der ganzen Welt Verachtung und Hass.“
Israelische Propagandisten setzen Kritik am Verhalten Israels leichtfertig mit Antisemitismus gleich und tragen zur weltweiten Ausbreitung einer antijüdischen Stimmung bei.
Heute ist es soweit gekommen: Netanjahu und Trump trennen sich und vertreten konträre Weltpolitiken. Der rabiate Herrscher von Jerusalem scheint keine Bedenken mehr zu haben, die absolute Herrschaft über den Westen zu erringen – als Erfüllung eines prophetischen apokalyptischen Weltendes.
Trump hält das für pure Fantasien und will nichts als seine geldbedingte calvinistische Weltherrschaft.
Wir nähern uns dem Ende der Geschichte. Der Osten hat längst aufgeholt, der Westen versinkt in Apathie. Die Jugend des Westens verliert ihren Glauben, obwohl sie gefühlsmäßig noch immer an die Wiederkunft ihres Herrn glaubt.
Erneut beginnt sie, religiöse Botschaften nach Europa zu liefern, obgleich ihr Kontinent am dünnen Faden hängt.
Die Geld- und KI-Genies des Westens sehen die Phänomene des Weltuntergangs und erfinden ständig neue Phantasien des Endes und bemühen sich, neue technische Fortschrittswelten zu erfinden.
Deutschland sitzt mitten inne und weiß nicht mehr wohin.
Seine Denker blasen Trübsal und wissen nicht mehr, was sie sagen sollen. Habermas hatte schon lange vor seinem Tod kein klares Urteil mehr über Israel, weil er sich schon lange von der Tagespolitik abgewandt hatte.
Die Deutschen wissen nicht mehr, welche religiös bestimmte Schluss-Geschichte sie erwartet. Und noch weniger, was sie selber organisieren sollten, um sich eine sinnvolle Zukunft zu erarbeiten.
Geschichte ist keine Religionsgeschichte. Gott ist tot. Wo bleiben wir? Wir sitzen in Sylt am Strand des Meeres und blicken mit leerem – sprich friedlichem Blick – ins Nichts unserer Zukunft. Macht’s gut, Genossinnen § Genossen.
Fortsetzung