Kategorien
Tagesmail

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LXII

Tagesmail vom 03.08.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LXII,

Ran ans seltsame Werk! Machen wir die Erde zu einem heiligen Werk.

„Daher ist das Heilige das eigentliche und zutiefst Wirkliche, denn allein das Heilige ist auf eine absolute Weise, handelt wirksam, schafft und gibt den Dingen Dauer.

Die zahllosen Weihehandlungen – für Räume, Gegenstände, Menschen usw. – verraten die Besessenheit vom Wirklichen, den Durst des Primitiven nach dem Sein.“

Stellen wir uns vor, wir seien Architekten der Erde als Axis Mundi – was müssten wir tun, um nach getaner Arbeit die Hände in den Schoß zu legen?

Das wäre die Architektur des Mittelpunkts der heiligen Erde:

a) der heilige Berg – wo sich Himmel und Erde begegnen – befindet sich im Mittelpunkt der Welt;
b) jeder Tempel oder Palast – und in der Folge jede heilige Stadt oder königliche Residenz – ist ein “heiliger Berg” und wird so zu seinem Mittelpunkt;
c) die heilige Stadt oder der heilige Tempel ist Axis Mundi (die Achse der Welt) und wird daher als Treffpunkt von Himmel, Erde und Hölle angesehen.

Der Berg Thabor in Palästina könnte tabbur bedeuten, also Nabel, omphalos. Dem Berg Garizim in der Mitte von Palästina kam ohne jeden Zweifel das Prestige des Mittelpunktes zu, denn er wird auch “Nabel der Welt” genannt (Richter 9, 37: “Das Heer, das vom Nabel der Welt herabsteigt”)

Ein rabbinischer Text sagt: “Das Land Israel wurde von der Sündflut nicht verschlungen. Für Christen war Golgatha im Mittelpunkt der Welt, denn es war der Gipfel des kosmischen Berges und zugleich der Ort, an dem Adam geschaffen und begraben worden war. So konnte das Blut des Heilands auf den Schädel Adams fallen, der zu Füßen des Kreuzes begraben lag, und ihn erlösen. Die Vorstellung, dass Golgatha sich im Mittelpunkt der Welt befinde, hat sich in der Folklore der Christen des Nahen Ostens erhalten.”

„Infolge ihrer Lage im Mittelpunkt des Kosmos ist schließlich der heilige Tempel oder die heilige Stadt immer der Treffpunkt der drei kosmischen Gebiete: Himmel, Erde und Hölle.“

Verstehen wir allmählich, warum wir drei heilige Religionen benötigen, um die Erde als umkämpfte heilige Architektur zu beschreiben? (alle Zitate aus Mircea Eliade, Kosmos und Geschichte)

Verstehen wir auch, warum das Heilige Land der umkämpfte Mittelpunkt der Erde sein muss, auf dem entschieden wird, wer endgültiger Sieger über die Welt werden wird?

Moment mal, müssen wir sonst nichts verstehen, um den Kern der heiligen Religionen zu kapieren?

Langsam. Genossen und Genossinnen. Die pikanten Teile des Verdrängten kommen erst:

„Die Verdrängung des Geschlechtsaktes und der Feldarbeit ist in zahlreichen Kulturen sehr häufig. Im “Catapatha Brahmana “ wird die Erde dem weiblichen Zeugungsorgan (yoni) verglichen und die Saat dem männlichen Samen. “Ihr Frauen seid gemacht wie die Erde.“ Die meisten kollektiven Orgien finden ihre rituelle Rechtfertigung in der Absicht, die Kräfte der Vegetation zu fördern.”

Nein, wir können nicht alle globalen Beispiele aufführen, um den Zusammenhang zwischen Ökologie und Fortschritt zu zeigen.

„In Rom marschierten zur Zeit der Floralia (27. April) die jungen Burschen nackt durch die Straßen, während der Lupercalia berührten sie die Frauen mit der Hand, um deren Unfruchtbarkeit zu bannen. In Mittel- und Nordeuropa hatten die kirchlichen Autoritäten schwer zu kämpfen gegen die Schamlosigkeiten, die anlässlich der Erntefeste Regel waren. Alle diese Manifestationen richteten sich nach einem übermenschlichen Urbild und sollten universale Fruchtbarkeit und Fülle herbeiführen.”

Das also ist der tief verborgene Sinn der heutigen Schamlosigkeiten der Männer, wenn sie überall Frauen betatschen: sie haben Angst um ihren jämmerlichen Fortschritt, mit dem sie in der Welt konkurrieren müssen. Lüsternheit und Gier nach Geld sind nicht zusammenhanglos.

Ist Andrew Carnegie in seinem Buch “Das Evangelium des Reichtums…” ein Befürworter der Reichen oder der Armen? Hören wir wir, was er zu sagen hat:

„… eines der ernstlichsten Hindernisse für die Hebung der Menschheit ist unterschiedslose Mildtätigkeit. Es wäre besser für die Menschheit, wenn der Reichtum der Millionäre ins Wasser geworfen, als dass er ausgegeben würde, die Faulen, die Trunksüchtigen und Unwürdigen zu unterstützen.”

Hier müsste sich die heutige CDU voll bestätigt fühlen:

„Der ist der wahre Verbesserer, der in gleichem Maß bedacht ist, den Unwürdigen nicht zu helfen – wie den wirklich Würdigen zu helfen, denn im Almosengeben wird wahrscheinlich durch Belohnen des Lasters mehr Unrecht getan als durch Erleichterung der Tugend Gutes. Ein einziger Mann oder ein einziges Weib. dem es gelänge, vom Betteln zu leben, ist der Gesellschaft gefährlicher und für den Fortschritt der Menschheit ein größeres Hindernis als zwanzig wortreiche Sozialisten. Pflicht des Millionärs ist, sich zu entschließen, nichts mehr für Dinge zu geben, von denen ihm nicht zur Genüge erwiesen wäre, dass sie es verdienen.”

Das soll evangeliumsfeindlich sein? Dann lese er Matthäus 25, 29, 30:

„Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; dem aber, der nicht hat, soll auch das genommen werden, was er hat. Und den unnützen Knecht stosset hinaus in die Finsternis, die draussen ist. Dort wird sein Heulen und Zähneknirschen.”

Wie verträgt sich diese Preisung der sogenannten Nächstenliebe mit der Hayek’schen Liebedienerei der Reichen?

Die heidnischen Griechen, die sich um ihre Demokratie kümmern mussten und weniger um die Geschäfte des Himmels, hatten weniger Probleme mit den Armen. Muße war für Aristoteles eine Tugend, während der Muße konnte der Philosoph über die Probleme des Daseins nachdenken.

In der Moderne sind es Maschinen, die für den Unterhalt und Fortschritt der Menschheit zu sorgen haben.

Im religiösen Mittelalter sind es die Menschen, die füreinander sorgen müssen. Das Endziel der Frommen sind die Belange des Himmels, das Irdische ist jenseits ihrer Perspektive.

An dieser Stelle wird in Amerika die Pflicht des Himmels überwunden. Silicon Valley macht sich bereit, die jämmerliche Erde endgültig zu überwinden und ihre Perspektive ins Endlose auszuweiten.

Deshalb besteht die notwendige Aufgabe, für die letzten Dinge gerüstet zu sein – um sie zu überwinden.

Glaubt man heute noch den Worten Carnegies, der im Jahre 1907 schreiben konnte:

„Es gibt kein Land, wo Reichtum so wenig gilt wie in unserer Republik?“

Das sind die frühen Verlustängste eines neu entdeckten Kontinents, in dem die ersten Ansiedler um ihre ungewisse Zukunft gefürchtet haben.

Die Reichen arbeiten also nicht in erster Linie für sich – denn sie haben genug – sie arbeiten vor allem für die Armen im Lande, um diese reicher zu machen.

Ganz anders bei den Christen. Von Anfang an war der Himmel der Lohn für ihre Untertänigkeit, nicht Saus und Braus auf Erden.

Am Ende der Zeiten wird demnach der Zustand der Schöpfung wiederhergestellt, also eine Natur ohne Geschlechtsunterschiede. Christen würden dann zu “engelhafter Natur und Heiligkeit” umgewandelt.

Die Vermutung liegt auf der Hand: die Superreichen träumen davon, in den letzten Tagen zu Engeln der Vorsehung zu werden.

Zur Zeit kommt die große Frage auf: warum wacht die Menschheit nicht endlich auf, um die desolaten Verhältnisse wirklich zu verändern? Mojib Latifs Antwort;

Ich glaube, dass die Menschen in Deutschland keine Veränderungen wollen.

Könnte Latif nicht tatsächlich Recht haben? Sind die Abendländer nicht himmlischer eingestellt, als sie selbst wahrhaben wollen?

Diese liegen ermattet am Strand, um sich nicht um Jenseitiges zu kümmern, welches das Diesseitige beherrscht. Nichtstun ist für sie zum Makel geworden, den sie nicht verantworten wollen.

Religion hat sie bis ins Mark getroffen.

Das Griechische bleibt für sie belangloses Bildungsgut.

Griechen sind für sie nur Menschen geblieben, welche Meinungen haben, aber den Menschen nicht ins Herz schauen können.

Sie aber wollen endlich ins Kernige, ins Wahre aller Dinge. Solange sie sich dazu nicht für fähig halten, bleiben sie lieber bei den ermatteten Walen, um ihnen das Leben zu retten.

Jahrhundertealte Idealisten schwirren lieber im Himmel herum, als auf Erden zu verdorren.

Zukunft muss für die Deutschen im Unklaren bleiben, bevor sie sich selber dafür zuständig halten, für das Notwendige zu sorgen – und nicht Engel aus Silicon Valley.

Lieber wollen sie demütige Kinder aufziehen, als hybride Erwachsene, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben.

Fortsetzung folgt.