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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LVII

Tagesmail vom 29.06.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LVII,

Aus tiefer Not schrei ich zu Dir,
Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohr neig her zu mir
und meiner Bitt es öffne;
denn so du willst das sehen an,
was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?
Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst,
die Sünde zu vergeben;
es ist doch unser Tun umsonst
auch in dem besten Leben.
Vor dir niemand sich rühmen kann;
des muss dich fürchten jedermann
und deiner Gnade leben.

Schreckliche Worte des Reformators:
bei Dir gilt nichts denn Gnad und Gunst. die Sünde zu vergeben.
Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen.

All unser Tun taugt nichts, Hört auf, ihr Lebensretter von Caracas.

Martin Luther war ein germanischer Kraftprotz,
der sich irgendwann ermattet auf den Boden warf
und nur noch um Gnade flehte.

Aus der Bhagavadgita dringen uns unvergleichlich andere Töne ins Ohr:

„Das Heil der Welt bedenkend musst
Du stets der Tat Vollbringer sein.
Es ahmen alle anderen nach
Das was ein Edler einst begann,
Wenn er ein Vorbild aufgestellt,
So folgt ihm der gemeine Mann.
Es gibt ganz andere Weisheiten als zum Himmel flehende
Ein großes Land soll sein wie Stromes Tiefebene,
Soll sein des Erdreichs Sammelbecken,
Des Erdreichs Weiblichkeit.
Ewig überwindet das Weibliche
Mit seiner Stille das Männliche.
In seiner Stille ist es das Niedrige.”

Für Luther wären wir längst verloren.
Weshalb fromme Kanzlerseelen schon aufgegeben hätten.

Was ist der Unterschied zwischen Ost und West?

Lutheraner müssen auf die Güte des Herrn vertrauen.
Marxisten müssen der Güte des Seins vertrauen.

Abgrundtiefe Unterschiede zwischen Ost und West.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Doch was, wenn das Bewusstsein Niemandem vertraut?
Lernt es, sich irgendwann selbst zu vertrauen?

Was bleibt uns übrig?

Das SPIELEN, der Agon, das Streiten nach Regeln.

Jetzt sind wir bei den Hellenen gelandet.

„Die Idee des Wettkampfes als Hauptelement des Gesellschaftslebens ist von Alters her mit unserer Vorstellung der hellenischen Kultur verbunden.
Burckhardt nannte das Agonale eine Triebkraft, die kein anderes Volk kennt. Dem Orient blieb es fremd und feindlich. Vergeblich wird man in der Bibel nach agonalem Kampfe suchen.”

„Seitdem es Wörter für Kämpfen und Spielen gibt, hat man das Kämpfen gern ein Spielen genannt.“

Dann kam das Streiten nach logischen Regeln. Wer gewinnt, hat die besseren Argumente ins Feld geführt. Und wer entscheidet über die besseren Argumente?

In einer Demokratie entscheidet immer das Volk. Wie bitte?

Das Volk kann am besten logisch denken?

Sokrates war nicht der dogmatischste Logiker. Er gestand: ich weiß, dass ich nichts weiß.

Jetzt war das Volk empört. Zuerst streiten. Mit Argumenten streiten. Dann das Volk für doof erklären und den Streit für unauflöslich halten? Ein Schabernack der Logiker, um den Waffenmännern und Mehrheitsbefürwortern zugleich eins auszuwischen?

Auf diesen dürren Pfosten soll das Abendland errichtet worden sein?

Jetzt wird’s den Denkern mulmig.

Wer soll den demokratischen Streit in der Volksversammlung gewinnen, wenn die Regeln des Streits unklar bleiben?

„Im Euthydemos verwirft Sokrates die sophistischen Fallstrickfragen ausdrücklich als ein Spielen mit Lehrsätzen. “Mit diesen Dingen” sagt er ausdrücklich über das Wesen der Dinge selber, sondern nur, um die Menschen mit Spitzfindigkeiten zum Narren zu halten.”

Ist Demokratie nur ein Spielrevier, in dem Kinder Schabernack treiben können?

Wenn aber der logische Streit nicht entscheidungsfähig ist – gibt es dann andere Bühnen, die für sinnvolles Streiten sorgen können?

Kirchen sind keine Streitreviere. Demokraten waren noch lange unklar. Vielleicht sind sie es bis heute?

Waren die aufkommenden Aufklärer überzeugte Demokraten? Dann müssen sie die Skrupel des Sokrates negiert haben.

Und was sagen wir zum folgenden Satz?

„Die humanistische Auffassung der Antike ist eine aufklärerische Verwässerung durch das Christentum. Damit aber werden beide verfälscht.“

In der Klassik verschwimmen alle Formationen, die angeblich klar sein sollten.

Der Hellene, der Christ und der Deutsche werden unfähig, eine Einheit zu finden.

Was wurde aus den Schülern des neuen Gymnasiums im frühen 19. Jahrhundert?

„Ist es denn nicht fast grausam zu nennen, das Schülerleben vom 6. bis eventuell 20. Jahre in die Länge zu ziehen? (Lütgert, Das Ende des Idealismus)

Dazu kamen immer neue Angstgefühle, durch welche die Jugend überlastet oder abgestumpft wurde.

Die deutsche Nation, in der Mitte Europas liegend und geistig gespalten, versank immer mehr in den Bohrlöchern der KI-Industrie.

Hat sich das bis zum heutigen Tag verändert?

Die Verwirrung der Geister nahm ständig zu, sodass nur irrtumslose Führer noch in der Lage waren, das Gehirn der Deutschen mit Gewalt zu zähmen.

Bis heute sind wir nicht zur Klarheit der deutschen Verhältnisse gekommen.

Nichts ist klar, alles bleibt auf der Strecke. Freies Feld hingegen für die amerikanischen Fortschrittler. Sie müssen nur rechnen können.

Fortsetzung folgt.