Tagesmail vom 22.06.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LVI,
Ist der deutsche Kanzler Merz ein Faschist? Das wird von dem neuen Vorsitzenden der Linken – Pantisano – behauptet!
Viele Linke – früher nicht zögerlich mit dem Schmähwort – haben zunehmend Probleme mit der Nazibeschimpfung, weshalb sie Pantisano nur knapp gewählt haben.
Faschismus gehört längst zu jenem Begriffsmüll, der vieles bedeuten kann, zu dem aber niemand gehören will.
Für die Liberalen gab es früher nur zwei ökonomische Schulen: den absurden Marxismus und den wissenschaftlich korrekten Kapitalismus.
Hayek legt Wert darauf, dass der Mensch mit angemessenen Gefühlen die wahre Theorie auswählt.
Doch bei der Wahl der richtigen Theorie sind wahre Annäherungsgefühle belanglos.
Der Mensch hat keine angeborenen Intuitionen, mit denen er die Wahrheit der Realität erkennen und aufspüren kann.
Für Hayek, den österreichischen Positivisten, ist es wichtig, mit seiner Intelligenz wahre Gesetze der Natur von falschen zu unterscheiden.
Gesetze der Natur sind immer wahr, und wer sie aufspürt, zeigt seine natürlichen Erkenntnisfähigkeiten.
Positivismus ist ein Abkömmling von Galilei, der mit Hilfe seiner mathematischen Fähigkeiten die quantitativen Strukturen der Natur aufspüren konnte.
Die logischen Denkstrukturen des Menschen entscheiden über die Wahrheit der fundamentalen Naturgesetze.
Dies alles kann entschieden werden durch Falsifikationen und messerscharfe Streitigkeiten in der Demokratie: was falsch ist, kann durch keinen Kompromiss richtig werden. Non-A bleibt für immer Non-A.
Die Erkenntnis unfehlbarer Naturgesetze sind die Fundamente der unfehlbaren Natur,
Naturgesetze sind keine Erfindungen des Menschen, sondern der ewig gleichbleibenden Natur. Niemand kann sie nach Belieben verändern, sie müssen anerkannt werden, wie sie sind.
Einmischungen der menschlichen Moral als Motive eines gerechten Wirtschaftssystems sind überflüssig, sie sind höchstens in der Lage, die Voraussetzungen einer gerechten Grundlagenmoral nach Belieben zu fälschen.
Das ganze System ähnelt der Theologie. Die Schöpfung sorgt für die Grundbausteine des Daseins und kann von niemandem verändert werden.
Wer sich dennoch erkühnte, mit Hilfe seines Denkens diese Grundlagen zu verändern, müsste sich den Vorwurf gefallen lassen, sich mit Hilfe seines hybriden Gehirns über die fehlerlose Natur zu erheben.
Mit anderen Worten: Ökonomie ist eine Disziplin der unveränderlichen Natur. Genauso sind Naturgesetze, die niemals verändert werden können.
Wer sie verändert, will ökonomische Grundgesetze verändern. Das ist eine Sünde.
Dem Menschen ist nicht erlaubt, in eigener Vollmacht die Gesetze der Natur zu bestimmen. Er darf sie nur erkennen und als fremde akzeptieren, wie er sie vorgefunden hat.
Marx hatte nur den Ehrgeiz, vorhandene Gesetze der Geschichte minutiös aufzudecken. Aus eigener Vollmacht historische Gesetze zu proklamieren, wäre für ihn eine übermenschliche Hybris gewesen.
Freiheit als geschichts-unabhängiges Erkennen wäre eine “Sünde” wider die Natur.
Es war die historische Aufklärung, die autonome Geschichtserkenntnisse proklamierte. Der Mensch ist selbständig genug, den Gang seiner Geschichte in Souveränität zu bestimmen.
Jetzt kommt die große Frage: gehört die Ökonomie zu jenen praktischen Wissenschaften, die der Mensch selbst durch kluge Praxis bestimmen kann – oder muss er sich getreulich an die faktische Wissenschaft halten?
An dieser Stelle müssen wir Hayek mit Marx auf eine Stufe stellen. Beide sind überzeugt, nur jene – positiven – Gesetze zu erkennen, die dem von außen kommenden Menschen gestattet sind.
Für Marx ist der Akteur der Geschichte so unfrei wie der Fromme gegenüber den Gesetzen Gottes. Er muss sich dran halten, den von Oben gesetzten Gesetzen getreulich zu folgen.
Das ist der Grund, warum in einer christlichen Gesellschaft nur jene Gesetze gelten, die von Oben kommen.
Dirk Kurbjuweit schreibt über die Berechtigung, im Sport religiöse Zeremonien zu veranstalten:
„Erst einmal wirkt es harmlos und versöhnlich, wenn die Spieler zweier Mannschaften im Gebet vereint sind, und versöhnlich ist gut, ist schön. Aber diese kleine Gruppe schließt auch alle aus, die nicht deren Glauben teilen. Und harmlos ist es nicht, nicht so harmlos wie die beliebte Geste des Babywiegens mit den Armen, mit der Spieler nach Torerfolgen darauf hinweisen, dass sie Vater geworden sind.Ein Gebet vor Millionen von Zuschauern ist eine religiöse Botschaft, sonst könnte man es auch im Kabinengang machen. Es ist unterschwellig sogar eine politische Botschaft, denn fundamentaler Glaube stellt das Reich Gottes mindestens neben den Staat, wenn nicht darüber. “Es ist völlig egal, ob da christliche, muslimische, jüdische, buddhistische oder andersgläubige Fußballspieler beten oder mit den Fingern religiöse Zeichen machen, aus säkularer Sicht gehören solche Botschaften nicht ins Stadion, weil sie aufdringlich wirken. Man muss sie deshalb nicht verbieten. Aber das Spiel ist am schönsten, wenn es das Spiel bleibt, auch nach dem Spiel.” (SPIEGEL.de)
Kurbjuweit hat Recht. Sport ist ein Konkurrenzunternehmen, das nicht vom Himmel gelenkt wird. Religiöse Konkurrenzen waren brandgefährlich und arteten in Schlächtereien aus.
Überhaupt beginnt momentan wieder eine Zeit des religiösen Rechthabens. Der Bischof von Münster predigte seine gestrige Ordination in verschiedenen Weltsprachen, um die uralte Dominanz der Kirche zu demonstrieren.
„Ein Gebet vor Millionen von Zuschauern ist eine religiöse Botschaft, sonst könnte man es auch im Kabinengang machen. Es ist unterschwellig sogar eine politische Botschaft, denn fundamentaler Glaube stellt das Reich Gottes mindestens neben den Staat, wenn nicht darüber.”
Gottes Gemeinden sind keine Harmonievereine. Sie kämpfen gegeneinander um geistige Vorherrschaft auf Erden. Ihre brüderliche Liebe ist ein Gebot, das man einhalten kann – oder nicht.
Jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.“
Göttliche Gebote sind keine logischen Gebilde. Sie sind unvereinbar wider einander gestellt.
Doch am Ende der Heilsgeschichte wird sich die schreckliche Krönung der Heilskonkurrenz in Schonungslosigkeit enthüllen. Christlicher Glaube ist kein Harmoniegesang, sondern ein Höllengeplärr.
Hayeks Neoliberalismus ist eine bloße Kopie der Naturordnung. Hier kann nichts verändert werden, die Logik der Naturordnung ist Schöpfungswerk.
Schöpfung ist unveränderlich, hier sind sich Marx und Hayek strukturell ähnlich.
Fortsetzung folgt.