Tagesmail vom 15.06.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LV,
„Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und sie standen auf, zu tanzen.”
Hat es die Menschheit geschafft? Haben wir die jüngste Epoche der Verwüstung überstanden? Ist das militante Treiben und Zertrümmern erst mal vorbei?
Zu seinem Geburtstag hat Oberspieler Trump seine Prügelknaben versammelt, um sich gegenseitig die Fresse einzuschlagen.
Aber nur zum Spaß: aus Liebe zur Menschheit.
„Gewalt gegen Andersdenkende war für Christen gerechtfertigt, wenn sie, wie Augustin bemerkte, aus Liebe geschah. Liebe bedeutet in diesem Fall, dass man um das Seelenheil des andern bemüht war und ihn notfalls mit Gewalt zu diesem Heil zwingen musste – weil man ihn liebte.“
Derjenige, der Gewalt anwendet, wird zum strengen Lehrer, zum ernsten Vater, zur sorgenvollen Mutter. Der christliche Staat ist folglich der Erzieher der Heiden. Gott straft mit seiner väterlichen Peitsche, doch nur zum Besten der Bestraften.
Christen waren stets von Gegnern umgeben. War ihnen zunächst die Welt fremd, so waren es später lange Zeit die Heiden, die ihnen feindlich gegenüberstanden.
Curacao ist außer sich vor Freude gegenüber den Deutschen, die ihnen ein unerwartetes Tor gönnten, womit sie vor der Welt brillieren können.
Nach der WM werden deutsche Touristen die Insel überfluten, die himmlische Landschaft bewundern und die Einheimischen in ihr Herz schließen.
Hier einige Sätze über den Tod des Galerius, jenes Kaisers, der das Christentum zur erlaubten Religion erklärt hatte:
„Es bilden sich Würmer im Leibe. Der Geruch dringt nicht nur durch den Palast, sondern verbreitet sich über die ganze Stadt. Das ist auch kein Wunder, denn die Ausgänge des Afters und des Harns waren nicht mehr zu unterscheiden. Galerius wird von Würmern zerfressen und unter unerträglichen Schmerzen löst sich der Leib in Fäulnis auf.
Bei der Wegnahme des Verbandes quoll ein unschätzbarer Schwarm hervor, hatte doch das in der Zersetzung der Eingeweide so fruchtbare Übel eine noch weit größere Fülle hervorgebracht. Der obere Teil bis zur Wunde war zusammengeschrumpft. Der untere Teil hatte nicht mehr die Gestalt der Füße, sondern war nach Art von Schläuchen aufgetrieben und auseinander gegangen.”
Dies war Unterhaltung der spezifisch christlichen Art.” (M. Clauss)
Im Reich des Spiels – wie etwa beim Potlatch – herrscht keine lineare Logik.
Hier beweist man seine Überlegenheit nicht einfach durch Wegschenken seiner Güter, sondern in noch schlagenderer Weise durch Vernichten seiner eigenen Besitztümer, um strahlend sehen zu lassen, dass man sie missen kann.
Solche Wettstreite in zügelloser Freigebigkeit, mit leichtfertiger Zerstörung des eigenen Gutes als höchste Steigerung des eigenen Geistes als ultimative Steigerung, findet man über die ganze Erde hin in mehr oder weniger deutlichen Spuren wieder.
Der edle Mann beweist seine Tugend ”durch tatsächliche Proben von Kraft, Gewandtheit und Mut, von Weisheit, Scharfsinn und Kunstfertigkeit oder auch von Reichtum und Freigebigkeit.“
In der griechischen Überlieferung findet man zahlreiche Spuren von zeremoniellen und festlichen Schimpfwettstreiten. (alle Zitate mehr oder weniger aus Huizinga, „Homo ludens“)
Ohne Moment des agonalen Kämpfens war die Entstehung der dialogischen Philosophie undenkbar.
„Die Griechen haben stets gewusst, wie sehr sie sich mit allem in der Sphäre des Spiels bewegten. Im Euthydemos verwirft Sokrates die sophistischen Fallstrickfragen ausdrücklich als ein Spielen mit Lehrsätzen.
„Mit diesen Dingen”, sagt er, “lernt man nichts über das Wesen der Dinge selber, sondern nur, die Menschen mit Spitzfindigkeiten zum Narren zu halten: so etwas heißt ein Bein stellen oder jemandem den Stuhl unter dem Sitz wegziehen.
Dieses Spiel spielen nicht nur die Sophisten, sondern auch Sokrates, selbst Platon spielte es.”
„Denn Philosophie ist ein liebliches Ding, wenn man sie in jungen Jahren mit Maßen übt, aber ein Verderb für einen Menschen, wenn er sich länger in sie verliert, als sich gebührt.”
Platon führte die Philosophie als edelstes Streben nach Wahrheit auf Höhen, die nur er erreichen konnte, aber stets in der leichten Form, die ihr Element war. Zugleich jedoch blüht sie auch in der niedrigsten Form als Trugschluss, Scharfsinnspiel, Sophistik und Rhetorik weiter fort.
Das geht noch weiter. “Die Haltung des Berufsspielers ist nicht mehr die richtige Spielhaltung, das Spontane und Sorglose gibt es nicht mehr. Nach und nach entfernt sich in der modernen Gesellschaft der Sport immer mehr aus der reinen Spielsphäre und wird ein Element sui generis: nicht mehr Spiel und doch auch kein Ernst. Irgendwann heißt es: das Spiel ist allzu ernst geworden, die Spielstimmung ist mehr oder weniger aus ihm gewichen.
Mit Handbüchern und Systemen, mit großen Meistern und Berufstrainern ist es eine Sache von tödlichem Ernst geworden. Um wirklich zu spielen, muss der Mensch, solange er spielt, wieder Kind werden. Kann man dies von der Hingabe an ein so außerordentlich raffiniertes Scharfsinnspiel behaupten? Ist dem aber nicht so, dann fehlt hier dem Spiel seine wesentlichste Eigenschaft.”
Mit Kapitalismus und Gier nach Erfolg hat das Ganze nichts zu tun.
„Der Handelswetteifer gehört nicht zu den ursprünglichen uralten und heiligen Spielen. Er kommt erst auf, sobald der Handel beginnt, Betätigungsfelder zu schaffen, in denen einer suchen muss, den anderen zu übertreffen und zu überlisten.
Das Sportelement wurde in das wirtschaftliche und technische Leben einbezogen.
Mehr und mehr drängt sich der Eindruck auf, dass das spielhafte Element seit dem 18. Jahrhundert auf fast allen Gebieten seine Bedeutung verloren hat. Die moderne Kultur wird kaum noch gespielt und wo sie zu spielen scheint, ist das Spiel falsch.
Heraklit hatte noch gesagt: Kinderspiele sind menschliche Meinungen. Und Platon fügte: der Mensch ist dazu gemacht, ein Spielzeug Gottes zu sein und das ist wirklich das Beste an ihm.”
In der Moderne gibt es kein leichtes Spielen mehr, die Kultur wird blutig ernst.
„Sam Altman will sein Gehirn in die Cloud laden, Elon Musk hält uns für überflüssig, Peter Thiel träumt von Unsterblichkeit. Das ist kein Science-Fiction – das ist der Plan der mächtigsten Männer der Welt.” (derFreitag.de)
Der technische Fortschritt marschiert unerbittlich ins Wesenlose.
War Spiel ein Element des ruhigen Lebens, wird es zum Gärungsprozess des unfassbaren Lebens.
Fortsetzung folgt.