Tagesmail vom 13.07.2026
Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LIX,
Streiten wir uns nicht länger. Faschismus ist nicht alles, was uns nicht passt.
Aber alles, was nicht demokratisch ist, müssen wir klar kennzeichnen. Es will nichts anderes als das Ende der Demokratie. Das müssen wir unmissverständlich bekämpfen – wenn wir noch Schüler des alten ATHEN sein wollen.
Die folgenden Slogans der KI-Milliardäre machen keinen Hehl daraus: weg mit dem heutigen Staat.
Demokratie? Braucht keiner.
Freiheit? Ist eine Pizzeria auf dem Markt.
(Sueddeutsche.de)
„Die Tech-Milliardäre Elon Musk, Jeff Bezos und Peter Thiel eint ein Ziel: die Entfesselung der Technologie. Das Gift ihrer politischen Fantasien ist längst in unsere Mitte eingesickert.“
„Dies ist eine Geschichte über die Zukunft und die Männer, die sie erschaffen. Sie handelt von Jeff Bezos, Elon Musk und Peter Thiel. Und führt an die Orte, an denen sie die Welt nach ihren Vorstellungen formen: ins ländliche Indiana zu Amazons Rechenzentrum. Nach Texas, zu Elon Musks Weltraumbahnhof Starbase. Und – zumindest virtuell – auf eine Insel vor Honduras, auf der Peter Thiel seinen Traum vom ewigen Leben vorantreibt. Das, was die Tec“-Bosse dort im Kleinen ausprobieren, ist ein Beta-Test. Eine Blaupause für eine Zukunft, in der ihre Regeln gelten sollen, ihre technologischen Visionen wahr werden und sie die politische Ordnung neu aufsetzen, als wäre sie das Betriebssystem eines Computers. Es ist eine Geschichte über Männer, die das Universum nicht nur bewegen, sondern beherrschen wollen.”
„Diese Männer sind ungeheuer reich, mächtig und durchsetzungsfähig.
Sie wollen die Erde – und fremde Planeten gleich mit – in eine Technokratie verwandeln. In ein System, in dem einige wenige Milliardäre – sie selbst – bestimmen, wie der Rest der Menschheit zu leben hat. Ein System, das den bedingungslosen Glauben an ein Morgen wie es ihnen gefällt, zur Religion erhebt. Schon jetzt tragen sie ihre Überzeugungen vor wie Predigten.”
Täuschen wir uns nicht: angeblich handelt es sich um Fortschritt. Streng genommen haben wir es mit der Wiederholung der Schöpfung zu tun. Nicht Gott, der Vater soll erneut ans Werk gehen, sondern die heutigen Götter der KI wollen eine zweite, bessere Schöpfung vorlegen.
Das ist die alte Schöpfung:
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. 3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis 5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. 6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. 7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste.“ usw.
Und das ist die neue Welt:
„Nur entfesselte Technologie bringe die Menschheit voran, so verkünden sie es in Manifesten und auf Elon Musks Plattform X. Die Demokratie stehe dem Fortschritt bloß im Weg, glauben sie, deshalb ist sie zu attackieren oder sogar zu ersetzen. Ja, die Zerstörung der Demokratie ist nach ihrer Überzeugung sogar Voraussetzung, um die angeblich so strahlende Zukunft zu erreichen.“
„Es ist ein Wettrennen, bei dem niemand zurückfallen will. „KI ist unsere Alchemie, unser Stein der Weisen“, schrieb der einflussreiche Investor Marc Andreessen schon 2023 in seinem „techno-optimistischen Manifest“. Andreessen, der selbst sehr viel Geld in KI-Firmen gesteckt hat, prophezeit darin auch, dass künstliche Intelligenz Krankheiten besiegen und Pandemien stoppen werde. Und er mahnt: „Todesfälle, die durch KI hätten verhindert werden können, deren Entwicklung jedoch unterbunden wurde, sind eine Form von Mord.“ Wer die Technologie bremst, so sieht es Andreessen, macht sich also schuldig.”
Hier ereignet sich eine neue Weltschöpfung, die alte wird zerlegt. Auch die alte Schöpfung soll nicht mehr gelten. Was ist hier passiert? Hat sich der alte Mensch zu einem neuen Religionsschöpfer stilisiert? Erleben wir etwas ungeheuer Neues?
In der ersten Schöpfung gab es Gott und – seinen sklavischen Gegengeist, den Teufel. Heute handelt es sich um menschliche Genies, die sich zu Göttern erhoben haben und keine Teufel dulden.
„Die Geringschätzung für den Staat und der Wunsch, sich von dessen Regeln zu befreien, haben das Silicon Valley längst verlassen. Das zeigen die weltweiten Wahlerfolge der Rechtspopulisten, die sich neuerdings immer mehr für libertäre Ideen begeistern. Selbst deutsche Manager klingen jetzt manchmal so wie die Tech-Bosse. Siemens-Chef Roland Busch etwa klagte, Deutschland laufe mit seiner lähmenden Bürokratie und maroden Infrastruktur „auf einer veralteten Version“, und forderte ein „Update“.“
Die zweite Welt wird eine neue, bessere Schöpfung. Viele Industrielle arbeiten begierig an dieser creatio ex nihilo mit, die jedoch keine Schöpfung aus dem Nichts ist, sondern eine nach der Vernichtung der ersten Schöpfung.
Erst muss etwas in Nichts zerlegt werden, dann folgt die neue zweite Schöpfung – deren strahlendes Licht ohne die Unvollkommenheiten der ersten Schöpfung auskommt.
Insofern handelt es sich um das sensationelle Ereignis einer kosmischen Schöpfung. Doch wie soll das Ganze vonstatten gehen? Noch wissen die KI-Giganten nicht jede Einzelheit ihrer unermesslichen Tat.
„Ein Geheimrezept hat auch Turner noch nicht gefunden. Aber er klingt kämpferisch, fast trotzig. „Wir lassen einen Patienten ja auch nicht sterben, wenn er krank ist“, sagt er. Und auch die Tech-Bosse würden einen Virus verbreiten, den Autoritarismus.“
Dieser neue Autoritarismus soll die neue Schöpfung politisch vorbereiten.
„Das Weltbild von Peter Thiel, Elon Musk und Jeff Bezos ist längst Teil des Mainstream geworden. Als Musks Raumfahrtkonzern Space-X im Juni den größten Börsengang aller Zeiten hinlegte, rissen sich Tausende Kleinanleger um die Aktien, obwohl das Geschäft mehr als riskant ist. Musk hat trotz – oder wegen – seiner Tabubrüche viele Bewunderer. Gerade erst forderte er auf X, auf die Messerattacke eines Sudanesen im nordirischen Belfast mit Protesten zu reagieren. Maskierte Randalierer machten in den Tagen danach Jagd auf Einwanderer.”
Die Anhänger der zweiten Schöpfung sind nicht ohne Gewalt. Das macht ihre rechte Militanz aus.
Die noch funktionierenden Demokratien werden deshalb immer misstrauischer und aggressiver, um sich gegen die neue Welle der zweiten Schöpfung zu rüsten.
In Deutschland regiert noch eine christliche Partei, die bislang an der ersten Schöpfung festhält. Dass es sich um eine zweite technische Neuschöpfung handeln soll, das haben sie bislang nicht verstanden. So wenig, wie es die meisten braven Deutschen verstanden haben.
Peter Thiel ist inzwischen nach Argentinien verzogen.
„Thiels Traum eines Libertopia nimmt dort, am südlichen Ende der Welt, schon heute Formen an. Er brauchte dafür nicht einmal seine eigene Insel.”
Noch schläft Deutschland und träumt den Traum der ersten Schöpfung.
Wie lange noch werden die kosmischen Faschisten diesen kindischen Traum der zerfließenden alten Schöpfung zulassen?
Fortsetzung folgt.