Tagesmail vom 25.05.2026
Terra Madre – Die Erde muss uns bleiben LII,
gelegentlich müssen wir ausbrechen vor Heiterkeit. An Pfingsten scheint die Sonne, das muss die rechte Zeit sein.
Politik kann heute ein jeder.
Kriege kann man an doofen Maschinen lernen. Da gewinnt ein jeder.
Ist die folgende Satire also – ernst gemeint?
„Die, welche Frauen haben, sollen sein, als hätten sie keine.
Und die Weinenden, als weinten sie nicht
Und die sich freuen, als freuten sie sich nicht
Und die da kaufen, als behielten sie nicht
Und die von dieser Welt Gebrauch machen, als hätten sie nichts davon.“
In Amerika ist alles, was heute gilt, das Gegenteil von dem, was morgen gelten wird.
Grund: nachts wird gewürfelt.
In Deutschland kaum anders, was heute mit ernsten Gesichtern gesagt wurde – vergiss es, morgen gilt das Gegenteil.
Die hiesige Religion ist das Gefährlichste, was die Welt je erlebt hat.
„Den staatlichen Behörden soll jeder Gläubige seine Pflicht tun – aber man übernimmt keine Verantwortung für das Leben. Denn man ist ja „Bürger im Himmel“.“ (Phil 3, 20)
Der Sklave, der „im Herrn“ frei von der Welt geworden ist, soll nicht meinen, dass er auch insgesamt frei geworden ist. Denn:
Jeder bleibe in dem Stande, in dem er berufen worden ist. (Kor. 7. 17 bis 24)
(nachzulesen bei Rudolf Bultmann, bei dem der Schwarzwälder Denker Heidegger Theologie gelernt hat, ein wunderbar lustiges Buch, das die deutschen Nachwuchspolitiker erst auswendig lernen sollten, bevor sie einen Platz im Bundestag beanspruchen.)
Doch stopp. Soll das noch immer göttliche Satire sein – oder sind das Sätze aus dem Buch Huizingas: Homo ludens?
„Die moderne Kultur wird kaum noch gespielt, und wo sie zu spielen scheint, ist das Spiel falsch. Mittlerweilen wird es immer schwieriger, Spiel und Nichtspiel in den Kulturerscheinungen zu unterscheiden.“
Es gibt auch nichts mehr zu unterscheiden. Man muss tun, als ob – und als ob nicht.
Wer all dies „ernst“ nimmt, ist ein hintergermanischer Volltrottel.
Auch der Unterschied zwischen Krieg und Frieden ist von vorgestern.
Ein kleines Nachtgespräch zwischen den Weltdespoten – und alles ist wieder auf den Kopf gestellt.
Allerdings gibt es einen ganzen Berufsstand, der ernst nehmen muss, was ist. Und je mehr das Ist sich ändert, umso umfangreicher werden die Gazetten.
Man könnte meinen, die Menschen seien Spielzeuge Gottes geworden, der heute dies und morgen das für richtig hält.
Ist der Mensch etwa dazu gemacht, ein Spielzeug Gottes zu sein?
Kein Wunder, dass die „ernste Politik“ nicht mehr gilt.
Die jetzige Spielpolitik ist Vorläufer der morgigen KI-Politik: ein Knopfdruck – und alles ist „moralisch“, ein weiterer Knopfdruck und alles steht auf dem Kopf.
Da lachen alle Algorithmen.
Der Planet muss wiehern vor Lachen.
Das ist wahre Erlösungsreligion.
Freilich, inzwischen ist Lachen wie Gnade empfangen.
„Der Begnadete spürt die Ankunft des Geistes, wie die Frau es spürt, wenn der Mann ihr beiwohnt.“ (Manfred Clauss, Der neue Gott und die Alte Welt)
Deshalb ist Politik die Sache des Mannes, die Frau muss warten, bis der Mann die Hosen geöffnet hat, um zur Sache zu gehen.
Die Menschen sind nicht fähig, sich selbst zu erlösen, es muss der Allgewaltige von Oben kommen und orgiastisches Mitleid mit der Menschheit hegen.
Die Menschheit muss endlich kapieren, dass Weltpolitik nichts anderes als ein Koitus interruptus sein kann. Sie selbst können nichts tun, der Segen muss von Oben kommen.
Alles muss unberechenbar sein. Mathematik, die Sache der Maschine, muss von Oben kommen.
Doch jetzt beginnt die Schlussphase des Fortschritts. Wettkampf ist Spiel und kein Spiel darf ernst gemeint sein.
Die Menschen wurden die Lego-Spielsteine der Götterheroen.
„Das Dasein des Spiels bestätigt immer wieder im höchsten Sinn den überlogischen Charakter unserer Situation im Kosmos. Wir spielen und wissen, dass wir spielen (besser: wir sollten wissen), also sind wir mehr als bloß vernünftige Menschen, denn das Spiel ist unvernünftig.“
Man denke nur an die Börsenspiele um die Existenz ganzer Volkswirtschaften.
Platon wusste, was er schrieb:
Der Mensch ist ein Spielzeug Gottes und das ist das Beste an ihm.
Freilich, nur erstklassige Kulturen können spielen. Und das nur in Wettbewerb und Konkurrenz.
Nur kapitalistische Wirtschaften sind deshalb fähig, die globale Erde zu vereinnahmen. Primitive Menschen bleiben bei ihrem Leisten.
Weshalb verabscheuen primitive Kulturen den Wettbewerb – schon in der Schule?
Vertreter der indianischen Survival-Schools plädieren ernsthaft gegen jeden schulischen Wettbewerb. Sie bekämpfen ernsthaft die Pädagogik des internationalen Wettbewerbs.
Eine Indianerschülerin: „Für mich als Schülerin ist es eines der größten Probleme, mich mit der amerikanischen Kultur zu identifizieren, die nichts mit meinem Volk zu tun hat. Die Einstellungen und Inhalte, die sie vermitteln, heißen Wettbewerb – heißt gegen andere konkurrieren, heißt besser zu sein als deine Klassenkameraden. (Claus Biegert, Indianerschulen)
Lehrer mögen mächtigere Wesen sein als Kinder, dennoch sind sie nicht befugt, sich zu gottgleichen Übermenschen zu stilisieren.
Die Menschheit hat sich auf die Stufe des übervernünftigen oder vernunftlosen Zufallsspiels a) der Ökonomie oder b) des unvernünftigen Fortschritts erhoben. Ab jetzt kann die Geschichte keine Aufklärung mehr sein. Das Stadium der menschlich-vernünftigen Logik ist vorbei.
Was jetzt kommt, ist mit logischen Mitteln nicht mehr überprüfbar.
Jetzt kommt nämlich das Chaos Mandevilles: wer das Böse will und das Gute schafft, ist im Bereich der teuflischen Logik angekommen.
Gott hat den Kampf mit seinem Widersacher Mephisto verloren. Die Menschheit ist auf der Verliererstraße gelandet.
Das ist kein prophetischer Pessimismus. Was kommt, kann niemand wissen.
Aber das müssen wir wissen: wer immer mehr apokalyptische Gesänge anstimmt, immer mehr der rechnenden, aber nicht durchdachten Mathematik und dem blinden Maschinen-fortschritt vertraut, und nicht den humanen Bedürfnissen von Mensch und Natur, der hat nur noch wenig Zeit. Dann muss er abtreten.
Fortsetzung folgt.