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Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LI

Tagesmail vom 18.05.2026

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben LI,

Merz, der nicht mehr strahlende Karrierist, predigt den Deutschen katholische Soziallehre.

„Das alles ist keine Bösartigkeit von mir, das ist Demografie und Mathematik“, sagte der CDU-Vorsitzende Merz über die Reformpläne der Bundesregierung bei der gesetzlichen Rente – und wurde dafür von den Gewerkschaftern hörbar ausgelacht.“ (n-tv.de)

Die Mathematik ist eine objektive, unveränderliche Richtungslinie – und hat seit Galilei die Truglosigkeit der Offenbarung abgelöst. Nicht mehr die himmlisch-untrügliche Stimme Gottes gilt als oberste Instanz, sondern die quantitative, ewig gleiche Stimme der Mathematik.

Die neuen Naturwissenschaften lösen die Stimme von Oben ab, der Mensch wird fähig, dank der Eigenschaften der natur-bedingten Wahrheit die Irrtumsfähigkeit des Menschen – selbst des Papstes auf seinem unfehlbaren Thron – abzulösen.

Wahrheit ist nicht die invariante Stimme der Natur, sondern die ewig gleiche Wahrheit, die von den menschlichen Fähigkeiten zur wissenschaftlichen Erkenntnis erforscht wird.

Wenn Merz mit seiner quantitativ-messbaren Wahrheit die perfekte Wahrheit verkünden würde, hätte er – ohne es zu bemerken – die perfekte Stimme auf dem Papstthron – für alle Zeiten abgelöst.

In der Einführung zur katholischen Soziallehre von Nell-Breunig lesen wir:

„Die kapitalistische Wirtschaftsweise wird als „nicht an sich verwerflich“ beurteilt, zugleich aber scharf die Grenzlinie gezogen, bei deren Überschreiten sie verwerflich wird. Die Tatsache der kapitalistischen Klassengesellschaft, vor der man so lange die Augen verschlossen hatte, wird unbefangen zur Kenntnis genommen, ja sogar die Notwendigkeit eines – allerdings „entgifteten“ Klassenkampfs anerkannt, als Ziel wird eine neue, klassenfreie gesellschaftliche Ordnung anvisiert,“ (Texte zur katholischen Soziallehre)

Klassenkampf kann es also geben, aber bitte in pastoralem Frieden. Der Papst will keine unberührbare irdische Ordnung verordnen, sondern kompromissfähige katholische Soziallehren.

Streit ja, aber bitte in päpstlichem Frieden. Versteht das jemand?

„Der Papst setzt sich sogar in für manche Leute bestürzendem Ausmaß für „Demokratie“ ein, nicht nur im politischen Bereich, sondern mehr oder weniger in allen Lebensbereichen.“

Damit verändert sich der unfehlbare Papismus, unter dem Einfluss der aufgeklärten Demokratie nähert er sich der menschlichen Irrtumsfähigkeit, die durch die Stimmen des Volkes gelöst werden können.

Also: Ja zu Kompromissen, aber immer im Geiste der sanften Versöhnlichkeit.

Ist dies das genaue Bild der heutigen deutschen Gesellschaft, die fähig ist, im Heiligen Geist ihre Konflikte auszuräumen – im Interesse aller Klassen, der Armen wie der Reichen?

Bedeutet das, die Armen sollen arm bleiben und nicht versuchen, auf Teufel komm raus nach Oben zu gelangen?

Hören wir die Stimme von Oben:

„Es waren diejenigen, die ihr Kapital angehäuft und sogar verdoppelt hatten, zu denen der Herr sagte: „Wohlgetan, du guter und getreuer Knecht; du hast über weniges treu gewaltet, ich will dich über vieles setzen: nimm teil an der Freude des Herrn.“(Carnegie, Das Evangelium des Reichtums)

Wir sehen, nicht nur im Papsttum, sondern auch im Bereich des amerikanischen Reichtums, gilt das neue Dogma:

„Es ist darum nicht falsch, dass Kapital und Arbeit verbündete und nicht miteinander widerstreitende Kräfte sind, und dass das eine nicht gedeihen kann, wenn das andere nicht fortkommt.“

Der aufkommende Globalkapitalismus bemüht sich demnach, friedlich aufzutreten und keine hasserfüllten Klassenfeinde zu schaffen.

So schwanken in den Epochen der Religion die Bedeutung von Armut und Reichtum. Keineswegs war die Armut der heilige Weg in den Himmel.

Beispiel: „Gott lässt seine Gegenwart nur auf einem Starken, einem Reichen, einem Weisen und einem Demütigen ruhen.“

Biblische Begründung: „Alle Propheten sind reich gewesen.“ Die Armut erschien als kein anzustrebendes Ideal mehr, sondern allein als Gottes Züchtigung,“ Damit war die Dominanz des Judentums beendet.

Im Neuen Testament weht dann zuerst ein neuer Wind,

„Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet klagen und weinen.
Wehe euch Reichen, denn ihr habt eure Tröstung bereits empfangen.
Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet klagen und weinen.“

Einmal so, dann spiegelbildlich anders.

Jesus selbst war kein Asket. Er ließ es sich gut gehen, sodass Spötter lästerten:

„Sehet den Fresser und Weinsäufer,
den Kumpan der Zöllner und Sünder.“

War Jesus ein heiterer Friedensbringer?

War Jesus ein Umwerfer der sozialen Verhältnisse? War er ein nichtmarxistischer Marxist? Keineswegs.

„Ist es mir nicht erlaubt, mit meinem Eigentum zu tun, was ich will?“

Das betrifft vor allem die eigene Familie, die keineswegs in den gemeinsamen Besitz von Reichtum kommen soll – auf Kosten der immer zunehmenden Armen:

„Meinet nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen, ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, einen Menschen mit seinem Vater zu entzweien und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“

Das Ziel der jesuanischen Botschaft ist nicht Frieden auf Erden, weder mit Reichtum noch ohne.

Jesus arbeitet mit Zinsen, Und wer seine Zinsen nicht zahlt, der wird mit höllischen Strafen verflucht:

„Du böser und fauler Knecht, wusstest du, dass ich ernte, wo nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld den Geldverleihern bringen sollen, und ich hätte bei meiner Rückkehr das Meinige mit Zinsen zurückerhalten, Darum nehmet ihm das Talent weg und gebet es dem, der die zehn Talente hat, Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Und den unnützen Knecht stoßet hinaus in die Finsternis, die draussen ist. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“

Das Evangelium will einige Menschen erlösen, aber die meisten verdammen. Das ist die religiöse Ursprache des Kapitalismus. Wenige sind auserwählt, die meisten gehen verloren.

Jesu Botschaft war die Konkurrenz zur sokratischen Weisheit, dass alle Menschen gleich seien.

Doch durchgehend war die Konkurrenz nicht. Da blieb diese merkwürdige Mahnung, die in allen marxistischen Lehrbüchern abgedruckt wurde:

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

„Ist es mir nicht erlaubt, mit meinem Eigentum zu tun, was ich will?

Hier merkt man keinen Willen, die Eigentumsverhältnisse so zu verteilen, dass „Friede auf Erden“ eine wirtschaftliche Grundlage erhielte. Oder: die Probleme der Menschen werden nicht ernst genommen. Höchstens als Vorlage, um sie als Konflikt-Verbreiter zu benutzen.

Mein Reich ist nicht von dieser Welt – und doch will er die ganze Welt für sich haben, um Herr der Schöpfung zu sein.

Was ist das Grundelement des Evangeliums?

„So leben wir als Betrübte, aber allzeit fröhlich, als Arme, die aber viele reich machen, als solche, die nichts haben und doch alles besitzen.“

Ist das die reale Botschaft, die die Menschheit braucht? Jene Menschheit, seit ewig gespalten in Arme und Reiche?

Solange die ökonomischen Verhältnisse nicht geklärt werden, so lange werden es auch die ökologischen nicht: die Natur wird zerstört, weshalb die Reichen ewig leben wollen. Ewig leben wollen, ist der ultimative Sieg der Reichen über die armselige Welt.

Fortsetzung folgt.