Kategorien
Tagesmail

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben IX

Tagesmail vom 22.09.2025

Terra Madre – die Erde muss uns bleiben IX,

ist er dumm, der amerikanische Präsident?

Ist er so dumm, dass man ihn genial nennen müsste?

„Wer Donald Trumps Erfolg wirklich verstehen will, muss zurückgehen bis zu den Volltrotteln der Filmgeschichte – erst dann begreift man die Grundlagen seiner Macht.“ (Sueddeutsche.de)

„Trump ist dumm, das lässt sich kaum noch bezweifeln. Er spielt nicht den Naiven, er tarnt sich nicht als reiner Tor, er ist kein heiliger Narr. Seine Dummheit hat weder Hintersinn noch doppelten Boden. Amerika hat die Schwachköpfe und Idioten immer verehrt, das fängt mit Ben Turpin und dem jungen Charlie Chaplin an und ist mit Chico Marx längst nicht zu Ende erzählt.“

Charly Chaplin – ein Idiot? Idiot war im Griechischen ein Privatmann, einer, der sich den Pflichten der Demokratie entzog!

Ein Privatmann ist Trump nicht, im Gegenteil, er ist ein Taifun der Öffentlichkeit.

Wäre er dumm, müsste man dann nicht die Mehrheit der Amerikaner genau so dumm nennen, weil sie diesen Dummkopf – fast gegen die ganze Welt – geradezu anbeten?

Ist Demokratie von den Heiligen oder den Klugen und Weisen erfunden worden? War das Reich der Auserwählten eine Demokratie?

„Während andere Völker Propheten und Heilige haben, von denen sie sich weisen lassen, schaut der Grieche zu seinen Weisen empor. Das Wort „weise“ verbindet von Anfang an in seiner Bedeutung theoretische Kenntnis und ihre praktische Anwendung: ein Können, ein Sichverstehen auf etwas. Da für die Griechen das richtige Handeln immer von der richtigen Erkenntnis abhängig ist, so wird die Philosophie – die Liebe zur Weisheit – auch die Kunst, das Leben zu meistern und ihre Aufgabe Beherrschung der Welt durch Erkenntnis. Damit tritt die Philosophie in einen Gegensatz zur Volksreligion: die persönlichen Götter sind für sie erledigt.“ (Nestle)

Wohlgemerkt, keine Beherrschung anderer Völker mit Gewalt, sondern die Fähigkeit, das Zusammenleben mit Vernunft zu meistern.

Vernunft ist Selbstbestimmung, keine Anbetung von Göttern. Der autonome Mensch muss sein Verhalten selbst bestimmen und selbst verantworten.

Woher kommen dann die Übel der Welt?

„Der Grund des Übels in der Welt ist die menschliche Hybris (Überheblichkeit). Tüchtigkeit ist für ihn unzertrennlich von der Rechtlichkeit. Solon, der „auch im Alter nicht aufhören will zu lernen“, ist das Bild des wahren griechischen Weisen, der in seiner gesunden Lebensanschauung rechtes Denken und rechtes Handeln zum Wohl seiner Vaterstadt verbindet.“ (ebenda)

Ein vernünftiger Mensch kennt die Grenzen seiner Selbstbestimmung und achtet in gleichem Maße die Grenzen seiner Mitmenschen. Diese Grenzen werden in einer humanen Gesellschaft von allen Mitspielern sorgsam erkundet und im geltenden Recht niedergelegt.

Bei Streitigkeiten muss das geltende Recht zur Klärung der Streitigkeiten herbeigezogen werden. In der verwahrlosten Moderne gelten diese Regeln nicht mehr. Das geltende Recht etwa in Wirtschaftsstreitigkeiten ist „entmündigt“ worden. Was gilt, sind allein die Wirtschaftsgesetze, die angeblich von einem Gott oder dem Schicksal festgelegt wurden – sagen die Neoliberalen, die ihre Erfindungen zu göttlichen Unfehlbarkeiten stilisiert haben.

In der Politik dasselbe. Gibt es Streitigkeiten zwischen den Völkern, und die jeweiligen Heere treten in Aktion, müssen sie sich an die internationalen Gesetze halten. Auf keinen Fall können sie tun, was sie wollen.

Dieser Grundsatz der Moderne, festgehalten in der UN-Konvention, ist gerade dabei, zertrümmert zu werden. Die mächtigsten Länder der Welt haben diese universalistischen Gesetze nie völlig respektiert. Was jedoch zur Zeit geschieht, ist ein absoluter Höhepunkt der Zerrüttung.

Netanjahu gehört zu den rücksichtslosesten Zerstörern des universalistischen Rechts. Für ihn gilt nur das separate Recht des Gottes, der sein Volk auserwählt hat. UNO? Völkerrecht? UN-Tribunal? Ihr könnt mich mal.

„Die Auffassung, dass die Hauptaufgabe eines jeden Juden darin bestehe, Israel zu schützen, weil „mein Land immer recht hat“, lässt keinen Raum für Diskussionen. Da für viele Zionisten „der religiöse Glaube das sozial-politische System heiligt, damit den Staat in eine Sphäre des Absoluten hebt und ihm eine transzendente Bedeutung verleiht“, ist für sie jede Art von Kritik, ja sogar Zweifel unzulässig. Der Staat wird vergöttert und all seine Aktionen, auch militärische, gelten als heilig …“ Israels Armee, das heißt, die Armee Gottes, ist dazu berufen, eine Pax Judaica zu schaffen, zunächst im Nahen Osten und schließlich in der ganzen Welt, als Vorbereitung auf die Erfüllung der Prophezeiung vom Ende alle Tage. Diese Gedanken inspirieren auch Millionen von christlichen Zionisten, die jede Kritik am Staate Israel unterdrücken. Sie glauben, dass bei der Ankunft des Messias vom Staat nichts mehr übrig bleiben darf.“(Yakov M. Rabkin, Im Namen der Thora, Die jüdische Opposition gegen den Zionismus)

Amos Oz bestätigt diese Optik.

„Unser Leid hat uns eine Art moralischen Ablass erteilt oder eine moralische carte blanche ausgestellt. Nach all dem, was uns diese schmutzigen Gojim angetan haben, darf uns keiner von Ihnen Moral predigen. Wir aber dürfen alles, weil wir so viel gelitten haben. Einmal Opfer, immer Opfer – und ein Opfer hat natürlich Anspruch auf moralische Indulgenz.“

Margot Friedländer, eine Überlebende des Holocaust, ermahnte die Deutschen mit dem universalistischen Motto: „Bitte, seid Menschen“.

In Deutschland wurde diese bemerkenswerte Frau feierlich verehrt. Was Israel jedoch anbetrifft, wagen es die Deutschen bis heute nicht, ihr universalistisches Motto auf Israel anzuwenden und Netanjahu vor ein Kriegsgericht zu stellen.

Amerika und Israel haben sich auf der Basis einer gemeinsamen Auserwähltenmoral gefunden. So fühlen sich beide Regimes von Gott bestätigt. Doch käme der Messias wirklich, müssten die Juden christlich werden, damit sie vom Messias der Christen akzeptiert werden können.

Das wird niemals geschehen – und ergo würde der schlimmste Antisemitismus wieder die internationale Politik beherrschen.

„Die frühen Kritiker des Zionismus erklärten schon Ende des 19. Jahrhunderts, der geplante jüdische Staat werde nicht den Antisemitismus abschaffen, sondern eine noch größere Gefahr für die Juden heraufbeschwören und den Hass gegen sie noch vergrößern. In Zeiten rasanter Kommunikation kann der schon seit 100 Jahren andauernde Konflikt im Heiligen Land, den die Gründung des Staates Israel auslöste, eine immer größere Drohung der Gewalt gegen jüdische Gemeinden in aller Welt zur Folge haben.“ (Rabkin)

Die schrecklichen Folgen dieser unfehlbaren Auserwähltenmoral sind unvermeidlich:

„Israel ist in Gefahr. Nicht wenige Israelis fühlen, dass sie und ihre Kinder in eine „blutige Falle“ geraten sind. Die einen hängen der frohen Überzeugung an, dass die Gründung des Staates Israel ein Wunder sei, der den baldigen Eintritt der endgültigen Erlösung verheißt, andere sind voll düsterer Vorahnungen, dass die zionistische Auflehnung unabwendbar eine fürchterliche Strafe über sie bringen wird.

Der Völkerrechtler Omer Bartov bestätigte diese Perspektive:

„Meiner Meinung nach muss Deutschland, wenn es sich wirklich seiner eigenen Vergangenheit stellen will, erkennen: Staatsräson bedeutet nicht, Israel zu unterstützen, sondern solche Verbrechen zu verhindern, egal wer sie begeht – sei es in Myanmar oder in Israel. Zu hoffen ist, dass eine künftige israelische Regierung die jetzige Führungsriege eines Tages ausliefern wird. So wie Serbien Slobodan Milošević und andere Beteiligte nach Den Haag ausgeliefert hat, könnte auch Israel irgendwann einzelne Politiker und Generäle aufgeben, um selbst politisch zu überleben. Netanjahu könnte in Den Haag landen – nicht heute, vielleicht nicht in fünf Jahren, aber langfristig ist das denkbar. Wenn das nicht geschieht, wäre das ein Desaster für das internationale Recht. Denn Israel ist der erste westlich verbündete Staat, der mit diesem Vorwurf konfrontiert ist. Wenn es straflos davonkommt, dann signalisiert das: Das internationale Recht gilt nicht für alle, sondern nur für die Feinde des Westens. Das wäre das Ende der Glaubwürdigkeit des Völkerrechts.“ (derFreitag.de)

In Deutschland beginnt bereits eine unterschwellige Diskriminierung des internationalen Völkerrechts. Das sei doch kein Heiligtum. Ein palästinensisches Volk gebe es doch gar nicht. Also darf man es bedenkenlos vernichten? Oh heiliges Deutschland, wie sensibel Du geworden bist. Dabei hast Du nur Angst, des Antisemitismus‘ geziehen zu werden.

Die einzig sinnvolle Konsequenz aus dem Holocaust ist die vollständige Respektierung des internationalen Rechts, nicht die beliebige Genehmigung zu neuen Völkerverbrechen.

Ist Trump ein dummer Volltrottel?

Gibt es im christlichen Glauben überhaupt den Gegensatz zwischen dumm – und gescheit, klug oder vernünftig? Der SZ-Artikel hat den Begriff dumm nicht untersucht. Wäre gescheit so viel wie gut und dumm so viel wie böse?

Was würde das Differenzpaar heilig – böse bedeuten?. Wäre dumm – böse? Gescheit – gut?

„Vernichten werde ich die Weisheit der Weisen, und die Einsicht der Einsichtigen werde ich verwerfen. Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn wenn die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Predigt die zu retten, die glauben. Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, 23 wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind. Seht doch, Brüder und Schwestern, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme sind berufen. 27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist, 29 auf dass sich kein Mensch vor Gott rühme. 30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der für uns zur Weisheit wurde durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, 31 auf dass gilt, wie geschrieben steht: »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!« 

Gott hasst alle Besserwisser, die auf Erden klug und weise sein wollen.

Wäre Trump, im Sinn des Evangeliums, dumm, dann wäre er, im Licht der Welt, klug und weise. Ob er gleichzeitig gottesfürchtig wäre, das würden wir im Jüngsten Gericht erfahren.

Trump ist clever genug, sein Volk „charismatisch“ zu verführen. Und nicht nur sein Volk, sondern auch viele Despoten der Welt – die seine Unverschämtheit bewundern. Erhob er nicht den Anspruch, den Friedensnobelpreis zu erhalten, weil er einige Gefahrenherde der Welt vorübergehend gelöscht hatte?

Doch sein wankender Friedenswille wird noch immer herausgefordert, weil sein scheinbar friedlicher Wille als Tändelei empfunden und nun seinerseits auf die Probe gestellt wird.

„Dummheit“ kann als Bluff eingeschätzt werden, als Blendwerk, um die Völker und Weltherrscher in die Irre zu führen. Dummheit kann Versteckspiel sein. Irgendwann jedoch sind die Mitspieler des Tändelns überdrüssig – und werden zuschlagen.

Trump scheint nur eins zu wissen: das verfolgt er mit allen Raffinessen und Ränkespielen: er will Herr der Welt werden.

Wie kann man nur so hybride, so gottversessen sein?

Fortsetzung folgt.