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Tanz des Aufruhrs LXXI

Tanz des Aufruhrs LXXI,

und plötzlich entstand rund um die Erde ein Brausen, als hätte eine gewaltige Erkenntnis die Menschheit erfasst.

Und alle Menschen begannen miteinander zu reden und siehe, plötzlich verstanden sie einander, obgleich sie in ganz verschiedenen Zungen sprachen.

In allen Kontinenten, bis in die entlegensten Winkel der Erde, fühlten sie sich miteinander verbunden und riefen einander zu: hört ihr auch von den großen Taten – der Menschen?

Lange waren die Erdenbewohner in die Irre gegangen mit ihren großen Fähigkeiten, hatten ihre Erkenntnisse missbraucht, um die Welt zu ruinieren und ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Plötzlich aber, wie durch ein Wunder, erkannten sie den Ernst der Lage, schlugen sich an den Kopf und riefen einander zu: Was taten wir? Wie konnten wir so in die Irre gehen? Waren wir blind? Waren wir lebensmüde? Hassten wir uns derart, dass wir zerstören mussten, wovon wir lebten? Was ist los mit uns?

Wir müssen uns ändern. Sofort und auf der Stelle.

Jeder Tag, den wir tatenlos verstreichen lassen, ist ein ungenutzter, ja, mörderischer Tag. Wir gefährden … … nicht nur uns selbst. Wir sind dabei, die Zukunft unserer Kinder zu vernichten.

Wie können wir ihnen noch länger in die Augen schauen? Ihnen zärtlich unsere Zuneigung ins Ohr flüstern? Wie können wir tun, als dächten wir nur an ihre Zukunft – und tun nichts anderes, als ihr Leben zu zerstören?

Wir lieben – und töten sie. Wir nehmen sie in den Arm – und würgen sie. Langsam, aber todsicher. Jeden Tag, den wir verstreichen lassen, drücken wir fester zu.

Wenn draußen in der Welt ein Mensch von einem anderen erstickt wird, sind wir empört – und tun dasselbe in gigantischem Ausmaß.

Wir bereiten sie für ein lebenswertes Leben vor – und schaufeln bereits ihr Grab.

Sind wir noch Menschen – oder Ungeheuer? Vertilgen wir unsere Brut, um uns selbst zu vertilgen? Ertragen wir nicht mehr die Unschuld unserer Kinder, weil wir an ihrem Elend schuldig sind? Dulden wir keine Zeugen unserer Menschheitsverbrechen? Schafften wir Schuld und Verantwortung ab, damit uns unsere Kinder nie an den Pranger stellen können?

Gilt noch immer: Väter müssen ihre Söhne opfern, damit die Menschheit sich dem Wahn der Erlösung hingeben kann?

Gilt noch immer: Mütter müssen sich Männern unterordnen, um sich frei zu fühlen?

Gilt noch immer: Kinder müssen von Erwachsenen lernen, die sie in den Abgrund schicken? Erwachsene zensieren Kinder, deren Schicksal sie ruinieren – wann zensieren Kinder Erwachsene im wichtigsten Lehrfach: wie retten wir die Welt?

Gilt noch immer: Die Mächtigsten sind jene, die am wenigsten tun, um die Menschheit zu retten?

Gilt noch immer: Die Menschheit schaut zu und erträgt die Mächtigen – als ginge es nur um eitlen Wettbewerb und die Gier des Augenblicks?

Während Natur ächzt, fliehen eine Handvoll Männer ins All – und werden von der Welt gefeiert, als wäre ihre Flucht ins All die Lösung aller Probleme.

Während Natur darbt, Menschen dürsten und verhungern, sagen die Mächtigen der Erde ihr Klimatreffen ab, auf dem die Lage der Welt besprochen werden sollte. Erklärungen? Keine.

Während Natur immer heißer und trockener wird, werden in Deutschland Firmen unterstützt, die die Natur noch heißer und trockener machen:

„Das Haus brennt und die Regierung reicht den Zündlern Geldbündel. Das muss endlich aufhören. Der Schaden durch den Klimawandel wird langsamer sein als die Pandemie, aber gewaltiger und nachhaltiger. Wenn es je einen Moment gab, in dem politische Anführer bei der Abwehr dieser Katastrophe Mut beweisen konnten, ist es dieser.“ (Christian Stöcker)

Während es in Deutschland zum Streit kam zwischen Gegnern und Verteidigern der Wissenschaft, dehnt sich die Zivilisation immer mehr aus in die Natur – um sich der Gefahr der Ansteckung durch unbekannte Viren auszusetzen. Mediziner streiten um Peanuts – und schauen regungslos zu, wie wissenschaftlicher Fortschritt sich ungebremst in den Leib der Natur hineinfrisst.

„Diese Pandemie, die haben wir selbst verursacht. Das war schon seit Jahren vorhersehbar. Es fehlt uns an Respekt für die Natur und die Tiere, und das ist die Konsequenz. Wir zerstören das Ökosystem, treiben die Tiere zusammen und zwingen sie so zu mehr Kontakt mit den Menschen. Das hat eine Plünderung der Nutzpflanzen zur Folge, wenn sie auf Nahrungssuche in unsere Wohngebiete eindringen müssen. Wir jagen, töten und essen Wildtiere, wir handeln mit ihnen und verkaufen sie, als seien sie Haustiere. Die Wissenschaftler schätzen, dass drei von vier neuen Krankheiten beim Menschen Zoonosen sind, die vom Tier auf den Menschen übertragen wurden. Wenn wir auf diesem Planeten genauso weiterleben wie bisher, dann ahnen wir ja bereits, dass das Leben zu einem gewissen Zeitpunkt wegen des Klimawandels ausgelöscht werden könnte.“ (Jane Goodall)

Gibt es Hoffnungsstreifen am Horizont?

Morgen werden sich alle Gazetten der freien Welt zusammenschließen, um die Regierungen der Welt zu zwingen, alles zu unterlassen, was Natur schädigt und alles zu unternehmen, was sie hegt und bewahrt – um das Überleben des homo sapiens zu sichern.

Morgen werden sich alle jugendlichen Klimademonstranten dieser Welt zusammenschließen, um alle Verkehrsadern dieser Welt so lange zu blockieren – bis die Mächtigen der Welt sich gezwungen sehen, sich dem Überleben der Gattung zu widmen. Kompromisslos.

Morgen werden sich alle Menschenfreunde des Planeten verbünden, um die Welt von vorne zu beginnen.

Am Anfang war das Wort, um die Welt aus Nichts zu erschaffen; am Ende war das Wort, um die Welt ins Nichts zurückzuschicken:
die Devise einer todkranken Welt wird aus den Annalen der Menschheitsgeschichte gestrichen.

„Wenn jemand nicht im Buch des Lebens aufgezeichnet ist, wird er in den Feuersee geworfen“:
Spaltung und Bedrohung der Menschheit werden ersatzlos getilgt.

„Denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden, das Meer ist nicht mehr“:
das Todesurteil über Mensch und Natur wird vernichtet.

Natur ist nicht das Alte, das eliminiert werden muss. Das Neue nicht Todfeindin des Alten, das, auf den Trümmern der Natur, eine leblose Zukunft beherrschen wird.

Natur ist nicht das Geschöpf eines allmächtigen Mannes. Wir Menschen sind das Werk einer allmächtigen Natur, die uns leben, ja, gut leben lässt, wenn wir sie leben lassen.

Naturgemäß leben, war das Motto griechischer Philosophen: der Mensch ist dem Menschen eine heilige Sache. Alle Menschen haben das gleiche Recht auf Achtung. Alle haben die Pflicht, gütig und barmherzig zu sein, selbst gegenüber Feinden. Natur und Vernunft sind untrennbar miteinander verbunden. Das gemeinsame Vaterland aller Menschen ist der Kosmos. Alle Bürger des Kosmos sind dem gleichen Gesetz der Natur oder der Vernunft unterworfen. Alle haben die gleichen Rechte. Universelle Menschenvernunft ist ewig und unveränderlich. Sie ist Trägerin unveräußerlicher Menschenrechte. Diese Erkenntnisse der griechisch-römischen Kultur wurden Bestandteile der humanen Moderne, die jetzt vor dem Untergang steht – und die wir mit allen Mitteln beschützen müssen.

Heute ist Tag der Erleuchtung – nicht von Oben, sondern von Mensch zu Mensch.
Heute ist Tag der Erkenntnis – unserer eigenen Köpfe und Herzen.
Mitmenschen, Schwestern und Brüder – und abermals beschwören wir euch:
Lasst uns von vorne beginnen.

Fortsetzung folgt.