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Montag, 05. September 2011 – Ku Hung Ming

Hello, Freunde der SPD,

nun sollen sie schon dabei sein, in Berlin die zukünftigen Chefsessel zu verteilen, die Rot-Grünen. In einer großen Koalition hat die SPD in Meckpomm die Schwarzen derart an die Brust genommen, dass denen die Luft ausging. Die Grünen haben den Sprung in den Landtag geschafft. Nun sind wir in allen deutschen Landtagen vertreten, jubelte Claudia Roth.

Rösler hat nicht geliefert, wie lange dauert es, bis er geliefert ist? Seine überflüssige Apotheker- und Hotelservicetruppe ist spurlos im Watt verschwunden. Was ist aus dem stolzen Liberalismus geworden?

Da gibt es einen chinesischen Philosophen namens Ku Hung Ming, der vor etwa 100 Jahren als einer der Ersten die europäische Kultur studierte und ein ausgezeichnetes Buch über die Beziehungen zwischen dem damals daniederliegenden Reich der Mitte und dem auftrumpfenden Westen schrieb. Titel: „Chinas Verteidigung gegen europäische Ideen“, ein überaus kompetenter Beitrag zur Verständigung zwischen der ältesten und der aggressivsten Kultur der Welt. (Ku Hung Ming)

Seinen Namen fand ich bei Löwith, der Verfasser war im Dialog mit den bekanntesten Intellektuellen des damaligen Europa. Man höre, wie der hochgelehrte Mann den Verfall des Liberalismus in wenigen Sätzen auf den Punkt brachte. Der Liberalismus des heutigen Europas (= 1917) scheine eine Oligarchie gesättigter Einzelner geworden zu sein, schreibt er. „Der Liberalismus des 18. Jahrhunderts hatte Kultur, der Liberalismus von heute hat seine Kultur verloren. Der Liberalismus der Vergangenheit las Bücher und verstand Ideen, der moderne liest höchstens Zeitungen und benutzt die großen liberalen Phrasen der Vergangenheit als Schlagworte für seine selbstischen Interessen. Der Liberalismus des 18. Jahrhunderts focht für Recht und Gerechtigkeit, der Pseudoliberalismus von heute ficht für Rechte und Handelsprivilegien. Der Liberalismus der Vergangenheit kämpfte für die Sache der Menschheit, der Pseudoliberalismus von heute sucht die investierten Interessen von Kapitalisten und Finanzleuten zu fördern.“

Ku Hung Ming kritisiert nach innen und außen.

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Dienstag, 06. September 2011 – Midas Ackermann

Hello, Freunde Ackermanns,

es muss brenzlig um den Kapitalismus stehen, dass sein deutscher Chef höchstselbst vor ihm warnt. Bereitet Ackermann sich auf die Rolle des Elder Statesman vor? Woher sind ihm plötzlich die Erkenntnisse zugeflogen, dass Big Money sich von der ordinären Werteproduktion abgenabelt und über den Wolken ein eigenes Reich gegründet hat?

Neulich war das Bild eines asiatischen Mannes zu sehen, der einen Tumor besaß, fast größer als er selbst. Der Finanztumor der Weltwirtschaft soll um ein vielfaches größer sein als die materielle Basis, die ihn zur Welt gebracht hat. Der Profit schwillt und wuchert im Sauseschritt, während das Werk der Hände kaum mitkommt und unter der Last des Schwellkopfes zu ersticken droht.

Die Welt ist zu reich geworden, sie hat keine Beschäftigungstherapie mehr für überflüssigen Mammon. Es ist wie bei der Bewässerung eines Reisfeldes, das von den Wassermassen eines zusammengebrochenen Staudamms geflutet wird. Wenn Segen überhand nimmt, wird er zum Fluch. Was hat ein Tsunami in einem Schrebergarten verloren?

Die alten Mythen haben alles vorausgesehen, es gibt nichts Neues unter der Sonne. … 

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Mittwoch, 07. September 2011 – Nachhaltig lachen

Hello, Freunde Berlins,

es ist Wahlkampf in Berlin, der Senat erweckt den Anschein, besonders mieterfreundlich zu sein. Gleichwohl erhöhen die landeseigenen (stadteigenen?) Wohnungsgesellschaften kurz vor der Wahl die Mieten. Auskünfte darüber verweigern sie.

Ein bayrisches Gericht hatte noch vor kurzem keine Einwände gegen Honig mit Genresten. Nun hat das EUGH erneut zugeschlagen und für Klarheit gesorgt. (Was war mit Karlsruhe?) Die EU-Kommission ist blamiert, mit ihr die fränkische Monsanto-Schutzministerin Aigner, die sich zunehmend als ungeaignet für ihren Job herausstellt.

Nun müssen sie gucken, wo sie ihre schädlingsfreundlichen und diversitätsfeindlichen Monokulturen ansiedeln, damit sie von den fleißigen Bienchen nicht entdeckt werden. Die Bienen bringen es an den Tag, sie sind die unermüdlichen Sherlock Holmes der Naturschützer.

Schädlingsfreundlich? A la longue ja. Irgendwann – wie bei den Antibiotika – werden die bekämpften Pflanzen resistent gegen ihre Angreifer. Ergebnis: noch mehr Gifte auf den Acker. „Schlafende Feinde“ soll man nicht wecken, Spannungen zwischen Lebewesen nicht mit Laborkeulen zu offener Feindschaft anheizen. In der Natur gibt es einen gewissen Wettbewerb um die besten Plätze, aber keinen Vernichtungskampf.

Erst der Mensch will aus blinden und kurzfristigen „Optimierungsgründen“ gnadenlos selektieren, um seine anwachsenden Mäuler satt zu kriegen. Er zwingt der Natur einen Darwinismus auf, den sie in dieser Form nicht kennt.

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Donnerstag, 08. September 2011 – Du sollst deinem Nächsten nicht aus der Klemme helfen

Hello, Freunde Europas,

in Trauer frisch gestärkt und ganz in schwarz erfand Angie sich gestern wieder neu und pries Europa, als hätte sie den Kontinent eben entdeckt. Grade hatte Karlsruhe ihre Euro-Rettungsmaßnahmen gebilligt, das stärkte Körperhaltung und Mimik. Allerdings wird sie künftig nicht mehr am Parlament vorbei entscheiden dürfen. Hier erhielt ihr interner Widersacher, Bundestagspräsident Lammert, unumwunden Recht. Der Haushaltsausschuss darf nur die Auszahlungen kontrollieren, die milliardenschweren Hilfen müssen zuvor von den Abgeordneten prinzipiell genehmigt worden sein.

Versteh ich recht, hat Karlsruhe großzügig über die bisherige Missachtung des Parlaments hinweggeguckt und im Interesse Europas alles nachträglich durchgewunken. Zukünftig aber muss es anders werden. Das Verbot der Bail out-Klausel bleibt bestehen, ein etwaiger Eurobond wäre nur bei vorheriger Änderung des GG möglich. Im Rahmen der bestehenden Verfassung no chance. Solange das transnationale Europa vom Volk nicht abgesegnet ist, dürfen nationale Verfassung und Verantwortung nicht an Brüssel verscherbelt werden. Volk und Abgeordnete erhielten ihre ausgehöhlten Rechte zurück.

Eine gemeinsame Wirtschaftsregierung nicht ohne Zustimmung derer, die in einer funktionierenden Demokratie zustimmen müssten. Dem Europa mauschelnder Eliten wird ein Riegel (Riegelchen?) vorgeschoben. Die Bail-out-Klausel (bail out = aus der Klemme helfen) verbietet Unterstützung anderer europäischer Länder bei finanziellen Krisen.

Ein bemerkenswerter § in einer Union abendländisch-christlicher Werte. Du sollst deinen Nächsten lieben, nicht aber deinen nächsten Konkurrenten. Damit hätten wir auch dies geklärt. Doch blöde Frage: sind die zwei bisherigen Eurorettungsgesetze keine konkreten Versuche, den Griechen aus der Klemme zu helfen? Hab ich da was falsch verstanden?

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Freitag, 09. September 2011 – Wowi Kolibri

Hello, Freunde der Renate,

tja, so unterschiedlich kann man sie bewerten, die angriffslustige oder die mutlose Renate. Gegen Kolibri Wowi soll sie keine Chance haben. Als bekennender Schwuler benutzt Wowi seine Schwanzfedern als Harfe, um die Berliner zu betören. Auch hier hat sich das Geschlechterspiel umgedreht: die strenge Über-Ich-Mutter, der triebfreundliche Es-Hallodri-Vater.

Eben noch den Genhonig zum Restmüll erklärt, scheint der EUGH nun ein genfreundliches Urteil gegen Frankreichs Verbot des Monsanto-Mais erlassen zu haben. Liest man genauer, wird nur die falsche Begründungsart des Verbots moniert. Frankreich hätte den Genmais auf einen sicheren § stützen müssen. In Deutschland gilt sehr wohl das Genmaisverbot. Es läge an Paris, die Chose juristisch wasserdicht zu machen. Von einem genfreundlichen Urteil kann man m.E. aber nicht reden.

Die EU muss ihre Geburtsfehler korrigieren und eine neue Phase des Zusammenwachsens anpeilen. Ohne Änderung des GG, ohne Umbau der grundlegenden Architektonik wird es nicht gehen. Doch wer soll das stemmen? Angie?

Was ist die Lieblingsbeschäftigung der PolitikerInnen? Kastenbilden. Die Gesellschaft soll eine fein ausgetüftelte Aufstiegsleiter in den Himmel sein – oder umgekehrt. Bald werden wir ein Kastensystem wie im klassischen Indien haben. Schavan

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Samstag, 10. September 2011 – Zeitenwende

Hello, Freunde der Zeitenwende,

upps, wo anfangen heute? Selbst Leute mit Tinnitus müssten heute die knarrenden Widerlager des Zeitgeistes hören. Ob 9/11 eine Zeitenwende ist, mag dahingestellt sein, doch was sich in der kollektiven Erinnerungsarbeit tut, war längst überfällig. Es ist wie ein großes Reinemachen, Schwaben würden sagen: die Gass’ wird g’kehrt.

Die Doppel-TAZ heute ist das beste seit langem. So ungefähr stelle ich mir lebendigen Journalismus vor, die Ex-Turnschuhriege debattiert mit sich selbst. Das ist spannend und kommt dem Wesentlichen nahe, wie ich es bei den Alternativen noch nicht erlebt habe. Doch zuerst zu den Bilanzen der 9/11–Dekade. Überragend Bommarius, auch Arno Widmann übersteigt seine bisherige Tranfunsel-Haltung: als Exlinker weiß ich nicht mehr, wos lang geht, und selbst dies nicht genau.

Und noch mal Bommarius zu den Eskapaden des Verfassungsschutzes, die Linke zu observieren, aber den islamfeindlichen, israelhörigen Weblog PI (politically incorrect) nicht.

Brigitte Fehrles Ton ist auch auf Kehraus gebürstet, sie wirft die Option Grün-Schwarz in den Gelben Sack. Doch ihr munterer Ton überdeckt einen eminenten Widerspruch. Wenn Grün partout nicht mehr zu Schwarz passen soll, weil die Grünen inzwischen fast schwarz, die Schwarzen fast ergrünt sind – wo liegt da die Logik? Sollten die beiden sich dann nicht angenähert haben, dass eine Koalition jetzt überhaupt erst möglich wäre?

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Montag, 19. September 2011 – Defloration des Papstes

Hello, Freunde der Piraten,

schon haben sie ihren Ur-Fehler gemacht, die Kessen von der ersten Bank. Immer würden sie ihren Idealen treu blieben, vermutlich im Unterschied zu den Grünen. Wenn das die Absage an Kompromisse war, werden sie entweder für immer die Oppositionsbänke drücken müssen oder schnell auf dem Bauch landen. Kompromisse schließen, ohne sich untreu zu werden, diese Kunst gibt’s in deutschen Landen nicht, weil jedes Zugeständnis als Charakterschwäche gilt.

Selbst bei dem alten Fahrensmann, dem BZ-Chef Vorkötter, gibt’s einen falschen Zungenschlag, wenn er in seinem Leitartikel zur Wahl über die Piraten schreibt: „….eine Partei, die sich noch nicht durch irgendeine Art von Kompromiss diskreditiert hat.“ Wenn sie keine Kompromisse schließen, gelten Parteien als dogmatisch und realitätsuntauglich, tun sie’s, sollen sie gleich unglaubwürdig sein? Das sind demokratiefeindliche Fallen, fast 70 Jahre nach Einführung der Volksherrschaft in Deutschland.

Der Rest in Kürze: nein, zum Kanzlerkandidaten wird er’s nicht schaffen, der just in time aufgeföhnte Wowi. Da müsste er von hinten eleganter aussehen. Nein, die Renate ist nicht gedemütigt worden. Die Grünen haben 5 Punkte gewonnen. Ihr vorübergehendes Hoch war nie zu halten. Momentan scheint alles auf ein bundesrepublikanisches Rot-Grün hinauszulaufen. Nein, ich kann noch nicht glauben, dass die FDP den Abgang macht. Zu oft ist sie schon totgesagt worden. Rösler ist ein plappernder Ministrant, er sollte sich beim Papst für die gregorianische Monodie bewerben. Ob Lindner die Kraft hat, den Saftladen umzudrehen? Dazu sieht er kurz nach seiner Hochzeit zu ausgezehrt aus. Nein, das Dick & Doof-Duo der Linken

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Sonntag, 18. September 2011 – Klischeebildungen

Hello, Freunde der Außenseiter,

gibt es den Amerikaner? Den Unternehmer? Den Konservativen? Den Juden? Den Deutschen? Klinsmann wurde neulich verhöhnt, weil er in TV dem deutschen Publikum den Amerikaner erklären wollte. Der habe so viel mit der Sicherung seines Alltags zu tun, dass er keine Zeit habe für überflüssiges Wissen um die Welt. In einem Test hielten viele Amerikaner Adolf Hitler für einen deutschen Bundeskanzler. Ist der Amerikaner schlicht und einfach dumm?

Darüber gibt’s viele Untersuchungen, die Ergebnisse sind niederschmetternd. Wenn der kollektive IQ einer Nation in den Keller rutscht, kann sie dann noch Weltmacht Nr. 1 sein? Auch die Pisa-Tests erkunden den deutschen Schüler im Unterschied zu dem finnischen. Über diese Fragen zu reden, geht nicht ohne Erwähnung der Statistik, die man eine Wissenschaft der Klischeebildung auf empirischer Basis nennen könnte.

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Samstag, 17. September 2011 – Ratzefummel

Hello, Gegner des Ratzefummel,

Freiburg im Papstrausch. Die Kritiker halten dagegen: Freiburg ohne Papst. Den Ratzefummel (hochdeutsch: Radiergummi) haben wir am Stand verschenkt – gegen Spende. Verkaufen durften wir nix. Ab heute kann man Bruder Benedikt nicht mal weiträumig umfahren, alle Wege führen nach Rom. Am nächsten Wochenende fliehen viele aus der Stadt. Wer an seiner Route wohnt, darf nicht mal die Fenster öffnen, er könnte an Weihrauchallergie und Polizeikugeln ersticken.

In der Berliner Zeitung/FR durfte Arno Widmann den säkularen Luther mimen und den Geistlichen Vater des Feldes verweisen. Die TAZ ist weltläufig gespalten, die feministische Chefin pflichtgemäß dagegen, der Haustheologe mit wenig Bauchgrimmen dafür.

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Sonntag, 11. September 2011 – Verschwörungstheorie als Hypothese

Hello, Freunde Indiens,

ein außerordentliches Interview mit Arundathi Roy über die Welt nach 9/11, den Totalitarismus der Mittelklasse, falsches und richtiges Bewusstsein, Bollywood, den genügsamen Sufismus, Glück, die am besten vernetzte Elite rund um den Globus, gemeinsames Eigentum und ihre wunderbare Mutter. Hätte dies Interviewerin Iris Radisch nimmermehr zugetraut, damit hat sie viele Sünden gut gemacht.

Das Gespräch ersetzt Bibliotheken, die indische Schriftstellerin gehört für mich zu den Weltweisen. Solche schlichten Sätze auch nur zu denken, würde jeden westlichen Komplexitätsanbeter mit Schamröte überziehen. Allmählich wagen sich in Indien, China und anderen Urorten dieser Welt die von der westlichen Walze untergepflügten traditionellen Naturweisheiten wieder ans Tageslicht und stellen sich dem importierten Verhängnis entgegen. Noch ist Hölderlin nicht widerlegt, wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Zum schlechthinigen Vergleich mit Roy die analoge Bilanz eines deutschen Medientycoons.

Damit zurück zur gestrigen Ausnahme-TAZ.

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