Tanz des Aufruhrs VII

Tagesmail - Freitag, den 03. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs VII,

Nu denchent wib unde man, 
war ir sulint werdan. 
Eine churza wila sund ir si han.
Ir wanint iemer hi lebint. 
Tu muozust uns gebin ten sin           
Daz wir die sela bewarin. 
Wanda wir dur not hinnan solen uarn. 

Nun, denket alle, Weib und Mann,
Was aus euch soll werden dann.
Nur kurze Frist ist euch gewährt.
Ihr wähnt hier immer zu leben.
Du müssest uns geben den rechten Sinn
Dass wir die Seele bewahren. 
Wenn wir aus Not von hinnen fahren.

 

 

(Memento mori von Notker, 11. bis 12. Jahrhundert,

(Memento mori von Notker, 11. bis 12. Jahrhundert, alemannisch)

Ein göttliches Du, welches uns den rechten Sinn geben kann, existiert nicht und die Bewahrung der Seele wird nicht genügen, denn sie hängt hartnäckig am Fleisch.

Dennoch muss die nächste Dekade unter die schärfsten aller Kriterien gestellt werden: Memento mori und sub specie aeternitatis: „Gedenke des Todes“ und „Unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“.

Tod nicht als individuelles Ende, Ewigkeit nicht als Jenseits, das die irdische Vergänglichkeit als Vanitas lästert.

Vanitas („leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet (Prediger Salomo) im Alten Testament ausgesprochen wird: „Es ist alles eitel.“

Menschen, lebet, als ob Ihr bald sterben müsstet. Der Tod des Einzelnen ist zur nostalgischen Belanglosigkeit geworden. Es geht um uns alle.

Gevatter Tod ist technisch versiert und auf der Höhe des Fortschritts, er lauert auf die Menschheit als Gattung. Als ob wir bald sterben müsstenheißt, niemand weiß ...

... genau, wann das Verhängnis eintreten wird, es wird peu à peu jedes Land ergreifen.

Dennoch ist sicher: die Bedrohung wird zum Ereignis werden. Eine Alternative gäbe es nur, wenn der Mensch zur Vernunft käme, seinem Ehrentitel homo sapiens (weiser, verständiger Mensch) gerecht werden und sich selbst retten würde.

Alles, was Deutsche hassen, mit dem werden sie jetzt erbarmungslos konfrontiert. Geht es um Tod oder Leben, so geht es um Sein oder Nichtsein, Entweder-Oder, Weiß oder Schwarz. Ein Drittes gibt es nicht. Deals und Kompromisse, Groko-Fuggereien und CO2-Ablässe wird es nicht mehr geben. Geld als Ersatz, Geschichten als Flucht vor der Wahrheit, Macht und Erfolg als Surrogate für richtiges Handeln, sind für immer passé.

Es zählt nur noch die Währung des bedingungslos richtigen Handelns. Das Tun des Gerechten nannte man früher – Moral und nichts als Moral.

Entsetzt fliehen hier die aufrechten Deutschen, die einst alles um seiner selbst willen taten, doch dann dazu übergingen, alles um des Profits und der Eitelkeit willen zu tun.

Die Zeichen an der Wand. Urwälder und Kontinente verbrennen. Seen und Meere vertrocknen. Die Erde verdorrt, die Hitze versengt alles. Das Grundwasser beginnt, sich davon zu machen. Das ewige Eis schmilzt und entlässt seine gespeicherten Giftgase in die Luft. Völker fliehen aus ihrer Heimat – und sind nirgendwo willkommen. Millionen Flüchtlinge verderben, weil die letzten Refugien der Erde dicht machen. Der Wettbewerb um die schrumpfenden Zufluchtsorte verschärft sich zu militanten Spannungen. Der Krieg steht vor der Tür. Der Glaube an die Apokalypse wurde zur apokalyptischen Realität.

Gedenket des Todes – um des Überlebens und eines guten Leben willens. Nicht, um das Leben zu schmähen, die Erde zu diffamieren, die Natur zu demütigen. Gedenket des Todes, um die Zukunft eurer Kinder zu retten.

Betrachtet alles unter dem Blickwinkel der Ewigkeit, jener Zeit der Natur, in der wir zu uns kommen, denn sie gewährt uns alles zu einem guten Leben.

Leben in der Zeit der Natur, heißt Abschied nehmen von Geschichten und Heilsgeschichten, die sich anmaßen, das erfüllte Hier und Jetzt der Natur durch phantastische Versprechungen zu ersetzen.

Keine jenseitigen Götter sind unsere Ansprechpartner, die sich zu Schöpfern der Welt aufblähen. Die Natur selbst spricht zu uns in der Sprache ihrer verlässlichen Gesetze. Wir können sie erkennen, denn wir sind ihre Geschöpfe, die die gleiche Sprache sprechen wie sie. Natur erkennen, heißt, sich ihrer Sprache erinnern, die wir vergessen und verdrängt haben. Naturerkenntnis ist retour à l’origine, Heimkehr zum Ursprung.

Staunendes Erkennen ist Überrascht werden von einer unverhofften Wiedererinnerung an den Schoss der Natur, aus dem wir alle krochen und zu dem wir zurückkriechen werden.

Warum haben es die Griechen nicht zur modernen Naturwissenschaft gebracht? Weil sie Natur erkennen und verehren, nicht berechnen und beherrschen wollten wie die Moderne, für die Natur nichts ist als eine minderwertige Dienstmagd, freigegeben für jede Schändung, Erniedrigung und Ausplünderung.

Jürgen Trittin, gestandener Grüner, unterstützt – in einem FREITAG-Interview – die jugendlichen FFF-Demonstranten, übt aber scharfe Kritik an der XR-Bewegung:

„Ich finde, Fridays for Future ist eine Bewegung, die sagt: ‚Wir wollen, dass sich was ändert. Weil wir wissen, was passiert, wenn wir das nicht tun.‘ Das ist eine Botschaft, die auf Gestaltung zielt. Eine Bewegung, die von den Verantwortlichen verlangt, ihr Wissen umzusetzen. Das ist ein völlig anderer Zugang als der von Extinction Rebellion, der sagt, wir stehen kurz vor der Auslöschung – und da ist alles erlaubt. Das stimmt nicht und es verkennt die Herausforderung: Die Menschheit wird auch unter den Bedingungen des Klimawandels erst mal überleben, aber sie wird es deutlich schlechter tun. Da müssen wir ansetzen.“ (der-Freitag.de)

Erstmal: bei XR ist nicht alles erlaubt, sondern nur gewaltfreier ziviler Ungehorsam. Zudem: woher weiß Trittin, dass die Menschheit überleben wird? Sicher ist, viele Millionen Flüchtlinge werden sterben, weil kein Land bereit sein wird, seine Grenzen zu öffnen. Und die „Glücklichen“, die in bestimmten Weltrevieren am längsten überleben, werden sich hoch wahrscheinlich im letzten Akt auszurotten beginnen.

Und selbst, wenn dieser letzte Verzweiflungsakt ausbliebe: sind es die Opfer der Gegenwart nicht wert, alles sub specie aeternitatis zu betrachten, um wenigstens im letzten Akt der Geschichte Humanität walten zu lassen?

Warum wird Trittin, ein Grüner der ersten Stunde, nicht danach gefragt, wie es seiner Meinung nach zur drohenden Endkatastrophe kommen konnte, obgleich es die Grünen seit fast einem halben Jahrhundert gibt?

Äußerlich haben sie gewisse Erfolge zu verzeichnen, gleichwohl ist es ihnen nicht gelungen, die Realität zu vermitteln, wie sie ist. Haben sie die ungeschminkte Realität nicht gesehen? Oder sie zwar gesehen, aber nicht drastisch genug vermittelt? Hatten sie Angst, sich bei der Bevölkerung unbeliebt zu machen mit ständig anschwellenden Unheilsperspektiven?

Richtig sagt er: „Es gehört zur demokratischen Verantwortung, den Menschen die Komplexität ein Stück weit zuzumuten, ihnen nicht einfache Lösungen zu versprechen.“

Ein wichtiger Satz, gegen den fast alle anderen Parteien und Medien verstoßen, die sich aus pädagogischen Gründen anmaßen, dem tumben Volk die ganze Wahrheit vorzuenthalten. Sie gehören zu den Eliten, die dem Grauen der Welt standhalten, doch das Volk muss unfähig sein, der Wahrheit ins Auge zu schauen.

Wie konnte es geschehen, dass die erste ökologische Warnwelle vor mehr als 50 Jahren nicht zu einem Erkenntnisschock und einem radikalen Wandel der Politik geführt hatte?

Könnte es damit zusammenhängen, dass die einst radikale Partei zu einer duckmäuserischen und machtlüsternen Mitläuferpartei verkam, die peinlich darauf achtete, niemanden in Panik zu versetzen? Oder damit, dass sie ihre fehlende Naturphilosophie zu kompensieren gedachte mit einem Rekurs in eine theologische Schöpfungsbewahrung? Damit machte sie den Bock zum Gärtner.

In einer christlichen Gesellschaft, so scheint es, kann es keine religionskritische Partei geben, die ihre Grundsätze nicht verwässern müsste, um an die Macht zu gelangen.

Alle Maßnahmen, die die Grünen zur Eindämmung der Gefahr empfahlen, waren Verbote. Das war unumgänglich, denn die wirtschaftlichen und technischen Prozesse der Umweltkatastrophe müssten eingestellt werden, damit sie keine Schäden mehr anrichten können. So gelang es ihren Widersachern, sie als Verbotspartei zu diffamieren, ja noch mehr, wie der Chefredakteur des FREITAG lässig einwendet:

„Also verbieten. Das nennt man dann Ökodiktatur.“

Hier zeigt sich der ganze Öko-Jammer der Linken, die im Sog des Marxismus nicht wissen, was sie mit der Schädigung der Natur anfangen sollen. Zwar hatte Marx Protest eingelegt gegen die Geist-Philosophie Hegels, indem er Natur – oder die materiellen Verhältnisse – an die Stelle des Geistes setzte. Doch er verhielt sich wie in seiner Religionskritik, mit der er die christliche Heilsgeschichte durch eine materialistische ersetzte. Die neue Erlösungsreligion als automatische Geschichte konnte sich umso trefflicher tarnen, je religionskritischer sie auftrat.

Marx blieb ein Bewunderer des kapitalistischen Fortschritts, der nur einen Mangel hatte: im Bereich des Menschlichen war er ausbeuterisch und ungerecht. Was aber die Ausbeutung und Schändung der Natur betraf, blieb Marx ein Anhänger der Erlösungsreligionen. Natur war etwas, was als unabhängige Instanz untergehen musste, um den Aufgang des Menschen zu ermöglichen.

„Der Mensch ist aus der Natur hervorgegangen als biologisches Wesen, erhebt sich jedoch über sie und stellt sich ihr vermittels der Arbeit gegenüber. Durch Arbeit verwirklicht der Mensch seine Zwecke, verändert die Natur, passt sie seinen Bedürfnissen an und wird immer mehr zu ihrem Beherrscher. Herrschaft besteht jedoch nicht in der Loslösung des Menschen von der Natur. Sondern in der immer tieferen Erkenntnis und Anwendung ihrer Gesetze für seine Zwecke.“ (Marxistisch-leninistisches Wörterbuch der Philosophie)

Arbeit erlöst die Natur – durch deren Zerstörung. Im christlichen Credo nicht anders: Gott erlöst den Menschen, indem er ihn vernichtet und als Wiedergeburt erneuert. Das Neue ist Feind des Alten, die erlöste Natur am Ende der Geschichte Feindin der alten Natur, die gelöscht werden muss.                                                                                                                                  

„Für Bloch beginnt die Erschaffung der Welt erst am Ende der Geschichte, bis dahin ist alles nur Zwang, "Knechtschaft" oder ein missratenes realsozialistisches Experiment. "Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende (…) Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Sein ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."“ (ZEIT.de)

Hier erkennen wir den Grund der marxistischen Naturfeindschaft. Die jetzige Natur muss, im Dienste menschlichen Größenwahns, bis auf die Knochen abgenagt werden, damit sie sich eines fernen Tages wie Phönix aus der Asche erheben kann. Autonome Mitarbeit des Menschen – ausgeschlossen.

Die Welt ist im Christentum nicht die Heimat des Menschen. Zur Heimat wird sie erst, wenn sie sich aus ihrem entfremdeten Stadium zu lösen beginnt, um ganz zu sich zu kommen. Der Mensch ist der enthauste, heimatlose, der abwarten muss, bis sie in ferner Zukunft sich entschließt, zur wahren Heimat des Menschen zu werden.

Erinnert man sich, dass materielle Verhältnisse mütterliche sind, werden die Folgen der Erinnerung makaber. Die Mater darf vergewaltigt werden, weil der Mann den Akt der Schändung als Liebesakt deklariert. Liebst du deine Frau, quäle sie, das braucht sie. Wie der Kapitalismus, darf auch der Marxismus die Natur schänden, um sie zu erlösen. Wen Gott liebt, den züchtigt er.

Natur, Frauen, Mütter verstehen keine andere Sprache der Zuneigung als die der Gewalt. Auch Faschismus ist eine männliche Zwangsbeglückung des passiv und weiblich verstandenen Volkes.

„Die viktorianische Gesellschaft zog nie einen Mann zur Verantwortung, wenn er Unzucht mit einem heranwachsenden Mädchen trieb. Kinder zu vergewaltigen war ein recht verbreitetes Vergnügen unter viktorianischen Männern, die erklärten, der Verkehr mit einem jungfräulichen Kind sei ein sicheres Mittel gegen Syphilis.“ (Walker)

Wie reagierten die Frauen? „Frauen zögern oft, ihre Angreifer zu verletzen. Zum Beispiel, indem sie ihnen in die Augen stechen oder ihnen die Hoden verdrehen. „Frauen nehmen oft die Verantwortung auf sich, wenn Männer sie als Beute behandeln. Kein Mann trägt je die Schuld.“ (Walker)

Sind wir vom Thema Natur und Gesellschaft abgewichen? Kein Jota. Wie abendländische Männer ihre Frauen und Kinder behandeln, so behandeln sie die Natur. Der Prozess der Vergewaltigung führt zur Strangulierung der Natur. Sie röchelt in den letzten Zügen. Gerade das macht die Männer heiß, die ihren Orgasmus beim Tod ihres Opfers empfinden. Der gemeinsame Liebestod ist eine Variante dieser Verbindung aus Lust und Zerstörung.

Frauen wollten Männer - die sie unter Schmerzen geboren haben - erretten, indem sie sich als Opfer darboten. So gigantisch sind ihre Schuldgefühle, diese gewalt- und ruhmsüchtigen Wesen in die Welt gesetzt zu haben. Jesu Erlösungswerk war androgyn. Zuerst ließ er sich passiv am Kreuz zu Tode martern, dann entstieg er dem Grab wie ein unbesiegbarer Pantokrator, heute als Master of Universe übersetzt.

Auch Kinder bleiben Objekte der intellektuellen und ökonomischen Pädophilie, die leiden müssen, um die Überlegenheit der Erwachsenen zu bestätigen und die wirtschaftliche Wettbewerbs-Kompetenz der Nation zu sichern.

Die WELT wird nicht müde, die Intelligenzvorsprünge von China zu preisen, um deutschen Kindern noch mehr ihre Dummheit unter die Nase zu reiben – alles zur höheren Ehre der Nation. Ein selbstkritischer Lehrer bestätigt in der ZEIT die tägliche Vergewaltigung der Kinder in den Schulen.

„Ich habe wieder dabei zugesehen, wie Lehrer von oben herab mit euch gesprochen haben. Wie ihr Dinge auswendig lernen musstet, die euch niemals was bringen, nur damit man euch irgendeine willkürliche Note geben kann. Ich habe euch beim Ablegen von Prüfungen beobachtet, wie sie schon meine Großeltern abgelegt haben, ich habe gesehen, wie ihr im Abitur sechs Stunden lang mit der Hand schreiben musstet, nur damit ihr hinterher an eine Uni gehen könnt, an der ihr in jeder Vorlesung vor dem Computer sitzen werdet. Ich habe wieder mal den empörten Gesichtsausdruck von Kollegen und Kolleginnen bemerkt, wenn ihr eure Smartphones rausgeholt habt, weil sie sich gar nicht vorstellen können, dass ihr sie für etwas anderes verwendet als für stumpfe Ablenkung und Daddelei. Mit all diesen Hürden und Unsinnigkeiten konfrontiert, wart ihr als Schüler immer geduldig, verständnisvoll und gnädig. Statt wütend zu werden, wie es euer Recht gewesen wäre, wart ihr interessiert an den Problemen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Die Wahrheit ist auch, dass Lehrer Angst vor euch haben. Es mag euch nicht so vorkommen. Aber es ist so. Aber als Lehrer ist man immer am Drücker, man ist Herr über den Stoff, Prüfer von Wissen und Kontrolleur von korrektem Verhalten. Wir fragen, ihr antwortet. Und was richtig ist, bestimmen wir.“ (ZEIT.de)

Wie der Mann die Frau vergewaltigt, weil er Angst hat vor ihrer Überlegenheit, so vergewaltigen Lehrer ihre Schulkinder, weil sie Angst haben, jene könnten sie in allem übertreffen. Neuerdings kommt hinzu: sie haben auch ein schlechtes Gewissen, die Jugendlichen könnten sich rächen, weil die Erwachsenen ihnen die Zukunft zerstören. Man betrachte sich nur die schändlichen Reaktionen deutscher Karrieristen auf Gretas Widerstandsaktion.

Vergewaltigung ist alles, was die freie Selbstentfaltung der Kinder boykottiert.

Seit Aufkommen der FFF-Bewegung fürchten die Erwachsenen eine Generalattacke der Jugend auf ihre natur- und kinderfeindliche Gesellschaft. Seit Herodes weiß man, wie man mit Kindern umgehen muss, die man als potentielle Rivalen einschätzt.

Die Gesellschaft braucht Kinder als einsatzfähiges Konkurrenzmaterial gegen den wachsenden Vorsprung Chinas. Der Westen hat Angst vor der davon eilenden Kompetenz des Reiches der Mitte.

Der Wind hat sich gedreht. Nun wird der Westen mit eben jenen Mächten attackiert, mit denen er einst die Welt unter seine Herrschaft brachte: mit den Mächten überlegener Waffen und wirtschaftlicher Potenz.

„Wenn nicht alles täuscht, beginnt mit dem neuen Jahrzehnt eine neue Geschichte: die Geschichte vom Ende der Globalisierung, vom kalten Krieg der führenden Wirtschaftsmächte und von der neuen Rolle, die Europa darin finden muss. Das ist das Gesetz der Wildnis. Aber wenn sich alle wie Wölfe verhalten, dürfen die Europäer nicht die Lämmer sein.“ (SPIEGEL.de)

Man muss nicht länger von der überschätzten Demokratie reden, um sich China als Vorbild zu nehmen. Man muss der Demokratie auch keinen offiziellen Abschiedsbrief schreiben, es genügt, auf die vorbildliche Dressur der chinesischen Jugend hinzuweisen, um hiesigen Politikern einen Wink zu geben. Das gnadenlose Büffeln der chinesischen Jugend heißt „leiden“ auf Deutsch. Durch Leiden zum Sieg, hier sehen wir die Konvergenzlinien einer globalen Despotie.

Wenn die inhumansten Nationen zu Weltführern werden, müssen alle, die nicht untergebuttert werden wollen, deren inhumanen Methoden nachahmen. Denn die Letzten beißen die Hunde. So verliert der aufgeklärte, menschenrechtliche Westen endgültig seinen Vorbildcharakter, den er ein halbes Jahrhundert lang in der Welt inne hatte.

Während die Eliten der Welt sich immer ähnlicher werden in ihren Protz- und Machtmethoden, dadurch aber immer bedrohlicher füreinander, werden sich die rebellischen Völker auch immer ähnlicher – um immer solidarischer zu werden. Das wiederum verschärft die Ängste der Mächtigen, die sich immer mehr abriegeln, um ihre Untertanen immer besser unter Kontrolle zu kriegen.

Wie seltsam, dass ausgerechnet Frauen und Kinder die Aufmüpfigsten sind im Westen gegen ihre männlichen Vergewaltiger. Die können es nicht lassen und schaukeln sich gegenseitig hoch mit kriegerischen Drohgebärden.

Diese militanten Männerhorden müssen verscheucht werden, wenn man die kommende Epoche des Memento Mori nicht mit dem Tod beenden will.

Zur sadomasochistischen Vergewaltigung der Natur, Frauen und Kinder gehören alle Methoden, sie zum Schweigen zu bringen:

„Die Stelle, an der Telemachos seine Mutter Penelope anweist, Leine zu ziehen, sich um ihren eigenen Kram (Spindel, Webstuhl) zu kümmern, nachdem sie vor aller Ohren einen Sänger angewiesen hat, ein lustigeres Lied zu singen. „Die Rede ist Sache der Männer“, sagt Telemachos. Ein Jungspund sagt also seiner Mutter, sie solle den Mund halten. Beard führt noch mehr Beispiele aus der Mythologie an von Männern, die Frauen zum Schweigen brachten. Zeus’ Geliebte musste zur Kuh werden, die nur noch muhen konnte, Tereus schnitt seinem Vergewaltigungsopfer die Zunge heraus. Diese Geschichten sind 3000 Jahre alt.“ (Frankfurter-Rundschau.de)

Womit wir bei der Neujahrsansprache der Kanzlerin angelangt wären. Ja, sie beherrscht die Kunst, sich selbst zum Schweigen zu bringen, indem sie eine Rede an die Nation hält. Zwar ist sie mächtig, bleibt aber eine folgsam-stumme Frau.

Zum angemessenen Handeln gehört – nach Hannah Arendt – auch das rechte Wort im rechten Augenblick:

„Finden des rechten Wortes im rechten Augenblick“ ist bereits Handeln. „Stumm ist nur die Gewalt, und schon aus diesem Grunde kann die schiere Gewalt niemals Anspruch auf Größe machen.“

Wenn Stummheit Gewalt ist, ist die stumme Rede der Kanzlerin ein Gewaltakt gegen ihre Untertanen – die sich aber ihrerseits eine stumme Kanzlerin durch Wahlen gefügig gemacht haben. Zu ihrem Volk passt die Kanzlerin wie die Faust aufs Auge – oder die Priesterin zu ihrer Herde.

Merkel soll in ihren Reden nichts sagen, außer den unterschwelligen Refrain: Alles ist gut. Die Deutschen wollen weder Vorwürfe hören, noch wollen sie zum Denken provoziert werden, sie wollen kein Soll und Haben ihrer Schandtaten vernehmen.

Mit anderen Worten: Merkel soll die Rolle der Predigerin spielen, die ihrem Volk zuruft: In der Welt habt ihr Angst, seid getrost, ich habe die Welt eingelullt.

Nein, Ich bin auch nicht besser als Trump (bitte nicht weiter sagen), aber ich habe die besseren Manieren. Ich kann Höflichkeit besser vortäuschen. Was soll an meiner Flüchtlingspolitik im Mittelmeer besser sein als an der Grenze zu Mexiko? In Mexiko hörst du die Schreie der Gescheiterten, im Mittelmeer versinken die Menschen lautlos im Wasser – oder werden aufgegriffen und zurückgebracht in libysche Foltergefängnisse.

Die Amerikaner sind uns in Sachen Ehrlichkeit überlegen. Trump macht kein Hehl aus seinen sexuellen Grapschereien. Kann sich jemand vorstellen, dass ich sündige Lustgedanken hege? Trump spricht von America first. Ich spreche davon, dass Deutschland sich im Wettbewerb der Völker nicht abhängen lassen darf. Ich spreche mit allen Diktatoren der Welt, um die Chancen unserer Wirtschaft nicht zu gefährden. Warum sollte ich durch Ansprechen menschenrechtlicher Fragen diese Chancen mutwillig zerstören?

Ich schaffe es, die Klimapflichten der Nation sträflich zu vernachlässigen (wie Trump, aber er steht dazu), aber in der Neujahrsansprache rede ich, als seien alle an dieser Vernachlässigung schuld – außer mir. Dann kommt dieser unverschämte Bernhard Pötter und schreibt in der TAZ:

„Das Bild ist nicht schön: In fast allen Bereichen verfehlen Deutschland und die EU ihre eigenen Ziele: beim Klima, dem Artenschutz, der Luft, dem Gewässerschutz. Große Fortschritte, die für 2020 angekündigt wurden, bleiben aus oder werden nach hinten geschoben. Eine Bilanz der gebrochenen Versprechen. Das ist nicht zu schaffen mit der bisherigen Politik, diese Probleme auszusitzen: hohe Ziele formulieren, dann wenig tun, um sie umzusetzen. Wer die Lösung von „Umweltproblemen“ als Luxus definiert, wie es die Bundesregierungen lange getan haben, steht plötzlich vor brennenden Fragen. Und dann hilft nicht einmal mehr die Feuerwehr.“ (TAZ.de)

Ich kann Sätze formulieren, dass jeder das Gefühl hat, ich nehme ihn an die Hand. Dann merkt er nicht, dass wir uns alle an der Hand genommen haben, aber regungslos auf der Stelle verharren.

„Ich bin überzeugt: Wir haben gute Gründe, zuversichtlich zu sein, dass die in wenigen Stunden beginnenden 20er Jahre des 21. Jahrhunderts gute Jahre werden können – wenn wir unsere Stärken nutzen, wenn wir auf das setzen, was uns verbindet, wenn wir uns daran erinnern, was wir in den letzten Jahrzehnten gemeinsam erreicht haben.“ (Morgenpost.de)

Natürlich weiß ich, dass ich eine Predigerin bin und mit harmlos scheinenden Worten die Botschaft vom Alten und Neuen verkünde:

„Dazu brauchen wir mehr denn je den Mut zu neuem Denken, die Kraft, bekannte Wege zu verlassen, die Bereitschaft, Neues zu wagen, und die Entschlossenheit, schneller zu handeln, in der Überzeugung, dass Ungewohntes gelingen kann – und gelingen muss, wenn es der Generation der heute jungen Menschen und ihren Nachkommen noch möglich sein soll, auf dieser Erde gut leben zu können.“

Niemand vermutet hinter dem Aufruf zum Neuen, dass die alte Natur weiterhin vernichtet werden darf, denn sie hat ausgedient. Sie ist schlecht und böse wie das Bekannte, an das wir uns gewöhnt haben, um unser Leben im Diesseits zu genießen. Doch nichts mit irdischem Genuss. Die Erde ist eine Transitstrecke ins Jenseits, kein Platz irdischen Glücks. Schau nicht zurück, schreit der Wanderer auf dem Weg nach Jerusalem, die Zeit drängt.

Ob jemand bemerkt hat, dass ich lügen kann, ohne zu erröten?

„Das heißt, auch im digitalen Zeitalter hat die Technik dem Menschen zu dienen – und nicht umgekehrt.“

Natürlich ist es umgekehrt. Der Mensch dient der Technik und dem Fortschritt. Und wehe, der Deutsche tut es nicht, dann kann er sich vom Fluss der Ereignisse ins Nirwana spülen lassen. Und damit Ade, ihr komischen Deutschen, die ihr euch christlich nennt, aber vom lebendigen Glauben keine Ahnung habt. Mir ist das gleich, ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Was aber aus euch wird, dem misera plebs, das weiß Gott allein. Ich habe meine heilige Pflicht getan. Den Rest überlasse ich dem himmlischen Vater.

Wer auch immer nach Merkel kommt: ihre Fähigkeiten, dem verwirrten Volk zu geben, was es seelisch braucht, wird keinNachfolgerIn haben. Deutschland wird in einer postmerkelschen Tristesse versinken. Darauf wartet sie schon jetzt in sündiger Vorlust, dass sie im Triumph zurückgeholt werde, um das Vaterland zu retten.

Gedenket des Todes, um das Leben zu retten: das muss die Devise der kommenden Jahre werden.

Mit Merkel ist das nicht zu machen. Sie gedenket des Todes, um das irdische Leben hinter sich zu lassen und an der jenseitigen Tafel ihres Vaters Platz zu nehmen. Und der Himmel freut sich über eine gerettete Seele mehr als über 99 gerechte Deutsche, die da glauben, christlich zu sein, ohne zu wissen, warum.    

 

Fortsetzung folgt.