Philosophische Tagesmails

Tanz des Aufruhrs XIX

Tagesmail - Freitag, den 31. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XIX,

am Anfang schuf Gott Himmel und Erde – die Zeit inbegriffen.

Am Ende der Zeit, als Gott seine missratene Schöpfung einpacken und sich in ein Paralleluniversum davonmachen wollte – trat Gerhard Schröder ihm unerschrocken entgegen und versperrte ihm den Fluchtweg:

Gemach, Meister aller Klassen: wer ist hier Koch oder Kellner? Noch entscheiden wir Herren der Erde, ob wir Dich nötig haben oder nicht. Nichts ist vorbei, bevor der russische Mineralölkonzern Rosneft nicht seinen Profit eingefahren hat. Soviel Zeit muss sein. Schon von Luther gehört, Deinem treuen germanischen Knecht?

„Lasst uns ruhig einen Apfelbaum pflanzen. Die Zeit, die wir brauchen, müssen wir uns auch schon nehmen.“

Da Gott die Zeit bereits weggepackt hatte, entschied Schröder, die Verlängerungszeit höchstselbst zu erschaffen. Und siehe, auf seine Creatio ex nihilo war er stolz wie ein Pfau. Nach getaner Tat wandte er sich an Gott:

Schreib Dir hinter die Ohren: nicht FFF-Taugenichtse entscheiden, wer als Letzter das Licht ausmacht. Noch nie von Planungssicherheit gehört? Apokalypse ohne unsere Genehmigung kannst du dir abschminken. (FAZ.NET)

Die WELT unterstützt den Zeitschöpfer Schröder. Wer Herr über die Zeit ist, dessen Unsterblichkeit ist gesichert:

„Die Gründerväter von Google, Facebook und Tesla sind fest entschlossen, den Tod zu überwinden. Dafür werden sie von Moralisten angefeindet und verlacht. Aber muss der Mensch wirklich sterben, um zu leben. Ich habe nicht vor zu sterben“, erklärt Sergey Brin. Der Gründer des Gedächtnisnetzwerkes Google finanziert in San Francisco die Calico Labs, gemeinsam mit den anderen Gründervätern des Silicon Valley, mit Jeff Bezos, Larry Page, Mark Zuckerberg und Elon Musk. Auch sie, ...

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Tanz des Aufruhrs XVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 29. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XVIII,

Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang.

Ob sie schon wanderten im finstern Tal, fürchten sie kein Unglück. Denn Er ist da und führet sie durch Not und Tod ins ewige Paradeis. Denn des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Keine Angst vor dem, was kommen wird! Was es auch immer sei, Er lässt die Seinen nicht im Stich. Auch die Deutschen gehören zu den Seinen, weshalb sie nicht daran denken, die Klimagefahr ernst zu nehmen. Schon jetzt planen sie den Urlaub in Ruanda, denn wer Afrika kennen lernen will, sollte mit Ruanda beginnen.

Aus bloßer Angst sollte man nichts unternehmen, schon gar nicht die Welt retten. Wer aber keine Angst hat: was sollte der retten? Also so oder so: die Hände in den Schoß legen!

In der Welt habt ihr Angst, siehe, Er hat sie überwunden. Ein Weilchen noch – und ihr seid in den ewigen Gefilden der Seligen.

Welch ein Segen, diese Epidemie in China, die von allem ablenkt. Wetter ist nicht alles – und schaut nur: diese Chinesen sind auch nicht perfekt. So schnell werden sie den auserwählten Westen nicht überholen.

Wenn schon der Methusalem der Klimapropheten abwinkt und vor der Hysterie der Jungen warnt, wer sollte es wagen, gegen die Weisheit des Alters anzutreten? Ein begeisterter Naturforscher löst alle Probleme wissenschaftlich und mit der ...

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Tanz des Aufruhrs XVII

Tagesmail - Montag, den 27. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XVII,

„Die schöne Antike verdiente immer Verehrung,
Doch nie, glaubte ich, Anbetung.
Ich sehe die Menschen der Antike, ohne die Knie zu beugen,
Sie sind groß, das ist wahr, doch Menschen wie wir“.
(Charles Perrault, Zeitalter Ludwigs XIV.)

So begann der Streit zwischen Alten und Modernen oder zwischen Griechen und Europäern. Wer hatte es weitergebracht? Die antiken Heiden oder die christlichen Abendländer? In welchen Disziplinen? In der Kunst, der Philosophie, in Technik und Naturwissenschaft?  

Hätten die Modernen es nicht weitergebracht als die Alten, hätte die Neuzeit sich nicht einbilden dürfen, den Fortschritt aus der Taufe gehoben und die gesamte Geschichte des Menschen überwunden zu haben – und in einem endlosen Progress weiter zu überwinden.

Als die italienische Frührenaissance die Griechen wieder ausgegraben hatte, wurden die Alten von den ersten Aufklärern Europas „angebetet“. Die Anbetung mäßigte sich zur „Verehrung“, je mehr die beginnende Naturwissenschaft die naturphilosophischen Spekulationen der Alten in den Schatten stellte. Mit den Entdeckungen von Kepler, Galilei und Newton wurde klar, dass die Griechen szientifisch nicht mehr mithalten konnten.

Im Politischen und Moralischen allerdings blieben die Aufklärer die Schüler Athens – bis zur amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und zur Französischen Revolution. Als die Sensationen der politischen Freiheitsbewegungen abgelöst wurden durch ...

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Tanz des Aufruhrs XVI

Tagesmail - Freitag, den 24. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XVI,

der gefährlichste Antisemitismus ist der versteckte. Der offene Antisemitismus ist bedrohlich, aber erkenntnismäßig kein Problem. Er muss unverzüglich der Polizei und dem Recht übergeben werden.

Brandgefährlichster Antisemitismus ist der, der sich hinter der Maske des Philosemitismus versteckt. Vermutlich ist er selbst überzeugt, ein Verteidiger des Judentums zu sein. Falsche Freunde sind die gefährlichsten Feinde, ihre Masken sind schwer zu durchschauen.

Falschen Freunden gelingt es, selbst jene Menschen in Judenhasser zu verwandeln, die bislang zu Juden gute Gefühle aufbrachten. Womit gelingt es ihnen? Der in Medien beliebte Vorwurf „Besserwisserei“ zeigt uns den Weg.

Juden gelten als Besserwisser, ja als Unfehlbare, die in allen Streitigkeiten das letzte Wort haben müssen. Besonders in der Frage: wer ist ein Antisemit?

Falsche Freunde der Juden, die sich als Philosemiten gebärden, stellen Juden als nie irren könnende „papistische“ Instanz da, die alle Vorwürfe gegen Jerusalem zurückwirft auf die Ankläger, die ihren tief liegenden Antisemitismus mit ihrer Kritik an Israel tarnen würden.

Die Menschenrechtsverletzungen Israels dürfe man sehr wohl kritisieren, aber nicht einseitig. In anderen Ländern würden dieselben Verbrechen kaum verurteilt werden, in Israel aber maßlos. Das sei ein sicheres Zeichen für larvierten Antisemitismus.

In Demokratien gilt das freie Wort, niemand muss um Erlaubnis gebeten werden, ob man seine Meinung äußern darf. Freunde kritisiert man stärker, weil man ...

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Tanz des Aufruhrs XV

Tagesmail - Mittwoch, den 22. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XV,

Amtsenthebungsverfahren für alle Regierungen, die die Menschenrechte verletzen und die Klimakatastrophe verleugnen!

Vor 70 Jahren gab es das Russell-Tribunal, das die amerikanischen Völkerrechtsverletzungen im Vietnam-Krieg untersuchte. Unter den Teilnehmern Jean Paul Sartre und seine Gefährtin Simone de Beauvoir. Ohne dieses Tribunal wäre die Hippiebewegung in Amerika und die 68er-Bewegung in Deutschland kaum möglich gewesen.

Heute steht die Jugend der Welt schon marschbereit auf den Straßen und bringt die Welt ins Wanken. Nun wäre es an den Erwachsenen, den Spuren ihrer Kinder zu folgen.

Dass ein junges Mädchen zur Antipodin des mächtigsten Mannes der Welt werden konnte – wer hätte vor kurzem von diesem Szenario träumen dürfen? Kein Dramatiker hätte ein solches Duell auf die Bühne bringen dürfen, ohne als Phantast verhöhnt zu werden. Das Außerordentliche: es ist geschehen – als Anfang. Noch kann niemand sagen, was daraus werden wird.

„Wir haben viel erreicht! Und: Wir haben (beinahe) nichts erreicht!“ Greta hat die Lage auf den Punkt gebracht.

Das Amtsenthebungsverfahren in Amerika wird nichts bringen. Die Reglements des Verfahrens sind zu politisch, um rechtlich, zu rechtlich, um politisch zu sein. Untauglich zur Katharsis einer Nation, die über Vorzüge und Defekte ihrer Demokratie gründlich mit sich ins Gericht gehen müsste. Keine westliche Nation, die zu einer solch tiefgreifenden kollektiven Selbstbesinnung bereit wäre.

Was man sagen kann: es tut sich was. Auch in den Sesseln der Reichen. Ob aus Angst um den Profit oder aus Überzeugung – fürs erste einerlei. Das ...

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Tanz des Aufruhrs XIV

Tagesmail - Montag, den 20. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XIV,

was ist eine Friedenskonferenz? Jahrelang lassen die Gewaltigen Unfrieden gewähren, ja, schüren ihn, bis das Elend der Menschen zum Himmel schreit: dann gebärden sie sich als internationale Friedensapostel.

Die deutschen Medien, im Abglanz ihrer Domina, begannen ihre Meldungen in selbstgefälligem Stolz auf ihre Kanzlerin, die sich im Abgesang ihrer Regentschaft einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern will.

Doch lasset sie eitel sein, wenn sie nur Gutes tun – würden. Tun sie denn Gutes? Miteinander reden, selbst mit den größten Halunken, ist immer sinnvoll – wenn die Redner dafür sorgen würden, dass ihren Worten Taten folgen. „Das wird abzuwarten sein“, sagen die Profi-Beobachter an den Mikrofonen.

Für BILD war das Tete à Tete mit den Oberschurken dieser Welt – ohne ihre Hausheiligen Trump und Netanjahu – ein „Grusel-Gipfel“, dem sie nur ein Gruselbild widmeten. (BILD.de)

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit künftigen Friedens? Die Abwesenheit kriegerischer Handlungen ist kein Frieden. Wie kann sich Verständigung zwischen den Völkern entwickeln, wenn die Weltpolitik Sieger produziert, die gebrandmarkte Verlierer als Kontrast benötigen?

Frieden – selbst das Wort wird geächtet. Frieden stiften mit humanen Mitteln ist ein lächerlicher Traum der „Wohlstands-Oasen“. (BILD)

Nein, die Zeiten stehen auf Sieg und Niederlage, obgleich die Probleme der Welt globale Einigkeit benötigten. Der Wettlauf ums bloße Überleben wird umso mörderischer, je weniger die Existenz der Gattung gesichert ist. Wer leben will, ist ...

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Tanz des Aufruhrs XIII,

Tagesmail - Freitag, den 17. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XIII,

eine religiöse Nation entschied sich gegen Humanität und enthüllte das Geheimnis ihrer Nächstenliebe – als selbstsüchtige Eigenliebe, die ihren unversehrten Leib fürs Jenseits bewahren muss.

Das apostolische Glaubensbekenntnis deklariert:
„Ich glaube ... an die Auferstehung des Fleisches.“

Das Wort ward zum Fleisch, damit das Fleisch zum ewigen Wort werden kann:

„Die Seele geht Gott entgegen und wartet darauf, "einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint" zu werden. Die vom Leib getrennte Seele ist kein "vollständiger Mensch". Der Mensch ist nur (vollständiger) Mensch, wenn Seele und Leib vereint sind. Und das geschieht wieder bei der "Auferstehung des Fleisches". "Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint."“

Nur vordergründig ging es in der Abstimmung des Bundestages um Organspenden. In Wirklichkeit ging es um eine demonstrative Bestätigung der BRD als christliche Nation. Deshalb die ganz freie Form der Abstimmung, ohne Fraktionszwang. Niemand sollte sagen können, die Parteiführungen hätten ihre Gefolgschaft zum Glaubensbekenntnis gezwungen.

„Nach allgemeiner Lehre wird der Leib in voller Unversehrtheit auferstehen, frei von Missbildungen, Verstümmelungen und Gebrechen. Thomas von Aquin lehrt: „Der Mensch wird in der größten natürlichen Vollkommenheit auferstehen“, darum wohl im Zustand des reifen Alters. Zur Integrität des Auferstehungsleibes gehören auch die Organe des vegetativen und des sensitiven Lebens einschließlich des ...

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Tanz des Aufruhrs XII

Tagesmail - Mittwoch, den 15. Januar 2020

Tanz des Aufruhrs XII,

"Trump sagt, was ist.“ (BILD.de)

Die Transformation ist geglückt. Der Trumpismus ist in Deutschland angekommen. In johanneischem Beamtendeutsch: das Wort ist im Springerverlag zu Fleisch geworden – vollinhaltlich.

Trumpismus, eine taktische Synthese aus christlichem Fundamentalismus und ultraorthodoxem Judentum, begann unter Reagan als Rückschlag gegen den vorbildlichen Nachkriegsgeist jenes Amerika, der das deutsche NS-Regime dem Erdboden gleichgemacht hatte. Zurück zum Gründergeist jener ersten Siedler, die den neuen Kontinent als zweites Gelobtes Land, als Gods own country, als Goldenes Jerusalem oder Landeplatz des kommenden Messias erlebten.

Taktisch ist die Synthese, weil sie zerbrechen wird, wenn Christen es nicht länger ertragen werden, dass Juden ihrem Glauben fernbleiben und damit die Ankunft des christlichen Messias blockieren.

Amerika, Sprössling Europas, seit Entdeckung des Kontinents bis heute der falschen Meinung, den Defekten Europas entkommen zu sein, leidet unter derselben Bewusstseinsspaltung wie das Abendland: es wird beherrscht von einer unvereinbaren Mixtur aus heidnischer Autonomie und gläubiger Fremdbestimmung.

Mit Hilfe griechischer Intelligenz hatte das Abendland den Versuch unternommen, die Heils- und Unheilsgeschichte der Offenbarung in Form eines alle Grenzen sprengenden Fortschritts in irdische Realität zu verwandeln. Der Glaube an ein Jenseits wurde zur selbsterfüllenden Prophezeiung im Diesseits.

Da die Eroberung der Welt durch grenzenlose Naturvernichtung nur gelingen konnte, indem die naturfreundliche Moral der Griechen aus dem Weg geräumt wurde, musste etwas Besseres an ihre Stelle treten: a) der Glaube an eine neue Natur, der ...

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