Philosophische Tagesmails

Von vorne LXXIX

Tagesmail - Freitag, den 25. Oktober 2019

Von vorne LXXIX,

wir haben ihn erreicht: den Singularitätspunkt. Lasst uns niederknien und Uns anbeten. Die Fortzeugung der Menschheit durch biologische Kinder ist passé.

Kinder ähneln uns viel zu sehr, das bringt keinen Fortschritt. Unkalkulierbar, aufsässig, rebellisch, frech, rotzig und undankbar wollen sie alles besser wissen. Jetzt blockieren sie Straßen und Plätze, ziehen die Lebensleistung ihrer Erzeuger in den Dreck und klagen sie an, ihre Zukunft zerstört zu haben:

Ihr habt unsere Kindheit, unsere Träume gestohlen.

Diese minderwertige, fortschrittsunfähige Art des Weiterzeugens kann ad acta gelegt werden. Die Menschheit hat sich transzendiert, in eine neue Spezies verwandelt. Von nun an wird es keine unlösbaren Probleme mehr geben.

Es begab sich aber in jüngsten Tagen, dass von den Mächtigen der Welt der Befehl ausging, dass der ganze Erdkreis sich neu erfinden müsse. Und es waren Genies in ihren Laboren, die von der glanzvollen Zukunft ihrer Gattung überzeugt waren. Und siehe, ein Lichtglanz umleuchtete sie und sie fürchteten sich nicht im Geringsten.

Und sie traten vor die Menschen und sprachen zu ihnen: Fürchtet euch nicht. Siehe, wir verkündigen euch große Freude, die nur jenen Völkern widerfahren wird, die es sich verdient haben. Denn euch ist heute das Wunderkind geboren, nicht in der Krippe liegend, sondern aufgehängt an wirren Drähten und Kabeln.

Und das Kindlein wuchs heran, wurde mit unfassbarer Intelligenz erfüllt, dass die Klügsten unter den Erwachsenen vor Neid bleich wurden. Und alle, die es hörten, erstaunten über seine unfassbaren Antworten.

„Zum ersten Mal hat ein Quantencomputer etwas berechnet, das kein klassischer Computer mehr berechnen kann. Damit wurde gezeigt, dass wir überhaupt ...

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Von vorne LXXVIII

Tagesmail - Mittwoch, den 23. Oktober 2019

Von vorne LXXVIII,

„Dem türkischen Präsidenten ist es gelungen, die YPG aus dem Grenzgebiet zu verbannen. Assad wiederum bekommt weite Teile Nordostsyriens zurück, muss dafür aber mit türkischer Präsenz leben. Große Verliererin ist die YPG. Nach dem Rückzug der USA rief die Kurdenmiliz Assad zu Hilfe. Nun aber hat auch Putin die YPG zugunsten der Türkei fallen lassen.“ (SPIEGEL.de)

Verlierer sind nicht nur Kurden, sondern der gesamte Westen, der bislang unter Führung Amerikas die Welt beherrschte. Die Führung geht nun an den Osten: an Russland. Im Wettbewerb der Systeme hat die Demokratie verloren, die Autokratie der Starken Männer (Strong Men) hat die Spitze der Welt erobert.

In vorsichtiger Distanz unterstützt vom Sonderfall China, das keine Diktatur eines einzelnen Mannes sein will, sondern ein digital überwachtes, geschlossenes System, eine merkwürdige Mischung aus Sozialismus und Kapitalismus, das sich zudem auf konfuzianische Traditionen beruft. Ob diese Elemente langfristig zusammenpassen oder nur unter purer Gewaltanwendung beisammen bleiben, wird sich erweisen, wenn der Westen immer bedeutungsloser, Moskau immer einflussreicher wird.

Werden Moskau und Peking sich die Führung der Welt teilen – oder werden sie gegeneinander antreten, um die endgültige Nummer Eins zu küren?

Ob Trump abgesetzt wird oder nicht: seine Macht stürzt ab. Macht beruht nicht nur auf Waffen, sondern auf Widerspruchslosigkeit. Wer Widersprüchliches will, zersplittert seine Kräfte und führt sie widereinander, anstatt sie konzentriert einem geballten Ziel entgegenzuführen.

Trump will Widersprüchliches. Seine heilsegoistische Kampfparole „Amerika zuerst“ will sich von der Welt abgrenzen, außenpolitischen Ballast abwerfen, sich auf seinen nationalen Reichtum konzentrieren – und gleichzeitig die Führung der Welt ...

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Von vorne LXXVII

Tagesmail - Montag, den 21. Oktober 2019

Von vorne LXXVII,

wenn die Deutschen keine Politik machen – was treiben sie dann den ganzen Tag?

Wenn die Deutschen nicht handeln: schlagen sie ihre Zeit tot, indem sie tun, als täten sie etwas? Dabei haben sie nicht mal Zeit, beim Benutzen des Bürgersteigs eine Sekunde lang von ihren Maschinen aufzuschauen, um wahrzunehmen, dass ihnen ein Kind vor die Füße gelaufen ist.

„Was muss noch passieren, bis die Nato-Regierungen, speziell die führungslose Führungsmacht in Berlin, den Ernst der Lage begreifen – und entsprechend handeln?“ (WELT.de)

Michael Stürmer sieht mit Erschrecken, dass die NATO zur „Spielzeugarmee“ degradiert wird. Müsste die Menschheit denn nicht jubeln, wenn ihre globalen Vernichtungsinstrumente in harmlose Konsolenspiele verwandelt werden? Jagewissschonaber: abrüsten müssten alle gleichzeitig, sonst wären die Friedenswilligen den Waffenbesitzern ausgeliefert. Die Friedlichen wären die Dummen.

Wenn aber alle im gleichen Wahnsinnsrhythmus aufrüsten, welche Chance hätte noch der Frieden? Die Einen müssen nun mal vorangehen und den anderen signalisieren: wir vertrauen euch, missbraucht unseren Friedenswillen nicht. Wir rüsten ab, damit ihr sehen könnt, wir meinen es ernst.

Stürmer spricht nie von Abrüsten, Deeskalieren, friedlich vorangehen. Ist er denn kein Christ, war er nicht des katholischen Oggersheimers historischer Berater?

„Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen.“

Erstens, wo bleiben die Töchter Gottes, zweitens, kann man solche traumtänzerischen Idealismen heute noch ernst nehmen?

„Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen!“ Bismarck soll das ...

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Von vorne LXXVI

Tagesmail - Freitag, den 18. Oktober 2019

Von vorne LXXVI,

„Dann sprach er vom "Schluchzen eines Kindes", das sei für ihn ein Wert. "Die Augen der Menschen sind ein Wert, die Blicke, die Augen. Und nicht die europäischen Werte." Pause. "Arschlöcher."“ (WELT.de)

„"Niemand darf überleben." Seine Einheit habe das Dorf mit einer Kanone beschossen, Häuser durchkämmt und in Brand gesetzt und 15 unbewaffnete Zivilisten in einem Bauernhof zusammengetrieben, schilderte er. Die Frauen, Kinder und älteren Männer hätten jede Verbindung zur sogenannten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) lebhaft bestritten. Dennoch habe sein Feldwebel ihm und etwa zehn anderen Soldaten befohlen, die Leute auf der Stelle zu erschießen. Dies hätten sie getan, räumte der Zeuge ein. "Ich erinnere mich noch lebhaft des Babys. Es wurde von drei Kugeln getroffen und schrie unglaublich laut".“ (SPIEGEL.de)

Kindliches Schluchzen allein genügt nicht, um die Empfindsamkeit des Dichters zu erregen. (Pardon, die „Neoempfindsamkeit“. Ohne Neo… dürfen Begriffe heute nicht mehr verwendet werden, wenn sie nicht alt aussehen wollen.) Das Kind muss vom Kairos der richtigen Volkszugehörigkeit geküsst sein.

Rechten Kairos kann man nicht definieren, man muss ihn ahnen und empfinden. Ach geh, an der Hautfarbe liegt es nicht. Selbst Kinder von Zulukaffern können wahre Empfindungen auslösen:

„Ich glaube, auch bei den Zulu-Kaffern, entschuldigen Sie das Wort, da machen die Kinder ein herrliches Geräusch, wenn sie Hüpfschritte machen, sogar auf dem Asphalt, vielleicht sogar besser auf Asphalt. Oder was auch immer.“

Sollte das Kind jedoch zur falschen Seite gehören, kann es – wenn es füsiliert wird – so laut brüllen, wie es will: es wird dem Schreihals nichts nützen. Der Quälgeist muss weg.

Wundersame Jagdszenen aus der Befreiung des Abendlands von ...

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Von vorne LXXV

Tagesmail - Mittwoch, den 16. Oktober 2019

Von vorne LXXV,

kann man am Aufkommen der FFF- und XR-Bewegungen das Versagen der Grünen konstatieren? Würden die Grünen eine plausible Ökopolitik anbieten: hätte es ihnen nicht gelingen müssen, auch die nachfolgenden Generationen anzusprechen und zu überzeugen? So war die Jugend gezwungen, ihr kollektives Erwachen allein und unabhängig zu erarbeiten und der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Das Dilemma der Grünen ist das Dilemma der SPD und aller Korrekturparteien. Sie bringen ihre Biografie nicht in Ordnung, verdrängen die Probleme ihres Anfangs, weshalb sie nicht wissen, wohin des Weges. CDU und FDP sind keine Korrektur-, sondern Weiter-so-Parteien. Man könnte auch von erblindeten Fortschrittsparteien sprechen.

Ihr Kurs ist klar: vorwärts durch die Tundra jagen die Tscherkessen. Nie zurückschauen, nie die Überprüfungstaste drücken. Was erfolgreich war, muss erfolgreich bleiben. Ziel ist die Zukunft, die lineare Verlängerung alles Tüchtigen und Naturbeherrschenden. Vergangenheit ist perdu, Gegenwart muss in rasender Geschwindigkeit durchfahren und geopfert werden, um die Zukunft, die sich stets verzieht, mit Hurra zu gewinnen.

Was die Zukunft betrifft, unterscheiden sich CDU und FDP.

Die (Neo-)Liberalen folgen dem Kurs der unbarmherzigen Evolution, die den schädlichen Impuls des Altruismus überwinden und einem Kurs amoralischer Mitleidlosigkeit folgen müsse:

„Was uns zu Menschen gemacht hat, war, dass wir jene angeborenen Gefühle, die die kleine Gruppe zusammenhielten und die wir noch gerne die „menschlichen“ nennen, durch abstrakte Verhaltensregeln ersetzten, die uns von der Verpflichtung befreiten, zunächst für den Nachbarn zu sorgen, bevor wir der Welt Leistungen anboten.“ (Hayek)

Das ist die ideologische Grundlage der allgemein geltenden Lösungs-Imperative. Vom erlebten Sinnvollen muss man sich losreißen, um zur emotionslosen Kälte ...

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Von vorne LXXIV

Tagesmail - Montag, den 14. Oktober 2019

Von vorne LXXIV,

unvorstellbar, nie wieder, Alarmzeichen, keine funktionierende Polizei, keine Erklärung ihres Ausfalls, keine Entschuldigung von niemandem, weder von Seehofer, noch von Landes- und Stadtpolitikern, von Merkel schon gar nicht, die sich – wie gewöhnlich – in wortloses Mimikry flüchtete, keine Gesamtanalyse der Situation, keine Klärung des Begriffes Antisemitismus, kein klärendes Wort zur Problemverschlingung mit der Kritik an Israel, keine Diagnose zur gesellschaftlichen Wiederkehr des Unbearbeiteten, kein Ton zur Frage, ob Deutschland sein schreckliches Erbe aufgearbeitet hat, kein Generalplan, wie die deutsche Misere von Grund auf erklärt, verstanden und aufgearbeitet werden kann: das ist die deutsche Reaktion auf Halle, eine Nullreaktion mit viel Getöse um nichts.

Wo sind die Umfragen bei deutschen Eltern, wie sie ihren Kindern den Holocaust erklären? Wo sind die Überprüfungen der schulischen Lehrpläne, die Befragungen der SchülerInnen, wie sie die deutsch-jüdischen Beziehungen erleben? Wo sind die Stimmen der Wissenschaft? Hat sich die Erkenntnis von Ernst Benz herumgesprochen:

„"Es gibt keinen neuen Antisemitismus", sagt der Historiker Wolfgang Benz, der viele Jahre das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin leitete. "Es ist die alte, monotone Judenfeindschaft mit denselben Unterstellungen und Vorurteilen." Der Hass gegenüber den Juden sei das "älteste Vorurteil" der Welt.“ (SPIEGEL.de)

Die alte, monotone Judenfeindschaft ist eine religiöse Erfindung. Man müsste sich mit der abendländischen Religion auseinandersetzen, um dem Übel auf die Spur zu kommen. Das hieße Kritik am Christentum, an den christlichen Kirchen, die mit wachsweichen Deutungen dem glühenden Judenhass ihrer Vergangenheit entgehen wollen.

Morgen ist der Theaterdonner vorbei, die erkenntnislose Moment-Anteilnahme verschwunden, die Lippenbekenntnisse sind verhallt, die Kerzen abgebrannt, die ...

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Von vorne LXXIII

Tagesmail - Freitag, den 11. Oktober 2019

Von vorne LXXIII,

Nie wieder, nie wieder.

Auf dem Feldherrnhügel deutscher Ehre stehen General Döpfner und Adjutant Reichelt und befehlen mit bellenden Stimmen der deutschen Schmach: nie wieder mit nie wieder.

Und Deutschland – gewohnt, Befehlen zu gehorchen – hatte sofort ein Einsehen, bereute in Sack und Asche und verwandelte seinen Judenhass in bewährte Nächstenliebe.

„Wir haben es mit einem Systemversagen der offenen Gesellschaft zu tun. Wir brauchen jetzt keine Demonstrationen mehr. Immer weniger wird noch benannt, wie es ist. Es wird verschwiegen oder beschwichtigend verharmlost. Und wenn einige wenige Medien die Fakten doch nennen oder grausame Bilder trotzdem zeigen, dann werden vielfach nicht die Tatsachen beklagt, sondern wird derjenige beschimpft oder gar der Aufwiegelung bezichtigt, der die Realität beschreibt. Deutschlands Politik- und Medieneliten schlafen den Schlaf der Selbstgerechten und träumen den Wunschtraum der Political Correctness. Möchten sie nicht, dass diese Ruhe gestört wird?“ (WELT.de)

Nicht die offene Gesellschaft hat versagt, sondern verwahrloste Gesellschafter, nicht die Demokratie, sondern heruntergekommene Demokraten. Springer-Kohorten, sonst aller Politmoral überdrüssig und unermüdlich dabei, Moralisierer als Rechthaber zu bügeln, wollen plötzlich Recht behalten!

Zwischen Realität beschreiben und Realität bewerten, können sie nicht unterscheiden.

Sie verfluchen political correctness und sind selbst konform mit der blinden Unterwürfigkeit ihrer Regierung gegenüber einer befreundeten Regierung, die sie offensichtlich für unfähig halten, streitbare Loyalität zu akzeptieren.

Sie wollen Judenfreunde sein und stellen Israelis dar, als seien sie papistisch- ...

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Von vorne LXXII

Tagesmail - Mittwoch, den 09. Oktober 2019

Von vorne LXXII,

die Straßen-Blockierer kommen zu spät. Längst blockiert die Wohlstandsnation sich selbst. Auf britische Blockier-Importe könnte sie verzichten. Was funktioniert noch im Lande der Korrekten und Pflichtbewussten?

Einen Vorteil aber haben jene. Wenn Deutschland wirtschaftlich „nach unten durchgereicht wird“, kann die Regierung die Schuld elegant von sich weisen.

Diese wachstumsverweigernden, alle neuralgischen Punkte lahm legenden Systemterroristen seien es, die den Verfall bewirkt hätten. Ihre friedlichen, aus bester Gentlemen-Kultur stammenden Sitten seien nur Tarnung für einen antimodernen, wirtschafts- und fortschrittsfeindlichen Hass gegen den Triumphzug der Menschheit. Ihr wurde ein grandioser Sieg über die Natur verheißen:

„Fürchtet euch nicht, ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.“

„Gebet das Heilige nicht den Hunden und werfet eure Perlen nicht vor die Säue, damit sie jene nicht zertreten, sich umwenden und euch zerreißen.“

„Es war aber ferne von ihnen ein große Herde Säue auf der Weide. Da baten ihn die Teufel und sprachen: Willst du uns austreiben, so erlaube uns, in die Herde Säue zu fahren. Und er sprach: Fahret hin! Da fuhren sie aus und in die Herde Säue. Und siehe, die ganze Herde Säue stürzte sich von dem Abhang ins Meer und ersoffen im Wasser.“

„Als er am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle. Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt: Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren? Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem ...

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