Kategorien
Tagesmail

Die ERDE und wir. XCII

Tagesmail vom 14.07.2025

Die ERDE und wir. XCII,

Hat die neue Regierung sich „selbst beschädigt“, wie der makellose Bundespräsident Steinmeier meint?

Keineswegs. Tut sie anderes als frühere Regierungen? Sie lässt sich treiben – oder besser: sie lässt sich von Oben am Zügel führen. (Merkel sprach von durchwurschteln)

Deutsche Regierungen regieren nicht, sie lassen sich von Gott treiben, der alle Regierungen regiert.

„Denn die Regierenden sind ein Gegenstand der Furcht, nicht für den, der Gutes tut, sondern für den Bösen. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? Dann tue das Gute und du wirst Lob von ihr haben, denn Gottes Dienerin ist sie für dich zum Guten. Leistet jedermann das, wozu ihr verpflichtet seid, die Steuer, wem die Steuer, dem Zoll, wem der Zoll, die Furcht, wem die Furcht, die Ehre, wem die Ehre gebührt.“

Wenn es abwärts geht mit Deutschland, dann ist es unsinnig, dagegen anzuwüten. Dann will Gott es persönlich.

Also tut CDU-Merz das Richtige – er setzt sich in ein Flugzeug, trällert einen Choral auf den Willen des Höchsten und fliegt fröhlich in die Welt.

Natürlich kennt er die Gefahren der Zeit. Aber er weiß auch, dass der Höchste diese Gefahren zum Vorteil seiner Frommen zulässt:

Herzlich tut mich erfreuen
die liebe Sommer-Zeit,
wenn Gott wird schön erneuen
alles zur Ewigkeit.
Den Himmel und die Erden
wird Gott neu schaffen gar,
all Kreatur soll werden
ganz herrlich, schön und klar.
Er wird uns fröhlich leiten
ins ewig Paradeis,
die Hochzeit zu bereiten
zu seinem Lob und Preis.
Da wird sein Freud und Wonne
in rechter Lieb und Treu
aus Gottes Schatz und Bronne
und täglich werden neu.
Mit Gott wir werden halten
das ewig Abendmahl,
die Speis wird nicht veralten
auf Gottes Tisch und Saal;
wir werden Früchte essen
vom Baum des Lebens stets,
vom Brunn des Lebensflüsse
trinken zugleich mit Gott.

Zum Schluss die ganz persönliche Bitte des Sauerländers an seinen lieben Herrn:

Halt mich im Glauben feste
in dieser bösen Zeit,
hilf, daß ich mich stets rüste
zur ewgen Hochzeitsfreud.

Kann es Schöneres geben als eine Hochzeit mit den süßen Engeln des Himmels? Merz weiß, was Gnade vor dem Herrn bedeutet: die endlose Verbindung, den unvergleichlichen Koitus mit dem Himmel.

Ungläubige sehen nur Not und Elend auf der Welt. Also wüten und heulen sie, als hinge allein von ihnen ab, ob die Katastrophe noch vermieden werden kann.

Die Erwählten aber wissen es besser:

Ich bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland.
Hier reis ich bis zum Grabe; dort in der ewgen Ruh
ist Gottes Gnadengabe, die schließt all Arbeit zu.
Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an
als Müh und Not gewesen? Solang ich denken kann,
hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht
mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht.

Die Gottlosen werden lebenslang mit wüster Arbeit bestraft und bringen es doch zu nichts. Nur die Frommen durchschauen das irdische Gaukelspiel und wissen, was hinter den Kulissen Verheißungsvolles geschieht.

„Ach Gott, wie bist du so gerecht, wie strafst du einen bösen Knecht so hart im Pfuhl der Schmerzen, auf kurze Sünden hast du so lange Pein bestellt. Ach nimm dies wohl zu Herzen; betracht es oft, oh Menschenkind, kurz ist die Zeit, der Tod geschwind.“

Zum Pessimismus gibt es keine Gründe, das weiß auch Ulrich Fichtner, dessen prophetische Fähigkeiten so groß sind, dass sie alle Pessimisten ad absurdum führen.

„Die Nachrichten fügen sich zu einem chaotischen, dystopischen Fortsetzungsroman. Kein Wunder, dass das Lager der Leute gerade Auftrieb erhält, die sagen: »Siehste, es nützt einfach alles nichts. Alle Mühen um Verbesserung sind umsonst, aller Protest gegen das Schlechte verpufft. Das Richtige und Gute geschieht nicht, das Falsche und Böse macht sich schamlos breit. Die Vorstellung, dass alles immerzu immer schlechter würde, ist und bleibt falsch. Der Satz stellt die Wirklichkeit auf den Kopf. Die Geschichte endet nicht mit Donald II. und auch nicht mit Putin oder Netanyahu. Nach den härteren kommen wieder hellere Tage. Das macht die aktuellen Katastrophen nicht besser, aber erträglicher. Und alle guten Ideen, die gerade unterdrückt werden oder ungehört zu verhallen scheinen, werden dereinst dringend gebraucht.“ (SPIEGEL.de)

Sind Kritiker der politischen Übeltäter – Pessimisten? Oder sind sie nur Warner, die auf drohende Gefahren hinweisen – um sie zu vermeiden?

Sind Optimisten scharfe Kenner der Geschichte, die genau wissen, dass ein gütiger Himmel kein Desaster zulässt? Oder sind sie lächerliche Schwärmer, die keine Gefahren sehen können?

Wenn es weder göttliche noch materiell-übermenschliche Schicksalsmächte gibt, die den Menschen leiten, kann es auch keine Propheten geben, weder optimistische noch pessimistische. Marx nannte Gott das Sein und schon war er identisch mit dem Opium des Volks: das Sein bestimmt das Bewusstsein. Seitdem ähneln Marxisten den Christen: passiv müssen sie auf das große Ereignis warten, das ihr Schicksal endgültig bestimmt.

Warum kommen die Ossi-Linken so schwer auf einen grünen Zweig? Weil Marxisten in gleichem Maße zur realpolitischen Passivität verurteilt sind wie die Christen. Die einen singen und beten, dass der Herr komme, die anderen erheben die Faust und bedrohen den Kapitalismus mit Untergang.

Bei religiösen Schicksalsgläubigen kann es optimistisch Zuversichtliche und pessimistisch Verzweifelte geben. Nicht aber bei denen, die den Menschen als Gestalter seines Schicksals betrachten. Die wissen: alles hängt von ihnen ab. Wenn sie wissen, was sie tun, wissen sie zugleich, was sie tun müssen, wissen sie, wie sie die Menschheit gewinnen können, dann wissen sie auch, was der Menschheit bevorstehen kann: ein humanes Menschenreich auf Erden – oder ein ausgehöhlter Planet, der seine Passagiere vollständig ausspucken wird.

Linke mögen psychologische Unterschiede haben, ob sie munterer oder skeptischer in die Welt schauen – doch real wissen sie genau, dass ihr Schicksal allein vom homo politicus abhängt.

Die meisten Parteien der Gegenwart sind Produkte der Aufklärung, die einst der Theologie den Kampf angesagt hatten. Als Aufgeklärte wissen sie:

„Das Studium der Religionen ist wie das der menschlichen Geschichte überhaupt ein andächtiges Sichversenken in ein wüstes Gemisch von Wahnsinn, Verbrechen, und Erbärmlichkeit. Der Wert dieses Studiums kann nicht geleugnet werden.“ (Theodor Reik)

Doch mittlerweilen ist die elementare Kraft der Religion zurückgekehrt oder hat sich erst gar nicht unterkriegen lassen. Dann entstehen solche schwülstigen, aber machtbewussten Parteien wie die CDU. Wie es ihnen passt, schwanken sie zwischen Obrigkeitsgehorsam und ein bisschen Emanzipation.

Bürokraten und Experten sitzen in ihren isolierten Kombüsen und fühlen sich gelegentlich gedrängt, die unheilschwangere Stimmung zu beschwichtigen.

„Auch Marcel Lewandowsky verbreitet in seinem Büchlein über die globale Rechte eine gewisse Zuversicht: Die Forschung zeige, dass die meisten autoritären Regime „irgendwann wieder den Weg zurück zu demokratischen Strukturen“ finden würden. Besser wäre es natürlich, wenn demokratische Staaten gar nicht erst ins Autoritäre abdriften.“ (Sueddeutsche.de)

Ein bisschen Faschismus kann doch nicht schaden – oder?! Wer die Gegenwart beurteilen will, muss die gefährlichsten Strömungen von den weniger gefährlichen unterscheiden. Ein bisschen Faschismus kann nämlich alle konkurrierenden Strömungen auffressen.

Die brisantesten Gefahren sind immer diejenigen, die am aktivsten bekämpft werden müssen. Auch dann, wenn sie noch nicht das Tagesgeschehen dominieren.

Am Anfang waren nicht alle Deutsche Hitleranhänger. Doch im Laufe der Zeit wurden sie von dem fanatischen Furor der Faschisten mitgerissen.

Hier können wir uns keine Lässigkeiten erlauben. Alle Dinos beginnen als süße Babys, doch blitzschnell verwüsten sie ganze Landschaften.

Merz & Genossen sind nicht ein bisschen beschädigt. Sie entstammen den Politikerschichten, die zwar die Macht inne haben, aber nicht ihr Bewusstsein geändert haben. Wie die Grünen ökologisch zu wenig verändert haben, so glauben auch sie, in Ruhe weiterwurschteln zu können.

Das ist das betonierte Klima fast aller Deutschen. Waren sie in der Nachkriegszeit nicht vorbildliche VW-Weltmeister? Was sollten sie jetzt abrupt ändern, um die Plage-Geister zu beruhigen?

Letztlich ist die Luthernation der einhelligen Meinung:

„Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank empfangen wird.“

Das ist wahrer Optimismus oder das unheilvolle Vertrauen in eine geschichtliche Macht, die eine Illusion ist und die Menschheit ins Verderben führen wird – in selbsterfüllender Prophezeiung.

Was aus dieser Prophetie werden kann, ja, werden muss, sehen wir an Trump und seinen milliardenschweren Planetenzerstörern. Unter ihnen der theologisch versierte Peter Thiel, dessen Maxime lautet:

„Wir befinden uns in einem „Todesrennen zwischen Politik und Technologie.“ Ich habe wenig Hoffnung, dass Wahlen die Dinge besser machen. Für ihn mischt sich die Politik in zu viele Bereiche ein und er versteht nicht, warum Leute wegen des Konsums leichter Dinge eingesperrt, aber gleichzeitig gezwungen werden, „rücksichtslose“ Finanzminister mit ihren Steuergeldern zu retten. Während Thiel sich einen Zufluchtsort im malerischen Neuseeland ausgesucht hat, kaufen sich andere in luxuriösen Bunkeranlagen ein, horten Treibstoff und Nahrungsmittel. Sollte es zu einem Krieg, einer Wirtschaftskrise oder Epidemie kommen, helfen nur ganz elementare irdische Werte.“ (Peter Thiel, eine Biografie von Thomas Rappold)

Diese Flucht der Allerreichsten in ihre selbstgeschaffenen Paradiese auf Kosten der gesamten Menschheit muss mit aller Kraft verhindert werden. Auf, Genossen, ballt die Faust!

Fortsetzung folgt.