Tagesmail vom 07.07.2025
Die ERDE und wir. XC,
Der Dalai Lama – oder die intelligenteste Maschine der Welt:
wer – oder was ist klüger?
„Wissenschaftler arbeiten an einer neuen Generation von Robotern, die selbstständig lernen können. Die Folgen könnten für die Menschheit gravierend sein – praktisch und philosophisch.“ (TAGESSPIEGEL.de)
TAGESSPIEGEL: „Statt jeden Handgriff einzeln zu programmieren, arbeiten Sie an KI-Robotern, die autonom lernen und das Gelernte dann übertragen können. So wie der Mensch. Wie fühlt es sich an, Gott zu spielen?“
Autonom lernen? Sind das nicht Google-Menschen, die den zukünftigen Robotern das Lernen beibringen? Was daran soll autonom sein?
Auch Kinder lernen erstmal von Erwachsenen – bis sie das Erlernte selbständig verteidigen oder fortentwickeln können. Das nennen wir – seit der Antike – autonomes Lernen. Sie sind in der Lage, Kritik an ihrem Denken mit eigenen Argumenten zu verteidigen oder zu widerlegen, ohne das Lernen imitativ zu wiederholen. Dadurch sind sie in der Lage, die überkommenen Traditionen ihrer Kultur in Frage zu stellen und ihren Schülern ihr neues Denken zu vermitteln, ohne sie zur simplen Wiederholung zu nötigen.
Nichts Neues ist völlig aus der Luft gegriffen, sondern beruht – kritisch oder gläubig – auf der erlernten Tradition. Etwas völlig Neues gibt es nicht. Traditionelle Kulturen wiederholen sich vollständig, lernende wälzen sich – je nach ihren partiellen neuen Einsichten – peu a peu um.
„Unsere Grundidee ist: Intelligenz braucht einen Körper. „Embodied AI“ geht davon aus, dass Bewegung, Wahrnehmung und physische Erfahrung zentrale Voraussetzungen für wirklich intelligentes Verhalten sind.“
Ist das nicht die Wiederholung des Konfliktes zwischen Platon und Aristoteles? Platons Ideen schwirren materielos in der „Luft“, bei Aristoteles gibt es keine Ideen ohne Verbindung mit der Materie. Ist das den Forschern des Neuen nicht bekannt, haben sie sich damit auseinandergesetzt? Oder ist ihnen die Tradition gleichgültig?
Nori: „Technologischer Fortschritt bedeutet immer, etwas zu schaffen, das es vorher nicht gab – das liegt in seiner Natur. In diesem Sinne überschreiten wir natürlich bestehende Grenzen.“
Was sind das für schwirrende Argumente? Normaler Fortschritt ist immer ein Gemenge aus Altem und Neuem. Grenzen der Natur kennen wir nur einige, grundsätzliche Grenzen kennen wir nicht. Weswegen wir auch nicht sagen können: wir haben natürliche Grenzen überwunden.
Nori: „Diese enge Kopplung von visuellem Reiz und motorischer Reaktion wollten wir in humanoiden Robotern nachbauen. Das war ein sehr klassischer, schrittweiser Ansatz.“
Wer etwas nachbaut, hat das Existierende bereits vor Augen, ein grundsätzlich Neues kann er nicht erfinden.
TAGESSPIEGEL: „Die Folgen könnten für die Menschheit gravierend sein – praktisch und philosophisch.“
Könnten? Alle großmundig angekündigten Erfindungen werden mit dem Konjunktiv „könnte, könnten“ angepriesen.
Was ist ein Konjunktiv?
„Der Konjunktiv wird für nicht reale Situationen verwendet.“
Der gepriesene Fortschritt ist keineswegs real, er könnte sehr vage und illusionär sein. Welche „Experten“ könnten überprüfen, ob der Konjunktiv zum Indikativ geworden ist? Ob die Propaganda für die neue Wundermaschine real war oder nur eine Schwärmerei?
Jetzt eine grundsätzliche Kritik.
TAGESSPIEGEL: „So warnte beispielsweise der Physiknobelpreisträger Geoffrey Hinton vor dem Risiko, dass KI irgendwann Menschen kontrolliert.“
Nori: „Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich glaube wirklich, dass bei Google DeepMind Ethik Teil der Philosophie ist. Wann immer wir über die gesellschaftlichen Folgen unserer Arbeit sprechen, wird das als höchste Priorität behandelt. Andere Firmen haben in der Vergangenheit Technologien zu früh veröffentlicht – bevor sie wirklich sicher waren. Google ist hier deutlich vorsichtiger.“
Ist das nicht Geschwätz? Jeder Mensch kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, denn alles, was er gelernt und durchdacht hat, wird zu seiner persönlichen Erfahrung. Diese Erfahrung aber, die er in eine Maschine umwandelt, ist nicht heilig, sondern muss jederzeit überprüft werden. Eben das meinte Sokrates, als er sein mäeutisches Streitgespräch entwickelte. Dass die Ethik einer Maschine a priori eingebaut sein soll, ist ein hilfloses Gebrabbel.
Welche Lösungen der jetzigen Menschheitskrisen hat der Forscher ins Auge gefasst? Welche Probleme müssten dringend gelöst werden, damit man die „göttliche“ Intelligenz der Maschine erwarten kann?
Nichts Konkretes erfährt man nicht, weder von den Kriegsgefahren, noch von der Klimakatastrophe, noch der feindlichen Konkurrenz der nationalen Kapitalismen. Dabei macht der folgende Satz neugierig: „Roboter werden in Bereichen eingesetzt, die schmutzig, monoton oder gefährlich sind.“
Doch was meint er? „Roboter helfen zum Beispiel dabei, Gegenstände in einer Wohnung zu finden oder sich in komplexen Räumen zu orientieren, wenn einem das schwerfällt.“
Das sind natürlich elementare Probleme, die gelöst werden müssten, damit die Menschheit vorankommt: KI als perfekte Müllabfuhr.
Auf die Kontrolle der Menschheit geht der Experte nicht ein. Dabei ist das die Meinung vieler Kritiker der KI, dass sie zu nichts nütze ist außer zur kompletten Überwachung der Menschheit wie in Orwells „1984“. Diese Überwachung ist bereits mit den vorhandenen KI-Maschinen so weit fortgeschritten, dass jemand sagte: Was du, Menschlein tust, gleichgültig, wo du bist und was du tust, ist immer irgendwo bekannt. Das wäre die gespenstische Überwachung der ganzen Menschheit und somit die Vorbedingung eines globalen Faschismus.
Und wie ist die Reaktion der überwachten Subjekte auf diese unfassliche Tatsache? Es gibt keine. Gefährlicher kann eine politische Gesamtsituation nicht werden.
Nach dieser – reichlich oberflächlichen – Analyse der göttlichen Intelligenzmaschine gehen wir über zum Denken des Dalai Lama, das uns von Franz Alt vermittelt wird.
Er schreibt über seinen alten Freund:
„Der buddhistische Religionsführer sagte damals: »Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten. Alle Religionen und alle heiligen Schriften bergen ein Gewaltpotenzial in sich. Deshalb brauchen wir eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen.« So weit ging noch nie ein prominenter Religionsführer. Diese Erkenntnis war die Initialzündung für unser gemeinsames Buch »Ethik ist wichtiger als Religion«. Der Dalai Lama wirbt darin für eine »Weltrevolution des Mitgefühls«. Nichts braucht unsere heutige gewaltverliebte und zerrissene Welt mehr. Diese säkulare Ethik des Dalai Lama sprengt alle nationalen, religiösen und kulturellen Grenzen und skizziert Werte, die allen Menschen angeboren sind. Werte wie Achtsamkeit, Geistesschulung, Mitgefühl sowie das Streben nach Glück.“ (SPIEGEL.de)
Der Dalai Lama benutzt Begriffe, die beim KI-Erfinder nicht mal vorkommen. Ethik ist bei ihm ein stummes Element der Maschine.
Es wäre eine wunderbare Revolution, wenn die Erkenntnisse des Dalai Lama sich über die Welt verbreiten würden. Die Religionskriege im Nahen Osten, die religiös-säkularen Kriege Amerikas wären sofort zu Ende. Dort ist ein theozentrischer Fanatismus die Wurzel allen Übels.
In Deutschland gibt es niemanden, der sich für das brisante Thema „Gott und Politik“ interessieren würde. Dabei sind religiöse Kriege die Ursachen des gefährlichen Abbaus des Universalismus der Völker, niedergelegt in der UNO-Konvention, die alle Völker als gleichberechtigte anerkennt.
Diese Anerkennung der Völker als gleichberechtigte gilt heute weder für die USA, noch für das Heilige Land. Was die Erwählten denken und glauben, ist immer richtig und bildet das eiserne Fundament ihrer theozentrischen Irrtumslosigkeit.
Das bestätigt Gore Vidal in seinem Buch „Ewiger Krieg für ewigen Frieden“:
„Unstrittig sind die USA seit 1947 die bahnbrechenden und wichtigsten Vertreter des „präventiven“ Staatsterrors, der ausnahmslos in der Dritten Welt stattfand und daher weitgehend im Verborgenen blieb. Zudem verhinderten die USA durch ihr Veto, dass Israel wegen des Verstoßes gegen internationale Abkommen und UN-Resolutionen sowie seiner Praxis des präventiven Staatsterrors verurteilt wurde. Seit mehreren Jahrzehnten wird die muslimische Welt in den amerikanischen Medien dämonisiert. … Die Frage nach dem Warum wird bei uns in der Regel nicht gestellt. Viel lieber beschuldigen wir den anderen schlichtweg einer motivlosen Bösartigkeit. „Wir sind die Guten“, ruft G. Bush, „und sie sind die Bösen.“
Diese ursachenlose Spaltung der Welt in Gut und Böse ist die Erfindung biblischer Religionen.
Längst hat sich in der Naturwissenschaft die Regel eingebürgert: Nichts ohne Ursache. In der Psyche der Menschen aber soll dieses Prinzip nicht gelten – wenn man den Frommen folgt. Hier gilt noch immer der ursachenlose Dualismus des MA: Gott ist gut – selbst wenn er Böses tut: der Teufel ist böse, selbst wenn er Gutes tun sollte.
Verstehen kann man die Menschen nur, wenn ihr Tun Ursachen hat, die erforscht und erklärt werden können. Das galt bis in die Zeiten von Horst-Eberhard Richter und Tilmann Moser, die sich für die therapeutische Behandlung der Gefängnisinsassen einsetzten.
Das alles kippte um nach dem schrecklichen Massenmord an vielen norwegischen Jugendlichen durch den Psychopathen Breivik. Da verloren die Sachverständigen ihre Geduld und die alten Schemata krochen aus dem Keller: gut – böse, schuldig – unschuldig.
Die Theologie kam zurück und dominierte mit antifreudianischer Besserwisserei die juristische Szenerie.
Was Schuld und Sühne ist, bestimmen inzwischen BILD und die AfD. Alles andere halten sie für Klimbim moralischer Besserwisser.
Gore Vidals Meinung über die USA gilt bis heute:
„Gegenwärtig sind die Vereinigten Staaten eine leicht chaotische, imperialistische Republik, die auf ihr Ende zusteuert, was nicht weiter schlimm ist, solange es nicht zu einem Ausbruch des Chaos kommt, denn das würde bedeuten, dass uns ein neues Zeitalter der Religion bevorsteht. Jedem, dem trotz des religiösen Übergewichts an unserer alten Republik etwas lag, muss das Chaos – dem unerträglichen Regiment der Theokraten vorziehen. Wir erleben diese Brutalität in ihrer schlimmsten Form heute in Israel und in gewissen islamischen Ländern wie Afghanistan.“
Das war bereits im Jahre 2002. Seitdem haben die theokratischen Grausamkeiten sich unerträglich verschärft.
Vidals Fazit:
„Zwar verunglimpfen wir regelmäßig andere Gesellschaften als Schurkenstaaten. Doch wir selbst sind zum größten Schurkenstaat überhaupt geworden. Wir halten uns nicht an geschlossene Verträge. Wir strafen die internationalen Gerichtshöfe mit arroganter Nichtachtung. Wir klagen über Terrorismus, dabei ist unser Imperium inzwischen der größte Terrorist von allen. Unser Kongress ist von den amerikanischen Konzernen, der imperialen Militärmaschinerie, in Geiselhaft genommen werden.“
Fazit: Wer hat das Duell zur Rettung der internationalen Lage zwischen Mensch und Maschine gewonnen?
Na wer wohl:
„Diese säkulare Ethik des Dalai Lama sprengt alle nationalen, religiösen und kulturellen Grenzen und skizziert Werte, die allen Menschen angeboren sind. Werte wie Achtsamkeit, Geistesschulung, Mitgefühl sowie das Streben nach Glück.“
Deutschland, kehre um und folge dem Dalai Lama – in autonomer Selbstbestimmung.
Fortsetzung folgt.