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Freitag, 01. Februar 2013 – Antisemitismus, die nächste

Hello, Freunde des Rechtsstaates,

vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich? Auch wer kein Geld hat, konnte bislang dank der Prozesskostenhilfe seine Sache vor Gericht vertreten. Bald nicht mehr. „Ein geplantes Gesetz könnte dieses Kernprinzip des sozialen Rechtsstaates aufweichen. Deutsche Anwälte sind empört“, schreibt Heribert Prantl in der SZ.

Bislang mussten die 16 Bundesländer für Prozesskostenhilfe die läppische Summe von 500 Millionen Euro ausgeben – für die Grundlage unseres Rechtsstaates. Gerechtigkeit ist den Ländern zu teuer geworden, sie wollen den Staat in die Ungerechtigkeit sparen. Schließlich benötigen sie immense Gelder zum Ausbau des Nürburgrings, von Stuttgart 21, Berliner Flughäfen, Hamburger Elbhafen und sonstigen Gigantoluxusrennomierprojekten, wo Euroscheine frei flottierend in den Äther gewirbelt werden.

Eine Richtervereinigung hatte schon im letzten Jahr das Vorhaben als „erschütternd verfassungswidrig“ bezeichnet. Gerechtigkeit wird vom Geldbeutel abhängen. Alles andere können wir uns nicht mehr leisten. Wer künftig sein Recht will und keine Knete hat, kriegt ein Gnadendarlehen – wenn er täglich bei der nächsten Polizeidienststelle seinen Kotau macht.

Warum schreibt nur Prantl über diese Riesensauerei? Die Vierte Gewalt denkt gar nicht daran, als Bollwerk der Demokratie aufzutreten und ist dabei, sich

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Sonntag, 17. Februar 2013 – Die große Wende

Hello, Freunde der globalen Wende,

jaja, große Worte. Keine Angst vor großen Worten. Es gibt eine skandalöse Hybris der Selbstverkleinerung. Wenn wir zu kleinkariert denken, erfassen wir nicht, dass die Epoche religiöser, technischer und wirtschaftlicher Messianismen sich ihrem Ende nähert. Sie eilt ihrem Höhepunkt entgegen, ihrem Untergang.

Der Mensch ist reifer als seine katastrophale Religion. Schon streckt er den Kopf aus dem Gehäuse, schaut verwundert an sich herab und fragt sich: was ist das, in dem ich stecke und mich verstecke, das mich hemmt, das mich am Strecken und Dehnen hindert?

Zerbrecht die Panzer eurer Unvernunft, die Verknorpelungen eurer Naturfeindschaft, die Rückenpanzer eurer mangelnden Wahrnehmung, die Brustschilde eurer verkrümmten Herzen, die Genitalschilde eurer lächerlichen Lust, die Rippenschilde eures todessüchtigen Ichs, die Wirbelschilde eurer unfassbaren Gier, die Bauchschilde eurer jenseitigen Erdenflucht.

Wie werden die Nachkommenden einst unsere Epoche nennen? Die Ära der verkrümmten Gottseinwollenden? Der beinamputierten Giganten? Der lächerlichen Unendlichkeitsheroen? Der Unvergleichlichen, die sich ähnlicher waren als ein Ei dem andern? Der Titanen, die keine Macht über sich hatten?

Es folgen verschiedene Beispiele globaler Trostlosigkeiten. Man vergleiche

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Tagesmail-Information

  In eigener Sache: Ab dieser Woche schreibt der Sokratische Marktplatz seine Tagesmails in unregelmäßiger Folge.  

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Sonntag, 15. Januar 2012 – Antisemitismus und kein Ende

Hello, Freunde der gebrochenen Charaktere,

in welcher publikumswirksamen Veranstaltung befinden wir uns, wenn es um Abschaum, gebrochene Charaktere, allsehende und omnipräsente Kamera- oder Gottesaugen, fiese, verächtliche oder lächerliche Kommentare voyeuristischer Allmachtsdarsteller, eine zur Ekelshow und zum Amüsement missbrauchte Natur inmitten eines Garten Edens, der sich als Hölle rivalisierender, sich blamierender und versagender nackter oder mit Feigenblättern bedeckter Exemplare des homo nudus televisionis geht?

a) in der Schöpfungsgeschichte

b) bei Paulus und dem Psalmisten: „Denn ein Schauspiel sind wir der Welt geworden; wie Kehricht der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt“ ( Altes Testament > Psalmen 34,19 f / http://www.way2god.org/de/bibel/psalm/34/“ href=“http://www.way2god.org/de/bibel/psalm/34/“>Ps 34,19 f) „Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerbrochener Geist; ein zerschlagenes Herz wirst du, oh Gott nicht verachten.“ (Oder c) im Dschungelcamp mit gebrochenen Charakteren und zerschlagenen Moderatoren, die keine sind – denn moderieren heißt mäßigen –, sondern Zuspitzer, Anheizer und Feuer-ins-Öl-Gießer und auf die Namen Dirk Bach und Sonja Zietlow hören.

Oder befinden wir uns bereits im Himmel, wo die Erwählten „Hölle gucken“ und sich amüsieren über die Qualen der Verworfenen? Sind wir in der Vollendungsphase der religiös inszenierten Fernschau, der endgültigen Vision der Tele-vision? Erfahren wir an unvermuteter Stelle

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Dienstag, 31. Januar 2012 – Folgenlose Moral

Hello, Freunde abendländischer Werte,

Werte und Normen sind dazu da, dass man sie erfüllt.

Werte und Normen sind nicht dazu da, dass man sie erfüllt, sondern einsieht, dass man sie gar nicht erfüllen kann.

Welcher Satz stimmt fürs Abendland?

1. Der erste Satz ist katholisch, doch mit der Einschränkung: der Mensch kann ein bisschen moralisch werden. Zur wahren Erfüllung der Gebote jedoch braucht er Gottes Hilfe, in Klartext, den Vergebungsapparat der Priester oder der Kirche. Allein kann der Mensch nicht moralisch werden. Wozu wäre Religion und Erlösung vonnöten?

Moralisch sein heißt, der Mensch strengt sich an, dann kommt ihm Gott entgegen und komplettiert seine Stümpereien und Unfähigkeiten. Papa, krieg ich ein Bobbycar zum Geburtstag? Okay, wenn du sparst, leg ich die Hälfte drauf.

Diesen Standpunkt nennen die Theologen Semi-Pelagianismus (= ein halber Pelagianismus), beziehen sich damit auf den Streit zwischen Augustin und dem irischen Mönch Pelagius, der, noch ganz von altgriechischer Autonomie erfüllt, der Meinung war, der Mensch könne allein die Gesetze Gottes erfüllen.

Sein prominenter Gegner war vollständig anderer Meinung (wie später Luther, der Augustiner war): der Mensch ist ein unfähiger Sündenkrüppel, Totalversager in allen Dingen. Ohne Gottes Erlösung landet er auf dem Müllhaufen der Geschichte oder in der Hölle.

Das Papsttum hat sich in diesem Punkt vom rigiden Augustin abgewandt und lehrt seitdem

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Donnerstag, 16. Februar 2012 – Freundschaft und Kapitalismus

Hello, Freunde der Freundschaft,

man trifft sich, findet sich nett, stellt sich eine Frage – allerdings nicht mehr, sonst macht man sich verdächtig –, schon ist man befreundet. Ein Freund ist, wer einem nichts Böses will, vielleicht sogar nützt. Wer in New York mit einem wildfremden Menschen den Fahrstuhl benützt, hat oben einen Freund fürs Leben gewonnen.

So war’s bisher im oberflächlichen Amerika, so wird’s nun bei uns. Dank politischer Partys, dank Facebook. Im Netz kannst du Freunde haben, die du noch nie in natura gesehen hast.

In Deutschland hat man nur wenige Freunde. Freundschaft hält man für das Ergebnis mühseliger Arbeit oder das Glück seltener, kostbarer Seelenverwandtschaft bei langen Gesprächen und inniger Freude des Zusammenseins. Amerikanische Freundschaften wären bei uns kaum Kameraderien.

Das amerikanische System ist eine Mischung aus zu viel Hobbes und zu wenig Adam Smith. Der Kapitalismus kennt nur den Konkurrenten, der dem Konkurrenten ein Wolf ist. Ganz anders bei dem angeblichen Begründer des Kapitalismus, der seinen Aristoteles kannte und in seinem ersten Buch schrieb, echte Freundschaften können nur

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Samstag, 03. März 2012 – Mundraub

Hello, Freunde Aserbeidschans,

soll der Europäische Sängerwettbewerb in Aserbeidschan boykottiert werden, weil Dissidenten im Gefängnis sitzen und Menschenrechtsverletzungen im Land stattfinden?

Die Menschenrechtlerin Arsu Abdullajewa ist gegen einen Boykott. Die anwesende Weltöffentlichkeit will sie nutzen, um den Diktator zu Reformen zu zwingen. Die TeilnehmerInnen des Wettbewerbs sollen vom Regime die Freilassung aller politischen Gefangenen fordern. Die Pseudodemokratie müsse einer echten Demokratie weichen.

Wenn Musik die einzige Sprache ist, die die Menschheit miteinander verbindet, wäre dies eine Probe aufs Exempel. Welche Rolle werden die TV-Anstalten spielen, um das politische Geschehen in die Welt zu flimmern?

Es geht ein Riss durch die Tagesbeobachter:  1. was die Beurteilung Putins betrifft,  2. vor allem, was Syriens Assad betrifft.

1. Gabriele Krone-Schmalz, ehemalige ARD-Frau in Moskau, lässt kein einziges kritisches Wörtchen an Putin erkennen. Die neue, bis vor kurzem noch undenkbare enorme Bürgerbewegung gegen den Neuzaren scheint sie

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Montag, 19. März 2012 – Homo rationalis

Hello, Freunde der Chefredakteure,

die Wahl des Chefs war die Stunde der Chef-Redakteure. Sie schreiben die Kommentare, sie kommentieren in den Öffentlich-Rechtlichen, sie sitzen in den Talkshows.

Sie sind die großen Söhne, die sich nach oben orientieren: zu Papa. Wenn’s um Kleinkram wie Euro und Atom geht, dürfen die Kleinen den Mülleimer nach unten bringen. Wenn’s um Ernennung des neuen Vaters geht, schließen sie die Reihen und rauchen die Schischa-Pfeife unter sich.

Die beiden letzten Väter: da hat ihnen Mama die Kür vermasselt. Das haben sie ihr heimgezahlt und den Letzten mit der Steinschleuder vom Thron geschossen.

Nun haben sie jemanden, der selbst Journalist werden wollte und über beste Kontakte nach ganz oben verfügt. Das Spiel der nächsten Zeit heißt: Vater und Söhne.

Kurt Kister, SZ, hat Fragen, die er endlich mal stellen und sich von Papa beantworten lassen darf: was eigentlich ist Demokratie, Papa? Freiheit? Wie schön du das sagst, das hab ich noch nie gehört. Und Verantwortung? Da stockt mir der Atem, die Tränen schießen mir in die Augen. Dass wir Chefredakteure

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Mittwoch. 04. April 2012 – Gekaufter Geist

Hello, Freunde der Frauen,

15 Millionen Tonnen Treibhausgase und 60 000 Tonnen Ammoniak würden die Deutschen weniger in die Luft jagen, wenn Männer sich wie Frauen ernährten. Männer brauchen Fleisch, um groß und stark zu werden. Kann man sich ein männliches Firmenessen mit Brokkoli und Kopfsalat vorstellen?

Sollte es etwa damit zusammenhängen, dass Frauen der Natur näher stehen und Männer die weibliche Natur gern in Form von verinnerlichten Steaks und Salami idolisieren?

Eine Finanztransaktionssteuer wird es in Europa nicht geben. Auch nicht in Form einer Börsenumsatzsteuer. Irgendjemand ist in der EU immer dagegen. Diejenigen, die dafür sind, wollen keinen Alleingang, weil sie Abwanderung der großen Gelder fürchten. Die Spekulanten haben sich durchgesetzt, die Politik gibt sich geschlagen.

Was ist Spekulation? „Das spekulative Denken besteht nur darin, dass das Denken den Widerspruch festhält. Das Spekulative ist das Vernünftige, das gedacht wird. Eine Erkenntnis der spekulativen Philosophie ist, dass die Freiheit das einzig wahrhafte des Geistes sei. Das spekulative Wissen ist das Wissen der offenbaren Religion.“

Wenn die Spekulanten sich durchsetzen, hat sich die Freiheit des einzig wahren Geistes durchgesetzt, die

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Freitag, 20. April 2012 – Wahn und Realität

Hello, Freunde der Muslime,

der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität und gehört somit nicht zu Deutschland“, sagte der Volker in Kauder-welsch. Dann haben wir also den Pluralismus abgelegt und uns eine Mono-Ideologie zugelegt, die man Christentum zu nennen pflegt.

Wie kann man sich über den Satz aufregen, die Medien seien gleichgeschaltet, wenn die ganze deutsche, ja europäische Kultur durch eine durch Kreuz-zur-Krone-Ideologie gleichgeschaltet ist. Da haben wir doch den Großen Schalter, den Augstein nicht sehen wollte: es ist der religiöse Schalter in den Gehirnen.

Eine identische Kultur – von idem, dasselbe, das Gleiche – wäre eine Ajatolla-Kultur, Volker Kauder demnach ein Bibel-Salafist. Kein Verfassungsschützer wird den gemütlichen Schwaben unter die Lupe nehmen.

Linke Großhistoriker wie Wehler und Winkler reden auch nicht anders, wenn sie die Türkei für europa-untauglich erklären, weil dort nicht an jeder Wegkreuzung ein schnuckliges Marterl zu sehen ist.

Hat schon mal ein Ethnologe eine empirische Untersuchung durchgeführt, welch unterschwellige Kollateralfolgen diese vielen Kreuze mit Leichnam auf das unbewusste Leben der Bayern ausüben? Wer das Voralpenvölkchen kennt, muss annehmen, dass es anhand des Kontrastes sich erst recht seines Lebens erfreut.

Dann wäre der Schmerzensmann eher eine paradoxe Intervention als ein direktes Vorbild. Der massenhafte,

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