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Alles hat keine Zeit XXX

Alles hat keine Zeit XXX,

Wagner und Wagner-Fan Merkel schwimmen auf einer Welle:

„Unheil ist Angst. Was wird? Wie geht es weiter? Geht es nicht mehr weiter? Unheil ist ein schlimmes Wort, die Kanzlerin sagt uns Unheil voraus. Unheil bedeutet: Elend, Gefahr, Heimsuchung, Leid, Desaster, Trübsinn, Knechtschaft, Unfreiheit, Gräuel. Die Kanzlerin erinnert mich an Kassandra, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand. Frau Merkel hat das härteste Wort gebraucht, das es gibt: Unheil.“ (BILD.de)

Der Bayreuther Erlöserkult wollte Deutschland einen Messias bescheren, der die Schmach der Deutschen rächen und das Land zur führenden Macht der Welt erheben sollte. Heil der Welt durch einen deutschen Heiland, dessen Triumph mit Blausäureampullen endete, abgefüllt im KZ Sachsenhausen:

„Mit dem Heil Deutschlands steht und fällt auch mein Kunst-Ideal; ohne Deutschlands Größe war meine Kunst ein Traum: soll dieser Traum in Erfüllung gehen, so muss notwendig Deutschland auch zu seiner vorbestimmten Größe gelangen.“ ( Richard Wagner)

Wodurch sollte das Heil geschehen? Durch „Lust am Feuerlegen. Feuerzauber musste sein. Die Morgenröte der neuen Zeit würde nur als Widerschein des großen Zivilisationsbrandes aufgehen. Das Heil-Mittel, um die „uns umgebenden Bedingungen unserer Krankheit zu heilen – also zu vernichten –,“ bot für den Musiker allein die „Feuerkur“.“ (Joachim Köhler, Wagners Hitler)

Das Klima-Feuer muss kommen, damit die Kanzlerin Heil und Segen dem deutschen Volk zukommen lassen kann. Nein, keine irdische Rettung. Die liegt in … … keines Menschen Hand. Die muss von Oben, der rechten Seite der Geschichte, geordert werden. Doch die Magd des Schicksals kann trösten und zukünftiges Heil versprechen.

Zuerst aber muss das Feuer alles vernichten, danach kann das postmortale Heil Einzug halten.

„Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

Doch welch riesige Enttäuschung: dem dramatischen Weltenfeuer ist das winzige, unsichtbare Corona zuvorgekommen. Merkels Heilsplan ist in Verwirrung geraten. Sie beginnt zu zittern, wird aschgrau im Gesicht, überlegt, den ganzen Bettel hinzuwerfen. So ein winziges Nichts ist dabei, ihre geheime Dramaturgie zu zerstören.

Geheime? Jeder weiß, dass Angela an die apokalyptische Heilsgeschichte glaubt, dass sie eine Bayreuth-Pilgerin ist. Doch niemand will es wissen. Niemand befragt sie. Mitten in der Öffentlichkeit steht der unsichtbare Tempel der Kanzlerin, in dem die esoterischen Verschwörungstheorien der Religion in Politik übersetzt werden.

Vor Jahrzehnten feierten die Deutschen ihr Auserwähltsein mit Fahnen, Aufmärschen und schmetternden Fanfaren. Heute schämen sie sich – ohne jedoch ihr Erwähltsein verworfen zu haben. Noch immer wollen sie auf der rechten Seite der Geschichte stehen, doch psst, niemand darf es mit einem einzigen Wörtchen andeuten.

Die gütige Mutter verwandelt sich in Kassandra, die Unheilsprophetin, die beim Volk kein Gehör fand. Nur ein kleiner Schritt für die Kanzlerin vom „Es ist ernst“, zum Donnerwort: Unheil. Damit ist das Band zu den Ihren zerschnitten.

Die Deutschen nehmen nichts wahr, das meistfotografierte Gesicht Deutschlands sehen sie nicht. Sie haben Angst. Ein verzagendes Muttergesicht ertragen sie nicht.

Sie studieren exponentielle Unheilskurven und erinnern sich ihrer mathematischen Schwäche. Was war ein exponentielles Unheil? Selbst im Allerheiligsten regieren Quantifizierer und Rechenkünstler – und haben die schwatzhaften Gottesgelehrten vertrieben.

Heiliger Dreisatz: wenn 1000 Jahre vor Gott wie ein Tag sind, wie viele Jahre des Unheils müssen wir noch ertragen, damit der Herr vor der Türe steht?

Was berechnen sie wirklich? Corona ist nur die Maske vor dem Gehirn, in Wirklichkeit geht es um letzte Dinge:

„Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, wenn die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen.“

Sie kämpfen gegen den Spott der Welt, indem sie das Kommen ihres Herrn berechnen. Jeden Tag endlose Linien, Diagramme und Zahlenkolonnen. Noch ein Mal werden sie sich nicht täuschen lassen. Weshalb sie die zweite Welle abwarteten, um zu zeigen, dass sie aus der Geschichte der Urchristen gelernt haben. Das zweite Kommen des Herrn wird sein endgültiges sein.

Säkularisation nennt man die Transformation des Heiligen in Zahlen und Figuren. Sie ist die Maske des Heiligen als dünner Firnis der Aufklärung: jene aparte Mischung der deutschen Genies, die weder allzu fromm, noch allzu gottlos sein wollen.

Gnade ihnen Gott; damit sind sie weder Fisch noch Fleisch. Der Herr wird sie aus dem Munde speien, denn sie sind lau und weder warm noch kalt. Alles, was sie tun, ist auf Sand gebaut.

„Eure Rede sei jaja, nein-nein. Was darüber ist, ist von Übel. Niemand kann zween Herren dienen, denn entweder wird er den einen lieben und den andern hassen, oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

Das ist die große Sünde Angelas, dass sie – nach Verlassen des gottlosen Sozialismus, den Angelas Vater dem geldgierigen Westen vorgezogen hatte – den väterlichen Kurs verriet und den Kapitalismus bevorzugte. Seitdem kämpft sie mit ihrem väterlichen Über-Ich, doch niemand durfte von ihrem Kampfe erfahren.

Konnte sie sich nicht ebenfalls auf die Schrift beziehen?

„Und ich sage euch: machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie, wenn er euch ausgeht, euch aufnehmen in die ewigen Hütten.“

Was aber war mit Lukas 12, Vers 33:

„Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht altern, einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo sich kein Dieb naht, und den keine Motten fressen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“

Was aber war mit Matthäus 25, 14 ff:

„Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.“

Die schärfsten Gegensätze der Welt sind biblisch gerechtfertigt. Logik? Klarheit? Lass fahren dahin. Der christliche Wertekanon ist ein Wünsch-dir-was. Warum wankt das Land der Mitte und mit ihm ganz Europa? Weil christliche Werte, gemessen an heidnischer Logik, absurde Witze sind. Mit Witzen ist keine Demokratie zu machen.

Emil Fuchs, führender Theologe im real existierenden Sozialismus, war ein Kollege von Horst Kasner, Angelas Vater:

„Davon war ich überzeugt, dass hier kein theoretisches Belehren geschehen solle oder dürfe, sondern einfach ein Einsatz der Kraft, dass es nicht gelte, den Marxismus zu widerlegen, sondern den Ruf zu verstehen, die er gibt, damit Werkzeuge werden, die neue Welt zu schaffen und damit das, was in uns vom Geist Jesu Christi lebt, zur Kraft wachse, mitzuhelfen an dem Begonnenen.“ (Marxismus und Christentum)

Das ist der berühmte Beweis des Geistes und der Kraft – nicht hohler Worte. Also des Beweises, dass giftige Schlangen im Gottesdienst die Frommen nicht töten können. Oder des Beweises, dass die Erwählten in allen Dingen der Welt den Ungläubigen überlegen sind. Auch in Technik, Fortschritt – und Kapitalismus:

„Wenn Gott dir einen Weg zeigt, auf dem Du rechtlicherweise mehr verdienen kannst als auf einem anderen … Und Du nimmst es nicht an und wählst den weniger gewinnbringenden Weg, so verfehlst du eines der Ziele deiner Berufung und weigerst dich, Gottes Verwalten zu sein.“ (Der anglikanische Theologe Baxter in Fuchs, Christliche und Marxistische Ethik)

Die Christen der DDR waren gespalten. Die einen lehnten den Sozialismus ab, für die anderen galt es, seine Substanz mit christlichem Geist zu durchsäuern. Luthers Reformation war den sozialistischen Intellektuellen ein revolutionärer Vorläufer der wahren Revolution. In brüderlichem Geist logen Sozialisten und Lutheraner sich gegenseitig an.

Die westlichen Kirchen mit spiegelbildlichen Kunststücken. War Kapitalismus christlich, wie die amerikanischen Befreier überzeugt waren, oder sollte man ehrlicherweise nach Drüben gehen? Je mehr der Sozialismus dem ökonomischen Aufschwung des Westens hinterherhinkte, je geringer war das Interesse. Dann der gottlose Marx.

Im Westen gab es das bekannte Doppelspiel. Wenn die Jugend rebellierte, war das Evangelium Inbegriff anti-kapitalistischer Kritik. Ansonsten war die Kirche systemimmanent mit dem Staat, besaß endlose, zumeist verborgene Privilegien. Von riesigen Kirchensteuern bis zum geistlichen Regiment, das dem weltlichen die Richtung zeigen musste.

Im Gottesdienst gab es die üblichen Schlauheiten der Theologen. Man bezog sich einseitig auf bestimmte Texte, um die überlegene Gerechtigkeit gegenüber dem Kapitalismus zu beweisen. Stellen neocalvinistischer Reichtumsvergötzung wurden rein zufällig vergessen. Gesetze der Logik gelten nichts im Bereich des Heiligen Geistes. Spätestens bei Hegel erhielt Logikverachtung ein philosophisches Renommee.

Oder man deutete die Texte so lange um, bis sie den erwünschten Zeitgeist spiegelten. Für gewiefte Gottesdiener nicht das geringste Problem. Seit Erfindung der hexenhaften Hermeneutik – etwa seit Schleiermacher – und der „historisch-kritischen“ Schule, die alle heiligen Texte wie profane untersuchte, wurden die Gemeinden dumm gestellt.

Religion war seit Schleiermacher nichts als „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“. Kann man über Geschmack streiten? Der Streit der Althistoriker und Philosophen über den Gegensatz zwischen Griechentum und Christentum erreichte nie das Kirchenvolk. Glaube wurde zur Erbauung. Die einstige Graecophilie – die nie der athenischen Polis galt – wurde spätestens mit Sokrates-Hasser Nietzsche eliminiert.

Da die amerikanischen Befreier alles taten, um die griechischen Heiden vergessen zu machen, damit sie selbst als Erfinder der Demokratie auftreten konnten, wurden die hellenischen Verdienste um Menschenrechte und Demokratie getilgt. Dreist, wie Gottesdiener sind, avancierte das Urchristentum selbst zum Erfinder alles Guten und Schönen. Mit Aufkommen der Naturschützer gar zum Erfinder der ökologischen Schöpfungsbewahrung.

Die riesige Mitschuld der Theologen am Erfolg der NS-Bewegung wurde unter den Teppich gekehrt, nicht zuletzt mit Hilfe der Besatzer, die kein Interesse an der Wahrheit hatten, sondern die Kirchen benötigten, um das deutsche Volk umzuerziehen. Ein Staat, mit dem sich das Christentum nicht vertrüge, ist noch nicht erfunden worden.

Die Zweireichelehre sorgte dafür, dass weltliches und geistliches Reich sich solange vertragen, bis der Herr die Welt in Stücke schlagen und die Frommen zu Siegern der Geschichte erklären wird.

Luther und Hegel verketteten die Kirchen mit der unfehlbaren Obrigkeit. Das war die Paraderolle der ecclesia militans und triumphans, der militanten und siegreichen Kirche. Als sie nach Kriegsende, auf Veranlassung der Befreier, Selbstkritik übten, um in gereinigter Form dem neuen Staat zur Verfügung zu stehen, spielten sie die ecclesia patiens, die leidende Kirche. Die scheinheilige Rolle haben sie inzwischen wieder abgelegt, um Merkels Konkurrenz-Demokratie mit dem Virus der Export-Weltmeister zu infizieren: selig sind die Mitläufer, denn sie werden die Erde erhalten.

Hat jemand die Position Merkels entdeckt? Dann sollte er die Lösung ins Kanzleramt schicken, damit die Kanzlerin weiß, was sie auf dem nächsten Kirchentag sagen kann. Mit „ideologischen“ Fragen hat sie sich nie auseinandergesetzt. Wenn man das nüchterne Fach Physik studiert, hat man Besseres zu tun als sich mit dem „Alten“ abzugeben, das dem Neuen im Weg steht und abserviert werden muss. Ohnehin heißt es in linearen Erlösungsreligionen:

„Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.“

Erinnerung an die eigene Entwicklung war für den sokratischen Dialog ein Wesenselement der Wahrheitsfindung. Erinnerung an das Alte ist in Erlöserreligionen das Haupthindernis zur Neuerfindung ex nihilo. In der Taufe wird der alte Mensch ersäuft, um den neuen zu gebären. Aber nicht als eigene Leistung, sondern im passiven Empfang der Erleuchtung von Oben. Alles Irdische muss regelmäßig ausradiert werden, der Mensch ist nicht fähig, aus seinen Irrtümern zu lernen. Die Wahrheit empfängt er von Oben.

Das Gesetz der Vergangenheitsabschaffung, Voraussetzung zur Verhinderung der Selbsterkenntnis, ist zum ehernen Bestand der Moderne geworden. Für Medien gibt es nur den jeweiligen Tag, für Historiker nur eine Vergangenheit, die mit der Gegenwart nichts zu tun hat. Sollte die Menschheit wirklich überleben wollen, müsste sie nach hinten schauen, um zu bemerken, dass es kein vergangenes Hinten gibt. Alles, was nicht bearbeitet wurde, ist Vergangenheit im Modus der Gegenwart.

Ahnen wir, warum Merkel im Modus leerer Trivialitäten – schweigt? Dem Gebot: das Weib schweige in der Gemeinde, darf sie nicht untreu werden. Also hat sie die Sprache ihrer früheren Kindergottesdienste politisch eingefärbt. Sie wurde zum Liebling der Deutschen, weil sie eine wandelnde Madame Kompromiss ist. Und nicht einmal das stimmt. Um Kompromisse zu schließen, braucht man scharfe Ausgangspositionen, die man einschränken kann, um rivalisierenden Thesen entgegenzukommen.

Corona hat den Fortschrittsmythos der Moderne ad absurdum geführt. Die gesamte Menschheit ist bemüht, mit Überleben davonzukommen. Die Errungenschaften der Menschen- und Grundrechte werden gekappt: der mündige Stolz, sein Gesicht zu zeigen, die Welt kennenzulernen, gemeinsame Feste zu feiern, auf der Straße seine Meinung zu zeigen.

In Deutschland gibt es faschistoide Überschusshandlungen, die lange eingefroren waren und nun verbissene Urständ feiern. Staatsdiener übertreffen sich mit schikanösen Einschränkungen des Lebens unter dem Vorzeichen, anderen das Leben zu retten.

Basissätze der Demokratie werden über Nacht eingemottet. Der Mensch ist kein mündiges Wesen mehr, sondern ein Objekt, das man rund um die Uhr überwachen muss. Digitalisten lassen nichts unversucht, während der Grundrechtsbeschädigungen das Überwachungssystem auszubauen, damit China sich seiner Vorbildlichkeit erfreuen kann.

„Ein Bericht der Bürgerrechtsorganisation „Freedom House“ warnt: Die Pandemie werde in vielen Ländern missbraucht, um neue Instrumente zur digitalen Überwachung zu schaffen.“  (Sueddeutsche.de)

Fortschritt? Menschen dürfen ihr Gesicht nicht zeigen, sich nicht berühren, sich nicht nahe kommen. Vor kurzem gab es noch heftigen Streit um muslimische Gesichtsverhüllung. Die ist inzwischen auf die ganze Gesellschaft übergegangen.

Fortschritt? Pfleger, Schwestern und Ärzte, die man vor wenigen Wochen noch auf Balkonen beklatschte, dürfen mittlerweilen nicht mal streiken, um ihre bescheidene Entlöhnung zu verbessern.

Fortschritt? Demonstrationen werden behindert, Versammlungen und öffentliche Debatten abgesagt, familiäre Feiern eingeschränkt. Kinder dürfen nicht mehr spielen, Schulen werden geschlossen.

Fortschritt? Die offene Gesellschaft wurde zu einem Räderwerk verschlossener Leibniz‘scher Monaden. Bei Leibniz war es Gott, der die Monaden lenkte, heute sind es die Eliten, die schon immer den Wunsch hatten, den renitenten Plebs am Zügel zu führen.

Da gibt es erloschene Wissenschaftler, die sich vorstellen können, ganze Reviere zu schließen. Andere kündigen einen historischen Tag an, wenn die Mächtigen der Republik zusammensitzen, um Gefahren, die weniger gefährlich sind als die Klimagefahren, so zu händeln, wie man in Abwehr des Klimafeuers handeln sollte. Das schlechte Gewissen, hier zu versagen, führt zu Kompensationen minimalster Lebensqualitäten.

Es wird kommandiert, nicht an selbstbestimmte Bürger appelliert. Statt diese aufzuklären, ihnen Denkanstöße zu unterbreiten, werden sie kurzerhand mit dem Halsband an die Wand geknallt.

Für alle Dinge in der Welt gibt es – gottlob – NGOs, die sich engagieren. Probleme vor der eigenen Nase aber motivieren niemanden, seine „Followers“, Nachbarn und Freunde, zusammenzurufen, um die Frage zu beantworten: was können wir tun, um Gefahren abzuwenden? Niemand fühlt sich angesprochen, den Mächtigen ins Stammbuch zu schreiben: ihr liefert die Zahlen, sorgt für Aufklärungssendungen, den Rest überlasst ihr uns. Bislang habt ihr nicht den Beweis erbracht, dass ihr klüger seid. Wir werden alles daran setzen, euch in demokratischer Mündigkeit zu übertreffen.

Schweden wurde misstrauisch beäugt, weil der Staat nicht wie die preußische Kavallerie übers Land preschte. Ein Aufatmen ging durch die merkelisierten Medien, als die Todeszahlen die Keckheit der Schweden zu bestrafen schienen. Selbst wenn die Zahlen höher gewesen wären, wäre die Schlussfolgerung: Schweden seien leichtsinnig, unzulässig. Demokratien sind selbstlernende Systeme. Was sie jetzt nicht können, untersuchen sie, um beim nächsten Mal gewiefter zu sein. Voraussetzung dieser Herangehensweise ist die Überzeugung: der autonome Mensch ist vernünftiger als der von Oben reglementierte. Vernunft ist problemlösungs-fähiger als bloß gehorsam sein.

Diese Debatte wird nicht geführt. Würde sie geführt werden, könnte es zu Grundrechtsverletzungen überhaupt nicht kommen. Denn alles, was vernünftige Menschen sich gebieten, gebieten sie sich selbst. Obrigkeiten geben sie keine Chance, autoritär über sie herzufallen.

Der Zustand der öffentlichen Debatten ähnelt einem demokratischen Bankrott. Ruft die schweigsame Mutter ihre Länderrabauken zur „historischen“ Beratung: was geschieht? Sie verschwinden hinter dicken Mauern. Transparenz? Unerwünscht. Es ist, als ob die Präsidentschaftskandidaten in Amerika hinter geschlossenen Türen streiten würden. Ein Skandal.

Die Medien lungern vor den Türen, übertreffen sich mit Nachrichten durch Mauerritzen und sind auf Spekulationen angewiesen. Ein beschämendes Schauspiel. Ohnehin denken die Ministerien immer weniger daran, Anfragen der Medien zu beantworten. Die Demokratie schließt ihre Poren.

Warum gibt es bei diesen „Schicksalstreffen“ nur Naturwissenschaftler, die zwischen Wissenschaft und Politik nicht unterscheiden können? Warum gibt es in TV keine Kolloquien, in denen Experten mit „normalen“ Menschen den Stoff säuberlich durchdebattieren, ohne dass süffisante Moderatorinnen die Wahrheitssuche in eine Zirkusarena verwandeln?

Warum gibt es keine Rechtsgelehrten, die sofort sagen könnten, ob Vorschläge mit dem Grundgesetz vereinbar sind?

„Und wenn man die Todeszahlen geringhalten will, welchen Preis ist man dafür bereit zu zahlen, welche Einschränkungen erträgt man, gesamtgesellschaftlich? Und wie lange hält man das durch? Bei dem Gipfeltreffen spielten diese Fragen kaum eine Rolle. Es stimmt bedenklich, wenn als Experte lediglich ein Epidemiologe eingeladen wird, der als Hardliner bekannt ist. Wo sind die anderen Fachleute, wie Hygiene-, Kinder-, Klinikärzte, die Psychologen, die Pathologen? Wenn man die Bürger überzeugen und dazu bringen will, mitzuziehen, muss man anders mit ihnen reden: offener, direkter und emotionaler.“ (Berliner-Zeitung.de)

Warum werden die Coronagefahren traktiert, als wollte man, aus Angst vor dem Tod, die Menschen zum Nichtleben verurteilen? Warum wird in Coronagefahren mehr als alles getan, in viel gefährlicheren Fragen weniger als nichts? Warum wird der giftige Verkehr nicht reduziert, PS-Bomber nicht in Elektroroller umgetauscht?

„Wir haben jedes Jahr 700 000 Pneumonien“, berichtet er. „300 000 müssen ins Krankenhaus, davon sterben 40 000. Aber da gab es keine einzige Talksendung dazu in den letzten Jahren.“

Internationale Opfer des unbarmherzigen Konkurrenzsystems sind kaum einer Meldung wert.

„Die veranschlagten 14 Milliarden Dollar, die von der internationalen Gemeinschaft pro Jahr zusätzlich benötigt würden, um die Krise zu bewältigen, nannte Müller eine notwendige Investition. Jeden Tag stürben auf der Welt 15.000 Kinder an den Folgen des Hungers, sagte der Minister in einer emotionalen Botschaft. „Was könnte eine wichtigere Aufgabe sein, als diese Leben zu retten?““ (Berliner-Zeitung.de)

Antwort: Corona über alles, über alles in der Welt. Endlich haben wir ein Spielfeld, das nur wir bespielen dürfen. Ausländer raus! Flüchtlinge in Moria verkommen lassen. Wir sind selbst arme Schlucker.

Merkel schwant, dass ihre Mitläufermethode mit Segensgebärde vor dem Aus steht. Die Geheimhaltung ihrer civitas-dei-Rolle durch Überidentifikation mit der civitas-diaboli-Rolle haben fertig. Die Negierung der Klimafrage wird ihren Nachruf mit Millionen Toten zieren.

„Die Klimaziele der Bundesregierung sind einer Studie zufolge nicht mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf eineinhalb Grad Celsius vereinbar.“ (ZEIT.de)

Nicht gutes Leben ist das Ziel ihrer Politik, sondern eine Wirtschaft, die nach Profiten auf Kosten der Natur und der Vielzuvielen süchtig ist. Das war Merkels Heil. Corona zeigt der Kanzlerin, dass ihr Heil stirbt.

Und über Nacht schaltet sie auf Unheil um. Ihre Epoche ist vorbei, dafür sollen die undankbaren Untertanen büßen. Von ihren Nachfolgekandidaten hält die Menschenfreundin nichts. Woher weiß BILD ihre innersten Geheimnisse?

„Keinem der Kandidaten für den CDU-Vorsitz traut sie die erfolgreiche Fortführung der Kanzlerschaften der Union zu. Ja, da sind Spott und Anfeindungen aus den unterschiedlichsten Lagern. Dem begegnet sie seit geraumer Zeit schon mit nur vordergründig salopp vorgetragenem Fatalismus: Als Kanzlerin sei man halt schuld, „das ist meine Berufsbeschreibung“. Verdüstert ist Merkels Weltenblick seit Längerem. Sie hat eine 70-Jahre-Theorie: Die Lehren großer Katastrophen werden nach einem Menschenalter vergessen, wenn niemand mehr da ist, der aus eigenem Erleben berichten kann. Vom Augsburger Religionsfrieden (1555) zum 30-jährigen Krieg, von Napoleon bis 1870/71 und nun, 75 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, greifen Nationalismus und Populismus um sich. Merkel sieht uns zwischen zwei Katastrophen: „Mental da, wo man 1920 war.“ (BILD.de)

Woher die historischen Vergleiche, um mit deutschem Pessimismus ihren Abgang zu verdüstern? Mental sind wir da, wo man 1920 war? Geht’s noch? Haben wir vor zwei Jahren einen Weltkrieg verloren? Hatten wir eine Kaiser-Willem-Epoche oder eine Merkel-Ära? Wo spricht sie diese Perspektiven an, um eine mündige Gesellschaft zu warnen?

Sie nimmt ihren Abschied, wie sie durch die Zeiten gegangen ist: wortlos. Wie geht sie mit Kritik um? Verpanzert:

„Als Kanzlerin sei man halt schuld, „das ist meine Berufsbeschreibung“.“

Die Deutschen werden für ihre Madonnenverehrung büßen müssen. Nach ihr – die Sintflut.

Fortsetzung folgt.