Kategorien
Tagesmail

Alles hat keine Zeit XXV

Alles hat keine Zeit XXV,

schaut den Pantokrator, den Herrn der Welt, wie er darben und leiden muss an Corona, ans Kreuz genagelt wird von weltlicher Weisheit, die vor Gott eine Torheit ist, mit letzter Kraft seine Limousine besteigt, um sich in der via dolorosa seinen Getreuen zu zeigen: Seht, meine Wunden. Doch welch ein Wunder durch Gottes Fügung: Schaut die amerikanische via triumphalis, auf der der Herr wiederkehren wird.

Die Tragödie der männlichen Macht, die sich der Ohnmacht, ja dem Tod ergeben muss, um den Strahlenkranz der Allmacht zu erringen: keine Natur kann sie töten, keine irdische Gewalt sie hindern, den Thron des Unvergleichlichen zu besteigen.

Wer würde nicht weinen, wenn er einen Menschen so leiden sähe? Wer würde nicht frohlocken, wenn er ihn im Strahlenkranz auferstehen sähe?

„Wer ist der Mensch, der nicht weinen würde, wenn er die Mutter Christi in so großer Verzweiflung sieht?
Wer könnte nicht mittrauern, Christi Mutter zu erblicken, wie sie leidet mit dem Sohn?
Ach, Mutter, Quelle der Liebe, lass mich fühlen die Gewalt des Schmerzes, damit ich mit dir trauere.“ (Antonin Dvorak, Stabat Mater)

In der Frühzeit des Christentums entschied es sich, ob nach dem Fall der Weltreiche der Mann als Herrscher abtreten und den leidenden Frauen das Feld überlassen müsste – oder ob er seine Gewalt durch Ertragen des Leides vervollkommnen und das Weib endgültig in die zweite Reihe nötigen könnte.

Leiden und Gehorchen war des Weibes Pflicht gewesen. Antigone widerstand der Macht des … … überheblichen Mannes:

„Sterbe ich aber vor der Zeit, so nenne ich das sogar Gewinn. Denn wer in vielen Leiden lebt wie ich, wär‘ dem der Tod denn nicht Gewinn? So achte ich den Schmerz über dieses Los für nichts. Doch hätte ich es über mich gebracht, des eigenen Bruders Leichnam unbestattet zu lassen, das wäre Schmerz für mich. Das Schicksal aber, das mir droht, das schmerzt mich nicht. Und scheint mein Handeln dir jetzt Torheit, so wirft wohl nur ein Tor mir Torheit vor. Ich aber sage dir: Nicht zu hassen, zu lieben bin ich da.“

„Kreon:
Nun, wenn du lieben mußt, geh doch hinab und liebe jene drunten! Doch über mich, so lang ich lebe, herrscht kein Weib.“ (Sophokles)

Wer als Frau dem Gesetz des männlichen Hasses und der Gewalt widerstehen will, darf den Tod nicht scheuen. Sie muss hinabgehen, um drunten zu lieben. Kein Mann, der auf sich hält, wird sich der Macht weiblicher Ohnmacht beugen.

Jesus wollte beides zugleich, er wollte liebender sein als Antigone und mächtiger als König Kreon. Antigone, die erwachende Frau, wollte er besiegen, indem er nach drunten ging, Leid und Tod nicht verschmähte, um machtlose Liebe und lieblose Macht zu versöhnen und in Glanz und Gloria aufzuerstehen.

Ein echter Mann sollte die List einer Frau, – die sich mit dem Tode verbündete, um die Männerherrschaft zu besiegen – nicht überlisten können? MANN ist so stark, dass seine Ohnmacht stärker ist als die machtlose Liebe der Frau – was der Pantokrator beweisen wollte: durch Kreuz zur Krone.

Das heidnische Weib hatte begonnen, wider den phallischen Stachel des Mannes zu löcken. Moderne Feministinnen haben Probleme, die urwüchsig widerständige Kraft der antiken Frau anzuerkennen.

Äußerlich waren sie recht- und bedeutungslos. Doch des Sokrates Motto: Unrecht erleiden ist besser als Unrecht tun, wäre ohne Antigone nicht möglich gewesen. Seine Mäeutik, Hebammenkunst, hätte ohne seine Mutter, die Hebamme, nie das Licht der Welt erblickt. Seine Philosophie wäre ohne Diotima nicht entstanden.

Die Namen Diotima, Antigone und Sokrates sucht man in Simone de Beauvoirs Buch „Das andere Geschlecht“ vergeblich. Zwar heißt es bei ihr: „In einer Aspasia, einer Phryne, einer Lais bekundet sich die Überlegenheit der emanzipierten Frau über die ehrsamen Familienmütter.“ Dann aber folgt der Nachsatz „Abgesehen von solchen glänzenden Ausnahmen befindet sich die griechische Frau in halber Sklaverei; sie hat nicht mal die Freiheit, sich zu entrüsten. Höchstens Aspasia und etwas leidenschaftlicher Sappho lassen Proteste ergehen.“

Die Bilanz de Beauvoirs scheint trostlos:

„Die gesamte Geschichte der Frauen ist von den Männern gemacht worden. Wir haben gesehen, aus welchen Gründen die Männer ursprünglich zugleich mit der physischen Kraft geistigen Vorrang besaßen; diese haben die Werte, die Sitten, die Religionen geschaffen; niemals haben die Frauen ihnen diese Vormacht streitig gemacht. Die Frauenbewegung ist niemals etwas Autonomes gewesen. Niemals haben die Frauen eine Kaste für sich gebildet, und tatsächlich haben sie niemals in ihrer Eigenschaft als Frauen eine Rolle in der Weltgeschichte zu spielen versucht.“

Doch, in Hellas haben die Frauen den Männern die Vormacht streitig gemacht – bis das Christentum die Bühne betrat. Es schien den Frauen Hoffnungen zu machen. Der Schein trog.

Hat sich seit jenen Tagen Wesentliches verändert? Der Kern aller Empörungen rund um den Erdball sind Frauen und Jugendliche. Nur diese beiden Populationen werden es schaffen, den Mann von seinem Thron zu stoßen. Das Entscheidende steht noch bevor. Noch fürchtet sich die Frau, den Mann an seiner verwundbarsten Stelle zu packen und davonzujagen: an seinem Gemächte, der angemaßten Macht seiner Arroganz.

Die Reiche der Männer versanken. Was war mit dem Urchristentum, das wie eine Verheißung erschien, alle Mühseligen und Beladenen zu befreien?

„Es sind ja gerade die kleinen Leute, die Sklaven und Frauen, die sich am leidenschaftlichsten der neuen Lehre verschreiben.“ (Beauvoir)

Hatte das objektive Gründe? Was versprachen sich die Frauen von dem neuen Erlöser, der die Menschheit retten wollte?

Sie hörten von ihm ihre eigenen Signale als Verführungsinstrumente: selig sind die Friedfertigen, selig sind die Sanftmütigen, selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen. Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn wird groß sein in den Himmeln.

War das nicht die Botschaft, die Männerherrschaft mit Friedlosigkeit und Brutalität werde ein Ende haben?

De Beauvoir hatte einen anderen Eindruck:

„Die christliche Ideologie hat nicht wenig zur Unterdrückung der Frau beigetragen. In einer Religion, in der ein Fluch auf dem Fleische ruht, erscheint die Frau als die furchtbarste Versuchung des Bösen. „Weib, du bist die Pforte zur Hölle. Deinetwegen hat Gottes Sohn sterben müssen, in Trauer und Lumpen solltest du einhergehen.“ (Tertullian)

 „Unter allen wilden Tieren findet sich keines, das schädlicher ist als das Weib.“ (Chrysostomus)

„Legen wir die Hand an die Axt und hauen wir an seinen Wurzeln den unfruchtbaren Baum der Ehe ab.“ (Hieronymus)

Wilde Tiere, unfruchtbare Bäume werden zu Symbolen des Weiblichen. Wer die Frau bekämpfen will, kann ersatzweise Tiere jagen und Bäume fällen. Wer Natur bekämpft, will insgeheim die Frau eliminieren. Der moderne, kreative, risikofreudige Mann braucht weder Frau noch vom Weibe geborene Kinder. Was er braucht, erschafft er selbst mit KI und sexuellen Robotern. Die haben viele Vorteile, sind keine Bedenkenträger, zeigen keine erhobenen Zeigefinger und leiden selten unter Depressionen.

Ist es Zufall, dass ausgerechnet eine nigerianische Frau mit einfachsten Mitteln Bäume zum Blühen und Wachsen bringen kann?

„Sakina Mati und andere Bäuerinnen haben in Niger seit vielen Jahren bewiesen, wie sie mit einfachsten Methoden den Wald zurückholen können, der zerstört wurde. Trotzdem scheint die Welt nicht auf sie hören zu wollen. Auf etwa sechs Millionen Hektar wachsen plötzlich wieder Bäume in der Wüste von Niger. Wenn die Bäumchen wachsen und gedeihen, kommt Sakina Mati mit einem kleinen Messer oder einer Schere und schneidet die Triebe ab, sodass alle Kraft aus der Wurzel in den Stamm fließt, dass also kein Busch daraus wird, sondern ein Baum. Die Methode, die Mati und Tausende andere Bauern in Niger seit Jahren erfolgreich praktizieren, wurde schon als kopernikanische Wende beschrieben. Sakina Mati hat 150 Bäume großgezogen, aber noch nie einen Setzling gepflanzt. Sie hat sich einfach nur um die Triebe gekümmert, die aus einem verborgenen unterirdischen Netzwerk von Wurzeln durch die Erde kamen. „Mit genug Bäumen retten wir das Klima auf der ganzen Welt.“ (Sueddeutsche.de)

Eine weltrettende Maßnahme – und wir erfahren nichts davon. Werden unsere Schulen den Kindern von dieser Methode erzählen? Werden Kinder die Möglichkeit erhalten, ihre Bäumchen zu retten, um ihre Zukunft lebensfähiger zu machen?

Es war nicht das Christentum allein, das die Familie zerschnitt und den Einzelnen in den Mittelpunkt stellte. Als Gotama sich aufmachte, um in die Heimatlosigkeit zu ziehen und Buddha zu werden, hatte sich seine junge Gattin mit Söhnchen im Arme vor die Türschwelle gelegt. Gotama stieß sie mit dem Fuße weg: „Aus dem Weg, du Elende! Hindere mich nicht an meinem Heil!“

Das generelle Prinzip war das weibliche, das Selektionsprinzip das männliche.

„So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“

„Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert.“

Das jesuanische Schwert geht mitten durch die engsten Beziehungen. Als ein Mann bittet, erst noch seinen Vater begraben zu dürfen, bevor er dem Nazarener folgt, hört er: „Folge mir und lass die Toten ihre Toten begraben.“

Seine Mutter fährt er an; „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder?“

Rüstow erklärt, wie diese Stellen heute theologisch korrekt ausgelegt werden:

„Solche Aussprüche werden idealisiert, beschönigt, verharmlost und dadurch ihrer Befremdlichkeit und ihres historischen Charakters entkleidet.“ (Ortsbestimmung der Gegenwart III)

Er zitiert den heiligen Hieronymus, der viel Ähnlichkeit mit Buddhas Äußerung aufweist: „Wenn dein Vater sich über die Schwelle geworfen hätte, wenn deine Mutter mit entblößtem Busen dir die Brüste zeigte, an denen sie dich nährte, wenn ein kleines Kind an deinem Halse hinge – tritt mit Füßen über deine Mutter! Und trockenen Auges enteile zum Panier des Kreuzes! Das ist die höchste Art der Barmherzigkeit, in diesem Falle um Christi willen grausam zu sein.“

Um Christi willen grausam zu sein, das war die Vorwegnahme des verbrecherischen Messianismus der Deutschen.

Der Calvinismus kennt das Gefühl einer „unerhörten inneren Vereinsamung des einzelnen Individuums.“ In ewiger Seligkeit war der Mensch gezwungen, seine Straße einsam zu ziehen. Niemand konnte ihm helfen.

Das moderne Amerika ist der schreiende Zwiespalt zwischen offener Freundlichkeit des Augenblicks und der Unnahbarkeit echter Beziehungen.

So verhält sich Bunyans Pilgrim: „Weib und Kind hängen sich an ihn – aber querfeldein, die Finger in den Ohren, mit dem Ruf: „Leben, ewiges Leben!“ stürzt er fort.

Ist das nicht haargenau die heutige Straßensituation mit Menschen, die vollverkabelt nichts sehen und nichts hören? Wie viele Zeitgenossen gibt es, die dich entgeistert anschauen, wenn du die Dreistigkeit aufbringst, sie anzusprechen?

Ein Lutheraner des 17. Jahrhunderts schreibt: „Wenn es sich um geistliche und ewige Güter handelt, muss ein Christ sich selber mehr lieben als seinen Nächsten und seine eigene Glückseligkeit um so ernstlicher wünschen als die andrer.“

Und Andreas Gryphius, ein frommer Dichter:

„Hier scheidet Freund und Freund auf ewig, Weib und Mann,
Den stößt der Richter hin, und jenen nimmt er an.“

„Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor.“ (Novalis)

Das trifft die gegenwärtige Allergie gegen alles Gemeinschaftliche und Moralische auf den Punkt. Je verrückter und sozial abweisender ein Vorschlag, je willkommener ist er. Das Asoziale, Gespaltene und Vereinzelte ist Geist der Gegenwart.

Das Wesen der Erlösungsreligionen ist „Abwertung und Auflösung natürlicher Beziehungen, Vereinzelung und Abbruch sozialer Beziehungen.“ „Die erzwungene Einsamkeit steigert die Erlösungsbedürftigkeit und schaltet alle Empathien aus.“

Kapitalistische Familienzertrümmerung ist calvinistischer Menschenhass, übersetzt in Aufstiegs- und Geldverhältnisse.

Nicht nur das Christentum attackiert alle emotionalen Bande. „Die babylonische Chubur-, die persische Tschinvat-Brücke, die „Brücke des Richters“ im Islam, haben alle den Zweck, die zu richtenden Menschen nur je „einzeln“ durchzulassen und völlig zu isolieren. Der persische Jenseitsglaube, auf den mittelbar der christliche zurückgeht, betont mit schneidender Schärfe, dass vor dem Jenseitsrichter jeder allein auf sich selber gestellt ist, einsam und völlig losgelöst von allen natürlichen Beziehungen.

Auch bei Platon, dem Vorbereiter des Christentums, muss sich der Tote dem Jenseitsgericht stellen: „einsam verlassen von allen Verwandten.“ Da dürfen wir uns über Hobbes nicht wundern: „Das menschliche Leben ist einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz.“

Jesus, Erlöser aller Menschen, zerschlägt, was er zerschlagen kann:

„Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett liegen; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben werden. Zwei Frauen werden miteinander Korn mahlen; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben werden. Und sie antworteten und sprachen zu ihm: Herr, wo? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.“

Die Menschheit ist Aas, die Geier des Himmels fallen darüber her.

Noch die entsprechende Sure, damit sich niemand Illusionen machen kann über den menschheitsspaltenden Charakter der Erlöser, der nahtlos in den Neoliberalismus übergegangen ist:

„Und wenn das Dröhnen gehört wird, an jenem Tage flieht der Mann von seinem Bruder und seiner Mutter und seinem Vater und seiner Genossin und seinen Kindern: Jeder Mann hat an jenem Tage genug mit sich selbst zu tun.“

Den Kontrast sehen wir in den Naturreligionen. Als ein Indianerhäuptling sich taufen lassen wollte, erkundigte er sich zuvor, ob er im Himmel seine Vorfahren und Stammesgenossen antreffen würde. Als der Missionar verneinte, da jene in der Hölle wären, meinte er, gelassen zurücktretend, dann wolle er lieber in der Hölle schmoren als ohne seine Lieben in den Himmel kommen.

Merkwürdig, dass Männer seit Erfindung ihrer Hochkulturen nur ihr eigenes Heil im Sinn haben. Familiäre und soziale Beziehungen sind nützlich für den irdischen Vorlauf. Wenn‘s ernst wird, muss geschieden sein.

Natur und Corona bringen es an den Tag: der moderne Mann muss den Anderen als Gefahr fürchten. Die Jugend, wütend gegen die Klimapassivität der Mächtigen, wirft trotzig die Masken weg, um gegen das asoziale Treiben der Verantwortlichen zu protestieren.

Das ist moderner Individualismus, Widerpart des antiken Individualismus, der sich als streitig-sozialer Teil der Gemeinschaft fühlte: als politicon zoon.

Vereinzelt im Aufstieg; der Tüchtige schafft‘s, die Loser bleiben im Dreck. Vereinzelt in allgegenwärtigen Tests der Schulen und Betriebe; Stars schwirren nach Oben, Dummköpfe werden in grässlichen Wohnanlagen gestapelt. Die omnipräsente Testmanie quer durch die Gesellschaft sorgt für Selektionstradition von Buddha über Zarathustra, Jesus und Mohammed bis Hayek, Merkel und Corona.

Seit der Selektivität der Männerkulturen muss sich das Gefühl breit gemacht haben: die schrumpfende Welt wird zu klein für die Vielzuvielen. Wir müssen aussortieren.

Der gute Hirte erlöst nicht die ganze Herde, sondern sucht das eine, kostbare Schaf; der unheilige Rest darf krepieren.

Der Erlöser ist ein Trennungsexperte.

„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.“

„Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben werden. Auch wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt. Entweder: Der Baum ist gut – dann sind auch seine Früchte gut. Oder: Der Baum ist schlecht – dann sind auch seine Früchte schlecht.“

„Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen.“

„Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.“

„Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre.“

Undsoweiter.

Um alle Menschen anzusprechen, schnürte der Erlöser ein Gesamtpaket der Verheißung: für die Schwachen und die Starken. Die Schwachen, Frauen und Sklaven sollten angesprochen werden durch die ohnmächtigen Leiden des Herrn, die Starken durch die finale Allmacht des Erhöhten. Der Duldende warb um die Sanften, der unerbittliche, zur rechten Hand Gottes sitzende Richter sollte die selbstherrlichen Männer anlocken. Wie hätten die Frauen, die den Leichnam Jesu bargen, sich den furchterregenden Rächer am Ende der Geschichte vorstellen können?

„Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da auch das Tier und der falsche Prophet war; und sie werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die darin waren, und der Tod und die Hölle gaben die Toten, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken. Und der Tod und die Hölle wurden geworfen in den feurigen Pfuhl, das ist der andere Tod. Und so jemand nicht ward gefunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.“

Mit dem Christentum geht’s äußerlich bergab. Doch schon arbeiten ihre geistbegabten Kommunikationsgenies daran, das Image der Botschaft dem Zeitgeist anzupassen, ja, ihn moralisch zu überholen.

„Der Papst aus Argentinien geht nun weiter, über die Grenzen der christlichen Religion hinaus. Er beschreibt die Reise des Franz von Assisi 1219 zum Sultan Malik-al-Kamil als Beispiel einer universalen Liebe, die alle Kreuzzugslogik überwindet. Die Botschaft: Wer „Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft“, so der Untertitel der Enzyklika, pflegen will, muss sich dem Fremden aussetzen und dem Risiko. Der Papst entwirft eine Vision: Die große Menschenfamilie, die niemanden vom Menschsein ausschließt, muss kein Traum fürs Jenseits bleiben.“ (Sueddeutsche.de)

Bislang war das christliche Credo das Nonplusultra aller Dinge. Jetzt erfindet es sich neu und überholt sich selbst. Oh Wunder: aus einer der brutalsten Selektionsmaschinen der Weltgeschichte wird das Gegenteil, eine universelle Liebesmaschine. Wie in den Gründerzeiten der Frohen Botschaft ergeht heute die Einladung – scheinbar – an alle. Haben die Kirchen Selektion und Hölle abgeschafft?

„Die Lehre der katholischen Kirche besagt, dass es eine Hölle gibt und diese ewig dauert. Die katholische Kirche versteht den Begriff Hölle als den selbstverschuldeten endgültigen Ausschluss eines Menschen aus der Gemeinschaft mit Gott, also die Erfahrung letzter Sinnlosigkeit. Strikte Richtungen des Calvinismus in der Tradition von Augustinus von Hippo lehren, dass Gott in völlig freier und unerforschlicher Entscheidung nur einige Menschen zum Himmel und die anderen zur Hölle vorherbestimme (Prädestinationslehre). Die schicksalhafte Belastung der Menschen mit der Erbsünde schließe den freien Willen aus.“ (Wiki)

War der Sohn Gottes wirklich identisch mit seinem Vater? Der Doketismus bezweifelt die Fähigkeit Gottes, mit dem sündigen Fleisch eins zu werden:

„Der Doketismus ist eine Lehre, der die Auffassung zugrunde liegt, dass die Materie niedrig und böse sei, und die Christus nur einen Scheinleib zuerkennt. So sei Jesus aus doketischer Sicht Gott geblieben, weil seine physische Existenz sein Wesen nicht berührt habe, er also nur zum Schein gelitten habe und gestorben sei.“

Im berühmten Streit zwischen Athanasius und Arius gewann der erste, weil er den Sohn zur allmächtigen Identität mit Gott erhob. Damit hatte sich der Erlöser zum omnipotenten Herrscher über Natur, Weib und Kind erklärt. Die Werbung um die Frauen entpuppte sich als Verheißungslüge.

Der vom Leiden genesene Erlöser wurde im Mittelalter als Herr des Universums mit der Mandorla abgebildet, dem Vagina-Symbol der weiblichen Gloriole – jenem Symbol, mit dem die lutherische Kanzlerin sich zu erkennen gibt. Damals herrschte die Hoffnung, dass der Auferstandene sich mit dem weiblichen Symbol vermählen würde – um ein wahrer Mensch zu werden. Die Hoffnung trog, der Pantokrator obsiegte über den Leidensgeprüften.

Heute wiederholt sich die uralte Heilslüge: Frauen werden in den Kapitalismus gelockt, um sich zu emanzipieren. Zuvor aber sollen sie sich nach Männerart atomisieren, sich von ihren Kindern lösen und deren Erziehung Mietlingen überlassen. Was daraus wird, beschreibt der folgende Bericht in lügenfreier Version:

„Ich bin die Lügen leid, die Selbstverständlichkeit, mit der wir Eltern unsere Kinder morgens in der Kita abgeben und dann so tun, als wäre es okay, wenn die Kleinen weinen, sich festkrallen an Mama oder Papa und uns hinterherschluchzen. Es bricht einem das Herz, sein Kind so zu sehen. Nur wenn das Kind in die Kita kommt, hört das Fragen plötzlich auf. Da möchte man nichts hören von Personalmangel und davon, dass die Erzieher, denen man sein Kind anvertraut, womöglich überlastet, gefrustet oder inkompetent sind.“ (ZEIT.de)

Was ist das Ergebnis der erneuten frommen Lügenpropaganda? Frauen sollten sich emanzipiert vorkommen, tun es aber nicht. Die „Loslösung“ wird nicht den Kindern überlassen. Mit männlicher Brutalität, – die plötzlich weiblich sein soll – werden sie zu Einzelkämpfern gezwungen.

Fazit: der Kapitalismus wurde nicht verweiblicht und humanisiert, Frauen spielen keine Rolle in den führenden Männercliquen. Kinder müssen mit seelischen Narben heranwachsen.

Warum haben Frauen Hemmungen, die Männerherrschaft aus den Angeln zu heben? Weil sie den starken Mann noch immer als leidendes Opfer am Kreuz wahrnehmen. Dort hängt ihr Sohn, den sie betrauern müssen.

Welche Frau wäre fähig, hinter dem harten Mann ihren verletzlichen Sohn zu übersehen, für dessen Verfehlungen sie die Verantwortung der Mutter übernehmen muss?

Neue Frauen sind im Vormarsch. Den allmächtigen Männern werden sie die Masken abreißen, um die Enttarnten in Quarantäne zu schicken. Wenn Kreon Mensch geworden ist, kann er sich bei Antigone melden.

Fortsetzung folgt.